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Full text of "Phönizische Studien"

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UNIVERS1TY OL TORONTO LIBRARY 

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CANADA COUNCIL SPECIAL GRANT 



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LINGUISTICS 



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Phönizische Studien 



Von 



Dr. M. Ä. Levy. 



Zweites Heft. 

I. Herr Professor Ewald nochmals als Punier gewürdigt. 

IL Backsteine, Gemmen und Siegel aus Mesopotamien mit phönizischer 

(altsemitischer) Schrift. 

III. Erklärung sämmtlicher neuphönizischer Inschriften. 




Breslau, 

V er lag von F. E. C. Leuekart 

Konstantin Sander). 

1857. 



^ 



y\^vt 4 sc 




Vorwort. 



Die freundliche Aufnahme, welche das erste Heft un- 
serer phönizischen Studien gefunden,*) und die unge- 
schwächte Liebe zu diesem Gegenstande haben uns den 
Muth gegeben das zweite Heft baldigst nachfolgen zu 
lassen. Sehr erfreulich war uns in der Zeitbestimmung 
der grossen sidonischen Inschrift mit namhaften Ge- 
lehrten, wie Quatrmere und dem verewigten Movers 
und in dem Prinzip der semitischen Schriftbildung mit 
Herrn Prof. H. Wuttke, der auf einem ganz andern 
Wege ebenfalls zu dem Resultate gelangt ist, dass un- 
ser Alphabet seine Entstehung, nicht wie man gewöhn- 
lich angenommen, den ägyptischen Hieroglyphen ver 
dankt (vgl. Zeitschr. d. D. M. G. XI, S. 75 %), zu- 
sammenzutreffen . 

In der unten folgenden zweiten Abhandlung haben 
wir diese unsere Ansicht über semitische Schriftbildung, 
die wir früher nur fragmentarisch darzulegen vermocht 
haben, einen Schritt näher dem Ziele zu bringen ver- 
sucht, indem wir, soweit uns das Material zu Gebote 
stand, die ältesten Denkmäler mit Inschriften altsemi- 
tischer Zeichen vorgelegt, um mit ihrer Hülfe weitere 
Schlüsse über das Prinzip und das Vaterland unserer 
Schrift zu ziehen, deren ausführliche Begründung das 
dritte Heft bringen wird. 

Die dritte Abhandlung „Erklärung neuphönizischer 
Inschriften" giebt das bis jetzt vorhandene Material 
möglichst vollständig, um einen Einblick in die jüngste 
Gestaltung der phönizischen Schrift und Sprache zu 



*) Die Ausnahme, die uns bekannt geworden, findet ihre Würdigung 
durch die unten folgende erste Abhandlung. 



IV 

gewähren. Die meisten dieser Denkmäler hat uns der 
Norden Afrika's geboten, und da neuere ethnographi- 
sche Studien diesen früher so unbekannten Welttheil 
uns zu erschliessen beginnen und diejenigen Völker, 
welche einen so überwiegenden Einfluss dort geübt 
haben, wie z. B. die Libyer nach ihrer Abstammung, 
ihrer Sprache und ihrem Götterwesen gründlichen Un- 
tersuchungen unterworfen werden: so sind gewiss un- 
sere neuphönizischen Inschriften nicht zu übersehen, 
da auch sie manchen schätzbaren Beitrag zur Aufhel- 
lung jener schwierigen Punkte bieten können, ja selbst 
für römische Alterthümer nicht ohne Nutzen sind. Dies 
Alles konnten wir in unserer Abhandlung als uns fer- 
ner liegend nur berühren, wenn auch nicht ganz über- 
gehen, während, wie gesagt, unser Hauptzweck war: 
durch die möglichst gesicherte Lesung und Erklärung 
ein gründlicheres Urtheil über die Entwickelung der 
phönizischen Schrift und Sprache zu gewinnen. Dass 
es bei einem so schwierigen Gegenstande, der noch 
so wenige Bearbeiter gefunden und der nur auf ein 
verhältnissmässig geringes monumentales Material sich 
stützt, nicht an Vermuthungen gefehlt hat, wird man 
leicht erwarten, und wir wären gewiss spätem Bear- 
beitern höchst dankbar, wenn sie an deren Stelle 
Sicheres und besser Begründetes bieten sollten. Ist 
doch das Streben nach Wahrheit dem Forscher auf 
diesem Gebiete schon Lohn genug, wo die volle 
Wahrheit nicht leicht erreichbar ist. Und in der Hoff- 
nung, dass man dies Streben bei uns nicht vermissen 
möchte, übergeben wir diese Blätter und werden jeder 
Belehrung ein offenes Ohr und dankbares Herz ent- 
gegen bringen. 

Breslau, den 1. September 1857. 



Der Verfasser. 



I. 



Herr Professor Ewald in Göttingen nochmals als 
Punier gewürdigt. 

Jlerr Professor Ewald hat bereits eine kleine Bibliothek 
von Gegenschriften *) gegen seine allen Anstand tiberschrei- 
tenden Beurtheilungen theologischer und sprachwissenschaft- 
licher Schriften (letztere im weitesten Umfang des Wortes 
semitische, indogermanische, ja afrikanische Sprachen um- 
fassend), wozu er seine „Jahrbücher der biblischen Wissen- 
schaft," die Vorreden seiner zahlreichen Schriften und leider 
auch die „göttingischen gelehrten Anzeigen" benutzt, hervor- 
gerufen. Da indessen alle freundlichen und derben Zurecht- 
weisungen fruchtlos geblieben waren, so scheint man in 
neuerer Zeit im Allgemeinen 2 ) ein anderes Verfahren gegen 



*) Die umfangreichsten und bedeutendsten unter diesen sind: Exege- 
tisches Vademecum für Herrn Prof. Ewald, ausgestellt von 
Dr. A. Knobel, Giessen 1844, und eine Kritik und Antikritik, als 
Streitschrift wider Herrn Heinrich Ewald von Joh. von Gum- 
pach, Heidelberg 1853. 

2 ) Ausnahmen, die uns bekannt wurden, sind: eine Stelle in der 
Vorrede von Hupfeld's vortrefflichem Commentar zu den Psalmen (Gotha 
1855) p. XIX. fg. und ein Aufsatz der „G renzb oten" 1856, S. 508 fg., über- 
schrieben „Ewald und Vilmar." Auf Hupfeld's Arbeiten hat Herr Ewald 
dagegen weidlich in seinen Jahrbüchern von 1856 und 1857 geschimpft, 
ja sogar einen Recensenten, der Hupfeld's Psalmen in den Studien und 
Kritiken rühmlichst beurtheilt hatte, sehr hart angelassen. Der Kritiker 
verstehe, meint Ewald, vom Hebräischen so gut wie Nichts und Hupfeld 

1 



ihn eingeschlagen zu haben : man ignorirt ihn gänzlich, weil 
er, um mit Hupfeld zu reden, sich längst das traurige Privi- 
legium sittlicher Unzurechnungsfähigkeit erworben 
hat. Mag immerhin auf theologischem Gebiete dies Ver- 
fahren das Zweckmässigste sein, weil Herr Ewald, im Besitze 
untrüglichster Wahrheit, bei seinen Gegnern nur „Atheismus, 
Papismus, protestantischen Jesuitismus, rabbinische Spitzfin- 
digkeit, Vorurtheil, Unwissenheit und Verblendung" sehend, 
schwerlich anderen Sinnes zu machen ist. Zudem ist das 
urtheilsfähige Publikum zahlreich genug, um seine Verkehrt- 
heiten in rechtem Lichte zu sehen. Anders ist es auf sprach - 



selbst zeige seine grosse Unfähigkeit, auch nur geringe Schwierigkeiten 
in der hebräischen Sprache und im Psalter richtig zu lösen (Jahrb. 1857 
S. 272 Anm. 1.) — Gegen den Verfasser des Aufsatzes in den Grenzboten 
ist er auf's Höchste aufgebracht, und wir können uns nicht enthalten eine 
Stelle seiner Antikritik hier wörtlich mitzutheilen, um den Lesern ein Bild 
sittlicher Verirrung zu zeigen. „Einen spitzbübischeren Aufsatz (heisst 
es a. a. 0. S. 271) als den, welchen die Grenzboten im September 1856 
unter der Aufschrift „Ewald und Vilmar" brachten, kann man sich in der 
That nicht denken. Zwischen Vilmar, dessen von Albernheit und Un- 
wissenheit strotzendes theologisches Schriftchen höchstens den Harlessen 
und Hengstenbergen oder den Hassenpflugen und Junkern gefällt, und 
mir ist auch nicht die geringste Aehnlichkeit, wie jeder auch nur ein klein 
wenig sach- und fachverständige Mann weiss; auch wissen dies Vilmar 
selbst und dessen Geistesbriider sicher so vollkommen klar, dass ihnen 
wohl kein grösseres Wunder oder auch kein besserer Gefallen geschehen 
konnte, als indem dieser Grenzbotenschreiber mich mit ihm zusammen- 
stellte. Dieser namenlose Schreiber ist aber allen Zeichen nach aus der 
Rotte der Tübingischen Atheisten: und weil diese Leute wohl schwerlich 
von irgend Einem, so wie von mir seit 1848 und (in etwas anderer Art) 
schon früher in die Enge getrieben worden sind und auch in dem vorigen 
Jahrbuche (von dem jener Atheist ausgeht) wiederum stark genug sich 
getroffen fühlen mussten, so fällt ihm der Kniff und Pfiff ein es auch 
einmal so gegen mich zu versuchen, die Welt mit der Entdeckung zu 
überraschen, dass Vilmar, von dessen theologischen Narrheiten eben die 
Zeitungen voll waren, und ich Leute eines Schlages seien, und bei der 
Gelegenheit die schändlichsten Lügen und Verläumdungen gegen mich zu 
veröffentlichen 1 ' u. s. w. Gegen letzteren Vergleich zu protestiren mag Herr 
Ewald nicht so ganz Unrecht haben, wenn man sich an den Schluss des 
Goethe'schen Gedichts „die Originalen" erinnert. 



wissenschaftlichem Gebiete. Hier hat Herr Ewald sich 
nicht unbedeutende Verdienste um die hebräische Grammatik 
erworben und sein Urtheil ist früher nicht ohne Geltung ge- 
wesen. Dies hat ihn denn auch ermuthigt sich auf ein Feld 
zu wagen, das so nahe an das Hebräische grenzt, wir meinen 
auf das der phönizischen Wissenschaft, der aber seine Kräfte 
durchaus nicht gewachsen sind. Da nun die Theilnahme für 
diesen Wissenszweig zur Zeit noch so gering und die Zahl 
urteilsfähiger Männer auf diesem Gebiete noch geringer ist, 
so könnte man leicht den Ansichten Ewald's hier Glauben 
schenken, zumal sie mit solcher Bestimmtheit und untrügli- 
cher Gewissheit vorgetragen werden, dass man entgegenge- 
setzten Ansichten leicht misstrauen dürfte. Da ist es denn 
an der Zeit und Pflicht gegen die Wissenschaft sein Treiben 
zu beleuchten und der Wahrheit die Ehre zu geben. 

Schon vor mehr als einem Decennium (im Jahre 1843) 
hat Herr Director Dr. Wex in Schwerin eine Schrift veröf- 
fentlicht „Herr Professor Ewald als Punier gewür- 
digt," worin er (vgl. S. 8 fg.) Herrn Ewald's mangelhafte 
Kenntniss des Lateinischen, resp. des Plautus, und seine Un- 
fähigkeit das Phönizische zu verstehen und zu bearbeiten 
darzuthun sich veranlasst sieht. — Die Sache hat sich seitdem 
nicht sehr geändert, ja in mancher Hinsicht sogar verschlim- 
mert. Man kann gerne die Behandlung der hebräischen 
Grammatik durch Herrn Ewald als einen Fortschritt bezeich- 
nen, ohne ihm auch die Fähigkeit das Phönizische mit Glück 
zu bearbeiten einzuräumen. Nicht jeder Grammatiker ist ein 
guter Epigraphist; nicht Jeder, der mit Hilfe eines Wörter- 
buches einen Autor zu lesen vermag, ist im Stande Inschrif- 
ten leicht zu verstehen. Dazu gehört grosse Ausdauer und 
vor Allem muss man sich in die Sprache derselben, zumal 
wenn diese eine todte ist, der Art hineingelebt haben, dass sie 
zur zweiten Muttersprache geworden ist. *) Beide Eigen- 



*) Sehr richtig sagt daher Herr Director Frankel in einer Recension 
der Ewald'schen Erklärung der grossen sidonischen Inschrift (Monatsschrift 
für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums 1856, S. 455): „Wie wenig' 

1* 



Schäften gehen Herrn Ewald ganz und gar ab. Seine Viel- 
schreiberei in neuerer Zeit verhindert ihn sich einem Gegen- 
stand, der, wie das Phönizische, noch so viele Schwierig- 
keiten bietet, ganz zu widmen, und massloser Dünkel, die 
Ansichten Anderer zu würdigen und die seinigen zu berich- 
tigen; hingegen hat ein gewisser Eigensinn bei ihm Platz 
gegriffen, jede Grille, die er einmal als Wahrheit ausgegeben, 
auch für alle Zeit den klarsten Gegenbeweisen gegenüber 
festzuhalten und zu vertheidigen. Nichts weiter als eine 
solche Grille ist seine Ansicht von der phönizischen Sprache 
überhaupt und ihrem Verhältniss zu den andern semitischen 
Sprachen, besonders zum Hebräischen. Schon 1842 hat Herr 
Ewald in einem Aufsatze „über das Phönikische der Inschrif- 
ten und des Plautus" (in dem 4. Bande der Zeitschrift für 
die Kunde des Morgenlandes) gegen die völlige Gleichheit 
des Phönizischen und des Hebräischen protestirt und be- 
hauptet, dass ein bedeutender Unterschied zwischen beiden 
bestehe. Diese in solcher Allgemeinheit hingestellte Behaup- 
tung ist selbst von Gesenius und anderen Bearbeitern des 
Phönizischen nie geleugnet und von Herrn Director Wex 
(a. a. 0.) an zahlreichen Stellen aus Gesenius' Werken 
schlagend nachgewiesen worden. Was aber Ewald mit der 
besonderen Eigenthümlichkeit des Phönizischen 
dem Hebräischen gegenüber eigentlich meine, hat er stets 
trotz seines grossen Wortschwalls und Phrasenreichthums in 
einem gewissen Dämmerlichte gelassen. Denn dass der lexi- 
kalische Gehalt des Phönizischen durch die welthistorische 
Stellung und geographische Lage der Phönizier und durch 



sich übrigens Ewald in die hebräische Sprache eingelebt und wie ihm die 
natürliche Bekanntschaft, die nicht durch gelehrten Schweiss, sondern 
durch eine innere Amalgamation, durch ein Sichversenken und Aufgehen 
in der Sprache erworben wird, abgehe, möge ausser dem vorher Er- 
wähnten noch Ewald's Auffassung von Z. 16 beweisen" etc. — Aehnlich 
spricht sich auch Munk (Essai sur Vinscription phenic. d'Eschmoun-'Eser, 
Paris 18Ö6, p. 2) aus: „II ne suffit pas de posseder parfaitement la grammaire 
Mbraique, il faut encore une grande habitude de la phraseologie et une certaine 
Intuition gui permette d'embrasser promptement l'ensemble avant d'aborder Vana- 
lyse des de'taik" 



das Eindringen aramäischer Elemente sich theilweise anders 
als das Hebräische gestaltet habe, hat schon früher Niemand 
und auch nicht Gesenius geleugnet; aber dass der syntakti- 
sche Theil jener Sprache „eine freiere Satzverbindung" als 
das Hebräische zeige, ist eine Behauptung, die 1842, wo 
noch so geringe Monumente des phönizischen Schriftthums 
vorhanden waren, eben nichts weiter als eine Behauptung 
ohne stützenden Beweis. — Und seit dieser Zeit wird Herr 
Ewald nicht müde diesen Satz bis zum Ueberdruss in allen 
möglichen Wendungen zu wiederholen, selbst nachdem so 
wichtige Funde, wie die Entdeckung der Marseiller und der 
grossen sidonischen Inschrift, auf diesem Gebiete gemacht 
worden, die über das Satzgefüge des Phönizischen einigen 
Aufschluss zu geben und Ewald's Ansicht zu widerlegen wohl 
geeignet sind. Kommen also alle einsichtsvollen und kennt- 
nissreichen Sprachforscher, die sich mit diesem Gegenstande 
befasst haben, darin überein, dass das Phönizische im Satz- 
bau und in der Formlehre (besonders in der Abwandlung 
des Verbum und Nomen, soweit uns die vorhandenen Ueber- 
reste einen Einblick in dieselbe gewähren) so ganz und gar 
mit dem Hebräischen verwandt sei, ') so benutzt Herr Ewald 



*) Der Wichtigkeit des Gegenstandes wegen mögen hier die gewich- 
tigsten Stimmen, die in neuester Zeit über das Verhältniss des Phönizischen 
zum Hebräischen bei Gelegenheit der Entzifferung der grossen sidonischen 
Inschrift sich verlauten Messen, angeführt werden. Schlottmann (Zeit- 
schrift d. D. M. G. X., S. 589): „Alles Neue, was Ewald sonst noch bringt, 
scheint mir dadurch verfehlt zu sein, dass er auch jetzt noch bei einer 
alten phönizischen Inschrift, in der alles leichter zu Verstehende fast rein 
hebräisch klingt, einen zu grossen Unterschied zwischen beiden Sprachen 
voraussetzt" etc. — Munk (a. a. 0. p. 1): „Uinscription tumulaire du roi 
Eschmoun- ezer . . . surpasse tous les monuments connus jusqu' ici, y compris 
meme celui de Marseille, tant par Vttendue de son inscription, que par les ren- 
seignements importants quil nous fournit sur la structure de la langue phenicienne 
et sur ses intimes rapports avec Vhebreu. Aucune inscription, pas meme celle 
de Marseille, ne prouve, avec une egale evidence, la ressemblance, je dirai meme, 
la presque identite des deux langues. Et je crois pouvoir affirmer quil 
suffit de bien separer les mots et d'y ajouter les lettres quiescentes et les points- 
voyelles , pour quavec une me"dioere connaissance de l' hebreu, on puisse la lire 
couramment et en donner sur le champ la tradudion. A mon avis, il ny a 



6 

seine nebelhafte Vorstellung von der Verschiedenheit der 
beiden genannten Sprachen noch immer, um den abge- 
schmacktesten Etymologien und ungelenkesten Satzverbin- 
dungen Thor und Thür zu öffnen, so dass er das Phönizische, 
zufolge seiner zahlreichen verkehrten Etymologien aus dem 
Arabischen, fast als einen Dialekt des Arabischen ausgeben 
mochte. Aus diesem Grunclirrthum und weil Herrn Ewald 
gewiss auch das Hebräische ohne Vokalzeichen und Wort- 
Abtheilung zu lesen nicht geläufig ist erklärt es sich, dass 
er eine Erklärung der grossen sidonischen Inschrift geliefert, 
die gewiss zu den schwächsten, die über diesen Gegenstand 
geschrieben worden, zu rechnen ist, und daher so wenig 
Anklang gefunden hat. Fast nicht einen einzigen schwieri- 
gen Punkt hat Herr Ewald durch sie besser als seine Vor- 
gänger aufgeklärt, ja was diese bereits Richtiges haben, hat 
er aus starrem Eigensinn oder aus Mangel an ausgebildetem 
exegetischen Takt wieder missverstanden. So finden wir 
denn ganz Unglaubliches, dass "O" Z. 2 (reden) Enkel, ') 
Cjp Z. 4 mit geringen Lautübergängen — dem arabischen PpTI 
schwören, "PÖ Z. 6 2 ) (= dem arabischen 3lo)kreisen, sich 



dans ce document quun tres petit nombre de mots et de formen grammaticales 
qui different de t'hebraisme hiblique, et celui-ci fournit meine, presque toujours, 
le moyen d 'Interpreter ces quelques exceptions/'' — Quatremere (Journal des 
Savants. Mai 18^6, p. 302 fg.): ,,L ' inscription qui est sous nos yeux nous pre- 
sente le meine langage, que celui dont ont faxt usage les auteurs des livres saints." 
') Wie diese Bedeutimg aus dem Arabischen (S. 23, Anm.) hergelei- 
tet wird, ist ein Muster etymologischer Forschung. Die Berufung auf S. 31 
s. Np. Inschriften, „wo .eine ähnliche Bedeutung vielleicht zu finden sei," 
ist natürlich ebenso wie die ganze Ableitung verfehlt. S. weiter unten 
über die Inschrift rev. arche'ol. IV. zu Judas pl. 15. 

2 ) Aus der Gruppe roteöfeÄiTiyisvn^oinaTöönKöWDK 

welche also von Ewald abgetheilt wird: b# -p"n TJ? CIN CN F]K 
rp^ptt b^J C3""D JJfcttf n „auch wenn Jemand dich dazu versuchen will, 
so höre nicht auf seine Versuchung," während Andere einfacher lesen: 
Cj"n VftWT) bü "p*QT C£"IN CN ^N „wenn die Leute auch zu dir 
sprechen, so höre nicht auf ihr Gerede." Das folgende ;>££ ^2 2 „denn 
alle Edlen" gehört zum andern Satze. 



heftig bewegen, streben, J"Q das. = ^Xi versuchen, l ) 
ypb Z. 9 mit geringer Umsetzung der Laute = arabisch pD? 
kleben, sich vereinigen, und daraus ein nom. fiUpte 
eine Innung, Enm Zeile 17 von ttfiO neu abgeleitet = 
Schutzherr bedeuten soll 2 ) 

Hat aber Herr Ewald durch die Erklärung der grossen 
sidonischen Inschrift seine gänzliche Unfähigkeit phönizische 
Inschriften zu lesen und zu erklären an den Tag gelegt, was 
Wunder, dass er die Leistungen Anderer auf diesem Gebiete 
zu beurtheilen und zu würdigen ausser Stande ist. Wohl 
hat er alle bisherigen Bearbeiter der genannten Inschrift vor 
seinen Richterstuhl gefordert, doch auch nicht einer hat Gnade 
vor seinen Augen gefunden. Die dahin zielenden Recensio- 
nen in den gött. gel. Anzeigen sehen einander so ähnlich 
wie ein Ei dem andern, alle sind nach einer Schablone ge- 
arbeitet. Am Eingänge in der Regel Tiraden über die „star- 
ken Schwierigkeiten des Phönizischen und der vorliegenden 
Inschrift, über die falschen Vorstellungen von dem Wesen 
jener Sprache und ihrem Verhältniss zum Hebräischen und 
wie die Erklärer in diesem selbst noch so wenig sicher sind 
und noch so wenig richtig schätzen können, was in diesen 
Sprachen und ihren Schriftthümern möglich oder unmöglich, 
erträglich oder unerträglich ist." Dann folgt gewöhnlich, 
was er selbst seit anno x „über das Phönikische längst ge- 
sagt und geschrieben," und zum Schluss „genügen denn ein 
oder auch zwei Beispiele," wie der zu Beurtheilende „gegen 



a ) Und aus dieser Grille entspinnt sich weiter unten (Ö. 60) eine an- 
dere, dass Bodostor so viel sei wie fVinttW TlE (nuig 'A6taQtrig)\ aber 
nicht = „dem an Laut so ganz verschiedenen rnnWJJ "DJJ*" Da hätte 
ihn doch die Auseinandersetzung seines „alten Schülers Hitzig" (so beliebt 
Herr Ewald diesen Gelehrten zu nennen), die allg. Liter.-Ztg. 1849 S. 531 
zu finden ist, eines Besseren belehren können. Vgl. auch weiter unten 
zu den neuphönizischen Inschriften. 

2 ) Wer mehr dergleichen Etj^mologien nach diesen Proben zu lesen 
wünscht, den verweisen wir auf die Schrift des Herrn Ewald und auf die 
Beurtheilung derselben bei Frankel a. a. 0. 



8 

alle bisherigen Erkenntnisse des Phönikischen gesündigt und 
auch vom Hebräischen noch sehr wenig verstehe," mit dem vä- 
terlichen Rathe: den geschundenen Rücken sich recht tüchtig 
mit Pfeffer und Essig einzureiben oder erst gründlich Ewald's 
Schriften zu studiren. — Dies ist ungefähr eine Skizze aller 
der zahlreichen Ewald'schen Recensionen über die sidonische 
Inschrift, denen freilich die obligaten, derben Kraftausdrücke 
nie ganz fehlen, sparsamer oder freigebiger ausgetheilt, je 
nachdem die Verfasser mehr oder minder von seiner Unfehl- 
barkeit überzeugt waren-, nie jedoch erfährt man durch seine 
Beurtheilungen, in wie weit ein Autor die Erklärung geför- 
dert, was doch am Ende für Fernstehende, die nicht alle über 
einen Gegenstand herausgegebenen Schriften selbst lesen oder 
lesen können, der Hauptzweck der Recension sein soll. 

Auch wir hatten nun neben Dietrich, Schlottmann, Hit- 
zig und Munk die Ehre gehabt von Herrn Ewald recht wacker 
ausgescholten zu werden. Wir waren freilich auf ein starkes 
Donnerwetter gefasst, da wir mehrerer Kapital -Verbrechen 
uns bewusst waren ; wir hatten die Kühnheit gehabt die drei 
von Herrn Ewald bekannt gemachten Inschriften anders zu 
lesen und auf seine zahlreichen Irrthümer, freilich in der 
bescheidensten Weise, ') aufmerksam gemacht zu haben, so 



*) Wenn Herr Ewald dies Verfahren „Anmassung" nennt, so mag 
das mit dem Bewusstsein seiner Unfehlbarkeit zusammenhängen. Wir 
möchten wohl wissen, welches Prädikat er für seine Kritiken wählen würde, 
wie z. B. für die oben angeführten über Hupfeld und die Grenzboten, 
oder wenn er ein Urtheil de Wette's über ihn ein niederträchtiges 
nennt (Jahrb. 1856, S. 165), oder bei der Besprechung von Wangemann's 
Prediger Salomonis (das. S. 177) von „unglaublicher Verkehrtheit, 
Unwissenheit und Gefühllosigkeit kgl. preuss. evangel. Kirchen- und Schul- 
beamten und (S. 178) von des Verfassers grenzenloser Unwissenheit und 
wissenschaftlicher Frechheit," oder (S. 287) von Ritter's Schrift über Fra- 
gen der Zeit als „von einem wahren Ausbund von Gemeinheit und 
Unwissenheit" spricht. Dies nur ein kleines Pröbchen von Ewald's sanfter 
Sinnesart und gewählter Sprache, wenn er Leistungen Anderer bespricht i 
und wie bescheiden äussert er sich dagegen über die eigenen an vielen 
anderen Stellen derselben Jahrbücher! Vgl. Gumpach (a. a. 0.) S. XXII 
fg. und über die Bereicherung des kritisch-technischen Sprachschatzes der 
Deutschen durch eine Unzahl von Schimpfwörtern (das. S. 8 fg.). 



z. B. dass nach Ewald's Annahme das Suffix 3. m. Sing. C3 
lauten und das Jod des st. cstr. pl. nicht abgeworfen werden 
könne, während wir an anderen Orten über die zahlreichen küh- 
nen und etymologischen Forschungen mit Stillschweigen hin- 
weggegangen sind. Hören wir nun, was Herr Ewald gegen un- 
sere Erklärung auszusetzen gehabt hat, und möge uns ge- 
stattet sein etwas näher auf seine Beurtheilung einzugehen, 
um eben sowohl unsere Ansichten noch genauer zu begrün- 
den, als auch einem weiteren Kreise Gelegenheit zu bieten 
das Verfahren dieses Mannes in seinen Recensionen kennen 
zu lernen. 

Gleich in dem schwierigen Satz (Z. 2 fg.) DI TW ^2 TiiTO 
den wir übersetzt haben : „ dahingerafft vor meiner Zeit in 
den Fluthen der Tage (oder nach Munk: jung an Jahren), ') 



x ) Vgl. uns. phöniz. Stud. I, 60, wo wir Herrn Munk's Ansicht in 
Bezug auf das schwierige "pfc mitgetheilt und sie sehr plausibel gefun- 
den haben. Herr Ewald hat auch gegen diese Erklärung -pft = 1DDD 
Einwendungen gemacht (vgl. gott. gel. Anz. 1856, S. 1411 fg.), die wie- 
derum eine Probe seiner Keckheit, mit der er die Ansichten Anderer be- 
kämpft, bieten. „Der seltsame Sprachgebrauch, dass ")£)Dft Zahl, so viel 
als wenig bedeuten könne, ist doch nur möglich, wenn das Wort einem 
vorigen Grundworte enger angehängt wird, wie □'•ILON Männer von 
Zahl, d. i. zählbare, leicht zu übersehende, also wenige: und es er- 
hellet leicht, warum das Wort in anderer Verbindung, selbst als erstes 
Glied einer Wortkette so gebraucht, wie es hier der Fall sein würde, eine 
solche Bedeutung gar nicht geben kann. u Ist denn *"]Dfo = IDDft hier 
wirklich so als erstes Glied einer Wortkette gebraucht? Steht denn nicht 
das p davor? und sollte denn 4. Mos. 9, 20 ^DDft Qifoi „Tage an Zahl," 
d. i. wenige Tage, so verschieden sein von C>^ IDD^ p „ein Sohn von 
einer Zahl von Tagen," d. i. paucos annos natus? Der Gebrauch von *"lßD£ 
gleich wenig (vgl. Jes. 10, 19) ist übrigens auch gar nicht so seltsam, 
wie Ewald annimmt; Gesenius im Thes. p. 968 hätte ihm eine Analogie 

aus demArab. oo^tXxyo A>\ Cor. 2, 180 nachgewiesen, wozu Samachsehari 
•(nach Gesenius' Uebersetzung) bemerkt: Numerati dies sunt deßniti numero 
certo pauci, sicut dicunt denarii numerati Qs3jO>.xa ^uSJ i. e. pauci. Causa 
locutionis est, quod pecunia pauca numero deßniri et diligenter coacervari^ multa 
autern ejfundi et exacervari solet. Mit dein „gezählten Dirhem" meint 
S. ohne Zweifel die Stelle im Coran 12, 20, die El-Ferar (Geiger: Urschrift 
und Uebersetzungen der Bibel, Breslau 1857, S. 374) erklärt: iXK*Ü So 



10 

verstummend dann hört auf der Göttersohn," wendet Herr 
Ewald gegen den Gebrauch des Ben-El, als Titel des sido- 
nischen Königs, den wir nach Analogie von Jioysvrjg, Ben- 
Hadad, des Ben-El selbst bei den Himyaren und durch Ez. 28, 
2 gestützt haben, ein : „es sei rabbinische Unsitte, die Worte 
der Bibel auch dahin zu ziehen, wohin sie nicht gehören." 
Es zeugt in der That von geringem exegetischen Takte, die 
angeführten Worte des Propheten Ezechiel als nicht im Sinne 
des Heidenthums gesprochen aufzufassen. Könnte wohl ein 
besserer Beweis geführt werden, als von einer Weissagung, 
die an einen phönizischen König gerichtet ist, dessen Hoch- 
muth er mit den Worten straft: „Du sprichst, ein Gott bin 
ich QjK bti) .... und doch bist du nur ein Mensch und kein Gott" 



. *a!ä ^c ö;1ajs Herr Ewald hätte sich gegen Herrn Munk, der trotz sei- 
ner Blindheit eine ganz andere Entzifferung, als die schülerhafte des 
Herrn Professor, geliefert hat, die Tiraden von „heutigen gelehrten Israeli- 
ten , die noch immer das alte Testament viel zu wenig genau und sicher 
kennen," ersparen können. Er kennt die heutigen gelehrten Juden eben 
so wenig, wie weiland sein Vorgänger J. D. Michaelis, der merkwürdige 
Entdecker von dem geringen Körpermass ihrer Leiber; sonst würde er nicht 
in so vielen Stellen seiner Recensionen, in den gött. gel. Anzeigen und in sei- 
nen Jahrbüchern von geborenen Israeliten, die als solche schon das 
Hebräische kennen, sprechen. Herr Munk z. B. hat eben so gut wie Herr 
Ewald G3^mnasium und Universität besucht, die semitischen Dialekte und 
das alte Testament studirt, nur mit dem Unterschiede, dass es ihm durch 
eisernen Fleiss und durch weise Beschränkung auf ein begrenztes Sprach- 
gebiet gelungen ist, dies sich ganz zu eigen zu machen, während Herr 
Ewald noch weit entfernt von irgend einer Fertigkeit im Hebräischen ge- 
blieben ist. Schon die Dankbarkeit gegen Herrn Munk (wir sagen nicht das 
Mitleid mit seinem traurigen körperlichen Zustande, denn der erblindete 
Gelehrte darf die strengste Kritik für seine treffliche Abhandlung heraus- 
fordern!), dass er ihn vor vielen Jahren durch seine Erklärung der mar- 
seiller Inschrift, welche der Ewald'schen voranging, vor einer ähnlichen 
wie die der sidonischen bewahrt hat, hätte ihn zu einer massvolleren 
Sprache veranlassen sollen, zumal er sogar diesem Gelehrten eine Ver- 
besserung seiner zahlreichen Fehler (vgl. gött. gel. Anz. 1857, S. 334), 
„ich schwöre vor aller Obrigkeit und allen Menschen" verdankt, ohne ihn 
zu nennen. Die übrigen dort namhaft gemachten Verbesserungen sind 
entweder nicht der Rede werth oder falsch, namentlich ist die Erklärung 
von CHN ein Muster von exegetischer Verkehrtheit. 



11 

(?N NT')- Und das wäre rabbinische Unsitte? Und wie nennt 
denn Herr Ewald sein Verfahren bei jedem aus dem He- 
bräischen leicht zu erklärenden phönizischen Worte das ara- 
bische Lexicon zu plündern? ') 

Ein zweiter Punkt, den unser Recensent gegen unsere 
Erklärung vorbringt, betrifft die Ergänzung der Lücke Z. 17, 
die wir durch CUM O N^UW), weil wir uns gewissenhaft an 
die übrig gebliebenen Spuren der Buchstaben halten zu müs- 
sen glaubten, versucht haben. 2 ) Aus der Entgegnung geht 
deutlich hervor, dass Herr Ewald unsere Beweise gar nicht 
geprüft hat, wenn er von der Abwerfung des Aleph als ge- 
gen die Gesetze der semitischen Schrift gefehlt spricht, da 
wir S. *28, um diesem Einwurf zu begegnen, ausdrücklich 
bemerkt haben, dass Aschima durch seine Endung auf syri- 
schen Ursprung hinweist und mithin das Aleph den stat. 
emphat, bezeichnet (vgl. Movers a. a. O. p. 117). 

Betrachten wir jetzt die Einwürfe gegen die Zeitbe- 
stimmung der sidonischen Inschrift. Herr Ewald hatte die 
Abfassung derselben in's 11. vorchristliche Jahrhundert ge- 
setzt und stand mit dieser Ansicht auch ganz isolirt da; 
denn wie geringe paläographische Kenntniss setzt es nicht 
voraus, die Schrift unserer Inschrift so hoch hinaufzu- 
rücken, und auf wie schwache historische Stützen ist der 
ganze Bau gegründet! 3 ) Wir glauben in unserer Schrift dies 



x ) Merkwürdiger Weise führt Movers (das phönizische Alterthum L, 
1. S. 125) für einen ganz anderen Zweck den obigen Vers aus dem Pro- 
pheten Ezechiel mit den Worten an: „denn schon der Prophet Ez. 28, 2 
lässt den König von Tyrus im Sinne der tyrischen Mythologie sa- 
gen: ein Gott bin ich etc." 

2 ) Einen neuen Beleg für unsere Vermuthung, dass QWK eine Gott- 
heit bezeichne, finden wir Judas (rtudes dem.) pl. 15; siehe zu dieser In- 
schrift weiter unten. 

3 ) Streng historische Forschung war freilich nie Herrn Ewald's stärkste 
Seite. Vgl. Knobel (a. a. 0. S. 34): „Statt der Besonnenheit und Gewis- 
senhaftigkeit stösst man bei ihm (Herrn Ewald) überall auf Willkühr und 
Leichtfertigkeit, und hätte er auch jene unerlässlichen Eigenschaften, so 
würde doch schon sein Mangel an historischem Sinne und Combinations- 
geschieke ihn zum Historiker ungeeignet machen. u Und S. 50 daselbst: 



12 

in Kürze S. 47 gezeigt zu haben; wir haben vielmehr nach 
bester Einsicht den Beweis zu führen gesucht, dass unsere 
Inschrift erst um die Zeit vor Ankunft Alexander des 
Grossen in Phönizien abgefasst sein könne. Zu unserer 
Freude stimmen auch damit überein der um die orientalischen 
Sprachen so hochverdiente Quatremere in einem uns erst 
später zu Gesicht gekommenen Artikel des Journal des Savcmts 
(1856, Avril) und der für die phönizische Wissenschaft leider 
zu früh verstorbene Movers, in dem dritten Theile des p h ö- 
nizischen Alterthums S. 211, Anm. 29 c. ; ersterer theils 
aus ähnlichen wie die von uns angeführten, theils aus ande- 
ren Gründen; letzterer hebt namentlich die Beweise hervor, 
die wir für die Zeit der Abfassung geltend gemacht haben 
und die Herr Ewald so heftig bestreiten zu müssen glaubte. 
Der Hauptentscheidungsgrund ausser dem Paläographischen 
und der Sprache war für uns nicht die Namens ähnlichkeit 
von Tebnith und Tennes des Diodor, sondern die Stelle Z. 18: 
„der Herr der Könige (d. i. der Grosskönig, der persische 
Herrscher, oder nach Andern : der Herr der Könige d. i. El- 
Kronos) möge uns verleihen Dora und Jope, die herrlichen 
Getreideländer in Saron's Gefilden, zu der mächtigen Herr- 
schaft, welche ich gegründet." Also waren diese Orte nicht 
mehr im Besitze Sidons, nun aber haben wir nachgewiesen, 
dass sie von Hekatäus (5. Jahrhundert) bis Skylax (um 336) 
sidonisch waren, folglich müssen sie kurz vor dem Tode 
Asmanaser's II. verloren gegangen sein. *) Ganz natürlich 



„Aus dem Bisherigen erhellt hoffentlich sattsam, dass es Herrn Ewald eben 
so sehr an der Umsicht und Kenntniss wie an der Vorsicht und Gewissen- 
haftigkeit fehlt, welche dem Historiker unerlässlich sind, und dass es mit 
den historischen „Wahrheiten," welche er „endlich festgestellt" zu haben 
vorgiebt, sehr übel bestellt ist." 

*) Vgl. Movers a. a. 0. S. 210: „Die Inschrift lässt den Sidonierkönig 
im Namen der D}rnastie zu dem „„Herrn der Könige,"" dem göttlichen 
Landeskönig El-Kronos, flehen, dass er fürder uns gebe Dor und 
Jope, Dagons (des Getreidegottes) herrliche Länder in der Ebene 
Saron;" und in der Anm.: „das optativische jn 1 deutet an, dass beide 
Städte ein persönliches Lehn der Könige von Sidon, also vom Perserkönig, 
waren Mit der Erklärung dieser Stelle ist übrigens auch über das 



13 

kann also der sterbende König (oder vielmehr diejenigen, 
welche ihm den Grabstein gesetzt) ihm den Wunsch in den 
Mund legen, dass sie ihm wieder zu Theil würden. Herr 
Ewald hatte aber in seiner Erklärung der grossen sidonischen 
Inschrift (S. 65), wo er die vorgedachte Ansicht, dass Dor 
und Jope mit 1N"| und W gemeint seien, bestreitet, den einem 
Historiker schwer zu verzeihenden Irrthum begangen, zu 
erklären: „Dass Sidon jemals solche zwei Städte besonders 
besessen habe, wissen wir nicht, können also danach das 
Zeitalter nicht bestimmen." Da wir in unserer Schrift diesen 
Beweis aus Hekatäus und Skylax geführt haben, ändert er 
in der Recension (gött. gel. Anz. 1857 , S. 328) die Worte 
dahin ab : „dass- Sidon im persischen Zeitalter die Seestädte 
Dora und Jope besessen, oder nach jener Empörung unter 
Tennes verloren habe, davon wissen wir nichts." Das „je 
besonders besessen habe" wird fallen gelassen, und den 
historischen Schnitzer glaubt Herr Ewald durch „im per- 
sischen Zeitalter" gut machen zu können. Aber auch 
das ändert die Sache in nichts. Die citirten Schriftsteller 
sind zuverlässige Zeugen, *) besonders aber Skylax, dass 
Dora noch um 336 im Besitze Sidon's und zwar, worauf wir 
bereits in unserer Schrift hingedeutet, eine Domaine des 
Königs war, und höchst wahrscheinlich, als das persische 
Reich seinem Untergange nahe war, vom Grosskönig einge- 
zogen worden. Darauf deuten auch die oben in der An- 
merkungan geführten Worte Movers' hin. Dieses ganze Sach- 
verhältniss hat Herr Ewald gar nicht erkannt und sich auch 



Zeitalter der Inschrift entschieden. Esmunezar's Vater Tebennit — so 
lese ich r03n, nämlich roan, wie fp^ „den Nit baut" d. h. dauernd 

beglückt; woraus sich die griechische Verstümmelung Tevvrjg erklärt — 
muss demnach der bekannte Sidonierkönig Tennes sein. Die Neubauten 
aller Haupttempel in Sidon, welche die Inschrift erwähnt, weisen ausser- 
dem auf die Katastrophe, die Sidon unter Tennes betroffen hatte, auf das 
allerdeutlichste hin." 

a ) Movers will sogar (das phöniz. Alterthum III., 1. S. 210) auch direct 
aus Esra 3, 7 den Beweis führen, dass Jope noch in der persischen Zeit 
nach biblischen Andeutungen als eine sidoniseh-tyrische Hafenstadt erscheint. 



14 

nicht einmal die Mühe genommen aus der gründlichen Ab- 
handlung von Movers, (in dessen erstem Bande des phönizi- 
schen Alterthums), über dieDomainencler phönizischen Fürsten 
sich zu belehren, sonst hätte er auch gar nicht (a. a. O. der 
gött. gel. Anz.) die oberflächliche Bemerkung machen können, 
dass, wenn die Städte Dora und Jope einer grösseren phö- 
nizischen Stadt gehört hätten, sie nach ihrer örtlichen Lage 
eher im Besitze von Tyrus gewesen wären. — Doch vielleicht 
lässt sich die Stelle der sidonischen Inschrift, in welcher man 
Städtenamen sucht, natürlicher und einfacher deuten? Wel 
chen Sinn hat Herr Ewald herausgebracht? Er übersetzt: *) 
„Und dass der Herr Milkum 2 ) die Dauer und Schönheit der 
herrlichen Fruchtfelder unö verewigte, wenn ich das mit Ge- 
schick 3 ) lernte und konnte" u. s. w. Dauer ist das phöni- 
zische *)frn und dies = hebräisch "in und was heisst denn: „die 
Dauer und die Schönheit verewigen?" Herrn Ewald ist im 
Deutschen und Phönizischen Alles möglich! Hören wir wei- 
ter! „iy, womit der Satz beginnt, kann am Ende auch blos 
die Absicht und Folge unserm dass entsprechen." Ferner: 
„JlVaber als Imperfectum von )rü geben aufzufassen, scheint 
uns weniger richtig, als es als Perfect W. jn" 1 zu nehmen." 
Eine solche unsinnige Exegese kann in Wahrheit nur ein 
Ergebniss sich selbst vergötternder Eitelkeit genannt werden 
es ist ihm „am Ende" Alles möglich, was ihm gerade dient! 
Ein unbefangener Beurtheiler würde doch die weit natür- 
lichere Annahme von Städtenamen in dem angeführten Satze 
der Inschrift sehen. — Hören wir weiter die Einwürfe unse- 



1 ) Dieser Satz ist ein kleiner Theil des Satzes, der über die Hälfte 
der Inschrift in sich scliliesst, und welchen, hätte ihn der sterbende König 
ausgesprochen, er gewiss nicht zu Ende gebracht haben würde, ohne dass 
ihm der Athem ausgegangen wäre. 

2 ) Wie möchte der Herr Professor wohl die Sitte nennen einen sonst 
ganz unbekannten Ammonitischcn Götzen hierher zu ziehen? 

3 ) Mit Geschick ist die Uebersetzung von nt£HI^ (wir haben hier 

o > > 
]~}W *W „Gefilde Saron's" gelesen) nach dem arabischen jy***y*» sorgsam. 

Man beachte wohl, dass dann das Phönizische die Nunnation mit hinüber 

genommen ! 



i:> 

res Recensenten! Was er gegen die Existenz eines Königs 
Strato vor Ankunft Alexander des Grossen einwendet, ist 
ohne Grund, da Curtius IV, 3 schwerlich aus Verwechselung 
mit dem byblischen König gleichen Namens die ganze Ge- 
schichte seiner Entthronung erfunden haben kann, da er doch 
kurz zuvor diesen König nennt; und aus dem Stillschweigen 
Arrian's ein Factum zu leugnen, dazu haben wir keine Ver- 
anlassung, ') wenn sonst nicht dasselbe unwahrscheinlich ist, 
was jedoch bei dem vorliegenden nicht der Fall ist. Auch 
Justin (11, 10) scheint die Erzählung des Curtius zu bestätigen, 
wenn er berichtet: „darauf geht er (Alexander) nach Syrien, 
wo ihm unterweges viele Könige des Morgenlandes in der 
ganzen Pracht ihrer königlichen Würde ihre Aufwartung 
machen, von denen er einige, mit Rücksicht auf das ganze 
bisherige Betragen, zu Bundesgenossen aufnimmt, andere 
aber entthront und neue Könige ernennt. Unter 
diesen allen war Abdalonimus, den Alexander auf den siclo- 
nischen Thron erhob, vorzüglich merkwürdig" etc. Durch die 
Zusammenstellung der Sätze : „dass einzelne Könige abgesetzt 
und andere eingesetzt worden" scheint gerade der genauere 
Bericht von Curtius seine Bestätigung zu erhalten, wenn 
auch Just, nicht ausdrücklich den abgesetzten Strato nennt. — 
Wenn endlich Herr Ewald meint „dass sogar die Gleichheit 
des Namens Tennes und Pj^H ebenso grundlos angenommen 
ist, da jener griechische vielmehr die sonst gerade aus den 
späteren Jahrhunderten so bekannten Eigennamen HjH 
oder NjE voraussetzt," so' möchten wir ihn bitten, uns auch 
nur einen einzigen Eigennamen fcOtD zu nennen! In allen uns 
bekannten phönizischen Monumenten haben wir kein solches 
nom. pr. gefunden. Ja doch! einmal ist solcher in Herrn 
Ewald's Entzifferung neupunis.cher Inschriften (S. 27, Judas 
pl. 20) anzutreffen und der mag ihm wohl unter den „so 
bekannten Eigennamen" vorgeschwebt haben; leider 
aber ist auch dieser einzige eine Seifenblase: die Inschrift 



') So urtheilt auch Grote in seiner Geschichte Griechenlands 12.. Bd. 
über die Quellen der Geschichte Alexander's des Grossen. 



16 

weiss nichts von dem nom. pr. N2E, Herr Ewald hat ihn ge- 
macht, weil er jene nicht lesen konnte (vgl. weiter unten 
zu Judas pl. 20). Und der andere „s o bekannte Eigenname 
ron," wo wäre der zu finden? Wahrscheinlich schwebte dem 
Herrn Recensenten die bekannte ron Tanais vor-, nun der 
lag ja eben auch dem Tebnith zu Grunde und daraus mein- 
ten wir doch gerade sei Tennes corrumpirt, *) denn so ge- 
radezu (so arge Unwissenheit wollen wir Herrn Ewald doch 
nicht zutrauen) kann doch nicht Tennes und die Tanais iden- 
tificirt werden, so dass sich ein phönizischer König nach 
einer Göttin nannte! 

Endlich meint Herr Ewald fallen auch unsere Vermu- 
thungen über das organische Prinzip der Schriftbil- 
dung bei den Semiten, wenn die grosse sidonische Inschrift 
nicht um 335 abgefasst sein kann, weg. Den Beweis dafür 
aber ist Herr Ewald schuldig geblieben. Haben wir denn 
durch die Schrift dieses Denkmals unsere Ansicht festge- 
stellt, oder sind es nicht vielmehr die alten mesopotamischen 
Denkmäler, die uns zu derselben geführt? Gesetzt, die sido- 
nische Inschrift sei einige Jahrhunderte älter, ist darum das 
Princip, das bei einer so uralten Erfindung (wie die der 
Schrifterfindung doch jedenfalls genannt werden kann) in 
Anwendung gekommen sein mochte, erschüttert? 

Nach diesen Proben, die von Oberflächlichkeit und Flüch- 
tigkeit den deutlichsten Beweis liefern, wird es wohl nicht 
mehr zweifelhaft sein, welchen Werth man Herrn Ewald's 
Beurtheilungen beizulegen hat, und was speziell die unserer 
Schrift betrifft, so kann er es kaum verhehlen, wie sehr seine 
Eitelkeit verletzt worden, dass wir gegen seine Irrthümer 
unverhohlen, wenn auch in angemessener Weise, uns aus- 
gesprochen. Aber wir hatten noch, wie schon gesagt, das 
2. Verbrechen begangen, auch die aram.-aegyptische Inschrift 
des Serapeum's anders als Herr Ewald zu lesen, a ) und auch 
gegen diese hat er in der angeführten Recension eine Note 



*) Auch Movers hat eben diese Ansicht (siehe die oben angeführte 
Anmerkung) aufgestellt. 

2 ) Vgl. Zeitschrift d. D. M. G. XI, S. 65 fg. 



17 

gerichtet (S. 330 Anm.). Etwas Abgeschmackteres, als die 
Deutung Ewald's von dieser Inschrift lässt sich kaum denken, 
wenn er auch in der gedachten Note zu seiner Entschuldi- 
gung anführt, dass der ihm vorgelegene Abdruck nicht genau 
war, und er das '•DPI nicht habe finden können. Im Uebri- 
gen scheint er bei seiner Ansicht zu beharren. Man denke 
sich den haarsträubenden Unsinn, den er aus der Inschrift 
herausgebracht: „ein Vater bring statt seiner minderjährigen 
oder unverheiratheten Tochter ein Opfer dar, ein Fall, der 
nicht selten vorgekommen sein mochte, und da diese von 
sich selbst aus nicht wohl handeln konnte, aber sie konnte 
dann in des Denkmals Inschrift doch von sich selbst redend 
eingeführt werden. u So wird denn frischweg übersetzt: 

„Mein Bild als Darbringung einer Tochter für Osiris- 
Horus opferte mein Vater Tobiber, Sohn Tofki's, opfernd 
vor Osiris-Horus." 
Nur eine Probe, wie Ewald zu dieser sonderbaren Deu- 
tung gelangt ist, möge hier angeführt werden, um zugleich 
seine leichtsinnige Weise zu bekunden, mit der er eine ein- 
mal gefasste Idee um jeden Preis durchzuführen sucht: „Mein 
Bild" soll durch "OSJn, das erste Wort der Inschrift, wie er 
sie liest, gegeben sein. Dies sonst ganz unbekannte Wort 
wird verglichen mit einem auf einer palmyrenischen zweispra- 
chigen Inschrift ') vorkommenden NrPD, das dem T02irN0N 
der griechischen Beischrift entsprechen soll, in der Bedeu- 
tung eines den Göttern geweihten Bildes, und zwar 
in folgender Weise: ^Hn = NrPD „den Wechsel von n und D 
auf der einen und 1 und SJ auf der andern Inschrift können 
wir bei so verschiedenen aram. Mundarten ertragen." Was 
muss man nicht Alles bei Ewald'schen Etymologien ertragen! 
Aber, steht denn auch wirklich WVD auf der palmyrenischen 
Inschrift? Auch nicht die entfernteste Spur von einem NrnD 
ist dort vorhanden. Die palmyrenische Inschrift ist nämlich 
dem Aglibölos und Melachbel geweiht und ist von Munk in 



') Diese nebst einer andern ist in guter Abschrift mitgetheilt von 
Lajard in den Memoires de Vlmt. T. XX. PL IIL, 1 und //., 2. 

2 



Paris gelesen worden: etc. i"PBD3"l NRW) bx&D) bnbwb und 
von de Luynes ebenso bis auf das 3. Wort, worin er NrPÖD 
sieht. Herr Ewald aber meint, es dürfe weder NITfrn noch 
NIVfcO gelesen werden, sondern das gewünschte NrVD, das 
dem Signum entspreche: „das erste Zeichen scheine einem 
Kaf ähnlich genug, das zweite aber nur ein Sain sein zu 
können." Er beruft sich auf die Form dieses Buchstaben 
in der anderen Inschrift — |". Wir müssen zur Wahrung 
von Ewald's Wahrheitsliebe annehmen, dass er nur ganz flüch- 
tig die Inschrift III., 1 angesehen hat; denn, wer auch nur 
eine geringe Kenntniss palmyrenischer Schrift besitzt, wird 
doch nimmermehr die Form 7, die ganz verschieden von der 
eben angeführten f ! ) ist, für ein Sain halten; auch ist ganz 
deutlich ein Beth und kein Kaf zu Anfang des Wortes zu 
lesen. — Die Lesung von Munk (schon Barthelemy hat übri- 
gens trotz schlechter Abschrift dieselbe gehabt) ist daher 
durchaus nicht anzufechten, und das NrPftS entspricht hin- 
länglich dem 2irN0N, das auch simulacrum und statua be. 
deutet. Wer die übrigen palmyrenischen bilingues Inschriften 
gelesen hat, wird oft das Palmyrenische vom Griechischen 
im Einzelnen abweichend, doch im Allgemeinen ihm 
entsprechend gefunden haben. Man braucht nur die nächst- 
folgenden Worte HDDD }£ "DJJ nim^m = avv navxi xotfficp 
als Beispiel anzuführen und das Altarbild bei unserer Inschrift 
zu betrachten, um das Signum, das im Griechischen für das 
Ganze (den Altar NrpfcS) steht, dem Palmyrenischen ent- 
sprechend zu finden. Also mit dem "O^n („mein Bild") ist 
es nichts, und wollte man die übrigen Sünden Ewald's in 
dieser Inschrift gegen Paläographie und Grammatik des Chal- 
däischen aufzählen, man könnte noch eine reiche Lese machen. 
Wir sind daher (Zeitschr. a. a. O. S. 66) mit einer kurzen 
Bemerkung darüber hinweggegangen, ohne, wie man aus der 
Anmerkung der gött. gel. Anz. S. 330 ersieht, Herrn Ewald 



') Diese Sain -Form selbst ist, so viel ich weiss, im Palmyrenischen 
ganz ungewöhnlich, da sonst ein senkrechter Strich, wie in der aram.- 
ägyptischen und aram.-cilicischen Schriftart, die normale Form für diesen 
Buchstaben ist. 



19 

anderen Sinnes gemacht zu haben. — Möglicherweise ist's 
aber auch bei Herrn Ewald Unbekanntschaft überhaupt mit 
der einschlagenden Literatur , die ihn so arge Blossen sich 
geben lässt-, und diese Vermuthung wird sogar zur grössten 
Wahrscheinlichkeit, wenn wir bei der Mittheilung des kleinen 
Siegels ') wörtlich also lesen (S. 52 Anm.) : „Recht denk- 
würdig ist auch der dort (journ. as. 1855, 2, p. 428) von 
Longperier mitgetheilte Stein, welcher auf der einen Seite 
den Mannesnamen "ntCPP mit dem Gottesnamen Ad ad oder 
Ad öd, auf der andern bei dem altertümlichen Kopfe einer 
Astarte den Namen nnjnny erkennen lässt." Herr Ewald 
kennt also nicht einmal die bekannte Münze (kein Stein!), 
ein Unicum, die schon seit Jahren Herr Duc de Luynes in 
seinem essai sur la numismatique des Satr. (PL V. Satr. de Syrie) 
und daraus Herr de Longperier mitgetheilt hat, die auf der 
einen Seite -niTDl? (nicht -n&rQJM) und auf der andern 
unter dem Bilde der Astarte injnnj? (nicht nnjnny !) Tirgata 
hat. (Vgl. auch Blau: Zeitschr. d. D. M. G. VI., S. 473 und 
weiter unten). — Eine andere Stelle seiner Schrift (S. 63) 
sieht der eben angeführten ganz ähnlich. Dort heisst es: S. 17 
führt der so kundige Duc Münzen an mit den Inschriften 
fwfcEü pDD in der revue numismatique XII p. 31 2, pl. XL, 
rofeftil "TOPI, PoteöH '»jnw, beide noch ungedruckt." Auf 
was bezieht sich das „beide"? doch nur auf rote&H ^JDW 
und n^fc^n Tlön (denn die Syphax-Münze wird doch als in 
revue numismatique veröffentlicht angeführt), und da scheint 
Herr Ewald nicht einmal die sehr wohl bekannten Juba- 
Münzen (Gesen. mon. tab. 42) zu kennen, oder doch sie nicht 
im Gedächtnisse zu haben ! Herr Duc de Luynes meint aber 
die zwei Exemplare von T07tä2T\ T1ÖPI, die bis jetzt noch 



! ) Vgl. seine Erklärimg der grossen phönizischen Inschrift von Sidon, 
S. 51. Herr Ewald hat selbst diese kleine Inschrift nicht lesen können, 
den Vaternamen *]^pfc (den wir = TJjjpPlJp!? „Besitz des Königs" 

= *pfo "DJ7 gelesen haben) spricht er Mekinmelech und erklärt ihn 

* -oc 

nach dem ^p£ Gläubigen Milik's (? !). Den andern Namen erklären 
wir weiter unten. 



20 

nicht veröffentlicht sind, und drückt sich auch ganz klar (S. 17 
in seinem memoire snr le sarcophage) in dieser Beziehung aus. 
Und Herr Ewald, der in dem eng begrenzten Raum 
einer Abhandlung so viel Unkenntniss der phönizischen Wis- 
senschaft an den Tag legt, sitzt über Männer wie Munk, 
Hitzig, Schlottmami und Andere zu Gericht, und kanzelt 
dieselben wie Schulbuben ab, und das in einem Blatte, das 
unter Aufsicht der kgl. Gesellschaft der Wissenschaft steht. 
Mag Herr Ewald immerhin in seinen Jahrbüchern, die 
man doch nur joci causa liest, sein unsauberes Wesen treiben, 
aber nicht die wohl accreditirte Firma der götting. gelehrten 
Anzeigen zu seinen Zwecken missbrauchen. Doch genug! 
Wir sind ohnehin in der unten folgenden Abhandlung über 
die neuphönizischen Inschriften oft genug in die traurige 
Notwendigkeit versetzt, auf Ewald's Unkenntniss des Neu- 
phönizischen, das er wo möglich noch weniger als das Alt- 
phönizische versteht, zurückzukommen. 



II. 



Backsteine, Gemmen und Siegel aus Mesopotamien 
mit phönizischer (altsemitischer) Schrift. 

Schon bei unserer Untersuchung über das Prinzip der 
Schriftbildung (siehe unsere phönizische Studien L, S. 49 fg.) 
hatten wir Gelegenheit auf die ältesten Formen semitischer 
Schrift auf den Denkmälern in den Kulturländern Mesopo- 
tamiens hinzuweisen und vorläufig eine Probe derselben 
den Lesern auf Taf. III. der genannten Schrift zu bieten. 
Wir halten es nun für zweckmässig die Dokumente selbst 
hier mitzutheilen, einerseits um das dort Gesagte noch wei- 
ter zu begründen und für eine spätere Untersuchung „über 
den Ursprung des phönizischen Alphabets" die Bahn zu 
ebnen *) ; anderseits weil wir die mitzutheilenden Monumente 
an und für sich als merkwürdige Zeugnisse für die Kultur 
jener Völker betrachten zu müssen glauben. Die meisten 
derselben, welche sich in den Museen in London und Paris 
befinden und von denen wir Abschrift und, wo es möglich 
war, wie bei den Siegeln, Abdrücke genommen haben, sind 
noch nicht bekannt gemacht, oder doch ihre Inschriften nicht 
entziffert. Diese befinden sich auf Backsteinen, Gemmen 
und Siegeln, haben, nach ihrem Fundorte und den darauf 
befindlichen symbolischen Figuren zu urtheilen, Mesopota- 



*) Dort wird dann auch der Ort sein, wo wir über den Namen der 
auf den vorzulegenden Monumenten vorhandenen Schrift das Weitere 
abzuhandeln haben, ob ihr die Bezeichnung „phönizisch" noch zu- 
komme, und zu welchen Folgerungen uns jene Denkmäler mit ihren In- 
schriften berechtigen. 



22 

mien meistens als Heimath ') und reichen zum grössten Theile 
weit über die Zeit der Achämeniden hinaus, ja einzelne mögen 
älter als das erste Jahrtausend vor Christo sein. Wir über- 
lassen es gerne Kennern der alten Kunst für das eine oder 
das andere Denkmal ein genaues Datum zu finden ; die Ord- 
nung, wie wir dieselben aufführen, macht keinen Anspruch 
auf richtige chronologische Folge. Wir stellen die Inschriften 
auf den Backsteinen voran, wenn auch manche Inschrift auf 
den Siegeln älter zu sein scheint. 

A. Backsteine mit semitischen Inschriften. 

1. Schon Gesenius hat in seinem Werke: monumenta 
Ung. Phoen. einen Ziegelstein auf tab. 32 Nr. 77aaa mit- 
getheilt, der die Aufschrift hat: "oH^Ti^. So deutlich auch 
die Züge derselben sind, so schwierig ist die Deutung (siehe 
Gesenius a. a. O. p. 462 und Movers: punische Texte I. 
S 59). Vielleicht Hesse es sich also abtheilen: ^71 bx rP2 
„mein Gotteshaus", \371 hätte dann das j eingeschoben vor 
d. Suffix = ^H, so wie der Plur. im Chald. I^H heisst. Doch 
müssen wir diese Hypothese dahingestellt sein lassen, bis 
wir auf einer altbabylonischen Inschrift ein solches "O^H = 
V"! finden. 

2. Ein Backstein im britischen Museum, nur mit semi- 
tischer Schrift versehen, ist leider nicht gut erhalten und nur 
wenige Buchstaben lassen sich im Zusammenhang lesen wie : 

>jt<Uf e^fc) i n zweiter Zeile. 

••• ^2^ J^J (•••• my;']b) in dritter Zeile. 

Die erste und vierte Zeile, so wie die Rückseite sind ganz 
unleserlich. 



l j Das Material za den Gemmen und Siegeln sind Edelsteine; die 
letztern sind häufig von cylindrischer Form und der Länge nach durch- 
bohrt. Auf ihrer Cylinderfläche enthalten sie, ausser dem Namen, noch 
phantastische, relig.-symbol. Figuren, die Amulette gewöhnlich den Namen 
einer Gottheit mit Symbolen, die mit dieser in Verbindung stehen. Der künst- 
lerische Werth der eingravirten Gegenstände ist bald höher bald niedriger 



23 

3. Ein Backstein ebendaselbst hat bis auf die letzte Zeile, 
die durch einen Strich gesondert ist, Keilzeichen, nach dem 
Striche folgt eine Zeile mit semitischer Schrift, und diese 
setzt sich auf der andern Seite fort. 

Wir haben in der letzten Zeile nur 



n-rvr 



erkannt, die andere Seite ist bis auf einzelne Buchstaben, 
die aber die auf assyrischen Denkmälern sonst vorkom- 
mende Form haben, ganz unleserlich. Es sind etwa 7 Zeilen. 
4. Auf einem sehr gut erhaltenen Backstein daselbst, 
von etwa drei Zoll Länge und einem Zoll Breite, mit Keil- 
schrift der dritten Gattung ganz bedeckt befindet sich auf 
der Dicke: 



M^MK /^ 



In einer betreffenden Stelle der Keilschrift soll sich dem 
entsprechend nach einer bewährten Autorität finden: 
rak arrabil Assar. 

5. Endlich fanden wir auf einem nicht gut erhaltenen 
Backsteine nur leicht eingekratzt: 



|C t^LyxsU^Lj 



das wir C^EHSJ lesen. Die Zeichen nach dem N sind nicht 
mehr zu erkennen. Sollte dies C^EH23 Nebarsalem mit Sal- 
manubar Zusammenhang haben? Oder, wenn man etwa 



anzuschlagen, zuweilen von der Härte oder grösseren Gefügigkeit des 
Steins abhängig. Uebrigens stammt der mannigfache Gebrauch und die 
Verwendung der Edelsteine zu Kunstarbeiten aus Babylonien, woselbst 
ein bedeutender Markt derselben war, der die westasiatischen Länder 
damit versorgte. Vgl. Movers: phön. Alterthum III., S. 266 fg. 

*) Der zweite Buchstabe ist indess nicht ganz deutlich und kann 
möglicherweise auch Samech sein; wir haben uns daher auch auf die 
Deutung nicht einlassen wollen. Das letzte Wort scheint ein nom. pr. 
zu sein, dessen Deutung nicht sehr schwierig ist. 



24 

Nebusalem (rf?WD3) (was aber nicht ganz wahrscheinlich ist, 
da auf mesopotamischen Denkmälern das Waw ähnlich dem 
der jetzigen Quadratschrift sich vorfindet) liest, so träfe die- 
ses Wort mit einem Königsnamen, den Oppert (vgl. Athe- 
netiiii frangais Fev. 1856) auf Keilschriften gefunden, zu- 
sammen. 

Wir verlassen jedoch dieses Feld der Vermuthungen ') 
und wenden uns den Inschriften auf den Gemmen und Sie- 
geln zu, die mehr Ausbeute geben. 

II. Gemmen und Siegel. 

1. Die Inschrift auf einem elfenbeinernen Broche, das 
Herr Loftus unter dem Fundament eines kolossalen Stiers 
gefunden und die DI ^?d? lautet, haben wir bereits im 
ersten Hefte unserer Studien (S. 7 Anm.) mitgetheilt. 

2. Ein walzenartig geformtes Siegel (siehe die Taf. 
Nr. 1.) im britischen Museum mit assyrischen, religiösen 
Symbolen, die nebst den semitischen Zeichen sauber in Stein 
gestochen sind, giebt uns folgende Inschrift: 

mpft 1 4 

d. i. „des Ah'dban Sohn Gebrod's, Hofbeamten, welcher dem 
Merod opfert (oder Priester des Merod)." 

Die Buchstaben treten, obgleich der Steinschneider, wie 
es den Anschein hat, mit dem harten Material zu kämpfen 
hatte, doch in klaren Umrissen hervor und zeigen recht 
alterthümliche Formen, wie wir sie in den eigentlich phö- 
nizischen Monumenten nur bei den ältesten derselben wahr- 
nehmen können. Das Beth ist streng vom Daleth und Resch 
durch den kleinen Strich an der Basis unterschieden, und 
dieses, welches sonst in babylonisch-assyrischen Denkmälern 



l ) Wir würden die Inschriften auf den Backsteinen wegen ihrer ge- 
ringen Ausbeute ganz übergangen haben, wenn wir nicht gerade dadurch 
zu zeigen uns veranlasst gesehen hätten, wie sehr die Erwartungen, die 
man von denselben gehegt, herabzustimmen wären. 



25 

jenem oft gleich geformt erscheint, ist an einer Stelle, im 
vorletzten Buchstaben der zweiten Zeile, noch durch einen 
kleinen Strich besonders marquirt, ganz wie das griechisch- 
lateinische /?, höchst wahrscheinlich um es noch genauer 
vom Daleth bei Concurrenz mit demselben in minder be- 
kannten nom. propr. zu unterscheiden; daher bei dem min- 
der bekannten Gebrod es gesetzt ist, während man der Un- 
terscheidung bei dem bekanntern Merod entrathen konnte. 
Auch auf den phönizischen Münzen von Tyrus (Gesenius 
mon. Tab. 34. J.) finden wir einmal ein solches Resch mit 
einem Beistrich. — Hervorzuheben ist auch die Form des 
Samech Z. 3., das hier mehr verkürzt als sonst vorkommt, 
aber doch noch hinlänglich vom Sain, vierte Zeile erster 
Buchstab, sich unterscheidet. Es sieht in jener Gestalt dem 
Samech auf der Serapeums - Inschrift, deren Schriftart von 
Mesopotamien abzuleiten ist '), sehr ähnlich, nur dass der 
stützende Strich dort mehr ans Ende, in dem unsrigen mehr 
nach der Mitte gerückt ist. Ein ähnliches Samech haben 
wir nur auf der durch Herrn Duc de Luynes veröffentlichten 
Syphax-Münze (vgl. Revue numismatique 1850 PL XL") ange- 
troffen. Das Mem kann man schwerlich beanstanden, da 
auch andere mesopotamische Denkmäler es aufweisen (siehe 
weiter unten, ferner Revue numism. 1855 PL IFI, 2. in dem 
Worte "Hl£, und die lit. sollt, bei Blau Zeitschrift d. D. M. 
G. IX. S. 90. Nr. 1 — 5), ja es ist sogar diesen so recht 
eigenthümlich 2 ). Dasselbe gilt zum Theil von dem Kaph, 
das in dieser Form auch der von Longperier veröffentlichte 
Siegelstein (vgl. journ. asiat. 1855, II. S. 429) bietet, sonst 
ist es uns noch nicht vorgekommen. — 

Stehen auf solche Weise die Zeichen unsers Siegels fest, 
so glauben wir sie auch richtig in Wortgruppen abgetheilt 
zu haben, und fügen zur Erklärung nur Weniges hinzu. — 



1 ) Vgl. unsere Abhandlung über dieses Denkmal in der Zeitschrift 
der D. M. G. XL S. 67. 

2 ) Schon aus graphischen Gründen ist daher Herr Blau (a. a. 0.) ganz 
im Rechte die Münzen nach Mesopotamien zu versetzen. Die grössere 
Legende lesen wir jedoch etwas anders, als dieser Gelehrte. 



26 

Dass wir ein Siegel vor uns haben, springt in die Augen; 
dass aber seine Inschrift in chaldäischer Mundart abgefasst 
ist, wird sogleich durch das 12 (Sohn) zu Anfang der zwei- 
ten Zeile klar, da phönizische und althebräische Siegelsteine 
„Sohn" wie natürlich durch p geben, und gerade dies erhöht 
auch das Interesse an demselben, weil wir bekanntlich so 
gut wie nichts bis jetzt von heidnischen Monumenten 
Mesopotamiens in aramäischer Sprache besitzen. Zahlrei- 
chere Schätze lassen uns freilich die Keilschriftmonumente 
dritter Gattung, wenn sie uns erst völlig lesbar geworden, 
erwarten; aber schon zur Entzifferung derselben. sind unsere 
Monumente mit semitischer Schrift nicht ganz zu übersehen. 
Das erste Wort p1?N ist vom chaldäischen Stamm 2"D, 
das in gleicher Bedeutung, wie das hebräische 213, Pi lügen, 
täuschen, wovon 2^3 und K273 nom. loci und das nom. 
propr. "»2J3, 4 Mos. 25, 15. 18., vorkommt. p"DK ist nun eine 
ganz gewöhnliche Nominalbildung im Chaldäischen, mit dem 
Aleph prosthet. und der Bildungssilbe Jt- man könnte es etwa 
mit „der Schlaue" übersetzen. — "1133 vom Nom. 123 vir 
fortis abzuleiten wäre ziemlich auffallend, da eine Bildungs- 
silbe 1 sonst im Chaldäischen nicht bekannt ist, und nom. 
pr. wie TlftJ und "1D1K von T\12 und "101 abgeleitet werden, 
obgleich beide auch bekannte Wurzeln in 1ÖJ und *]1N (vgl. 
1IIOD1K) bieten. Wir lassen daher die Etymologie des Wor- 
tes dahingestellt; gelesen kann es schwerlich anders werden. 
— KD1D heisst nicht gerade ewrtuchus, sondern auch, wie z. 
B. das Targum zu Jer. 34, 19 übersetzt, = N21 Fürst, Mi- 
nister. Bertheau (die Bücher der Chronik zu 1. B. 28, 1) 
bemerkt mit Recht: weil die Hofbeamten Eunuchen zu sein 
pflegten, konnte das Wort leicht zur Bezeichnung von Hof- 
beamten, auch wenn sie keine Eunuchen waren, dienen. 
Besonders häufig waren sie an den Höfen der Babylonier 
(vgl. Dan. 1, 3. 7. Jer. 39, 3) und Perser (vgl. 2, 3 und 
ö.) — i\ (Zeile 4) ist uns als pron. relat. durch die aramäisch- 
ägyptischen Monumente bereits bekannt, und war. es gerade 
dieses eine Wörtchen, welches in denselben dem Aramäi- 
schen nicht entsprach, obgleich der Consonantenwechsel von 



27 

"H und 1 nicht allzuschwer sich erklären liess. In der assy- 
rischen Keilschrift giebt Oppert (vgl. Ztschrft. D. M. G. XI. 
S. 136) das relativ, durch "*& 9 und verdient jedenfalls die 
Bezeichnung durch 11 bei einem gewiss sehr alten assyrischen 
Monumente Beachtung. — -"]p T P ist Part. I. des Pael, einer 
der opfert, daher vielleicht = Priester. — Tito ist höchst 
wahrscheinlich der Götze der Babylonier, den wir durch: 
Tp"l/p (Jer. 50, 2) bereits kennen. Es scheint als wenn die- 
ses Wort erst aus unserm Tito gebildet sei, durch die be- 
kannte Bildungssilbe % die man bisher jedoch als unsemi- 
tische betrachtet hat. 

3. Ein in Babylonien gefundenes Siegel (ein Carneol) 
des britischen Museums, mit schön ausgeprägten Figuren, 
zwei betenden Priestern und einer Person, in beiden Händen 
an den Hinterfüssen Thiere (Hirsch und Ziege) haltend, nebst 
einem Knaben, der ein Bündel auf dem Haupte trägt (vgl. 
ähnliche Siegel bei Layard: Ninive and Babylon p. 605 fg.), 
hat folgende Inschrift (vgl. Taf. Nr. 2): 

r 

■ 

i 

n 

r 

Dies übersetzen wir „dem Herrn (Gott) Bar". 

Unser Dokument, wenn unsere Deutung richtig ist, wäre 
demnach eher ein Amulet, als ein Siegel. Wir werden noch 
weiter unten Gelegenheit haben auf andere solche Inschriften 
auf Gemmen, welche den Namen von Gottheiten tragen, 
aufmerksam zu machen, eine Eigenthümlichkeit, die fast bei 
allen alten Völkern sich findet; sie sind gegen alle bösen 
Anfechtungen getragen worden. — 

Ito?. Das Lamed ist hier als Dativ zu fassen, dem Mar 
(Herrn), Bar sc. geweiht. Ito ist das chaldäische „Herr", 
= *]^to, bjQj jHK, das als Bezeichnung der Götter gebraucht 
wurde, daher auch der Gott in Gaza, wo die Assyrer be- 
sonders in jüngerer Zeit so bedeutenden Einfluss geübt ha- 
ben, auch Marna und sein Tempel Marnion hiess '), vgl. 

l ) Vgl. Movers: Religion der Phönizier S. 30 und 663, und Stark: 
Gaza und die philistäische Küste S. 599. 



28 

auch den Namen des aus Babylonien berufenen Königs 
MsgßaXog (Jos. c. Ap. I, 21, wahrscheinlich Menander's Ge- 
schichtswerke entnommen), der unter chaldäischem Einfluss 
in Tyrus eingesetzt wurde, == byilfc. Ebenso der Name 
des Oberpriesters daselbst Abbar fnafct), dem hebräischen 
rpSN und dem phönizischen ?]EP2K Abibai entsprechend. — 
Der Gott selbst heisst *D Bar und ist bereits auf babylonisch- 
assyrischen Monumenten mit assyrischer Keilschrift gefunden. 
Wir führen zum Beweise die Worte eines vorsichtigen 
neueren Forschers auf diesem Gebiete an. Brandis (über 
den historischen Gewinn aus der Entzifferung der assyrischen 
Inschriften, Berlin 1856 S. 40) äussert sich folgendermaassen : 
„Zu dem Gottesnamen Bar, der in Ninive sich häufig zeigt, 
können wir nur den Gott Bar vergleichen, der auf ägyptischen 
Monumenten hier und da genannt wird, allein nicht zu den 
eigentlich ägyptischen Göttern gehört zu haben scheint." ') 
— Auch das seiner etymologischen Deutung nach schwie- 
rige "1SKJDW (1 Mos. 14, 2) haben wir (vgl. phön. Studien 1. 
S. 34) mit unserm Ttt zusammenzustellen. Keinesfalls aber 
hat man Bar auf unserer Gemme als „Sohn" zu nehmen, 
indem man etwa den Vaternamen verwischt sich denkt, die- 
selbe ist ganz gut erhalten und hat nach Bar gar kein Zei- 
chen; nur eine einem Dolch ähnliche Figur, welche sich 
auch sonst noch sehr häufig auf babylonisch-assyrischen Cy- 
lindern und Gemmen findet, trennt Mar von Bar. 

4. Ein walzenförmiges Siegel des britischen Museums 
enthält neben der geflügelten Figur einer Gottheit und zweien 
betenden Priestern eine Inschrift in folgender Weise eingra- 
virt (siehe Taf. Nr. 3): 

-njn i 

cLGtf 2 
Diese Inschrift 2 ), die in allen ihren Theilen nicht leicht 



') Wenn Herr Brandis aber S. 120 in den Nachträgen Bar mit dem 
gazäischen Mama identificiren will, so können wir dem nicht beistimmen, 
da unser Siegel uns beide Namen "}ft und ""Q bietet. 

2 ) In dem Aufsatze : Topography of Niniveh by Felix Jones (journ. of 
the royal asiatic Snc. XV. 1855) wird p. 338. Anm. 3 beiläufig eine 



29 

zu deuten ist, giebt uns doch einen sichern Ausgangspunkt 
zur Entzifferung in dem zweiten bis fünften Buchstaben? der 
dritten Zeile, die wir unbedenklich büBI lesen. Das Resch 
hat etwas kleinen Kopf wegen des beengten Raumes. Die 
folgenden zwei Buchstaben lesen wir 13 „Sohn". Wir hät- 
ten demnach in den folgenden Buchstaben, die wir dann 
ßovaxQocpsöbv lesen müssten, den Vaternamen zu erwarten. 
Diese ergäben dann den Namen KBfTO. Man könnte nun 
diesen Namen nach Analogie von ^frCfc, i?Ntt^ö etwa deuten: 
„wer heilt". Aber abgesehen von der eigenthümlichen Be- 
deutung, dürfte auch das Jod vielleicht fehlen müssen. Wir 
möchten daher vorschlagen nach *D gleich die zweite Zeile 
zu beginnen und zwar mit dem N, auf dieses folgt dann 
Phe, Resch, Jod und dann das Mem, der letzte Buchstabe 
der dritten Zeile. Auf solche Weise erhielten wir D^IBK 
Ephraim. — Die erste Zeile lesen wir "Wi ; das erste Zeichen 
hat nicht die sonst in der Inschrift gebräuchliche Dalethform, 
doch ist sie nicht sehr von ihr verschieden; auch das Beth 
hat nicht den gebogenen Schaft, der auch in der zweiten 
Zeile nicht sehr bemerklich ist. Das erste Daleth ist die 
gewöhnliche chaldäische Genitiv-Bezeichnung, die sonst durch 
b auch ausgedrückt wird. Das Jod der zweiten Zeile, das 
etwas entfernt von den übrigen Buchstaben steht, kann man 
entweder zu dem büET) ziehen, so dass der Name büBT (vgl. 
den Namen der Stadt im Stamme Benjamin ^NETP Jos. 18, 
27) lautete, der nach Analogie von Dj6s\ )pJP gebildet ist, 
oder man zieht dasselbe zu dem "ny der ersten Zeile und 
liest "HSjn; und die ganze Inschrift, die wir, vorbehaltlich 
besserer Aufklärung, zur Prüfung vorlegen, ist alsdann zu 
lesen : 

DnDK "O !>NB") "Him oder: Q*1BK "12 btiEV TttH 
„meines Dieners Raphael Sohn Ephraim's", 
oder: „des Abdjirphael Sohnes Ephraim." 
Jedenfalls hat man sich zu hüten an einen jüdischen 



phönizische Inschrift mitgetheilt, die keine andere als die unsrige ist, aber 
in so entstellten und verkehrten Zügen abgebildet, dass schwerlich Je- 
mand darin die vorliegende zu erkennen vermag. 



30 

Besitzer des Siegels, etwa an einen Exulanten zu denken, 
wegen der Endung ^***, da einerseits Namen mit El am 
Ende auch Nichtisraeliten (vergleiche bwv "EvvXog, htflV 
Uzulus etc. u. die zahlreichen Beispiele bei Movers : punische 
Texte I. S. 47 fg. und weiter unten) führen, weil El Name 
für Gott dem ganzen Semitismus eigen und besonders den 
Babyloniern bekannt war *) (vgl. Jes. 14, 13, wo der König 
von Babel spricht: „Gen Himmel will ich steigen und über 
die Sterne des El meinen Thron setzen"), und anderseits die 
heidnischen Symbole, die unser Siegel hat, den Gedanken 
an einen jüdischen Besitzer ausschliessen. 

5. Ein sehr gut in Stein geschnittenes Siegel (wie ich 
glaube ein Chalcedon) des britischen Museums enthält rings 
um eine männliche Gestalt die Buchstabengruppe (siehe Taf. 
Nr. 4): 

TjaxnwpTir£ 

Um dieselbe richtig abzutheilen, müssen wir aufs Ge- 
naueste dem graphischen Elemente Rechnung tragen. Wir 
finden nämlich sehr sorgfältig das Resch vom Daleth unter- 
schieden durch die grössere Länge des Schaftes, und indem 
letzteres diesen mehr nach rechts biegt. Das Koph in der 
Gestalt des griechischen Koppa ist in eigentlich phöni zi- 
schen Monumenten selten, doch lässt es sich auch hier 
nachweisen in dem Stein von Tyrus und auf einer Münze 
von Heraklea (Gesenius mon. tab. 38. F.); ähnlich dem unsri- 
gen ist die Form auf den assyrischen Gewichten (journ. of 
theroy. as. soc.XVL, 1. p. 215. fg. Nr. 1. 2. 9.) — So erhal- 
ten wir denn: 

-ijnnn -n rprirfc 

„des Hadrakja Sohn. Hadbad's." 
Seltsam klingende Namen, über die wir keine Vermu- 
thungen wagen wollen, obgleich diesen ein weites Feld 
offen steht, wenn man etwa den ersten Namen in JPpTTl 
(Pracht des Firmaments) zerlegen und Hod-rakia und 
den letzten Hod-ba'ad (Pracht ringsum) sprechen wollte. 



M Vgl. Movers: Religion der Phönizier S. 256 und Gesenius im The- 
saurus I. S. 49. 



31 

Uns sagen diese Deutungen selbst nicht zu, und nehmen 
wir gerne bessere Erklärungen an. Von der Lesung möchten 
wir jedoch nicht abweichen, da die Zeichen zu klar, wie 
gesagt, ausgeprägt sind, obgleich sich mit Vernachlässigung 
der wohl unterschiedenen Resch- und Daleth-Zeichen leicht 
ein "DJ? und besser klingende Namen herausbringen lassen. l ) 

6. Ein Siegel ebendaselbst (siehe Taf. Nr. 5) hat die 
deutliche Inschrift 2 ): 

„des Tamkel Sohn Malkam's". 

Zur Erläuterung der Formen der Buchstaben haben wir 
nichts nöthig hinzuzufügen, nur die Ligatur des Wortes *D, 
wenn anders das Auge uns nicht täuscht, verdient Berück- 
sichtigung, da diese eine weitere Ausbildung der Schreib- 
kunst und reiches Schriftthum voraussetzt. Ob auch die 
Kunstformen des kleinen Denkmals eine etwas spätere Zeit 
bedingt, mögen Kunstkenner entscheiden. 

Der Name ^KDfcn „den El stützt" ist nach Analogie von 
iHD-D (Hi. 32, 2. 6), „den El segnet" gebildet. Unser Sie- 
gel bietet uns wiederum ein Beispiel von Zusammensetzung 
bei Nomm. pr. mit El bei Nichtisraeliten, da auch hier die 
Symbole, Sonne, Mond und das gehörnte Thier, jüdischen 



') Liest man das erste Wort Hadorkia, so findet man auch [einen 
ähnlichen Namen in üorkia, Tochter des phönizischen Feldherrn Pha- 
las, der nach rhodischer Sage noch vor den Doriern aufRhodus gelandet 
wäre. Vgl. Polyzelns bei Athenenäus, VIII, 61. p. 360 fg. undjMovers': 
phönizisch. Alterth. II, 2. S. 250. Jedoch ist nach einer andern Re- 
lation bei Ergias (Athen, a. a. 0.) der Name Darkas genannt. 

2 ) Lajard: Introduction ä Väude du mite public de Mithra, PL 43, 1. 
theilt dasselbe in etwas vergrössertem Maasstabe mit. Wir 'verweisen auf 
die genauere Beschreibung dieses Gelehrten. Die semitischen Buchstaben, 
deren Entzifferung dort nicht geboten wird, sind nicht in allen Stücken 
genau; und da es gerade uns um diese hier zu thun ist, so haben wir 
das Siegel in natürlicher Grösse hier gegeben. 



32 

Ursprung abweisen. Das "D weist uns wiederum auf Ara- 
mäa, wahrscheinlich auf Assyrien hin. — Der Name Malkam 
findet sich auch 1 Chr. 8, 9 bei einem Nachkommen Ben- 
jamins, der im Lande Moab gezeugt worden. 

Es ist eine auffallende Aehnlichkeit des Vornamens un- 
sers Siegels mit dem von Longperier zuerst veröffentlichten 
(vgl. journ. asiat. 1855, II. S. 429) und von Ewald (Erklärung 
der grossen sidon. Inschrift p. 51) wiederholten. Dasselbe 
hat ebenfalls die vier ersten Buchstaben unsers Siegels 
Dör6, dann folgt eine kleine Lücke, wo ein Buchstabe Platz 
gehabt hätte, und endlich ein Zeichen das etwa als Lamed, 
wenn anders die Zeichnung ganz treu ist, wie es in spätem 
Inschriften häufig vorkommt, gelesen werden könnte; es ist 
daher auch nicht zu kühn, wenn wir hier ebenfalls den Na- 
men ^fcOfcn lesen und in der Lücke ein K vermuthen. So 
gäbe die dortige Inschrift: 

hiaarb 

^&:pö p 

„des Tamkel Sohn Miknemelech's *)" 

7. Wir schliessen hieran die Inschrift auf einer Gemme 
auf der bibliotheque imperiale zu Paris, welche die Inschrift 
(s. Taf. Nr. 6) hat: ^ODD^, „des Sassrael". Die Gemme 
ist wohl assyrischen Ursprungs, oder doch eines von Assyrien 
in religiöser Beziehung abhängigen Landes, denn dieselbe 
hat unter der Inschrift den bekannten Mihr. 

Unser ^ODD kann als eine reduplicirte Form von 5?&nD"lD 
(das schwer zu deutende biblische frOD^D mag damit ver- 
wandt sein) angesehen werden, und da das 1D „Fürst, Kö- 
nig" in der assyrischen Keilschrift gesichert zu sein scheint 2 ), 



') Ueber diesen Namen haben wir schon I. Heft, S. 37. Anm. ge- 
sprochen. 

2 ) Siehe Oppert: die Grabinschrift Darius I, Zeitschrift D. M. G. XL 
S. 136, wo i^D 1D „Fürst der Fürsten" übersetzt wird, im persischen 
Texte: Khsdyathiydndm khsdyathiya. 



m 

so dürfte man vielleicht unsern Namen „Fürst der Fürsten 
ist El" übersetzen '). 

Um das Material über die altsem. Schriftform zu vervollstän- 
digen, geben wir in dem Folgenden noch eine Anzahl von Do- 
kumenten, die sich zerstreut in verschiedenen Werken bereits 
vorfinden, die aber zum grössten Theil noch nicht gelesen sind. 

8. Eine Gemme assyrischen Ursprungs, abgebildet in 
den mem. de V Institut, t XVII, 1. PL III, Nr. 4. -) (siehe 
S. 353) hat zu beiden Seiten des Bildes dieselbe Inschrift 
(siehe Taf. Nr. 7), welche wir pnn^D lesen. 

Steht die Bedeutung von bü im Assyrischen = dem he- 
bräischen p „Sohn" fest, so ist doch pnn schwierig zu deu- 
ten, da das hebräische fcTinri (2 Mos. 28, 32) Panzer auch 
noch keine befriedigende etymologische Deutung gefunden, 
seiner Formation nach weist es auf aramäischen Ursprung. 
Für unser Wort pnn möchten wir als Grundwort inn — 
hebräisch ini#, da W und n im Chaldäischen sehr häufig mit 
einander wechseln (vgl. Bunsen: Outlines II, p. 345); TTO ist 
die Morgenröthe, auch Morgenstern, Lucifer, und 
davon das nom. pnn mit der Bildungssilbe ) — , daher pnn b% 
etwa so viel wie das hebräische ^r\U? p Jes. 14, 12, das an 
diesem Orte in Bezug auf den babylonischen König von 
dem Propheten angewandt wird. Der Stern zur Seite des 
Bildes möchte vielleicht unsere Ableitung begünstigen. 

Die Schriftzeichen unserer Inschrift bieten uns zum 
erstenmal die Kreuzesform des n, die das altgriechische und 
altitalische Alphabet als die alterthümliche uns bestätigen. 

9. Herr Lajard giebt in seinem Werke sur le culte de 
Venus, PL XIV. B. Nr. 1, eine Gemme {„agate gravee en creux, 

cabinet imperial de Vienne, forme non designee u ), die eine Um- 



') Hierher ist ohne Zweifel auch die Gemme zu rechnen, welche 
Gesenius (man. Ung. P/wen. tab. 28. LXV1I, bis) mittheilt und die sich jetzt 
auf dem britischen Museum befindet. Die Lesung "U"}^ »des Sargad ; - 
ist unzweifelhaft; sowohl die Schriftart, als auch die religiösen Symbole 
weisen auf Babylonien oder Assyrien hin. 

2 ) Ein den symbolischen Figuren nach ganz ähnliches Bild mit der- 
selben Inschrift, aber nur auf der einen Seite des Bildes, findet man bei 
Layard: Niniveh und Babylon p. »306. 

3 



34 

schrift um das Bild (sitzende weibliche Figur, der eine an- 
dere eine Schale reicht) (siehe Taf. Nr. 8) hat. 

Die Zeile rechts kann man nicht anders als T3nn&6 , die 
oberhalb des Bildes ich und die links Wȣtt> lesen. 

Wir hoffen in der Lesung der Buchstaben keinen Wider- 
spruch zu erfahren, ihre Formen ') sind ganz den früher 
gegebenen ähnlich und tragen so wie auch das Bild den 
Charakter mesopotamischen Ursprungs 2 ). Nur zwei Formen 
sind uns noch zweifelhaft: der letzte Buchstabe der Zeile 
rechts, den wir Sain gelesen ; er ist in dieser Form den per- 
sischen Satrapen münzen (vgl. z. B. die Abd'sohar-, Tribazu- 
und Pharnabazumünzen bei de Luynes: Essai etc.) eigen, 
doch ist seine Kürze auffallend und es bleibt immerhin mög- 
lich, dass an der Spitze ein kleiner Strich fehlt, so dass er 
der zweiten Figur links ähnlich wäre. Wir haben diese als 
Mem betrachten zu müssen geglaubt, da ein Tav, auf das 
man zunächst rathen könnte, unzweifelhaft in dem vierten 
Buchstaben der Zeile rechts vorliegt. Wir finden zwar eine 
solche Memform auf einzelnen Münzlegenden von Sidon 
(Gesenius: mon. tab. 34 und tab. 37. J, bis); doch ist aus 
alter Zeit keine derartige bekannt, daher wir auch die Be- 
stimmung dieses Buchstaben nicht mit Sicherheit geben 
können. 

Was aber mit der Inschrift: 

wüw*oin:nn&6 oder: 

anzufangen sei, wissen wir nicht; wenn uns auch einzelne 
Worte wie priN, KD^Ö, tt^Öltf nicht so ganz fremd erscheinen 
dürften, so vermögen wir doch nicht das Ganze im Zusam- 



') Das Cheth ist noch hervorzuheben, es ist uns in dieser an das 
Altgriechische und Altitalische erinnernden Form nur noch in der zwei- 
ten Inschrift von Nora Jud. PI. 28 (Fragment) vorgekommen. 

2 ) Ein ähnliches Bild bietet die Tab. IXX, 6 mit pehlewie Umschrift, 
das gewiss aus der Zeit der Sassaniden herrührt (Vgl. a. a. 0. S. 124). 
Bekanntlich sind diese in der Kunst und zum grossen Theil auch in der 
Religion die Nachahmer ihrer persischen Ahnen. Vgl. B enfey: Zeitschrift 
D. M. G. VIII, S. 450 fg. 



35 

menhange zu lesen. Vielleicht finden Andere den Sinn 
heraus. 

10. In dem vorhergenannten Werke von Lajard, sur le 
culte de Venus, PL XIV. G. Nr. 13, findet sich eine Gemme 
mit dem Bilde einer sich umwendenden Kuh, die ihr Junges 
säugt, über dem sich eine Ueberschrift in altsemitischer Schrift 
(siehe Taf. Nr. 9) befindet. 

Wir lesen dieselbe ">T]6, oder wenn man auf die leichte 
Biegung des letzten Buchstaben keine Rücksicht nehmen 
wollte: myb „der Uzah" („der Gewaltigen, Mächtigen"). 
— Interessant ist in dieser kleinen Inschrift die Form des 
Sain, das hier zum erstenmal in der altgriechischen auftritt, 
aber durchaus nicht zu verkennen ist. 

In dem Namen Uzah sehen wir eine Bezeichnung der 
Astarte; zunächst spricht dafür das Symbol „eine Kuh, die 
ihr Junges säugt", das so häufig auf orientalischen Münzen 
und Gemmen sich findet und diese Bedeutung auch bei den 
Griechen und Etruskern in etwas modificirter Weise bewahrt 
hat ') 5 dann der Name Uzah, der die fem. Bildung von IV 
ist; dieses Beiwort führt Baal in dem nom. propr. bv^lV auf 
den Münzen von Gebal, die unter persischer Oberhoheit 
geschlagen sind (vgl. de Luynes: Essai etc. p. 89), ähnlich 
dem hebräischen Namen .TW, 5&W. Endlich hat sich der 
Name auch erhalten in dem fernen Gebiete des Semitismus, 
auf der arabischen Halbinsel. Eine der drei grossen Göt- 
tinnen, die der Koran erwähnt, ist die f Uzzä (^Ifc), die als 
Mondgöttin des Hig'äz mit Recht von Oslander (Zeitschrift 
d. D. M. G. VII, S. 484, 487 und 491) betrachtet wird. „Der 
Name, dessen Ableitung und Bedeutung, heisst es an der 
letzten Stelle, (= die sehr Starke, Gewaltige) an sich klar 
ist, und die ausserordentliche Verbreitung des Cultus weist 
auf eine der grösseren Himmelsmächte, die sonst nachweis- 
lich von den Arabern angebetet und überhaupt als weibliche 



*) Vgl. Lajard, a. a. O. S. 122, 154 und 166 ; Preller: Mythologie II, 
S. 21 und 32 Anm.; ferner: Raoul Rochette: sur l'Hercule Assyrien, 
p. 108 und besonders: de Longperier: bullet, archtologique de V Athen, fr. 
Nr. 3, Mars 1855. 

3* 



:u; 

Gottheiten verehrt wurden. Nun wird dem Stamm Kinänah, 
dem einen Hauptsitze der Verehrung dieser Göttin, von. Al- 
bulf arag ausdrücklich der Mondcultus zugeschrieben." 
Unter dem deutlicheren Namen .^ic hat sich auch im südlichen 
Arabien, bei den Himjaren, die Astarte und deren Vereh- 
rung vorgefunden (vgl. Fresnel: janrn. asiut 1845 p. 199 und 
220 und Oslander: Zeitschrift D. M. G. X, S. 62); und da 
nun nicht zu bezweifeln ist, dass diese Göttin überhaupt 
assyrischen Ursprungs ist (Einfluss Assyriens auf Südarabien 
ist gewiss nachweisbar, höchst wahrscheinlich auch auf 
Hig'äz, vgl. Oslander a. a. 0. VIL S. 475 fg.), so dürfen wir 
die nW oder *$ auf unserer Gemme wohl als Bezeichnung 
der assyrischen Astarte betrachten '). Höchst wahrscheinlich 
wurde der Stein als Amulett getragen. Eine gleiche Bestim- 
mung mag auch 

11. eine Gemme gehabt haben, welche auf der kaiser- 
lichen Bibliothek in Paris sich befindet und über den Hör- 
nern zweier gegen einander gekehrten Stierköpfe die Inschrift 
hat 2 ) (siehe Taf. Nr. 10 , welche wir 

imxfo 

lesen. Die Schrift hat in dem Buchstaben Kaf nicht mehr 
den assyrisch-babylonischen Typus (vgl. die Form desselben 
in den oben gegebenen Monumenten Nr. 1, 2, C>, 9) und 
erinnert schon an jüngere (phönizische) Formen — denn 
offenbar ist das mit einem Schenkel versehene Kaf eine 
Verkürzung aus dem mit zweien — während die andern 
Zeichen keinen Bestimmungsgrund bieten, da wir sie eben- 
sowohl auf phönizischen, wie mesopotamischen Denkmälern 
finden. - Bei der Deutung des WöD? (das Lamed ist wie- 
derum wie auf den andern Steinen zu bestimmen) muss 



') Vgl. auch weiter unten zu Nr. 13. 

2 ) lieber der Inschrift ist Sonne, Mond und ein Stern gesetzt. 
Lajard, a. a. 0., hat unsere Gemme abgezeichnet (PI. III, 8) „Agate 
blanchatre, gravee en creux, et portant une legende en caracteres inconnues." 
Vgl. das. S. 140 fg., wo diesem Monumente ein sehr hohes Alter vindi- 
cirt wird; die Inschrift selbst berührt er weiter nicht, nur das letzte Zei- 
chen derselben wird bei ihm auf ganz sonderbare Weise gedeutet. 



87 

man nach unserer Ansicht auf bv^^ob „dem mächtigen Baal" 
zurückgehen, nach hebräischer Schreibweise = ^3 T2Q?- 
Das Wort ?V- als ein so häufig, auch in nomm. propr. ge- 
brauchtes Wort, kann, ebenso wie der Name miT bei den 
Hebräern in compositis in 'Hund m" 1 und dies sogar in ''--(z. 

B. itfn ±* rrärvni £= rrat, naj; = rmaj; und = ränay) 

sich abschleift, sich leicht in J?2 verkürzen. Im Phönizischen 
liegen bestimmte Zeugnisse dafür in den neuphönizischen 
Inschriften vor (vgl. darüber weiter unten), wo bjQ zu Ende 
des Wortes in V*2 und noch sonst verkürzt wird, im Altphöni- 
zischen sprechen Namen wie mptejn --= mp^D^Q Carth. 15 
(Judas PI. 9) u. dgl. dafür'). Auch das Wort ISO (= T23) 
ist wohlbekannt durch die Kabiren (CTIID) 2 ) und durch die 
Münzlegende von Sabratha 3 ). Somit dürfen wir unser JD12D^ 
übersetzen ,,dem mächtigen Baal. u 

12. Zu derselben Schriftart gehört und scheint doch mesop. 
Ursprungs zu sein die Inschr. (S. Taf. Nr. 11) unter einer 
Gemme („sitzende männliche Figur und eine vor derselben 
stehende, hinter dem Sitze 7 Sterne"), welche bereits Kopp 
(Palaeographia critica J\\ p. 110) und in etwas besserer Ab- 
schrift Lajard culte de Mitlira PL 36 Nr. 3) veröffentlicht hat. 
Vor der Figur zur Rechten steht ein phönizisches Aleph 



und nach derselben ein 



\ 



Wie Tychsen unsere Inschrift gelesen ( = jaDN^Tin!?) 
und die Versuche Kopp's, die nicht viel glücklicher ausge- 
fallen, mag man bei letzterem a. a. 0. u. in seinen „Bilder 
und Schriften" II, S. 181 nachlesen. 

Die drei letzten Zeichen wird man ohne Schwierigkeit 
"1DD lesen, auch die zwei ersten als r6, sowie das vierte 
als "I erkennen. Auch das dritte lässt sich allenfalls als Waw 
lesen und demgemäss auch das fünfte. Was soll aber der 



') Vgl. Movers in der Encyclopädie von Ersch and Gruben Art. Ph 
nizien S. 438. 

2 ) Movers a. a. 0. 8. 394. 

3 ) .Siehe unsere phönizische Studien 1. Heft, S. fi2. 



38 

kleine senkrechte Strich nach demselben bedeuten? ein Sain? 
dazu ist es zu kurz und würde auch keinen vernünftigen 
Sinn im Zusammenhange mit den übrigen Zeichen bieten. 
Man thut daher wohl am besten es ganz unberücksichtigt 
zu lassen, da es am Ende ein Worttheiler oder sonst durch 
Zufall oder Irrthum des Steinschneiders entstanden ist. Dem- 
nach dürfte die Inschrift vielleicht zu lesen sein: 

„idd nrfc" 

„Des Hudu, Schreiber (Gelehrter)". Wie der Name Hudu 
zu deuten, wollen wir nicht weiter erörtern, die Endung 1- 
ist übrigens in chaldäischen Namen aus alter Zeit sehr häufig. 
Jedenfalls ist die Gemme, der Kunst und der Schrift nach 
zu urtheilen, nicht so sehr alt. Auf altern mesopotamischen 
Monumenten haben wir, wie schon erwähnt, das Waw stets 
einem Phe ähnlichgeformt angetroffen. 

13. Die Inschrift (siehe Taf. Nr. 12), welche auf 
einer Gemme bei Layard (Niniceh and Babylon p. 155) sich 
findet ), bietet uns in vielfacher Hinsicht interessante Auf- 
schlüsse. Wir lesen dieselbe lW"inyi\ Das einzige auffal- 
lende sechste Zeichen, das wir als Sain bestimmen, ist die 
gewöhnliche auch im Griechischen wohlbekannte Form 21 
in umgekehrter Weise gezeichnet. Dass aber diese Gestalt 
X dem Altsemitischen nicht fremd war, geht aus der Form 
des Zade, das wir (siehe Taf. III, unter VI, b. 3 unserer 
phönizischen Studien I, S. 52 und ff.) als potenzirtes Sain be- 
trachtet haben, hervor. — Das Wort ITJHny aber ist lautlich 
nicht sehr verschieden von lnjnny, das wir in dieser Form 
durch die bekannte Münze bei De Luynes (Essai etc. PL V), 
die unter dem Bilde der Astarte dieselbe hat, kennen, und 
von Nnjnn des Thalmuds (vgl. bab. Aboda Sara f. 11, b. 
und Jkb^L in der Stelle bei Assem. bibl. or. I, 327 * 2 ). Der 



') Die Gemme ist in dem Palaste zu Kuyonjik, für dessen Erbauer 
Layard (siehe a. a. 0. S. 153) Sanherib hält, neben vielen andern Siegeln 
aufgefunden worden. Layard nennt das Siegel ein phönizisches, giebt 
aber auch zu, dass die Charaktere auf demselben irgend einer andern 
semitischen Nation angehört haben könnten. 

2 ) Siehe die Stelle phönizische Studien, Heft I, S. 25. — Ucber die 
mit Npjnn identische Jeqhstco siehe Stark: Gaza S. 251 i'g. 



39 

zweite Theil )1V in unserm ITJTiny, dem W, das wir oben 
Nr. 10 als Epitheton der Astarte kennen gelernt haben, sehr 
nahe stehend '), ist hier eine nähere Bezeichnung von "iny, 
das gewiss nur eine verkürzte Form von *\n\VV (Cit. 1.), 
mnttfJJ und dem himjarischen y&x: (vgl. oben Nr. 10) ist. 
Strabo (XVI, 4) hat daher ohne klare Einsicht in die Sache 
die auffallende Erscheinung, wie verschieden barbarische 
Wörter ausgesprochen würden, angeführt, dass sich bald 
'A&ccqcc oder 'A%aQyaxr\ oder auch Jsqxsto) für dieselbe Gott- 
heit fände. Auch Hesychius (vgl. Müller: a. a. O. IV, 629) 
hat die Glosse: A%x aycc^jj, AO^ccqtj, naqa toi SccvS-m. — Es 
kommen im Grunde 'ATagyaÖrj und A&äqa auf eins hinaus, 
nur dass jenes mit dem Attribut, dieses ohne dasselbe er- 
scheint. Es erklären sich auch aus der vollen Form *\TWy 
und der contrahirten "iny die verschiedenen Lesarten in dem 
Namen des tyrischen Königs Astarymus (vgl. Movers phöni- 
zisches Alterthum II, 1. S. 344). Ruffin hat: Astarimus, Syn- 
cell.: AÜczqviioc, Euseb. : Astharimus, Theoph. : A&dQVfiog. — 
Auch in der ägyptischen kuhköpfigen Athor können wir 
unsere Form iny wiederfinden. Ueber die Identität der 
Isis -Athor und Astarte vgl. Movers: a. a. O. II. S. 68 fg., 
siehe auch weiter unten über inj? bei den neuphönizischen 
Inschriften. 2 ) 

14. Hierher gehört auch die Inschrift (siehe Taf. Nr. 13) 
auf einem Siegel, die Blau (de numis Acliemenidarum Tab. 1. 6.) 
mittheilt und babylonischen Ursprungs hält. Die Inschrift 
scheint indessen aus ähnlichen paläographischen Gründen, 



') Damit identisch ist gewiss die Göttin ^M., die wir bei Melito (vgl. 
Cureton: specileg. syriac. p. 25 finden. Vergl. auch das fragm. v. Philo 
ByU. bei Müller: fragm. hist. gr. III. p. 575 s. v. Accodlnsicc. Endlich ist 

auch hierher zu ziehen die Glosse bei Hesychius: 'A8cc vno BccßvXovlow 

tj "Hqcc, naget Tvgioig 8s rj 'izect. Es sind Ada und Itea offenbar dieselben, 
nur weicher oder härter ausgesprochen, und hängen mit unserm Athi 
wohl zusammen. 

2 ) Wichtig ist noch für den mesopotamischen Ursprung der Form 
""injJi dass ein aus Babylon im 6. Jahrhundert, geholter König den Namen 
BaXoixoQccg (Jos. c. Ap. I, 21), ein assyrisch. König BakatoQrjg (Sync. p. 278) 
führte, derselbe bei Agathias Hist, II. 25 p. 119 Br\lazciQag hiess. 



40 

wie die zu Nr. 1 1 angeführten , nicht sehr hoch hinaufzu- 
reichen. 

Wir lesen mit Blau ^DlWlfälV sol pretii mei. Der genannte 
Gelehrte vergleicht damit Ps. 55, 14 und das nom. propr. 
Sampsiceramus. Man könnte auch Samsriricus bei August. 
ade. Crescon. 3, 29 herbeiziehen. 

15. Auch die Inschrift des auf dem britischen Museum 
befindlichen Siegels (siehe Taf. Nr. 14), welches Lajard {eulte 
de Mithra, PL 50, 6) u. Lajard (Niniveh and Babylon p. 606) 
veröffentlicht haben, 

enn 

d. i. : „Siegel Gadschirt's Sohnes Artadati u gehört wohl 
auch zu unserer Schriftart, zumal der Fundort Babylonien 
ihm diesen Platz vindicirt; jedoch ist diese Inschrift gewiss 
viel jünger, als die meisten der oben mitgetheilten und hat 
ganz den Typus der sogenannten aram. - ägyptischen Denk- 
mäler. Ziemlich ähnlich dieser Schriftart ist auch 

16. die Unterschrift unter einem flüchtigen Stier (siehe 
Taf. Nr. 15) und die *>Tfö zu lesen ist 1 ). Da die Schrift ver- 
kehrt eingegraben ist, so scheint dieser Sardonyx-Stein als 
Siegel verwandt worden zu sein, wenn man nicht anneh- 
men will, dass er als Amulett getragen worden, und man 
aus Aberglaube den Namen der Gottheit verkehrt geschrie- 
ben habe. Dass aber "Hlfr, Mazdi, den Ahuramazda bezeichne, 
ist uns nicht zweifelhaft, vorausgesetzt, dass man in der Le- 
sung mit uns übereinstimmt 2 ). Wir finden dieses "HIÖ auf 
Achämenidenmünzen (vgl. Gesenius: monum. tab. 36, G. u. 
Hernie numism, 1855, PL III, Nr. 2) über dem Haupte des 



') Siehe die Abbildung bei Kopp (palaeographia crit. IV. p. 114.) 
Auch Caylus (recueil des antiqu. IV, tab. 55. p. 16!) halte dasselbe mitge- 
theiltnnd meint, die Unterschrift bezeichne wohl den Steinschneider. Kopp 
liest 'HDfc un ^ we i gs natürlich keinen vernünftigen Sinn herauszubringen. 

2 ).Der einzige Buchstabe, welcher etwas entstellt scheint, ist der 2., 
aber offenbar ist der feine Strich entweder ein Versehen des Steinschnei- 
ders, oder, was mir näher zu liegen scheint, es ist ein Sprung im Steine 
selbst. Wo derselbe sich jetzt, befindet, weiss ich nicht anzugeben. 



41 

auf seinem Staatswagen fahrenden Königs, und auf den be- 
kannten Abdsoharmünzen l ) und den von Tarsus. Die Form 
mit Jod am Ende findet sich auch auf den Inschriften von 
Kirmanschäh, welche de Sacy zuerst entziffert (vgl. Mem. 
sur divers, antiqu. de la Perse und Mem. de V Institut T. IL 
p. 173 /.) in dem Worte nföinTK, auch auf den Münzen 
von Hormuz ist der Name ebenso geschrieben (vgl. Mordt- 
mann: Zeitschrift d. D. M. G. VIII. p. 37): jenes Jod, das 
sich auch so angehängt in den Wörtern "ODND neben DDKD 
(ßabec), nnOTW neben nFTOnW (Sapor) findet, scheint bloss 
nachlautender Vocal zu sein, ohne auf die Wortbedeutung 
Einfluss zu üben (vgl. Spiegel: Grammatik der Huzväresch- 
Sprache, Wien 1856 §. 31 und p. 169). Was aber der flüchtige 
Stier auf unserm Steine bedeuten solle, können wir nur ver- 
muthen, dass darunter die Feinde Ahura-mazda's symbolisch 
verstanden sind, die vor ihm die Flucht ergreifen. Auf den 
vorhergenannten Münzen von Abdsohar und Tarsus aus der 
Zeit der Achämeniden sehen wir einen Löwen, der einen 
Stier unter seinen Tatzen hält, und manche Numismatiker 
haben darin das Bild des siegreichen Persien erkannt, dessen 
gewaltige Macht unter dem stärksten Thiere, dem Löwen, 
während die besiegte Nation unter dem Stiere dargestellt 
wird. Ob also der fliehende Stier auf unserm Bilde einen ähn- 
lichen Gedanken versinnlichen soll, ist immerhin möglich 2 ). 



') Wie die ganze Legende auf diesen Münzen gelesen werden muss, 
darüber sprechen wir an einem andern Orte. — Ueber die gedachten 
Münzen vgl. De Luynes: essai etc. PL III — V und VIII fg. 

2 ) Einige andere kleine Siegel und Gemmen, die sich noch bei La- 
jard {sur le Mythrd) finden, übergehen wir, weil sie weder in paläogra- 
phischer noch in archäologischer Beziehung von Bedeutung sind. Zwei 
babylonische Siegel aus Babylonien mit den altsemitischen Inschriften 
^jn"ny und *fe"ny hat Longperieur im journ. asiat. 1855, IL S. 422 
und 426 veröffentlicht. 



42 



m. 

Neuphönizische Inschriften. 

Da nur eine unbedeutende Anzahl Monumente mit In- 
schriften in phönizischer Sprache und, wenn wir den Inhalt 
derselben in Betracht ziehen, eine noch geringere in neu- 
phönizischer *) auf uns gekommen ist, so haben wir um so 
grössere Verpflichtung das Wenige durch sorgfältige und 
gewissenhafte Untersuchung dem Verständnisse zu ermitteln. 
Wenn nun auch die Versuche die neuphönizischen Monu- 
mente, welche uns im Folgenden beschäftigen sollen, zu 
erklären durch die Bemühungen von De Saulcy, Movers, 
Judas 2 ) und Andere, wenn man sie mit denen von Hamaker 
und Gesenius vergleicht, von guten Erfolgen begleitet ge- 
wesen sind, so ist doch bei den meisten Inschriften im Ein- 
zelnen wie im Ganzen für die Erklärung derselben so viel 
zu thun übrig, dass eine nochmalige Besprechung, die ohne- 
hin von sämmtlichen bis jetzt bekannten Stein-Denkmä- 
lern mit neuphönizischer Schrift noch nicht erfolgt ist, nicht 
überflüssig erscheinen dürfte. 



*) Wir haben diesen Namen in Ermangelung eines passenderen ge- 
wählt; man nannte früher dieselben irrthümlicherweise numidisch. 
Nicht ganz zu verwerfen ist die von Andern gewählte Bezeichnung liby- 
phönizisch, obgleich das in diese Inschriften eingedrungene Libysche, ab- 
gesehen von den nomm. propr., unbedeutend erscheint. 

2 ) Letzterer hat besonders in neuerer Zeit manchen dankenswerthen 
Beitrag für die Kunde der Münzen Nordafrikas mit Legenden in neu- 
phönizischer Schrift geliefert, und gelegentlich seine früheren Behaup- 
tungen entweder modificirt oder näher begründet. 



43 

Die zu besprechenden Monumente findet man gesam- 
melt und erklärt in den Werken von Gesenius (wo«, ling. 
Phoen. Tab. 21 — 27 und Tab. 47, im Ganzen 11 Inschriften), 
von Judas (etudes demonstratives de la langue Phenicienne, PL 7, 
10—26 bis und PL 28—29, Paris 1847) und von Bourgade 
(toiscm d'or de la langue Phenicienne^ Paris 1852, 2. Auflage 
Paris 1856 l ). Ausserdem giebt Herr Judas eine Inschrift 
dieser Gattung in der revue archeologique IV. (1847) p. 188 2 ). 
— Eine Erklärung des grössten Theils unserer Inschriften 
hat Herr Professor Ewald versucht in der Schrift : Entzifferung 
der neupunischen Inschriften, Göttingen 1852. Da diesem 
Gelehrten ein umfangreicheres Material als den meisten sei- 
ner Vorgänger vorlag, so hätte man wohl mehr gesicherte 
Resultate erwarten dürfen, und wenn man seiner Versi- 
cherung trauen könnte (S. 31) „dass man nach diesen Er- 
gebnissen die Entzifferung der ganzen Gattung neukartha- 
gischer Inschriften für gesichert halten wird" so hätte der 
Verfasser zuverlässige Erklärungen geliefert; darin wird man 
sich jedoch sehr getäuscht sehen. Seine Erklärungen sind 
in der Regel, wo nur irgend eine Schwierigkeit vorhanden 
ist, irrig und das Bestreben stets etwas Neues zu finden hat 
ihn das von seinen Vorgängern bereits richtig Erklärte ver- 
kennen lassen und zu Entzifferungen geführt, die aller ver- 
nünftigen Auslegung Hohn sprechen. Wir sehen uns im 



*) Diese Auflage ist in so weit eine verbesserte, als die Tafeln einer 
genaueren Revision unterworfen worden und hin und wieder manches 
mangelhaft gegebene Zeichen verbessert und manches fragmentarische 
Monument hergestellt worden (so z. B. die 21. und 27. Inschrift). Neu 
hinzugekommen ist eine kleine lateinische Inschrift, begleitet von einem 
einzigen phönizischen Worte (T. 5, bis). Wir werden dieselbe weiter 
unten berücksichtigen. — Wir können dem Verfasser für die angewandte 
Sorgfalt in dieser Richtung nur dankbar sein, da ohne sichere Abschrift 
jede Interpretation mangelhaft bleibt; für die Lesung der Monumente aber 
hat Herr Bourgade sehr wenig geleistet, ja der neue Fund hat ihn, wie 
wir sehen werden, auf gefährliche Irrwege geführt. 

2 ) Wir werden im Folgenden die dem Werke von Gesenius entnom- 
menen Inschriften mit G., die von Judas mit J. und von Bourgade mit B. 
bezeichnen. 



44 

Verlauf dieser Abhandlung um so mehr veranlasst auf Ewalds 
Erklärungen einzugehen, da er der letzte Bearbeiter ist und 
weil jene Entzifferungen mit einem so zuversichtlichen Tone 
seiner Unfehlbarkeit vorgetragen werden, dass Mancher den- 
selben leicht Glauben zu schenken sich veranlasst fühlen 
möchte, der der Sache mehr fern steht; wiewohl es dem 
aufmerksamen Forscher nicht entgehen kann, dass seine 
ganze Untersuchung das Gepräge der Flüchtigkeit an sich 
trägt, die sich mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit 
schlecht verträgt. 

Wir übergeben unsern Versuch der Entzifferung in der 
Erwartung, dass bald Andere Unrichtiges berichtigen und 
Mangelhaftes ergänzen möchten, um auf solche Weise grös- 
sere Sicherheit für neue Funde, für die nicht alle Aussichten 
fehlen, zu gewinnen. 

Die zu besprechenden Inschriften, zum grössten Theil 
in Nordafrika, von den Syrten bis zum atlantischen Ocean 
gefunden, zeigen eine ziemlich weit eingerissene Entartung 
in Schrift und Sprache in Vergleich zum Altphönizischen. 
Ueber die erstem werden wir ausführlicher in dem folgen- 
den Hefte zu sprechen haben, wo über die Verbreitung der 
altsemitischen Schrift abgehandelt wird, über die letztern 
findet man eine, wenn auch nicht erschöpfende, doch das 
Wesentlichste berücksichtigende Abhandlung von Movers in 
der Encyclopädie von Ersch und Gruber, III. Sect. Bd. '24, 
S. 423 fg. Im Allgemeinen scheint das Neuphönizische, 
wenn man von dem fast unterschiedslosen Gebrauch der 
Zischlaute, der häufigeren Vertauschung der Hauch-, 
Kehl- und Lippenlaute untereinander *) und von der Ver- 



') Soweit die geringen Ueberreste des Libyschen in der Inschrift von 
Thugga und einzelne noram. propr. in unsern Inschriften, so wie das 
heutige Berberische als eine wenn auch durch mannigfache Einflüsse 
getrübte Tochtersprache jenes Lutschen ein Urtheil gestatten, scheint 
das Neuphönizische durch den Einfluss der libyschen Mischbevölkerung 
die gedachten Entartungen erhalten zu haben. So z. B. wird in der 
Tlmggainschrift das Samech des phönizischen Wortes pD"l^ Z. 4 einer- 
seits, und 7"]D£i iDEOj Z. 6. anderseits durch verschiedene Sibilantes im 



45 

wendung von Aleph, Waw, Jod und selbst des Ain zu Vo- 
calbuchstaben absieht, im Bau mit dem Altphönizischen 
übereinzustimmen '), und selbst der Wortschatz lässt sich bis 
auf . einzelne nomina propr. aus dem Semitischen herleiten, 
so dass dem libyschen Element nur sehr geringer Einfluss 
einzuräumen wäre. Das Nähere werden wir bei der Er- 
klärung der einzelnen Inschriften beibringen. 

Wh- können die vorhandenen nordafrikanischen Monu- 
mente in Dank- und Grabinschriften eintheilen, und nehmen 
sie nach der Reihe, wie sie in den genannten Sammelwerken 
vorkommen, beginnend mit den ersteren. 

A. Dankinschriften. 

Sie sind dem ßaal-Chamman (oder nach phönizischer 
Aussprache Baal-Chammon) pn 5>ID (auch pV S$Q und ver- 
kürzt p ?]D geschrieben) geweiht, entweder in Folge eines 
erfüllten Wunsches, &6p yttttO als er seine (des Dankenden, 
oder C?p der Dankenden) Stimme erhörte, oder in der Hoff- 
nung, dass der Gott ihn erhöre und segne und dergl. 



Libyschen wiedergegeben-, ferner rnnt£H2J? i m Libyschen durch *inilHl? 
und so erklären sich denn Formen des Neuphönizischen wie fä)y = 12J7, 
1*} = "J2, abgekürzt aus ""Dy, und dergl., siehe weiter unten. Aehnliche 
Erscheinungen bietet theilweise das Berberische, vgl. de Slane: notes sur 
la langue .... du peuple Berbere, in der Uebersetzung von Ibn-Kaldun IV, 
S. 489 ffg. — Dass übrigens das Sain und Saraech ihre besondern For- 
men erst allmälig verloren haben, zeigt vielleicht die Inschrift von Leptis 
(siehe weiter unten zu derselben; und die Münze rev. num. 1856 pl. VI, 3. 
Hin und wieder wird man auch das Bestreben in unsern Inschriften wahr- 
nehmen das Zade vom Schin durch einen grössern Haken zur rechten 
Seite zu unterscheiden. 

J ) So wird z. B. das Suffix, m. sing, durch X, das des pl. durch Q, 
die Präfixe durch dieselben Buchstaben (soweit ihr seltenes Vorkommen 
uns ein Urtheil gestattet) wie im Altphönizischen ausgedrückt. (Vergl. 
unsere phönizischen Studien I, S. 10 Anm.) Auch der Artikel hat die 
Normalform : ein vorgesetztes |"|, in gewissen Fällen auch NJ") geschrieben, 
und bei Vertauschung der Guttural- und Hauchlaute untereinander fin- 
det sich daher bei Wörtern, die durch häufigen Gebrauch ganz zu einem 
Worte zusammengeschmolzen sind, auch ein Aleph, z. B. TUK Gades, 
IN = TD dieser. Das Weitere werden wir bei der Erklärung der In- 
schriften erörtern. 



46 

1. G. tab. 21. Die Inschrift von Temple nicht weit 
von Tucca Terebinthina gefunden, und aufs Genaueste von 
Gesenius abgezeichnet (vgl. dessen mon. p. 197), bietet 
besonders in der Entzifferung der zweiten und dritten Zeile 
viele Schwierigkeiten. Ewald liest (a. a. O. S. 24): 

vw vi pn bvn p&6 

) prvsö p giztik oy 
ynrnn p jrosr 

„Dem Herrn Baal Ch'man, weil er ihre Stimme hörte, 
sie segnend, die Bürger Hamaktaram's Ag. arscham Sohn 
Massirän's und Jassuktän Sohn Massigrän's." 

Wir müssen auf diese Deutung etwas näher eingehen, 
um bei spätem Inschriften, die ähnliche Phrasen enthalten, 
uns kürzer fassen zu können. Das Wörtchen JD (1. Zeile) 
nimmt Ewald nicht wie das hebräische = "?, sondern, da 
man VfcW nach seiner Ansicht als Perf. auffassen muss, — dem 
hebräischen nny nun 1 ) und dem chaldäischen rü}D, „so dass 
das zusammengesetzte DVD und weiter verkürzt yo (dieses 
dann gar "D geschrieben) eigentlich nun, dann auch an der 
Spitze eines ganzen Satzes bezüglich gebraucht nun da 
oder weil bedeutete." Wenn wir nicht von Herrn Ewald 
gewöhnt wären, ihn stets etwas Seltsames vorbringen zu 
sehen, so bleibt es unbegreiflich, wie er eine so einfache 
Construction eines Infinit, mit D (wofür auch VD im Neu- 
phönizischen geschrieben werden kann, da das JJ, wie sich 
aus unzähligen Beispielen zeigen lässt, nicht nur als Deh- 
nungslaut nach einem Vocal, sondern auch um den Halb- 
vocal nach einem Schwa mobile anzudeuten gesetzt wird), 
mit darauf folgendem verb. fin. verkennen konnte ; das yi2WD 
oder 0313 C^p tfEEWD lässt sich gar nicht anders übersetzen 
denn: „als er ihre Stimme hörte und sie segnete." In der 



*) „Aber am seltsamsten, meint Ew., ist, dass sogar mit dem ]}J 
einmal B. 7 die weit längere Reihe PHD DJID wechselt, und da eine 
andere Erklärung an dieser Stelle unmöglich scheint, so wird man an 
das hebräische nnjj denken müssen." Wir werden unten sehen, dass sich 
nichtnur eine andere, sondern auch weit natürlichere Erklärung finden wird. 



47 

Inschrift B. 6 steht sogar ein Waw tO"U) N^p yöttf „höre 
seine Stimme, u. segne ihn." Dass auf G^p V12WD auch wie in 
Melit. 1 das Imperf. E313 1 folgen kann, ist nicht weiter auf- 
fällig, vgl. Jes. 30, 19 und Gesenius thes. p. 650. — &6]n 
die Endung N . . , als stat. cstr. Plur. ist dem Neuphönizischen 
eigen, während das Altphönizische in solchem Falle das Jod, 
welches im Hebräischen den st. cstr. bezeichnet, ganz abzu- 
werfen scheint (siehe phöniz. Studien I. S. 32, Anm. 2). 
Auffallend bleibt eine solche Endung mit N.., und weitere 
Monumente müssen uns erst darüber aufklären, ob nicht 
ausschliesslich dieselbe dem Dual zukommt (wobei man an 
die arabische Formation dieses Numerus erinnert wird), denn 
durch unsere Denkmäler haben wir bloss für diesen (an 
unserer Stelle und B. 10, mit welchem Denkmal das unsrige 
überhaupt viel Aehnlichkeit hat) Belege, nicht aber für den 
Plural. — In dem Worte QiyrOEn (für die richtige Lesung 
bürgt ganz besonders B. 32, 3) liegt es sehr nahe die Stadt 
Makhter zu sehen, wenn auch diese Annahme nicht ohne 
Schwierigkeit ist; denn der Name, der den etwa drei Stun- 
den von Magrava entfernten Ruinen zukommt, sprechen 
Manche Ma'd er ') (das Hügelplateau) und ferner entsteht 
noch die Frage, was die Endung 2 ) auf C... und der 
Artikel dann bedeuten solle. — Für den Augenblick wissen 
wir freilich nichts Besseres zu bieten, nur die Vermuthung 
können wir nicht unterdrücken, dass möglicherweise auch 
ein Würdename und in dem Plur. eine Zunft oder Kaste 
in dem CftyrQftTI verborgen sei. Das Wort sprachlich be- 
trachtet halten wir für das 2. Part. Hiph. v. *iro coronare, 
und CHynD^n = coronati, entsprechend dem griechischen 



1 ) Vgl. ßarth's Wanderungen etc. S. 235 und Anm. 27 : „Diese Form 
des Namens wenigstens halte ich für die richtigste. Ich muss übrigens 
gestehen, dass die Schreibung ausserordentlich abweicht, so wird der 
Name auf Pelet's Charte Makhter geschrieben , während Temple excur- 
sions etc. II, S. 254 und Lapie ihn Mahder nennen, und das war aller- 
dings der Name eines bekannten Geschlechts in Afrikiah". 

2 ) Wir finden jedoch (bei Gesen. monum. tab. 42, 4) eine Münze 
C1J7/2 CDJJft geschrieben, die Macomada wohl zugehörig war. 



48 

(fcsqxxvijipoQoi;, vgl. Ross: Hellenika Nr. 17 und Corp. inscr. 
Graec. Nr. 3942. Coronatus kommt auf lateinischen Inschriften 
als eine Bezeichnung der Würde gewisser Provinzialpriester 
vor (vgl. Th. Mommsen: Berichte der sächsischen Gesell- 
schaft etc. phil. hist. Cl. 1850, S. 214 fg.). Bis jedoch nicht 
fernere Entdeckungen uns näheren Aufschluss darüber geben, 
bleiben wir für's Erste bei der Benennung einer Stadt durch 
Hamaktaram. 

Auf Ciyrofcn folgt ein Wort, welches Ew. ty Ag und zu 
dem folgenden nom. pr. gelesen. Ein Gimel ist das zweite 
Zeichen nimmermehr, und wenn auch die leichte Verletzung 
des Steins an unserer Stelle die Deutung etwas erschwert, 
so wird uns durch eine Parallelstelle dieselbe doch bald 
aufgeklärt. Wir finden nämlich B. 10 ebenfalls zwei Dan 
kende mit dem Zusatz: TN* nny l ) cnyrofcn *6jD-; es lässt sich 
daher auch an unserer Stelle IN "iny oder 7 "iny vermuthen. 
Das erste dieser Wörter halten wir = *wy dives, der Wech- 
sel von W und H ist in unsern Inschriften ganz gewöhnlich 
und in der That wechselt auch G. 23, 60 damit "TO ab 
(vgl. weiter unten zu dieser Inschrift); ohnehin hat ja auch 
das Hebräische den Stamm ir\V gekannt in der Bedeutung 
largus fuit (vgl. Ez. 27, 6), davon auch das nom. rnn# 
divitiae Jes. 33, 6, und ebenso ist es auch durch d. neue 
maltesische Inschrift (vgl. de Luynes: Memiore sur le Sarco- 
phage etc. S. 65, Z. 4) im Phönizischen nachgewiesen. Das 
Wörtchen IX werden wir zu Gesen. t. 24 = dem hebräischen 
Hth nachweisen; demnach bedeutet IN* "injJ hie vir nobilis. 
— Der erste Name kann auch aus graphischen Gründen 
nicht mit Ewald CtiHN, sondern muss ro^HN gelesen werden. 
Ein Frauenname ro"D (Byrycth) kommt Judas PI. 7 
Nr. 1 und PI. 26 Z. 4 vor und kann dieser Name mit vor- 
gesetztem Aleph auch wohl ein Mannsname sein, da auch 



] ) Ewald liest dies ßHJJj ohne einen andern Sinn als ein nom. propr. 
darin zu finden (gewöhnlich sein ultimum refugium, wo er an der Deu- 
tung verzweifelt). Ein Phe ist selbst in unserer corrumpirten Schrift 
ganz anders geformt, vgl. G. t. 25, Z. 4 und B. 10 zu Ende. 



49 

im Bereich des biblischen Sprachgebrauchs ähnliche Erschei- 
nungen vorkommen (vgl. Simonis Onomasticum p. 40, Anm. 
c). Man vergleiche auch den Namen nft^pK Judas PL 26, 
bis. Der Vatername pJTUÖ scheint wohl nicht verschieden 
von |jn:p2Ö zu sein, da der G-Laut im Libyschen, wenn 
man von dem Berberischen einen Rückschluss machen darf, 
mehr ein r als ein g zu sein scheint, etwa das c und c der 
Araber umfassend 1 ). Der Name erinnert übrigens noch deut- 
lich an Mäzigh (Maziken der Alten, vgl. Movers: das phö- 
nizische Alterthum II, 2, p. 390) oderMäzirgh, wie sich die 
Berber heutigen Tages noch neben Imoscharh nennen 2 ). — 
Der Name pOWJP findet sich auch B. 82, 34 und 35, siehe 
das. — Demnach lesen wir unsere Inschrift: 

ywvi pn byi pt6 

Dnyrottn *6m gd*d nbp 

- ) prräfc p ro-nx pw] nny 

jna^ö p jrow» 

d. h. dem Herrn Baal-Chamman, als er ihre Stimme erhörte, 
(und) sie segnete, die Bürger von Hamaktaram, der Edle 
Abirket Sohn Mziran's und Jasuktan Sohn Mezigran's. 

Neben dieser Hauptinschrift finden wir eine geringeren 
Umfanges mit etwas kleinerer Schrift an den Schluss der drit- 
ten Zeile sich anschliessend. 

Wir lesen dieselbe: 

- wny&jn 

- byi p k 

*p (?Ö) 
„Benmaruscha Sohn Baal-melech's" 
Den Namen NltfnjJfc (das Schin findet sich auch noch 
sonst so klein geformt und das N ist mit dem Beth verbun- 
den) treffen wir auch B. 13 und 23. Der letzte Name ist 
nicht so deutlich 3 ). — Ewald hält die kleinere Inschrift für 

eine Jahreszahl und liest: by£> übw) nyfc W „im 103. Jahre 



») Vgl. Barth's Reisen, Gotha 1857, Vorwort S. XXXII. 

*) Barth a. a. 0. S. 243, vgl. Ibn-Khaldun, übers, von Slane I, 164 
und 184. 

3 ) Die kleinere Inschrift kann man auch mit Gesenius als von dem 
Steinhauer herrührend beträchten. 

4 



50 

Baal's." Es gehört keine geringe Kühnheit (um keinen stär- 
keren Ausdruck zu gebrauchen!) dazu, eine solche Lesung 
Jemandem zuzumuthen, der auch nur die oberflächlichste 
Kenntniss neuphönizischer Schrift hat. Nur wer Herrn Ew. 
ohne nachzuprüfen auf seine Versicherung glaubt, mag der- 
gleichen Entzifferungen trauen. Besser, man spreche es red- 
lich aus, dass man die Inschrift nicht lesen kann (und wir 
wollen unsere Deutung auch nicht als unumstösslich geben), 
als solche Entzifferungen als zuverlässige zu bieten. — Auch 
Herr Bourgade hat unsere Inschrift entziffert und wir wollen 
seine Lesung als Probe hier geben, um für die Folge in der 
Regel von seinen Deutungen absehen zu können. Sie lau- 
tet (S. 31, 2. Aufl.): 

ynwyD pn bv* p&6 

niv n3ftrr*6jn gd"o nbp 

) pwsö p ND-nK...ny 

JW^äÖ p pDW» 
i. e. Domino Baali Hammani ex voto solverunt (sacrum) heri 
percussionis acervi (vel fragmentorum acervi) Atbarka filius Ma- 
sidonis et Jusuetan filius Masidonis. 

Die Erklärung dieser seltsamen Entzifferung mag man 
bei Herrn Bourgade selbst nachlesen S. 31, so wie die der 
Beischrift S. 45. 

2. G. tab. 22. Diese Inschrift, welche der Schrift nach 
der vorangehenden sehr ähnlich und ungefähr in derselben 
Gegend (zwischen Vacca und Sicca Veneria) gefunden wor- 
den ist, lässt sich leicht lesen: 

vfcwyD jön hm p*6 
p N-iyra K3-n vbp 
nwsy» p bpsssru 

„Dem Herrn Baal Chamman, als er seine Stimme hörte 
ihn segnend, Zuada Sohn Barikbaal's Sohnes M'zigaran's." 

Der erste Name scheint eher Zuada als Zudada (wie 
Ewald liest) zu sein, da der zweite Buchstabe durch die 
kleine Oeffhung am Kopf als Waw kenntlich ist. Der letzte 
Name plWfr ist gewiss identisch mit pn^ft und JjnvSfc der 
vorigen Inschrift. 

3. G. tab. 23 Nr. 59. Dieses an derselben Stelle wie 
das vorhergehende gefundene Denkmal ist an der untern 



51 

Seite etwas beschädigt; wahrscheinlich ist bloss das Wort 
p „Sohn" verlöscht. 

Ewald liest die Inschrift: 

jPB3DV"*ttnviK p 9jnfb N3"u xbp mw vd pn ^yn p*6 

d. h. : „D. H. B. Ch. weil etc. Mazran Sohn Adirta's Sohnes 
Vataktia's." 

Die zwei ersten Zeilen sind deutlich und nicht zu ver- 
kennen; wie aber Ewald aus den ersten Zeichen der dritten 
Zeile )H1 herausbringen konnte, ist in der That einRäthsel; 
wie vermag man wohl das deutliche He, das erste Zeichen 
der dritten Zeile, verkennen und wie soll man die andern 
Buchstaben herausbringen? Wir lesen die Inschrift: 

- yj pn bin. p*6 
- fc «m *6p yöw 

„dem Herrn B. Ch. als er seine Stimme hörte und ihn seg- 
nete, der geehrte Fürst Adirta, (Sohn?) Vatktia's." — Das 
erste Zeichen der dritten Zeile ist, wie gesagt, ein deutliches 
He; das zweite, wenn das dritte der ersten Zeile maasge- 
bend ist, ein Daleth; dann folgt ein Ain und Resch, das gäbe 
mit dem Mem der vorangehenden Zeile: *ljnnft = hebr. 
"nnö, honoratus, gerade wie das Wort im Chaldäischen im 
Pael gebraucht wird, während das Hebräische kein Piel auf- 
zuweisen hat. — 11 ist dem Phönizischen nicht fremd (vgl. 
Cit. 4, 3. 33, 5. Carthag. 8, 2. Athen. 4, 2). — Das N. pr. 
NLD^'HN weist durch seine Zusammensetzung „der mächtige 
Ta" darauf hin, dass Ta ein Gottesname war, und diese 
Ansicht wird auch durch andere Composita wie 5<tOJ21 Jud. 
pl. 25 und NEW! das. 26 u. and. (siehe weiter unten) be- 
stätigt. Wir glauben aber noch anderweitige Spuren dieses 
sonst unbekannten Gottes Ta in den sinaitischen Inschriften 
gefunden zu haben, nur dass dort der Name Nn geschrieben 
ist 2 ). Tuch (sinaitische Inschr. Zeitschr. d. D. M. G. Ilt, 

*) Mit dem kleinen Strich über dem Buchstaben will Herr Ewald 
andeuten, dass die Lesung desselben nicht ganz sicher sei. 

2 ) Man hat überhaupt bis jetzt kein Teth in den sinaitischen Inschriften 
nachzuweisen vermocht; auf unseren Inschriften kommt sowohl NtO B. 11, 
wie NH B. 29 als Name vor. 

4* 



52 

S. 210 fg.) hat einen Nn JTQ, Kr6tt "DJ? nachgewiesen ') und 
glaubt von diesem Gotte jegliche Spur verschwunden. Wir 
werden auch noch sonstige Berührungspunkte jener Wander- 
völker mit den Verfassern unserer Inschriften finden, was 
nicht so sehr auffallen kann und seine Erklärung im fol- 
genden Hefte, wo ausführlich über die Schrift der sinaitischen 
Inschriften gesprochen wird, finden wird. — Den Namen 
JPrtöJS^ halten wir für eine Compositum aus ]?TO"El. Das 
erstere 101 ist das libysche "11, womit ~oy des Phönizischen 
in dem Worte mnwnj; (Thugga, Z. 2) übersetzt wird. (Vgl. 
weiter unten zu G. t. 25). Demnach scheint pro der Name 
einer libyschen Gottheit gewesen zu sein. Ob vielleicht das 
"Aöixog, wie nach einer Glosse bei Hesych. die Venus bei 
den Libyern geheissen haben soll, damit zu vergleichen sei, 
mag auf sich beruhen. 

4. G. tab. 23 Nr. 60. Diese Inschrift ist in der zwei- 
ten Zeile nicht ohne Schwierigkeit zu entziffern, und wir 
haben nur an einzelnen Punkten Vermuthungen zu bieten. 
Ewald liest: 

-nw KW« tu prüwibö «tw hyi pnmtfö p *pr p vv'wn 2 ) 

.«m *6p yftü pn hyih 

d. h. Massinissa Sohn Jaruk's Sohn Massgaran's Bürger von 
Caesarea Mauritaniae Gelübde, welches er dem B. Ch. ge- 
lobte: er hörte seine Stimme ihn segnend. 

Die Lesung ist nach unserer Ansicht ganz und gar ver- 
fehlt, bei solcher willkührlichen Bestimmung der neuphöni- 
zischen Zeichen lässt sich aus Allem Alles machen. Man 
beachte nur, wie Herr Ew. zu dem nom. "pjft gelangt und 
das folg. Beth bestimmt, wie er das vierte Zeichen der zwei- 



*) An der richtigen Lesung an dortiger Stelle ist nicht zu zweifeln, 
obgleich das p| in Nr. XXI. eine etwas ungewöhnliche Form hat. Wir 
haben indessen ähnliche Tav in den genauen Abschriften von Lepsius 
(in dem grossen Werke: Aegypten VI. Abth.) gefunden. Die Inschrift 
Nr. XX. bei Tuch steht auch ganz deutlich bei Lotin de Laval: Voyage 
dans la Peninsule Arabique, PL XI., und so ist das KH als Gottesname 
nicht zu beanstanden. 

a ) Siehe oben S. 51 Anm. 1. 



53 

ten Zeile verkennt und endlich gar den Namen prON" 1 ^ 
(Massiantanan i. e. Mauretania ! !) herausbringt. Man dürfte 
auch wohl billig fragen, wie es denn „kaum zu bezweifeln" 
wäre, dass N"ltyD (wenn auch die Lesung fehlerlos sein sollte) 
Caesarea Mauretaniae sei, da doch unsere Inschrift, um mit 
Gesenius (mon. p. 206) zu reden : „tribns praecedentibus seni- 
lis et procul dubio in eodem loco effossa, ubi magna similium 
monurnentorum vis in terra latuisse videttir." — 

Wir glauben Folgendes ziemlich sicher lesen zu dürfen, 
da aber, wo wir Punkte gesetzt haben, ist uns zur Zeit die 
Entzifferung nicht möglich geworden : 

-nw wn nN tij nn« -rawv^jn 

sonn xbp yrfto pn pynt? 
„Massinissan Sohn Achimzigaran, Bürger und Edler der Stadt 

Gelübde, welches er gelobte dem Baal Ch., höre seine 

Stimme, segne ihn." 

Dass der erste Name Massinissan lautet, trotzdem der 
dritte Buchstabe nicht die gewöhnliche Nun-Form hat, wird 
man leicht zugeben, zumal der neunte B. in derselben Ge- 
stalt im Wörtchen p vorkommt, ebenso dass das auf das 
zehnte Zeichen (Ain) folgende nur ein Cheth sein kann, so 

dass der Vatername JjnWäÜTIj; = b?JTK lautet. Wir werden 
noch andere Beispiele beibringen, z. B. in der Inschrift von 
Gerbi, wo T# für TN steht *). Unzweifelhaft ist ferner das 
vierte Zeichen der zweiten Zeile ein Wav, kein Kaf, die 
Richtung des Schaftes nach der rechten Seite hin unter- 



*) Eine gleiche Zusammensetzung mit flN bietet B. 23 in dem Na- 
men ]^yn^. Einen Namen nUPD^PlN haben wir (phönizische Studien 
I, S. 10 Anm.) in der Inschrift J. PL 7 vermuthet. Auch Auchuspr 
(Renier: Inscriptions de VAlgerie Nr. 2773) scheint = "IDNitN zu sein. 
Es ist darum auch wahrscheinlich, dass man die Melit. I also lese: 

(ein Wort!) -)W]DNTW nDNinj; (^1^=) "pM 

vkwd ^dn-dj; p iöw-idn o:n=) p o:w=) |w 

cnrp übp 

wodurch manche Schwierigkeiten beseitigt werden. 



54 

scheidet jenes von diesem; somit ist zu lesen: ~1W), wofür 
G. t. 21 nny (siehe oben) steht. Der Titel nttW war in dem 
punischen Staate, wo die Plutokratie eine so grosse Rolle 
spielte, gewiss so viel wie nobilis. Aehnliches finden wir 
Ps. 45, 13 UV '•TttW )bn^ y$Q „dein Antlitz suchen die Rei 
chen (Edlen) des Volks." Der Verfasser desselben war 
jedenfalls nicht unbekannt mit tyrischen Verhältnissen l ). — 
Das auf "KZW folgende Wort mag in« „Ort, Stadt" gelautet 
haben, wie fast im ganzen Bereiche des Semitismus das 
Wort "IHN in dieser Bedeutung vorkommt. Was aber auf 
dieses Wort folgt, vielleicht der Name des Ortes, weiss ich 
nicht zu sagen. Die Zeichen sind etwa Beth, Nun (oder 
auch Jod oder gar Lameji), Aleph, Jod (?) und die drei gleich- 
förmigen Striche vielleicht ein Cheth vergl. B. 28 Z. 2. 
— Auch was wir als "ijnj EW HK *)"tt ansehen, wenigstens die 
zwei ersten Wörter, sind nicht zuverlässig gelesen. Das 
vierte Zeichen vor dem Ende der zweiten Zeile scheint mir 
jedoch sehr wahrscheinlich ein Schin und Nun zu sein. 

5. G. tab. 24. Diese Inschrift, über deren Fundort nichts 
Genaueres bekannt geworden ist, rührt höchst wahrschein- 
lich, aus weiter unten zu erörternden Gründen, aus der Nähe 
von Calama her. Sie bietet in zweiter Zeile manche Schwie- 
rigkeiten, wenn man nicht, wie Ewald es thut, nur die Buch- 
staben in hebräische Schrift umsetzt, ohne die Wörter er- 
klären zu können. Seine Entzifferung lautet: 

dnh &n wn vtö im 

d. h. „Gelübde, welches gelobte Channa Sohn Mutunbal's 
Sifas fga von Ramahes." Dazu wird noch bemerkt : „in den 
Zügen der zweiten Zeile lässt sich vor allem der Ort unter- 
scheiden, welcher auch J. pl. 10, 12 — 15 wiederkehrt und 
wovon unten zu reden ist." Zu J. pl. 10 (S. 26) wird aber 
auch nichts Näheres angegeben. 

Um der richtigen Deutung näher zu kommen, müssen 



*) Movers (das phönizische Alterthum I, 1. S. 537), lässt diesen Psalm 
auf einen tyrischen Fürsten, der eine israelitische Prinzessin heirathet, 
gedichtet sein. 



55 

wir die Parallelstellen bei J. pl. 10, 12 — 15 und rev. archeol. 
IV, 1. p. 188 in Bezug auf das Ende unserer Inschrift 
zusammenstellen. Sämmtliche Inschriften sind bei Calama 
(Ghelma) gefunden worden. 

G. 24: wn QTLW 

j. 10: n xrwn 

„ 12: m *onx 

„ 13: wn feOWK 

„ 14: ! WX 

„ 15: TN* DTZW 

rev. arch. : T»N CTtfN 
Sämmtlichen Ortsbestimmungen — man gestatte uns 
fürs Erste diese Bezeichnung — geht, mit Ausnahme unserer 
Inschrift, das "Wort "pWj welches wir für einen Würdena- 
men halten (siehe weiter unten zu J. pl. 10), voran; das 
darauf folgende Wort KTIW oder trwn l ) oder auch KTTI 
betrachten wir gleich dem hebräischen 7gn vicus, das so- 
wohl einen Plur. G"H^n wie nran bildet. Nach der letzten 
Formation erklärt sich leicht unsere Form &T1SJN oder frOHD; 
dagegen hat unsere Inschrift, sowie J. 15 und rev. archeol. 
den Plur. GT&t vici, Dörfer, Marktflecken, die keine 
Mauern hatten (vgl. Pauly's Encyclop. VI, 2. S. 2591), gerade 
wie 3 Mos. 25, 31 nftin erb f« TtfN ü^imn tfä „die Häuser 
der Dörfer, welche keine Mauern haben." In den biblischen 
Schriften kommen sehr viele Städtchen oder Flecken mit 

"l^n zusammengesetzt vor, wie TW "lStfl, iTtl H etc. (siehe 
Ges. Thesaur. I, 512. Reland: Palästina p. 706 fg.), während 
auch IST) und nran sich auch allein als Oerter finden. Da- 
her treffen wir denn eine grosse Anzahl von Oertern an, 
welche in griechischer oder lateinischer Aussprache dem *1Un 
ähnlich lauten, wie: ^Agömqöc, (Diod. XIV, 78 zwischen Enna 
und Agyrium in Sicilien), "AqaoQog (Ptol. geog. III, 13, Stadt 
in macedonisch Mygdonien), ^Aaaovqog nach Ptol. V, 3 im 



*) J. 12 steht einmal K*inKj was offenbar == &OILW ist, da n und 
t^, wie schon erwähnt, sehr häufig in unseren Inschriften mit einander 
abwechseln. 



56 

Gebiete von Carthago, womit Assurae ') (wohl identisch mit 
oppidum Azuritanum Plin. H. N. V, 4) in der Nähe von 
Tucca therebintina zu vergleichen ist, u. dergl. m. (siehe 
Movers: phönizisches Alterthum II, 2. S. 341, Anm. 145). 
Demnach dürfen wir N1HN und G"lttN oder D")2n mit vicus, 
vici übersetzen. Das darauf folgende WH, TN und seine Va- 
rianten finden durch J. 10 ihre Erklärung. Hier haben wir 
in, das gewiss = dem hebr. Wl steht, so wie dafür auch 
eben so oft im Phönizischen allein T steht. Aus dieser regel- 
rechten Form erklären sich die Entartungen NC!, PH, IN und 
ID. Einen Beweis für unsere Annahme bietet uns B. 20. Diese 
Inschrift beginnt: IN pV NJJJE „dieser Stein wurde errichtet", 
während die anderen Grabinschriften statt IN nur T haben, 
woraus unzweifelhaft erhellt, dass TN = TH gebraucht ist. 

Noch eine Schwierigkeit bietet unsere Inschrift in 
dem Anfang der Zeile 2. Ich lese diese Buchstaben VJ^VJ 
VXL Das erste Wort W^VJ betrachte ich, wenn man von 
dem relat. W absieht, = 3W , also W^W == 2WW „welcher 
wohnte" 2 ). Da wir in corrumpirter Weise in unsern In- 
schriften 2J7W für JDW, CVW für y£W u. dergl. finden, so dürfte 
auch wohl 1V2^ für Sttf' 1 vorkommen. — Das zweite Wort Vfc 
ist = i:D, innerhalb, in. Das Wort 13 ist in den meisten 
semitischen Dialekten vorhanden (das Hebräische kennt es 
nur als Nom. U Rücken, medium, aber nicht mit Präpos. 
zusammengesetzt) in der Bedeutung medium, daher U2 
in medio oder schlechthin in. Daher möchte auch wohl das 
Phönizische yxi = m die Bedeutung in gekannt haben. 
Somit lautet die ganze Inschrift: 

3 ) tonft p njh -ny: wk ny-n 



*) Auf Inschriften bei Renier: Inscriptions de VAlyerie etc. Nr. 127 
Zeile 33, auch abgedruckt bei Henzen : Inscript. lat. select. collectio III, 
Nr. 6792, a. Ferner bei Renier (a. a. 0.) Nr. 359, vgl. auch daselbst 
Nr. 2149. 

2 ) Es Syphas oder Syphax zu lesen verbietet schon die Schreibung 
dieses Namens auf einer Münze, welche de Luynes (reo. numismatique 
1850 pl. XI) veröffentlicht hat. Dort ist der Name p£D geschrieben. 

• 3 ) Der Name kann nicht ^JDjnft gelesen werden, da der dritte Buch- 
stabe 1, kenntlich an der kleinen Oeffnung am Kopfe, nicht Nun ist. Vgl. 



57 

d. i. „Gelübde, welches gelobte Hanna Sohn Methubaal's, 
Einwohner dieser Marktflecken, od. allg. „dieses Gebiets". *) 
6. J. pl. 10. Nachdem, was wir in der vorigen Inschrift 
bemerkt haben, können wir uns bei den folgenden kürzer 
fassen. Die Inschrift ist in der Nähe von Kalama gefunden 
und dem ßaal-Chaman geweiht: 

üw bv uw? 
:»P na 

d. h. : „dem Herrn Baal-Man gelobte (diesen Stein) der Vor- 
steher dieses Gebiets. Er grub diese Zeilen ein, weil er 
seine Stimme erhört hat." — Dass )fc verkürzte Form lür 
]ön (auch py geschrieben) ist, ist leicht einzusehen, ebenso 
dass 1VW (dafür finden sich auch die Varianten: 3Nttf, K2W, 
D2iy, *OJW) = JDW ist; dies haben bereits Movers u. And. 
bemerkt. Im Hebräischen findet sich dieses verb. nur ein- 
mal Ez. 21, 28 im Kai, sonst stets im Mph. oder Hiph., und 
somit ist kein Grund vorhanden es dem Phönizischen in der 
Kalforni abzusprechen. Das *pÖ2 halten wir für einen Wür- 
denamen, und ist eine Verkürzung des biblischen *pöftMtj 
das ebenfalls ein nom. dignitatis bei den Philistäern war. 
(Vgl. Olshausen : die Psalmen, S. 156.) Das Abwerfen des N, 
ja^eines noch härter anlautenden Vokals findet sich vielfach 
in unsern Inschriften ; damit zu vergleichen ist das im Volks- 
dialekt gesprochen „avo dormi" Plaut. V, 2 für "01K. Der 



über die Bedeutung unsere phönizischen Studien, erstes Heft, 
Seite 20. 

*) Es ist immerhin möglich, dass das alte Kalama (Ghelma), wo die 
genannten Inschriften J. 10, 12 — 15 und rev. archeol. gefunden wurden, 
neben diesem Namen (viell. = Q]) pjnp ähnlich wie jyn*DSJ Sabratha, 

vgl. weiter unten, und = dem hebräischen GWp'O aucn wohl Assurae 
hiess, denn auf dieses ist doch wohl eher die oben angeführte Inschrift 
„Auzurenses" (bei Renier Nr. 2149 in der Nähe von Cirta auf einer Thon- 
röhre gefunden), als auf das weit davon entfernt Hegende Assurae in 
Zeugitana zu beziehen. Kalama mochte wohl mehre Dörfer oder Flecken 
in sich vereinigt haben. Ausführliches über Kalama findet sich: Explo- 
ration de l'Algerie, beaux arts, chap. VII. 



58 

volle Name *pÖ3N steht J. pl. 13. Wir finden es regelmässig 
vor der Ortsbezeichnung nach dem Namen des "Weihenden 
in den Inschriften J. 10, 12—15. Ferner B. 6: hy& p*6 
b) ^mw m *]bö3 ) tll WN "«TU An diesem Orte hat das 
1^ft2 noch den Zusatz UH (= hebr. ttf&O) d. i. der erste Vor- 
steher, während J. 15 auch em *"ji?ü2 ^fcOWD d. i. der zweite 
Vorsteher, d. i. der, welcher zunächst dem ersten steht. 
Gerade so finden wir auch einen ttffrOD )i"D und einen j!"Q 
DJ^ton, einen ersten (Hohen-) Priester und einen zweiten 
(siehe 2. Könige 25, 18. Jer. 52, 24). Da wir nun in dem 
frC^N ein vicus gesehen und die vici bekanntlich keine De- 
curionen hatten, sondern ihre (polizeilichen) Angelegenheiten 
durch einen magister vici verwaltet wurden, so dürfen wir 
vielleicht in dem ^fcH einen solchen magister sehen 2 ). 

C0£0"»p 3 ) = ESOTI, eingraben, schreiben in Stein, 
was in dieser Bedeutung fast alle semitischen Dialekte ken- 
nen. Die Verwechselung von p und PI, die schon im Hebr. 
sich findet (siehe Gesenius Thes. I, p. 436), ist sehr häufig 
in unsern Inschriften, wo das p selbst mit weicheren Gut- 
turalen wechselt (siehe weiter unten). — bv steht wie in 
biblischen Schriften = propterea quod^ z. B. Ps. 119, 136. 
1 Mos. 31, 20 und ö. — UVV = VKW und büp wahrscheinlich 
nur verschrieben für &6p 4 ). 



! ) Siehe weiter unten zu dieser Inschrift. 

2 ) Unsere Inschriften bieten noch manchen andern lehrreichen Bei- 
trag zu den römischen Antiquitäten, wie aus dem weitern Verlauf unserer 
Abhandlung hervorgehen wird. Vielleicht ist auch das angezweifelte 
magister fontis (Orelli Nr. 58, 1645, 5018. Gruter Nr. 176, 6) durch 
die Inschrift Gesen. mon. tab. 47, die wir in unseren phönizischen 
Studien I, S. 26 zu entziffern versucht haben, gesichert. 

3 ) Der vierte Buchstabe der zweiten Zeile ist nach der Revision des 
Herrn de Saulcy ein Teth und kein Kaf, wie ich durch Mittheilung des 
sei. Movers weiss. 

4 ) Ewald's Deutung: 

^nt^p infcnin -Am w p bv* pvb 
bxp nttoyayr 

„D. H, B. dem himmlischen Man im Gebiete von Ramahes Quaithbaal; 

er hörte seine Stimme" 
genügt angeführt zu werden, um ihre völlige Unhaltbarkeit zu zeigen. 



59 

7. J. pl. 11. Die Inschrift, aus derselben Gegend wie 
die vorangehende herrührend, ist defect, wir lesen: 

- W3 pr\ byi p*6 

— n^pT top n 

„ dem H. B. Ch. als er seine Stimme und sein Flehen er- 
hörte." 

Wir glauben VTBpi sei = ITW, v. Stamme nny „Fle- 
hen". Ob man sonst schon Spuren desselben im Phöni- 
zischen hat, wie Gesenius (mon. p. 400) will, ist nicht mit 
Bestimmtheit zu behaupten. 

8. J. pl. 12: 

- ö myw p byz pyb 

- öa jrpiwa p pv^ 

— yw) m anna ^ 

„dem H. Baal Man gelobte Milkaman Sohn Baaljithen's, Vor- 
steher dieses Gebiets, und er erhörte seine Stimme." 

pfc/pD ist = JÖTDi?to, wie ^yrobfc und im Hebräischen 

9. J. pl. 13: 

- a tow pn i>m p*6 

N^p nx Nfcytm T« 
„dem H. B. Ch. gelobte Zebuman, Vorsteher dieses Ge- 
biets, und er erhörte seine Stimme." 

Das dritte Wort der ersten Zeile könnte auch pn gelesen 
werden, wenn man den kleinen Strich berücksichtigt. — 
Das nom. pfcHU ist vielleicht zusammengesetzt aus H2J chald. 
Wille, und pfo = pH, Wille Amman's. Vgl. weiter 
unten B. 10 den Namen )JJfc2. 

10. J. pl. 14. Die Inschrift ist in zweiter und dritter 
Zeile defect und das Ende fehlt, sie lässt sich etwa folgen - 
dermaassen ergänzen : 

- nw p byz pyb 
*£>M iDWiinj; x 



2^1 oder "2tf] ist bei ihm stets ein Beiname des Baal Chamman, dem 
frO!J entsprechend, und auf die Vorstellung vom Himmelsheer zu beziehen! 



60 

„dem H. B. M. gelobte Ab[da]ssar, Vorsteher dieses Ge- 
biets....." 

ll.J. pl. 15. Diese Inschrift ist von den vorhergehenden 
dadurch unterschieden, dass nach Baal-Man einige Worte 
folgen, die diese nicht haben. Die bisherigen Erklärer ha- 
ben mit denselben nichts anzufangen gewusst. Ewald liest: 

bp Joüo dküb Man w -jten nwn p wa sm qwd bvz pj6 

und bemerkt dazu: „Was das E3 zwischen p und 2N7 sein 
soll, ist bis jetzt unklar." Herr E. hat aber nur zum Theil 
die Schwierigkeit erkannt ; denn was er 2NT liest, ist gar nicht 
vorhanden, da Niemand den letzten Buchstaben der ersten 
Zeile als Beth ansehen wird. — Zum Ziele gelangen wir 
aber leichter, wenn wir eine andere Inschrift zu Rathe zie- 
hen , die nach p by2 einen . ähnlichen Zusatz hat. Es ist 
dies B. 8. Die Inschrift beginnt wie die unsrige: 

pv byz ]iyb 

dann folgt: 1 p^W und in der zweiten Zeile "njtt WK "Un: 

• ••p i?yn:nö 

In dem pitfNJ sehen wir den Plur. v. ItffrO in uns. Inschr. 
J. pl. 15; wir glauben nicht zu irren, wenn wir ein N statt 
ft an dieser Stelle lesen, 1 ) und ebendasselbe Wort treffen 
wir in der Form wy) in der Inschrift, welche Judas in der 
revue archeoL IV, 1. p. 188 (vgl. Ewald a. a. O. p. 13) mit- 
theilt. Sie lautet nicht in Wortgruppen getheilt; 

• — -lyinmwNwy: 

Ewald liest diese Buchstaben: 

pköi w T^n p bvz pvb -im nw 

„Nozaz Dibir dem H. B. M. im Gebiete von Ramais". 
Wiederum ein Muster, wie er bei schwierigen Entzif- 
ferungen zu Werke geht: wenn der Sinn nicht herauszu- 



x ) Die Züge der Inschriften sind ohnehin nicht genau; ebenso ist in 
zweiter Zeile auch frOWÖ statt OJ^fö, sowie das dritte Zeichen in der 
dritten Zeile gewiss ein X und kein fc ist. Verwechselungen beider 
Buchstaben sind an unzähligen Stellen unserer Inschriften anzutreffen. 



61 

bringen ist, wird Alles in nomm. propr. aufgelöst ! ) — Judas 
liest den Anfang "DI IV X1VV) Erexit hoc Deber dorn. B. II. etc. 
Wir nehmen W&U oder DM = hebr. DJ, syr. NtZTO 
columna, signum (z. B. N21p"l '•ttf'O signa müitaria, Ephr. 
Syr. op. omn. II, S. 107; fcO^sn NWO signum crucis das. S. 356). 

— Die Bildung v. )V in der Form DfrO ist nach Analogie v. 
t£H, 2JJ und dergl. (vgl. Kimchi lib. rad. Venet. 1545 S. 60, a.) 
Die Errichtung solcher Säulen ist ganz dem Cultus des Baal- 
Chamman gemäss, deren die Bibel schon unter dem Namen 
G"0£n erwähnt 2 ). Demnach erklären wir die Inschrift der 
Rev. archeol. : 

- ivb -an wx dvi 
- nw« ^m p bvz ] 

„Eine Säule, welche gelobte 3 ) dem Herrn B. M. der Vor- 
steher dieses Gebiets"; die Inschrift J. pl. 15: 

um dm |ä bin \ivb 

^P DKÖW 
„dem Herrn B. M. eine Säule, welche errichtete der Sohn 
des zweiten Vorstehers dieses Gebietes, Penaschim, und er- 
höre (seine) Stimme". 

Der Name CttfN findet sich auch B. 30, und ist unsere 
Ansicht über dieses Wort = dem biblischen Aschima (siehe 
unsere phönizisch. Studien I, S. 27 fg.) richtig, so findet sie 
noch weitere Bestätigung durch die Zusammensetzung mit 
]D, das nach Analogie von by2)& das Antlitz Baal's (vgl. 
!?KUD 1. Chr. 4, 4. 8, 25.) der carthag. Inschriften, siehe Ge- 
senius: mon. tab. 14—17, Judas: etude dem. PL 8. und Bour- 
gade (a. a. 0.) pl. A und B, gebildet ist. 



\) In seiner Erklärung der gr. sid. Inschr. S. 23 Anm. möchte er gar 
in dem "m einen „Enkel" sehen. 

2 ) Ausführlicher handelt über diesen Cultus Movers: Religion der 
Phönizier S. 292 fg. und 343 fg., ferner Gesenius im Thes. I. S. 489. 

3 ) *12n in dieser Bedeutung findet sich oft, z. B. 5 Mos. 19, 18; vgl. 
Gesenius Thes. I. p. 314. 



62 

Das erste Wort der vierten Zeile lautet Qfcttl, ist aber 
wahrscheinlich verschrieben und DttW) ( = J?fcttn „erhöre!") 
zu lesen. 

Endlich werden wir nun auch B. 8 zu lesen haben: 

) pDw pv byd? ]~\vb 

- 3 jrv^jn p Site 

fconyn wip na x^k 

„dem H. B. Aman diese Säulen. Ein Gelübde, welches ge- 
lobte Matanbaal Sohn Baaljiten's, als er seine Stimme er- 
hörte ihn segnend". 

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die neuphönizische 
Sprache auch ein Adject. aus dem DfrO gebildet hat = WJ7DW; 
so finden wir J. pl. 26 Z. 4: fcPJJDJtt pN ein Säulen artiger 
Stein, vgl. weiter unten zu dieser Inschrift. 

12. J. pl. 24. Ewald liest diese zu Cirta gefundene In- 
schrift : 

•pö bnv pn mpn bv^b p*6 

d. h. „dem Baal der Stadt Ch'man das Volk des Gebiets". 
Was zur Erklärung dieser Entzifferung hinzugefügt wird, 
macht die Sache nur noch unklarer. 

Die Beschädigung, welche der Stein in zweiter Zeile 
hat, scheint schon vor der Eingravirung vorhanden gewesen 
zu sein, daher man die Inschrift als unbeschädigt betrachten 
kann-, sie lautet: 

- ipn bvd? p^ 
ybbny} an n 

„dem Herrn, dem erhabenen Baal von Kirta, Nahalmelech". 
Dass man bei mp an Kirta, den Fundort der Inschrift, zu 
denken hat, liegt nahe genug. Ueber Gl als Beiwort des 
Baal vgl. unsere phönizisch. Studien I, S. 27 Anm. 1 und 
S. 7 Anm. 1. — -jWnitt würde hebr. lauten: "jteiTD „Kö- 
nigsbach" ! ). Sollte man an der Form des Tav in zweiter 
Zeile Anstoss nehmen, da es mehr einem Schin etwa gleicht, 
so Hesse sich wohl EHpH lesen, d. h. dem heiligen und er- 
habenen Baal 5 jedoch ist die erste Erklärung vorzuziehen. 



') Es lässt sich auch der Name deuten: Königspfleger oder 
Königsschutz von der rad. ^"tf im Piel. 



63 

13. J. pl. 25. Der Stein dieser Inschrift ist zu Kalama 
(Ghelma) gefunden, aber sehr verstümmelt. Wir haben nur 
Folgendes zu lesen vermocht: 

— k Di?« pn hyih 

Ntosm p Nftii |{n?3 

„dem B. Ch., dem göttlichen, (setzte) einen Stein: Bama (od. 
vielleicht Rama) Sohn Rabanta". 

Wir stellen als blosse Vermuthung es hin, ob nicht O^K ') 
als Plur. v. btt im Phönizischen bekannt war und zwar in 
adjectivischer Bedeutung. Wir finden auf dem bekannten 
Stein von Tyrus (journ. asiat. 1844. Avrit) übtt EM; in der 
dritten Inschrift in Ross' Hellenika D^K zhD — und möglicher- 
weise auch in der Athen. 4 by\l übtt. — In NtMTi haben 
wir wieder eine Composition mit dem Gott Nft, etwa „unser 
Herr ist Tha" zu übersetzen, so wie wir oben (Ges. tab. 23) 
KLTTHN gefunden haben. 

14. J. pl. 26, ebenfalls zu Ghelma gefunden, bedarf einer 
ausführlicheren Erklärung. Ewald sieht in der Inschrift eine 
Grabschrift und liest demgemäss S. 15: 

Ntoyn nn rem ww py rbvw «s p bv"i 

„Gajial von Ssa: es errichtete ihm den Stein seiner Be- 
stattung („nach dem arab. uk*3 ein Selbstwort seltener Bil- 
dung") Byryct Tochter Ragatha's". Zur Erklärung wird 
sonst nichts beigefügt. Wäre nun Ssa eine sonst bekannte 
Ortschaft, so liesse man sich ein solch monströses Zade (od, 
Schin) wohl gefallen, wiewohl ganz deutlich zwei Buchsta- 
ben (Wav und Lamed) zu lesen sind. Auch ist der erste 
Buchstabe kein Gimmel, sondern Lamed. — Was uns zu- 
nächst auf den richtigen Weg bringen kann, ist das Wört- 
chen p (Z. 1 — 2), das so oft für pn uns begegnet ist; man 
erwartet dann freilich vorher ein Attribut dieses Chamman, 
etwa !>JH, statt dessen steht ziemlich deutlich: b^^vb. Dies 
muss also wohl ein Beiname des Man (Amon) gewesen sein. 



x ) So glauben wir das Wort lesen zu müssen; da der vierte Buch- 
stabe der ersten Zeile ein Lamed ist, so muss auch der drittletzte als 
solches betrachtet werden. 



64 

Wir nehmen nun b"V = ^"N, was im Neuphönizischen ge- 
wiss gestattet ist, und sehen darin, von der Wurzel ?W aus- 
gehend, einen Beinamen des Amon, etwa ein synonymes 
Wort mit ^n, oder geradezu ^X (Bock) ausgesprochen, 
ein Epitheton wie Zsvq xqiotvqögwtmh;. Man erinnere sich 
dabei, in welcher nahen Verwandtschaft der karthagische 
Baal-Herkules mit dem Baal-Chamman steht, *) und an das, 
was Herodot (2, 42) vom Herkules erzählt. „Dieser, so heisst 
es, habe einst den Zeus sehen und letzterer sich von ihm 
nicht sehen lassen wollen. Endlich aber, als Herkules durch- 
aus darauf bestand, erfand Zeus folgende List: er zog einem 
Widder die Haut ab und schnitt ihm den Kopf ab und hielt 
sich den Kopf vor, thät das Vliess um und so zeigte er sich 
ihm. Deshalb machen die Aegypter das . Bild des Zeus mit 
einem Widderkopf; von den Aegyptern haben es die Am- 
monier, die Abkömmlinge sind der Aegypter und der Ae- 
thiopier und deren Sprache zwischen beiden ist; und wie 
mir scheint, so haben die Ammonier auch ihren Namen sich 
davon beigelegt, denn Amnion nennen die Aegypter den 
Zeus". Ferner das. 4, 181: „Von Theben zehn Tagereisen 
weit sind die Ammonier, die haben ein Heiligthum von dem 
thebäischen Zeus. Denn auch das Götterbild in Thebae, 
wie vorher gesagt, hat einen Widderkopf'. — Es ist daher 
wohl möglich, dass unser Man (Chamman) mit b^V (== hebr. 
bW) zu einem Begriff zusammengeschmolzen und ]fob^V etwa 
der Bock-Man oder Widder-Man hiesse 2 ). — Die Wie- 
derholung von üb (ihm) ist nicht weiter auffallend und fin- 
det zahlreiche Analogien im Hebräischen. — Ueber SPDJJJ 
haben wir oben zu Nr. 11 gesprochen. — Der Name ro*D 
ist aus der Inschrift v. Leptis, Judas pl. 7 Nr. 1, bekannt. 
Der Vatername NtOJJIp giebt wiederum eine Zusammensetzung 
mit KB, der nach dem hebr. VII tremefecit erklärt 



x ) Vgl. Movers: Religion der Phönizier S. 266 fg. 
a ) Hebräisch müsste es freilich jÖ^JK (das erste Wort im st. cstr.) 
lauten. 



65 

werden kann 1 ). Die ganze Inschrift wäre demnach zu 
lesen : 

- üb^vb 
pv & V 
ha vvra, 

„dem Ajilman und ihm errichtete einen Gedenkstein Byrykth 
Tochter Ragata's" 2 ). 

15. J. pl. 26, bis. Auch diese in deutlicher Schrift vor- 
liegende Inschrift, welche zu Hantschir-en-Nechma gefunden 
worden ist, hat Ewald nach unserer Ueberzeugung nicht 
richtig entziffert, wenn er liest: 

*»en nobp *6m p byz byd? 

„dem Baal Baal Ch'man die Bürger Quelma's am Flusse." 
Gemeint sei die Stadt Ghelma und diese von andern gleich- 
namigen Städten durch "INA (= "irw) am Flusse unter- 
schieden. — Bei der Betrachtung der so deutlichen Schrift 
kann es nicht entgehen, dass der zehnte Buchstabe erster 
Zeile kein Beth, sondern Phe ist; daher liest man: 
bvB p bvi bv£> 

„dem Baal, Baal Man machte (diesen Stein) Akelmath Sohn 
Ur's". 

bvB ist bekanntlich dem Phönizischen statt des hebr. 
rWV eigenthümlich ; nfc^pK ist nach Analogie v. ro^HK gebil- 
det (vgl. zu Nr. 1. G. t. 21); "IN Or od. besser Ur zu lesen 
findet sich auch Cit. 10 und G. t. 31, Nr. 70 n« p, vgl. das 
hebr. m«. 

16. B. 1: 

Y13 WN TU byd? pfc6 
Cr es. 

tarn *6p vftw 



*) Der Name erinnert übrigens auch an die auf latein. Inschriften 
in N.-Afrika vorkommenden Rogatus (vgl. Renier: a. a. 0. etc. No. 19, 
p. 650: Namgedde Rogati Chaffaris filia u. ö.) und Rogata. 

*) Es ist natürlich ein wohlfeileres Auskunftsmittel , Ajilman" als 
einen Namen eines Menschen zu nehmen ; dann müsste aber auch fcOttfyj 

5 



„dem Herrn, dem Baal, Gelübde, welches gelobte Cres[cens], 
höre seine Stimme, segne ihn". 

17. B. 2: Die Inschrift ist, obgleich in der zweiten 
Auflage des Bourgade'schen Werkes etwas verbessert, doch 
wegen arger Verstümmelung schwer zu entziffern. Wir lesen, 
soweit die Buchstaben lesbar sind: 

- -o bvA pt6 
:i nyn *ok 

„dem Herrn, dem Baal, Gelübde, welches gelobte N. N. etc." *) 
Der erste Buchstabe zweiter Zeile ist zu einem Aleph 
zu ergänzen; die Namen sind nicht mit Sicherheit zu be- 
stimmen. Ueber njn und jro sprechen wir in den nächst- 
folgenden Inschriften. 

18. B. 3. Ewald liest diese interessante Inschrift höchst 
willkührlich : 

w p -pnin -n: wn n-u W> p*6 

„dem H. B. Ch. g. von Daturak Sohne Asera's", ohne nur 
irgendwie der Schrift Rechnung zu tragen. Vielmehr lese 
man: 

-na beb ywb 

„dem Herrn, dem Bai (Bei), gelobte Masinadathor, o hilf 
ihm!" 

Das vierte Zeichen zweiter Zeile haben wir als He ge- 
lesen, man darf nur die beiden Schenkel nach oben geschlos- 
sen denken, so würde man diese He-Form nicht beanstanden ; 
indessen kann man auch alle drei Striche vereinigen und 
man hat ein Cheth und den Namen "in^fc ; mit dem Namen 
Masinad-Athor kann man vergleichen Massintha bei Sue- 
ton. Caes. 71. Mit Athor finden sich übrigens noch andere 



anders gedeutet werden, etwa als fem. v. frOt£0 (Fürst) und auf Byrykth 
bezogen „die Fürstin B." 

*) Der erste Name ist vielleicht auch K3N^"D zu lesen. Vgl. B. 37. 



67 

nom. pr. zusammengesetzt (vgl. oben) *). — Das p?D ist ganz 
das chaldäische Wort, das dem hebr. &0 bitte! (quaeso), doch 
entspricht 2 ). Dies giebt uns aber auch Aufschluss über die 
Formel jro ji"D ■= ]VJ jJJD, über welche wir alsbald zu B. 5 
sprechen. Jedenfalls ist &DW (und dem entsprechend an 
manchen andern Orten &01D) nicht Perf., sondern Imperat. 

19. B. 4. Leider ist auch diese Inschrift sehr beschä- 
digt, sie hätte uns sonst gewiss auch für B. 2 Aufklärung 
gegeben. Wir können nur lesen: 

ntü wk ti: byzb pxb 

„dem Herrn B. Gelübde, welches gelobte N. N." 

Da uns das Ende der Inschrift fehlt, so wagen wir auch 
nicht zu lesen ..JD T\2 3nK?2, weil es uns sehr wahrscheinlich 
ist, dass in der Mitte der Zeile njD gelesen werden müsste, 
so wie es auch B. 2 Zeile 3 (in der Mitte) vorkommt und 
unzweifelhaft B. 6, wo wir es nochmals besprechen werden. 

20. B. 5. Diese Inschrift ist in der zweiten Auflage in 
Bezug auf die dritte Zeile viel correcter als in der ersten 
gegeben; sie lautet: 

TU WK TU byzb p*6 

wnfe p mpteinp 

„dem H., dem B. Gelübde, welches gelobte Abdmelkarth 
Sohn Baalhanna's. höre doch seine Stimme, segne ihn". 
Wir haben schon oben angemerkt, dass ]T\D identisch 
sei mit ]VD (wie auf unsern Inschriften nnn mit nyn, B. 31 
ffg. Hin mit Hiy und dergl. wechselt), und die Wiederholung 
dieses Wörtchens ist leicht bei dringenden Bitten erklärlich, 
wie im Hebräischen auch oft das &0 in ein und demselben 

T 

Satze wiederholt wird, z. B. 4. M. 12, 13: TV *0 Ngn NJ bx 



*) Der Stellung dieses Wörtchens gemäss lässt sich hier die Bedeu- 
tung = Ittfy, wie oben G. 21, nicht gut anwenden. 

2 ) So übersetzen die Targumim in der Regel das hebr. &0 5 wo es 
mit einem Verb, verbunden ist, während es im biblischen Chaldaismus 
die Bedeutung nun hat. Freilich liegen beide Bedeutungen einander 
sehr nahe. 



68 

„ach Gott, heile sie doch!" vgl. Ps. 118, 25 und ö. In der- 
selben Weise finden wir auch B. 7 JHD )PD *). — Das dritt- 
letzte Zeichen der dritten Zeile sieht allerdings einem Mem 
mehr ähnlich als einem Kaph und man könnte zur Noth 
auch frfe sein Wort lesen; jedoch da das tibp so gewöhn- 
lich in diesen Dankinschriften ist, so ist's auch mit Wahr- 
scheinlichkeit hier anzunehmen. 

Herr Bourgade, welcher das Cheth in dieser Inschrift 
durchweg verkannt hat (er glaubt dasselbe sei vierstrichig), 
hat einen ganz sonderbaren Sinn herausgebracht, den er 
auch durch das bei der Inschrift befindliche Basrelief bestä- 
tigt zu finden glaubt. Er liest: 

tu wn tu bvzb p*6 
Nrrbm p nnpte-ny 

*6fc NfcW HD HD 

„Domino Baali vovens holocaustum (!!) vovit Abodrnelkart, filius 
Baalishah (id est annuli). Sic, sie, obsequens adimplevit be- 
nedicens. 61 

Zu dieser und mehren andern falschen Deutungen hat 
ihn vorzüglich die folgende Inschrift, welche in der neuen 
Auflage hinzugekommen, verleitet; wir wollen sie daher als- 
bald näher betrachten. • 

21. B. 5 bis: 

C • DECRIVS • CELADVS 
VOTVMSOLVIT ■ LIBES 
ANIMO • tnvbp 

Die lateinische Inschrift bietet gar keine Schwierigkeit, 
ebensowenig wie das phönizische Wort (wir haben die deut- 
lichen Zeichen gleich in hebräische Buchstaben umschrieben), 
es ist offenbar eine Wiederholung des Hauptname Celadus, 
wenn auch nach phönizischer Aussprache. Herr Bourgade 
liest aber ND y^p, das = sei dem lateinischen solvit ver- 
bum, obligationern ex verbo, i. e. votum; oder noch 
besser = solvit ore i. e. orans und dieses entspreche dann 



') Wir haben schon oben auf die wunderlichen Hypothesen Ewald's 
über diese Wörter (er liest nPD T\TD) aufmerksam gemacht. 



69 

dem lateinischen animo. Ich glaube, der Leser hat genug 
mit dieser kurzen Erklärung, die aus der langen Erörterung 
S. 23 hervorgeht. Schlimmer aber ist es, dass der Verfasser 
aus dieser falschen Deutung noch weitere Folgerungen zieht 
und stets ND*D fr6p JJÖW obsequens, solvii supplicans 
übersetzt. 

22. B. 6: 

rÄpa \ tu un* ijru bjn!> p*6 

„dem Herrn, dem Baal, Gelübde, welches gelobte dieser 
erste Vorsteher Asarbaal, Sohn Menikbaal's, für das ganze 
Volk. Erhöre seine Stimme und segne ihn". 

Ueber -p'D'Z und EH haben wir schon oben S. 57 fg. ge- 
sprochen; die Erklärung des Wortes als nom. dignitatis fin- 
det durch den Zusatz 1 seine Bestätigung. Schwierig ist 
jedoch das Ende der zweiten Zeile ]V bD njD. Dass das 
erste Wort nicht ohne Weiteres mit Ewald p gelesen wer- 
den dürfe, verbieten die deutlichen Zeichen Beth, Ain und 
Tav, sowie das Vorkommen desselben Wortes oben B. 2 
und 4, wo freilich die Verstümmelung der Inschrift uns zu 
keinem sicheren Resultate kommen liess. Wir vermuthen 

njn stehe für "ljn l ) pr o , sowie wir im Hebr. D TJD ~)DD, bbüriT) 
beten, versöhnen für Jem. finden, so Hesse sich auch 
wohl sagen: geloben für Jem., oder Etwas den Göt- 
tern weihen (eine Statue, gleich einem Opfer) für Jem. 
— ]Vbj könnte man allerdings für ein nom. pr. Kalan hal- 
ten, doch ziehen wir die Deutung „für das ganze Volk 
QV = DJJ, wie wir weiter unten zu der Inschrift Leptis näher 
erklären werden), für den ganzen Stamm" vor. Es lässt 
sich ganz wohl denken, dass der erste Beamte für die ganze 
Gemeinde einen Denkstein dem Gotte errichtet, wie wir 



') Es bleibt immerhin merkwürdig, dass Jer. 11, 14 QHjn "1JD 
(wofür das. 2, 28. 11, 12 QnjTl HJJ2 steht) von dem Chaldäer und den 
LXX = njn genommen wird. Sollte man etwa auch im Hebräischen 
njn *= "IJD gebraucht und die alten Versionen diese Bedeutung nicht 
mehr gekannt haben? 



70 

dies auf lateinischen Inschriften im nördlichen Afrika häu- 
fig finden. — 

23. B. 7: 

tu wn -ru by:£ p*6 
p ^jnmn p pnroty'» 

„dem H. d. B. Gelübde, welches gelobte Jalzazan (viell. auch 
Baalzazan zu lesen), Sohn Barikbaal's, Sohn Ramathzan's. 
O höre doch seine Stimme, segne ihn". 

24. B. 8: 

i pDM pv bpib yivb 
- j'ro -nw wx im: 

— D pP^jn p 3m 

Nmm wip na Nsytiw 

„dem H. d. B. Aman diese Säulen, ein Gelübde, welches 
gelobte Matanbal Sohn Baljitan's, als er seine Stimme er- 
hörte, ihn segnete." 

Ueber pDfrO *) haben wir oben S. 60 gesprochen. Wie 
Ewald zu seiner Entzifferung gelangt sei, vermögen wir nicht 
zu begreifen. — 

25. B. 9. Die Zeichnung der Inschrift ist in der neuen 
Auflage verbessert, dennoch ist der Sinn nicht leicht heraus- 
zubringen, da die Zeichen noch keinesweges sicher zu be- 
stimmen sind. Herr Bourgade giebt folgende Entzifferung: 

am n*6p yow *p *6m yx b) run im tni: pv TV pv byzb pvb 

„Domino Baali Hammoni vovens lapidem vovit germinantem 
Hennah, Signum arboris Baalh-Hah. Hie fidelis söhnt (sacrum) 
supplicans." Wir bekennen aufrichtig, dass wir weder die 
hebräische Umschreibung, noch die lateinische Uebersetzung 
verstehen. Vielleicht giebt die französische Uebersetzung 
Aufschluss: „Au Dieu Baal Ammon Hennah, en vertu (Tun 
voeu, a erigee cette pierre ornee de Vegetation, representation 



*) Auffallend ist in diesem Worte das Zeichen D (oder ty); soll man 
nach den ihm ähnlichen Figuren in unserer Inschrift urth eilen, so sieht 
es wie ein Daleth aus. Indessen ist bei unsern neuphöniz. Inschr. selbst 
von den Formen ein und desselben Monuments nicht immer eine Folge- 
rung zu ziehen. 



71 

de Varbre de Baal-Hah. Cest ici quen vertu d'un voeu il a 
dejä offert un sacrifice en addressant des supplications ä la Di- 
viiiite." Auch diese bringt keine Klarheit, so wenig wie die 
zwei Folio -Seiten lange Erklärung, die sich vorzüglich auf 
die Deutung des Basreliefs stützt. — Wir geben folgende 
Lesung zur Prüfung: 

- n bv 1 p^ nnn m« 

„dem Herrn, dem B. Aman, gelobte Arban, Sohn Eres'. Es 
wurde dieses Denkmal gesetzt diesem Herrn, weil er seine 
Stimme erhört und ihn gesegnet hat". 

Sieht man in den letzten Zeichen der ersten Zeile die 
gewöhnliche Form "HJ WH 1"D oder frCHi EW, so wird man 
den graphischen Forderungen nicht Genüge leisten, eben so 
wenig mit dem Folgenden auskommen, wenn man etwa liest: 

vh HS runttH NTD EM; daher haben wir vorgeschlagen den 

Namen Arban Sohn Eres, beides im Phönizischen bekannte 
nom. pr. (ersterer Cit. 10 und 15 *), letzterer in der neuer- 



x ) Wir lesen diese Inschrift: "ifcO ] 3H 

■py p 

X ([TQS] tt 1 ' 

hl 

d. h.: „dieses das Denkmal (Arban machte diese Statue) von Erek dem 
Eisengiesser". Das, was ausser der Klammer steht, ist bereits von An- 
dern (Blau, Movers) richtig erkannt, das in derselben Befindliche scheint 
mir eine Beischrift des Steinmetzen zu sein; er nennt sich Arban; "Dy 
nach dem Aramäischen = hebr. iltiW machen, und von .ft .) ist ] = 1), 
und fo scheint eine Abkürzung von nnUto zu sein. Dergleichen Abkür- 
zungen können bei den citischen Inschriften nicht weiter auffallen. Auch 
Cit. 8 findet sich zu Anfang eine solche: 

— jtoi wh i au 

— ) rbxyßwx x 

p *6"»nn& 

*)- c?d«) —bwhw 

•) Das Ende der Inschrift ist schwer zu lesen, vielleicht enthielt dieselbe die Worte : 
„er lebte 15 Jahr", die freilich nicht so leicht aus den an Ligaturen reichen Zeichen 
herauszubringen sind. 



72 

dings aufgefundenen und von de Luynes veröffentlichten mal- 
tesischen Inschrift), zu lesen. Die darauf folgenden Zei- 
chen sind deutlich, ein He mit einem geraden Strich zur 
Linken == PI ist keine seltene Form in unsern Inschriften; 
dagegen müssen wir das seltsame Zeichen nach dem Aleph 
als eine Ligatur vom Daleth und Nun betrachten. — Mit 
dem T |1X ist natürlich der kurz zuvor genannte Baal-Ham- 
mon gemeint. — Schwierig ist noch "IHN bv , das wir = 
hebr. "NtfN *inx proptera quod nehmen. Wir finden im 
Hebr. (Ez. 41, 15) in räumlicher Bedeutung nflN bv post, 
ob wir nun das Recht haben den Worten auch die causale 
proptera quod einzuräumen, müssen wir von weiteren 
Entdeckungen abwarten. 
26. B. 10: 

obp yKWD pn bm pxb 

p wn jnynsp p }y»n w 
iw& p *pwbvz b nyi?psto 

„dem Herrn B. Ch., als er ihre Stimme hörte, sie segnete, 
die Bürger von Hamaktaram, der edle Boman Sohn Jeztatan 
und Jaserbai Sohn Mzikalath's, Sohn Baalschelech's, Sohn 
Jifschar's". 

Ueber die zwei ersten Zeilen haben wir schon oben zu 
G. tab. 21 gesprochen, über TN zu G. t. 24 ! ) — jnj/nSP wer- 



d. h.: „dieses Denkmal (= J 2^), welches errichtete Asmunzelach und 
Meroshajala Sohn Silsü's" etc. ; vielleicht auch Cit. 10 zu Anfang. Die 
beiden Zeichen : g : g , welche in der genannten 15. cit. Inschr. sich 
finden, scheinen eben anzudeuten, dass die eingeschlossenen Worte dem 
Steinmetzen angehören. Aehnliches findet sich auch auf griechischen In- 
schriften z. B. bei Ross: inscript inedit. I, Nr. 73, wo der Steinmetz sei- 
nen Namen vorgesetzt, und Nr. 399 der Name dessen, der das Denkmal 
hat setzen lassen. Selbst Doppelinschriften kommen vor, von denen die 
eine dem Weihenden, die andere dem Künstler angehört z. ß. Nr. 24, 
vgl. Paus. VIII. 42, 10 (siehe Pauly's Encyclopädie IV, S. 176). — Da 
wir bei den ungenauen Abzeichnungen der cittischen Inschriften kein 
sicheres Urtheil über die Beschaffenheit derselben haben, so können wir 
vermuthen, dass die Doppelinschrift auch mehr markirt, als wir sie jetzt 
finden, gewesen war. 

J ) Wir ziehen diese Deutung derjenigen vor, welche etwa sich auf 
die Lesung njfcl'fK (= ftjfc^iy) stützen möchte. 



73 

den wir auch G. t. 25 wieder finden. — Sehr instruktiv ist 
der Name Jaserbai (nicht Jassurdäi, wie Ewald liest) in Be- 
zug auf die so häufig vorkommende Endung bai, die eine 
Erweichung A ) von bv^ zu sein scheint. So finden wir den 
Namen Jubai '•JQT 1 auf Münzen (Ges. mon. t. 42), ferner in 
einer bei Khremissa in Nordafrika gefundenen lateinischen 
Inschrift (Revue archeol. XII, p. 648): 

NVMIDA 

BAISSILE 

CIS[F]PVA 

LV. 
H. S. E. 
Offenbar ist der Name Baissilech rbvbyz (oder ^Xübyi 
nach neuphönizischer Weise corrumpirt), vgl. die Inschr. v. 
Leptis (Judas pl. 7) Nr. 1. — Ferner ist bemerkenswert!!, 
dass der Name Baimarkos, der auf einem bei Berytus unter 
den Trümmern eines Juppiter- Tempels gefundenen Stein 
sich findet, auf einer andern Inschrift Baimarcos geschrie- 
ben ist 2 ). Dies ist nichts anderes als Ip^jn. — Das Neu- 
phönizische ist bei der Wegwerfung des b oder bei dessen 
Erweichung in Jod nicht stehen geblieben, selbst das V am 
Ende ist noch weggefallen : so findet sich der Name ^n*W> 
sogar in WJJP B. 16 verkürzt. Unser "»ymp oder ^miJP 
(vgl. z. B. G. t. 26) ist übrigens die erweiterte Form des 
häufigeren bvmiV Asdrubaal oder Hasdrubaal. 
27. B. 11: 

nb p piv p>ö bvA p 

xbp xtew bfaro p 

ND*n 

„es errichtete (diesen Denkstein) dem Baal-Man Arek Sohn 
Ta's, Sohn Bodbaal's. Höre seine Stimme, segne ihn". Wir 
haben das erste Wort p, von der Wurzel pD, verwandt mit 
|D, das freilich im Hebräischen nicht in der Bedeutung „auf- 



*) Movers: Encyclopädie v. Ersch und Gruber a. a. 0. S. 438, sieht 
darin eine Verkürzung von ^bV—- 

2 ) "Vgl» Inscriptionum lat. sehet III, ed. Henzen (Turici 1856) Nr. 5616 
und 5617 (vgl. auch C. 1. Graec. Nr. 4536)-, in der Inschrift 5617 will 
Henzen ohne Grund Baimarkos setzen. 



74 

stellen, errichten" im Kai vorkommt, während jenes diese 
Bedeutung gehabt zu haben scheint, 1 ) abgeleitet, weil das 
erste Zeichen schwerlich anders als Kaf gelesen werden 
kann. — - pto ist das oft vorgekommene |ö mit dem Vokal- 
buchstaben y, oder transponirte Form von py. Mit andern 
nomm. zusammengesetzt fanden wir es J. 13, B. 10. 

28. B. 37: 

trro wk tu byzb p*6 
Vöiw] tob nn NDlKiro 

„dem H. d. B. Ch. w. g. Kdalaga Tochter Kalba's, höre ihre 
Stimme, segne sie". 

Diese Inschrift ist in so schlechtem Zustande, dass Herr 
Bourgade sie in der zweiten Auflage ganz fortliess. Wir 
haben sie nach der ersten, so weit es ging, zu lesen ver- 
sucht; zu dem Namen KHN^"D ist zu vergleichen B. 2, 2. 

29. B. 38 (in zweiter Auflage: B. 37): 

„des Adonbaal's, Sohnes Abdmelkart's". 
In der neuen Auflage ist diese Inschrift im zweiten 
Zeichen erster Zeile verbessert, so dass ein deutliches Aleph 
zu lesen ist; auch das erste Zeichen ist ein deutliches W, 
welches in der Bedeutung des Genitivs zu fassen wäre (vgl. 
Inschr. v. Thugga). 

30. B. 39. Diese Inschr. ist bis auf die vier letzten (unver- 
ändert gebliebenen) Zeichen in der neuen Auflage bei B. 
fortgelassen; wir geben nach der ersten, was uns lesbar 
scheint: k*h: fy^ p^ 

fcn -p- 
r\wb g^wn n:w 
In letzter Zeile sehen wir in dem Zeichen, das einem 
Koph ähnlich ist, eine Ligatur von DI. Das Ganze ist natür- 
lich sehr zweifelhaft 2 ). 



*) Vgl. Gesenius thes. ß. v. p^. 

*) Ueber Num. 8, Ges. mon. tab. 47 Nr. 84, haben wir bereits im 
ersten Hefte unserer phönizischen Studien S. 26 gesprochen. 



75 



B. Grabinschriften. 

Sie beginnen in der Regel pN ÖCÜ (Wü, StflflÖ, Wo) od. 
x:d pN „es wurde der Stein errichtet dem (durch b ausge- 
drückt) N. N." wobei noch zuweilen hinzugefügt wird von 
wem (auch durch b bezeichnet). Zum Lobe des Todten 
werden in einzelnen Inschriften ein paar Worte hinzugefügt, 
sonst nur der Name und das Alter desselben erwähnt. 

1. G. tab. 25: 

— nsrb l py x:v® 

— -mww nn ny 

— so p jynynip i n 
...wie rwv p^b 

nw yiy 

„dieser Stein wurde errichtet der Thafrath, Tochter Avt-Has- 
dath, d. i. Jeztatan's, Sohnes Meslian's, Frau des Parama...; 

sie lebte Jahre". 

Schwierig ist in dieser Inschrift die Buchstaben-Gruppe 
Zeile 2 trnWKDEW zu deuten; das darauf folgende )ynynsr> 
erkennen wir alsbald als ein Nom. pr., das wir auch B. 10 
(jnyniP geschrieben) wiederfinden. Wir glauben nicht zu 
irren, wenn wir die Gruppe abtheilen: |ynyn*P 1 rnttfKntOiy 
„Tochter Avt-Hasdat, d. i. Jaztatan". Das 1 ist ganz so ge- 
braucht wie auf griechischen Inschriften das 6 xal und auf 
lateinischen: qui et oder qui, um die Doppelnamen einer 
Person anzuzeigen, ebenso lesen wir auf palmyrenischen 
Inschriften (s. Kopp: Bilder und Schriften S. 133) *npnö H 
„welcher genannt wird N. N. etc." Es ist sehr natürlich, 
dass bei einer so gemischten Bevölkerung, wie die Nordafrikas 
war, diese Doppelnamen sehr häufig anzutreffen sind. Vgl. 
z. B. bei Renier (Inscr. rom.~) Nr. 1260, 2067, 2286. Der 
erste Name mttfKnEW ist aus den Theilen BW und mWKPl 
zusammengesetzt, ersteres ist gewiss gleich "Dtf; in abge- 
kürzter Form Bl haben wir oben G. t. 23 Nr. 59 dies LDiy 
bereits kennen gelernt, und lässt sich daher die Identität von 
tt)y und "Dy schwerlich bezweifeln, wenn man die öftere 
Vertauschung der Lippenbuchstaben untereinander in unsern 
Inschriften in Erwägung zieht, sowie denn auch in libyscher 



76 

Uebersetzung der Tugga-lnschr. das phön. mriWD]; lautet: 
"lnttHI. Schwieriger ist der andere Theil rnttfND (vielleicht 
auch rnt^NTl zu lesen) zu deuten, höchst wahrscheinlich ein 
Göttername, aber welcher ist bei unserer Unkenntniss der 
mythologischen Verhältnisse dieser Gegend nicht mit Sicher- 
heit anzugeben. Anklingend ist das Wort an Aschera und 
Astarte. — Der zweite Name pyiW ist der Beiname und 
zwar der libysche, den der Vater der Verstorbenen geführt 
hat. — Der Name H£")D scheint nicht vollständig, denn es 
dürfte schwerlich im Phönizischen ein Nom. pr. auf ein He 
auslautend gefunden werden-, zudem zeigt sich in der fol- 
genden Zeile ein Lamed, das wohl noch zum Namen ge- 
hörte. 

Die Zahl der Jahre ist in der Inschrift nicht zu sehen. 

Das Wort VW (hebr. DT!, Pttn leben) wechselt in unsern 
Inschriften mit K)y (J. 16, 17, 19. B. 17, 18, 22), nw (B. 24), 
TW (B. 31), Kin (B. 32) und jnn (B. 34) l ). 

2. G. tab. 26: 

- -w p byz:mb t p« y:yu 
woy) -iw nw wy hyi 

„errichtet wurde dieser Stein dem Mutanbaal, Sohne Jaser- 
baal's; er lebte 15 Jahre." 

Der Name des Vaters ist Jaserbaal (vgl. oben zu B. 10) 
zu lesen, wenn auch der Schaft des Resch etwas kürzer ist. 
Die eigenthümliche Verbindung der Zehner mit den Einern, 
dass jene diesen, wie bei den grösseren Zehnern im Hebr., 
vorangehen, findet sich auch B. 27 und Zeile 1 der grossen 
sidonischen Inschrift, so dass wohl diese Verbindung im 
Phönizischen Regel gewesen zu sein scheint. Vgl. Rödiger 
in d. Zeitschr. D. M. G. IX. S. 651. 

3. J. pl. 16: 

"irb i py wto 
Niy bnnö p j 



') Die Regel, die Ewald (S. 11) aufstellt, dass in der verschiedenen 
Schreibart v. y)y das genus sich markire, hält nicht Stich, vgl. z. B. B. 21, 
wo #)y auf ein Weib sich bezieht, während nach Ewald dies bei einem 
Manne gebraucht würde. 



77 

„errichtet wurde dieser Stein der Tabra, Frau des Massinasan, 
Sohnes Mutanbal's, sie lebte 75 Jahre's". 

jrnn scheint ein verkürzter Name aus njHBn (G. t. 25), 
da D und 2 im Neuphönizischen sich leicht vertauschen. 

4. J. pl. 17: 

- IV p TTffl^— 

mv wb 

„[errichtet wurde dieser Stein] dem Sardad, Sohne Seldia's, 
er lebte 45 Jahre." In erster Zeile ist der Stein beschädigt 
und die Ergänzung, die wir vorgenommen, ist nach Maass- 
gabe der übrigen. Der Name "1T1W (wir ziehen auch aus 
graphischen Gründen diese Lesart vor, vgl. ü^.V unserer 
Inschr.) findet sich auch B. Carth. B. Ende der dritten Zeile, 
wo das zweite Daleth zu ergänzen ist. — Der Name WlblV 
(vgl. Nrbw B. 12 und Kn^M B. 33 u. 35) hängt auch wohl 
mit der Stadt Saldae (2dhdai, Strabo p. 831, Saide, Plinius V, 
2, 1) zusammen. Vgl. über diese Barth's Wanderungen S. 63 
und Mannert's Geogr. X, S. 411. 

5. J. pl. 18: 

- wh vwv i py 

— )v bbfc nn r6n 

- wk nw v 

— n wny) DI 

bv^ p 

„dieser Stein wurde errichtet der Siboleth, Tochter Milel's, 
sie lebte 25 Jahre, Frau des Mazibathaner, Sohnes Rial's". 
— Ueber *0yrQ'»Dfc siehe uns. phönizische Studien I, S. 10 
Anm. 1. 

6. J. pl. 19: 

VN® \ py 

- wü p jmxr^ 

t- w w rvbwz 

-n dum n 

„dieser Stein wurde gesetzt dem Jortan *), Sohne Meneksalat's, 



*) Spricht man das Ain im Worte ]n*1]P nicht als Vokalbuchstabe 
sondern als Guttural aus, so Hesse sich eine recht sprechende Aehnlich- 
keit mit Jugurtha (' IoyoQ&ccg) finden. 



78 

er lebte 64 Jahre". — Zu rbwDÜTD vgl. &33Ä B. 6. Das 
letzte Wort kann nicht mit Ewald "in gelesen werden, da 
ein deutliches Wav zu sehen ist, es kann nur T) „und vier" 
lauten, und scheint es demnach, dass im Neuphönizischen 
die Buchstaben Zahlenwerth gehabt haben. Vgl. die fol- 
gende Inschrift. 

7. J. pl. 20: -KtfE& p pN 

p W2W p 

„ein St. wurde errichtet dem Messar, Sohne Sebmes', 35 Jahr 
alt". Das letzte Zeichen der zweiten und die drei ersten 
der folgenden Zeile hat Ewald als Cheth betrachtet, jedoch 
kommt dies in dieser vierstrichigen Form nie vor. Wir 
vermuthen, dass die drei Striche, welche den Einern voran- 
gehen, die Zehner, an unserer Stelle drei derselben dreissig 
bezeichnen sollen. Die Verbindung mit p = natus findet 
sich auch B. 17 und 35, und ist überhaupt dem Semitismus 
nicht fremd *)• Im spätem Hebräischen ist derartige Ver- 
bindung mit p oder m sehr gewöhnlich, besonders in der 
Sprache der Mischnah. Im altern Phönizisch werden die 
Zehner durch wagrechte Striche ausgedrückt, oder die Be- 
zeichnung von 20 durch zwei Halbmondsformen (vgl. unsere 
phönizische Studien I, S. 5), oder endlich durch ein Zeichen 
= "*5 könnten nun nicht unsere drei Striche solche etwas 
entartete Formen für drei Zehner bezeichnen? Wir müssen 
die Bestätigung unserer Vermuthung von noch ferneren In- 
schriften abwarten. 

8. J. pl. 21 : — ^ yjy£ ) pN 

„dieser Stein wurde errichtet der Nababa, der Frau Jelek's 

von " Der Name dessen, der den Stein errichtet, und 

das Alter der Verstorbenen etc. fehlen. 

9. J. pl. 22: 

- *bvzb *oyto pv 

- jb Nwyn p pv 

- ) Krfcrn to v 
tichvcmv p cn 

l ) Vgl. z. B. ••••rW *n „45 Jahre alt" in der palinyrenischen In- 
schrift Nr. 1639 bei Renier a. a. 0. 



79 

„ein Stein wurde errichtet dem Baaljatan, dem Sohne Basa's, 
es errichtet ihm (denselben) Tialtija und Tarn, Söhne Esmun- 
latham's". Ewald hat das letzte Zeichen der dritten Zeile, 
das ganz deutlich ein Wav ist, verkannt, indem er liest: 
„von T. dem Weibe Mobfus von Latham", ohne auch nur 
den Versuch zu machen das „Latham" nachzuweisen. Wir 
halten den Namen NTi^JPn identisch mit fcP"i!tyW ("siehe oben 
zu Judas pl. 17). — Der Name CD findet sich auch B. 19. 
— Ein Nun wie in dem Worte p vierte Zeile werden wir 
auch in der folgenden Inschrift zweite Zeile kennen lernen. 

10. J. pl. 23: 

*öö 7 pV 

n }wrh 

— w p -njnjüy 

••••in 

„dieser Stein wurde errichtet dem hier schlummernden En- 
sadebed's, Sohne Jomra's u. ...". 

Schwierig ist das Wort p^D *) (Ewald liest sonderbar 
genug p5Tl!); man könnte es möglicherweise = hebr. püpn 
„Herr, Fürst" halten, doch ziehe ich vor die Bedeutung = 
p^H „der Schlafende" hier anzunehmen, da auf einer Grab- 
schrift ein solches Beiwort doch nicht zu fern liegend scheint 
(vgl. Ps. 13, 4. Hi. 3, 12. Dan. 12, 2). — in ist bereits früher 
erklärt. Zu dem Namen "BOy vgl. "tH?Jj B. 26. Dass in 
dem bekannten Wörtchen p das Beth weniger genau wie 
die andern Formen dieses Buchstaben gezeichnet ist, darf 
nicht auffallen und kommt oft vor. — Nach dem letzten 
Wav fehlt die Lebenszeit des Verstorbenen. 

11. B. 12: 

- web t p« *ob 
*o-6w p pim 

„errichtet wurde d. St. dem Magrasan, Sohn Saldija's". 
Der Name Magrasan (Ew. liest fälschlich Magedschan) 
ist gewiss nicht sehr verschieden von KltfTOfc, da, wie schon 
erwähnt, das V im Libyschen wie im spätem Berber'schen 
wie das arabische h gesprochen wurde. 



l ) Ueber die Form des Nun vgl. die vorige Inschrift. 



80 

12. B. 13: 

T pH *UtO 

p roytoäöb 

„es wurde errichtet d. St. dem Mezimachat, Sohne Maru- 
scha's". Ganz ungenau ist Ewald's Bemerkung, dass B. 15 
und 23 kaum von unserer Inschrift verschieden sei. Siehe 
weiter unten zu diesen Inschriften. 

13. B. 14: 

*6pstt?ö p *■) 
„errichtet wurde d. St. dem Soter Sohn Meskala's". 
Mit "iftyw vgl. das hebr. ^Öttf „Aufseher" und weiter zur 
leptitanischen Inschrift. 

14. B. 15: 

) tjiän wts 

„errichtet w. d. St. dem Mesat, dem Bruder Maruscha's". 
Wahrscheinlich war Maruscha ein so berühmter Name, 
dass man den Mezat ohne Weiteres „Bruder M's" nannte; 
möglicherweise hat man diesen Stein in der Nähe v. B. 13 
und 14 gefunden, so dass diese drei zu einem Familienbe- 
gräbniss gehört haben. 

15. B. 16: 

"anw nn 

„dieser Stein wurde errichtet der Barkai, Tochter Jasarbi, 
und sie lebte 25 Jahre". Man kann daran zweifeln, ob ]XV& 
aus pJtfl corrumpirt sei, oder verkürzt aus pN |ytO- — bV212 
kann für ^DD"n verschrieben sein vgl. B. 31. Ueber ^"W 
vgl. oben zu B. 10. 

16. B. 17: — pfcy^ 7 p« ajytO 

'n- m vbpiwD p m 



*) Es ist wohl blosses Versehen, dass in der neuen Auflage diese 
zwei Buchstaben fehlen. 



81 

„dieser St. wurde errichtet dem Baalthema, dem Sohne Me- 
sikala's, und er lebte 70 Jahre". — P&nkjD ist identisch mit 
ytewbyz B. 31, wie wir schon mehrmal bemerkt haben, dass 
das Tav im Neuphönizischen wie eine Sibilans betrachtet 
wird. — Der Name M^payfc (nicht mit Ew. JM^pOTD zu lesen, 
denn der letzte Buchstabe nach dem Aleph ist offenbar ein 
Wav) ist schon B. 14 vorgekommen. Ueber p (das Ewald 
so auffallend findet) siehe oben zu J. pl. 20. 

17. B. 18: 

p m^in^ 7 py fcoe 

nw wv Mn^nw 
nwwn 

„errichtet wurde dieser Stein dem Gamla, Sohne Saldija's, 
er lebte 50 Jahre". 

Der Name M^ftMJ findet sich B. 33 tibtä geschrieben, so 
wie W-brw auch «h!m J. 17. B. 12, tirbw? B. 33 und 

Nniw b. 35. 

18. B. 20: 

- i? im py m:j;e 

— ny m ySconts 
—ira toi jyn 

„es wurde errichtet dieser Stein der Tartala, Tochter Jor- 

tan's, und sie lebte Jahre". Ueber TM = TH haben wir 

schon oben gesprochen (siehe zu Ges. t. 24). Ewald hat 
das Aleph ganz übersehen. — [^mV 1 findet sich ]m]P J. 
pl. 19 geschrieben, siehe daselbst. 

19. B. 21: 

[„errichtet wurde dieser Stein der N. N„ Tochter Jbaal's, 

sie lebte 95 Jahre, fromm in ihrem Leben, glücklich." 

Die Inschrift ist in der neuen Auflage vollständiger, als 
in der ersten. Mfcn (fem. v. cn) entspricht dem „|?m", das 
sich oft auf den lat. Grabschriften dieser Gegend findet. ! ) 



*) Es scheint das lateinische P.V. {pius oder pia vixit), das in solcher 
Abkürzung äusserst selten auf lateinischen Inschriften ausser den nord- 
afrikanischen Gegenden vorkommt, dort erst nach dem Panischen EH 
oder Mfcn so recht in Gebrauch gekommen zu sein. 

6 



82 

— mjwnfc = hebr. mttfNfc zweites Partieipium Piel von 
"lttfK glücklich sein. Wiederum ein merkwürdiger Beleg, 
wie sehr das Phönizische dem Hebräischen gleicht, da. auch 
dies die Wurzel *WK nur im Pi u. Pual kennt. Herr Bour- 
gade liest rnywnfc CTQ K£n und übersetzt: in viventium 
consortione, indem er mywnft von einer Wurzel *Ktfn, die 
congregavit bedeuten soll, ableitet. 

20. B. 22: 

- vw i pv *üö 
nwr\ royw 

„errichtet wurde d. St. der Zivan, Tochter Basa's. Sie lebte 
fünf Jahre". Das Wav hat eine so bestimmt ausgeprägte 
Form in unserer Inschrift, dass wir auch in dem vorletzten 
Zeichen der ersten Zeile ein solches anzunehmen genöthigt 
waren. Mit dem nom. pr. ]V)% könnte man das bibl. pjntf 
(1 Mos. 36, 2), nach dem was wir zu G. tab. 25 bemerkt 
haben, vergleichen. — Die letzten drei Zeichen können wir 
nur UWn lesen und glauben dasselbe sei verschrieben für 
ttfön, oder corrumpirt aus diesem, wie CWV oder DJfltf für 
VW u. dergl. m. 

21. B. 23: 

i pn wt3 
pyrwh 

«wnyfc p 

„e. w. d. St. dem Achialan, Sohne Maruscha's". Ewald hat 
diese Inschr. gar nicht gelesen, indem er sie für identisch mit 
B. 13 und 15 hält, was offenbar nicht der Fall ist. Den 
Namen )i>ynN werden wir weiter unten in der Inschrift von 
Gerbi noch antreffen. 

22. B. 24: 

p ttO^ i pv wc 

c^n cn 
„gesetzt wurde d. St. dem Belkas, Sohne Banath's, er lebte 
3 Jahre, schuldlos im Leben" ! ). Der Name des Vaters ist 



*) Liest man JOjn, so muss man übersetzen „schuldlos in seinem 
Leben". 



83 

ungewiss, ebenso ist auch das Cheth in JTN nicht ganz sicher; 
würde man das K zum vorhergehenden Namen lesen, so ist 
auch p) — hebr. HTA möglich. Gewiss ist uns aber der 
Schluss, der in der Mitte der Zeile 3 steht; ein paar Worte 
zum Lobe der Verstorbenen finden wir auch B. 21 und 35, 
ähnlich wie hier. — D^V steht für CT!, wie nyn für mn, jnD 
für ]VD u. dergl. m., siehe oben zu B. 3. — Ewald hat ganz 
und gar den Sinn verkannt, wenn er aus dem Schluss heraus- 
bringt: DW)K rrc&B/rW' „er lebte 43 Jahre", was weder 
im Phönizischen noch Hebräischen so gesagt werden kann. 

23. B. 25: 

mm p^n p 

„errichtet wurde dieser St. dem Eresam, Sohne Himilcon's, 
und er lebte 70 Jahre." 

Der Stein ist etwas beschädigt, doch sind noch Spuren 
der fehlenden Buchstaben ) vorhanden, so dass wir die Er- 
gänzung versuchen konnten. Der erste Name ist auch viel- 
leicht KttHfc zu lesen, so dass er dem B. 13, 15 u. 23 vor- 
kommenden ähnlich wäre, sonst kann CEHK mit UHN (siehe 
zu B. 9) verglichen werden. — pfen ist ähnlich ro^ön 
Carth. 8, 2, das Wort scheint aus pbto )il „Gnade unsers 
Königs" entstanden zu sein, und ist in dem bekannten Hi- 
milco wieder zu erkennen. 

24. B. 26: 

— :n£ m -is£y:b i p« &otb 
iwmnö p p-ra mv bvi 

„errichtet wurde dieser Stein der Nalzad, Tochter Matan- 
baal's, dem Weibe Zidik's, Sohnes Methubaal's; sie lebte 
45 Jahre". Mit 126jn ist zu vgl. -feüy J. pl. 23. 

Zu Methubaal vgl. oben zu Ges. tab. 24. Anm. 

25. B. 27: 

row x)v *b)"V) p 



l ) In der neuen Auflage etwas deutlicher. 



84 

„dieser Stein ist errichtet worden dem Zura, Sohne Gajioli, 
er lebte 17 Jahre in gutem Rufe". 

Der Stein, der nach der ersten Auflage in der Mitte 
verstümmelt war, ist in der neuen vollständig hergestellt, so 
dass an der richtigen Lesung nicht zu zweifeln ist. — Das 
pron. ni steht für im - Ueber KTO vgl. zu B. 30. Schwie- 
rig ist der zweite Name 'fypyi zu erklären, vielleicht — 
■6n"y:i, wodurch er etwas näher dem Phönizischen kommt, 
jedoch scheint er eher libyschen Ursprungs zu sein. — 
b^ — by2 possessor. 

26. ß. 28: 

ybb i pa x:vu 
*6 kje «pm p 

„dieser Stein wurde errichtet dem Laki, Sohne Rochka's; 
es errichtete (ihn) ihm sein Vater". Der zweite Name las st 
sich auch Np\""n lesen, doch ist Rochka vorzuziehen (vgl. eine 
ähnliche Form des Cheth Ges. t. 23 Nr. 60 Z. 2 und B. 30 
Z. 1). — W scheint verschrieben für fcOltf, wie die folg. 
Inschrift hat. 

27. B. 29: 

xnb i pv nwb 

frony xb vm ~)uyw 

„dieser Stein wurde errichtet dem Schreiber (od. Beamten) 
Tha; es errichtete (ihn) ihm sein Vater". Man kann aller- 
dings den ersten Namen auch Taschoter lesen; indessen 
da auch NB B. 11 als Namen vorkommt, so kann *)E0i;w 
(== hebr. "Itoitf) auch ein nom. dignitatis sein. Es ist bekannt- 
lich im Phönizischen nicht selten, dass man die Namen des 
Gottes (u. KD haben wir als solchen erkannt) von Menschen 
geführt findet, so z. B. Baal, Esmun u. dergl. 

28. B. 30: 

1 pv mo 

gwn p yjbwb 

„dieser Stein wurde errichtet dem Selka, Sohne Aschim's, 
und er lebte 16 Jahre". Der Name Vlbw ist eine Nominal- 
bildung, wie wir sie noch oft im Neuphönizischen finden, 



85 

gewöhnlich für fem. (z. B. JTOn J. 16, jnn: das. 21, jrott 
B. 34), doch an unserer Stelle auch für ein nom. masc; es 
steht somit hier das V für N % , wie oben B. 27 in dem Worte 
Nlttf, das vielleicht eine Bildung von "11^ (Tyrus) ist, wenn 
man nicht die Ableitung = miS „Gestalt" vorzieht 1 ). Das 
Wort vd?W ist übrigens aus dem nom. pr. *]blV (= rblV) ge- 
bildet, — Das Zeichen für W in dem Worte nj?W ist nicht 
deutlich, es fehlt der Haken an der linken Seite; doch ist 
an der Richtigkeit der Lesung nicht zu zweifeln, da sonst 
kein Zahlwort zu den andern Buchstaben passt; daher Ewald's 
Vermuthung, als sei C21V zu lesen, sehr fern liegt. 
29. B. 31: 

byaanab t pa *oto 
nw vüwbyz p 
Djnn« n:w 
„errichtet wurde dieser Stein dem Barikbaal, 2 ) Sohne Baal- 
sema's, und er lebte 40 Jahre." 

Die vier folgenden Inschriften zeichnen sich durch sorg- 
fältigere Schrift und grösseren Umfang von den bisher be- 
handelten Monumenten aus. Besonders merkwürdig ist eine 
Phrase, die sich mit geringen Abänderungen in allen vier 
wiederholt, und da gerade diese nicht ohne Schwierigkeit ist, 
so wollen wir die Parallelstellen hier anführen. Die Grab- 
schrift beginnt mit der gewöhnlichen Formel „dieser Stein 
wurde errichtet dem N. N., lebte Jahre," dann folgt: 

B. 32: n*np ni pa nnn n:ny roxi für ein Weib, 

„ 33: mnp m nnn nyn rony ran „ „ „ 
„ 34: rany i p« nnn rrwi ro:n „ „ „ 

„ 35 : py ni pH nnn nn^p rDJh „ einen Mann. 

Ewald hält diese Formel für einen frommen Nachruf, 
wie ihn die den Stein setzenden Verwandten lieben; er 
übersetzt demnach : zur Ruhe kamst Du, bist geborgen, unter 
diesem Stein begraben". Das wäre ganz gut, wenn es nur 



*) Ein Name Ziora findet sich bei Renier {Inscr. rom.) Nr. 1130. 

2 ) Der Name (vgl. G. 22 B. 16) wird in lateinischen Inschriften bald 
Baricbal (Renier a. a. 0. Nr. 2771 und 2986), bald Biricbal (das. Nr. 2778) 
ausgesprochen. 



86 

aus den angeführten Worten herauszubringen wäre; aber 
das kann nur durch sehr künstliche Interpretation und durch 
die Annahme, dass B. 33 das Tav in n^D irrthümlich ge- 
setzt und B. 35 im Worte pj7 dasselbe fehle, möglich ge- 
macht werden. — Wir gestehen gerne ein, dass uns bis jetzt 
die Worte unverständlich sind, und wollen daher auch keine 
künstlichen Versuche zur Lesung anstellen. ! ) Wir lassen 
sie ganz unübersetzt, ihre Stelle durch Punkte andeutend. 
30. B. 32: 

fm an^w p jyrow nwa m 

wöm cw n:t£> wni onyrottn 

rvnp ni p« nnn r\^v nzon 

„ dieser Stein wurde errichtet der Achothmilkath, Tochter 
Bomelkarth, Frau Jasuctan's, Sohnes Sebeldiu's, Bürgers von 

Hamaktaram ; er lebte 25 Jahre " 

Der Name rnpi?fcJD ist aus mptefe verkürzt, während 
n*ip^bl2 aus nybtmv entstanden ist. — wfaltf scheint = 
K^ÄtP „des Herrn Diu" zu sein, 2 ) und daraus weiter ver- 
kürzt WPJfltf, da das Beth in weicher Aussprache in neu- 
phöniz. Mundart (vgl. z. B. XDI Arzt in der lep titanischen 
Inschrift J. pl. 7 Km geschrieben u. ö\), leichter in der Aus- 
sprache verloren gehen konnte. Wenn jedoch die vier In- 
schriften den Gliedern einer Familie gesetzt sind, so ist 
wohl eher ein Fehler in der Inschrift zu vermuthen und 
Nniw zu erwarten. Neben Nn^yw findet sich auch Kni?nttf 
B. 18 und W-bw J. 17 und B. 12. 3 ) Es scheint demnach, 



*) Aus dem Gegenüberstellen der fraglichen Wörter scheint wenig- 
stens so viel wahrscheinlich, dass py und *)2p synonym sind. Das erste 
Wort rp^il ist vielleicht das Wort HPO m *t Artik., das wir aus Cit. 2, 2 
kennen. Möglicherweise kann es auch ein verb. v. Stamme ""pH = *pn 
sein und wir hätten etwa eine ähnliche Formel wie das latein. sub ascia 
dedicare in unserer Phrase zu suchen. Man sieht, der Spielraum zu Ver- 
muthungen ist gerade nicht sehr beschränkt, Gewissheit können uns aber 
erst fernere Monumente bieten. 

2 ) In der ersten Ausgabe unserer Denkmäler stand fcOn^nfV 

3 ) Die Form W&W (&P"6nttf und Wl^lLO lässt sich JOT^ »des 
Diu" deuten. 

I 



87 

als wenn die Endung frO"l einen Gott bezeichnet habe, wel- 
chen aber, ist nicht so leicht anzugeben. Es wäre immer- 
hin möglich in unserem N 1 " den nabathäischen Gott WH 
der sinaitischen Inschriften (siehe Tuch a. a. 0. S. 205) zu 
suchen, so wie wir bereits den Gott NLD oder ND dort ange- 
troffen haben (siehe oben S. 51). — Ciyrofcn , siehe oben 
zu G. tab. 21. 

31. B. 33: 

- -bw p Kböa ni^« jön 
— v n;w v)V cnyrofcn 5>m w 

— n nyn na/ rcan rom d*w 
map m raa 

„errichtet wurde dieser Stein der. Jelah, *) Tochter Abdham- 
man's, Frau Gamla's, Sohnes Seldiu's, Bürgers von Hamak- 

taram ; sie lebte 25 Jahre " 

Der Name H^ mag mit p^" 1 J. pl. 21 identisch sein. 

32. B. 34: 

ro^nn«!? i p« tacs 
^j^ 3 ) my yu^b roafo^ 2 ) nn 

- wiw row yin ]yrow p 

nnn rrw ran o 
n:ay t p« 

„errichtet wurde dieser Stein der Achothmilkath, Tochter 
Jimlokbal von Makda, der Frau Salkani's, Sohnes Jasuktan's; 

sie lebte 30 Jahre " 

Wir haben schon manche Denkmäler kennen gelernt, 
wo der, welcher den Denkstein errichtete, namhaft gemacht 
wird, z. B. J. pl. 22 vgl. B. 28 und 29; der Name des Va- 
ters der Verstorbenen ist to^ = blDTll od. fejnate. Ewald 
verkennt den Sinn, indem er übersetzt: Tochter Jmilk's 



x ) In der früheren Auflage stand rb*hb-> sowie Zeile 2 Yß$. In der 
letzten Zeile ist der dritte und fünfte Buchstabe jetzt deutlich Tav. 

*) Es ist wohl nur Druckfehler, dass in der Inschrift ^22^ steht, 
Herr Bourgade liest b^jb^- 

3 ) In der ersten Ausgabe war dieser Name nicht ganz deutlich. Herr 
Bourgade liest "OD^yttf, obgleich das vorletzte Zeichen ein Nun ist, Am 
Ende ist auch hier ein fcOnSytf; zu suchen. 



88 

(*$W ro), Bürgers fa) von Lamkada (lrätti?)i Natürlich 
ohne dies Lamkada weiter nachzuweisen. 

33: c'iynD^n bvi Nniw p jyrowjp 

pv ni p« nnn i^p n:m 

Okto cn u6üo rw nww p) 

IASVCTA . SFLIDIV . F 

VIXIT . ANNIS . IXII . HONESTE 

„Jasuctan, Sohn Seldiu's, Bürgers von Hamaktaram, 

und 63 Jahre alt, lebte er rechtschaffen in seinem Leben". 

In der lateinischen Beischrift ist, statt SFLIDIV, SELDIV 
zu lesen, in zweiter Zeile aber ist nicht, wie Ewald glaubt, 
L statt I zu lesen, da auch sonst in nordafrikanischen latei- 
nischen Inschriften die Zahl 50 so wie hier geschrieben 
wird. Dagegen ist ein Einerzeichen in der Zahl LXII aus- 
gefallen, da das Phönizische „63 Jahr" hat. Die letzte Zeile 
hat Ew. ganz und gar falsch gelesen („fatfl DlM GW rüW")? 
obgleich die deutlichen Zeichen unsere oben angegebene 
Lesung ganz sicher an die Hand geben. Ueber p vgl. oben 
zu J. pl. 20. — TW für njttf findet sich schon im Altphöni- 
zischen, vgl. z. B. die Münzen Nr. VI. Ges. mon. tab. 36 u. ö. 

Wir schliessen an die vorangehenden Denkmäler neu- 
phönizischer Schrift noch einige andere, die eine nochmalige 
Besprechung verdienen, da ihre Inschriften noch gar sehr 
der Erklärung bedürfen. 

I. Inschriften von Leptis. 

Es sind bis jetzt 6 Inschriften in Leptis und der Um- 
gegend, in der kleinen Syrte, wo sich das phönizische Ele- 
ment noch Jahrhunderte nach der Zerstörung Carthago's 
erhalten hat, gefunden worden, welche zuletzt Movers 2 ) (die 
5 Inschriften von Leptis) und Hitzig 3 ) (die Inschrift von 
Meninx, jetzt Gerbi genannt) zu lesen versucht haben. 



') In der neuen Auflage steht in erster Zeile deutlich OiyrOttH und 
in zweiter nilD- 

2 ) Movers: das phönizische Alterthum II, 2 S. 476 fg. 

3 ) Zeitschrift d. D. M. G. IX, S. 739 fg. 



89 

1. Tripolitana prima bei Gesenius mon. tab. 27 LXIV. 
Diese sowie die folgenden Inschriften gehören ohne Zwei- 
fel, in Bezug auf Entartung der Sprache und der Schrift, 
wenn diese auch, was die künstlerische Ausführung betrifft, 
etwas sorgfältiger als manche der behandelten Monumente 
erscheint, in das Bereich des Neuphönizischen. 

Die erste, von Gesenius tripolitana prima genannt, ist 
eine bilinguis und auf einem Triumphbogen des alten Leptis ') 
gefunden. Derselbe ist vielleicht zu Ehren des Kaisers Septi- 
mius Severus, der aus Leptis stammte und den Einwohnern 
sehr gnädig war (vgl. Spart. Sev. c. 1, 13 und 18), errichtet 
worden. Die lateinische Beischrift lautet: 
A V G. SVFE 2 ) 

Die phönizische Inschrift liest Gesenius: 

ubv cp D"i roh^b nun 

„Dominium imperii Romani perstat in aeternum u 
Bei dieser Lesung sind, wie gewöhnlich, die Zeichen 
He und Resch verkannt. Movers (a. a. 0. Anm. 61) hat 
dies zwar vermieden, indem er richtig liest: 

nbv Dpan rchtb rw 

doch ist seine Uebersetzung „das Jahr der Regierung des 
Gründers ist ewiglich (unvergesslich)" kaum mit den Worten 
zu vereinbaren. Wir glauben in den Worten den viel ein- 
facheren Sinn zu finden: „Gesetzt von der Obrigkeit des 
Ortes, ewiglich". TW ist zweit. Part. Kai v. HW, wie sonst 
das verb. NJD in derselben Bedeutung gebraucht wird. — 
tdyd? „von der Obrigkeit", das b haben wir in gleicher Be- 
deutung bei dem verb. &0E bereits kennen gelernt (vgl. zu 
B. 34 und J. 21). Die Bedeutung „Obrigkeit" also ent- 
sprechend dem Suff et es der lateinischen Beischriit, ist be- 
reits dem Hebräismus in späteren Büchern, und dem Chal- 
däischen eigen, besonders aber in nachbiblischen Schriften 
anzutreffen, z. B. Pirke Aboth 3, 2: ros^Ö bw nö&ED bbüHö ni 



1 ) Barth's, Wanderungen S. 361. 

2 ) Es wird wohl keinem lateinischen Epigraphisten unserer Zeit ein- 
fallen diese Inschrift für vollständig zu erklären. Vor dem AVG fehlt 
gewiss noch ein langer Titel. 



90 

„bete für das Wohl der Obrigkeit" vgl. b. Kethub. p. 111, a, 
ganz in derselben Bedeutung wie ro^Ofc der grossen sido- 
nischen Inschrift. Ueberhaupt scheint das Neuphönizische 
solche Nom. abstr. für concr. zu bilden geneigt (vgl. unsere 
„phönizische Studien" I, S. 27 Anm. 1). 

So entspricht die lateinische Beischrift ganz gut dem 
Phönizischen, nur dass der Kaiser in dem letztern nicht ge- 
nannt ist. 

2. Tripolit. G. tab. 27 LXV. Die verschiedenen Ver- 
suche bis auf Movers (a. a. 0.) diese Inschrift zu entziffern 
übergehen wir. Dieser letztere liest dieselbe: 

pnmpyft bvB 

- *rti &6d nxnpb 

n*6 i^d vw 

ntf-d *n p« ]jb 

„das Werk des Makarhiris (Sohnes) des Ketam, er vollen- 
dete sein Leben, erschöpft von Alter (*pD — rfa). Zum Zei- 
chen zu dienen als Gedenkstein eines künftigen Geschlechtes". 

Sowohl sprachlich als graphisch lässt sich diese Erklä- 
rung schwerlich rechtfertigen; der sechste Buchstabe der 
zweiten Zeile kann kein Kaf sein, so wenig wie der fünfte 
der dritten Zeile, da der zweite Buchstabe der vierten Zeile 
die bestimmte Form des Kaf an die Hand giebt. Auch ist 
das letzte Zeichen der dritten Zeile ein Schin und kein Tav. 

Wir wagen für jetzt nur die zwei ersten Zeilen zu lesen: 

„es machte dies (Denkmal) Mokar, der Herrscher der Ketam, 

seinem Bruder" 

"Ipyft ist ein nom. pr. contrahirt aus Ipbfo (vgl. Movers 
a. a. 0. S. 117 Anm. 222 und I, 1 S. 501), sowie auch ein 
mythischer Heros, der zuerst Sardinien bevölkert hat, von 
Pausan. X, 17, 2 „Sardus Sohn Makeris" genannt wird, und 
noch in späterer Zeit ein afrikanischer Märtyrer Macorus 
hiess (Acta Sanctt. H, p. 480). — yv^n = yivn v. Stamm 
y*iy terruit, daher p*iy fortis, der Gewaltige, was wohl auch 
Herrscher bedeuten konnte. — CNnp halte ich für den 



91 

Namen des bedeutenden libysch. Völkerstammes der Ketäm. ! J 
— wn&6 ist nach Analogie v. &02J? = fcpnK ( siehe oben zu 
B. 29) gebildet. Ob das folgende VW der Name desselben 
und was es sonst bedeute, weiss ich nicht anzugeben. — 
Nach Allem, was wir versucht haben die schwierige Inschrift 
dem Verständnisse näher zu bringen, stehen wir doch nicht 
an, sie bis jetzt zu den un entzifferten zu zählen. 

3. Leptis unilingue Judas pl. 7. Die Inschrift ist durch 
Beschädigung des Steins nicht vollständig lesbar. Movers 
hat (a. a. O.) sie zu lesen versucht: 

„Tiberius, des Abtuchus, des Ithgerbaal (Sohn), Schreiber 
der (Tripolis?)". ... — Dürften wir auch zugeben, dass das 
Lamed als Genitivbezeichnung das p (Sohn) vertreten könne, 
wofür wir indessen keinen sicheren Beleg haben, (das Schin 
findet sich wohl im Phönizischen in dieser Bedeutung) 
so kann man doch nicht einräumen, dass der fünfte Buch- 
stabe erster Zeile ein Aleph sei; ebenso wenig scheint das 
Tav in dieser Form gesichert, nachdem wir in den beiden 
folgenden Inschriften eine andere Form dafür haben. Doch 
würden wir darauf weniger Gewicht legen, wenn sonst ein 
erklecklicher Sinn herauskäme. Wir lesen: 

•~"2 Ylok ~\üvw 
PP 

„Gelübde (oder es gelobte) dem Herrn des ganzen Volkes 

von Gurbaal, der mächtige Vorsteher u 

Das erste Zeichen als Nun zu lesen, kann keinen An- 
stoss erregen, es ist häufig genug in den zuvor erklärten 
Inschriften anzutreffen, mehr vielleicht das folgende Zeichen, 
das wir als Daleth und nicht Beth, wie es den Anschein hat, 
bestimmt haben; doch wenn wir die Form dieses letzteren 
Buchstaben in der folgenden Inschrift, die doch mit der 
unsrigen ein mid dasselbe Vaterland hat, betrachten, so bleibt 
uns keine andere Wahl übrig, zumal wir durch unsere Be- 



') Vgl. Ibn-Khaldun a. a. 0. I, S. 291. 



92 

Stimmung des Zeichens einen ganz angemessenen Sinn 
herauszubringen vermögen, was doch am Ende das beste 
Zeugniss für die Richtigkeit abgeben kann. Ohnehin be- 
stätigt sich diese Form in dem folgenden pH (= pN) und 
steht auch sonst nicht so isolirt da, vgl. z. B. die Münze v. 
Sidon bei Gesen. mon. tab. 34 F. Cit. 24, 2. — ]$ halten 
wir = CV „Volk". Wir haben schon oben (zu B. 6) auf 
diese Bedeutung hingewiesen und glauben sie auch in dem 
Stadtnamen Sabratha der kleinen Syrte wiederzufinden. Die 
Etymologie dieses Stadtnamens ist nämlich ziemlich dunkel; 
die Ableitung von Movers (a. a. 0. Seite 492 Anmerk. 109) 
jrnna v. ISW Getreide, „Getreideverkauf" lässt doch allzu- 
sehr die constant vorkommende Form mit einem Ain nach 
dem Tav (unter den sieben von Gesenius mitgetheilten 
Exemplaren sind nur zwei ohne Ain geschrieben, und unter 
den Exemplaren, die uns zu Gesicht gekommen, haben 
die meisten die vollere Form) ausser Acht. Ferner scheint 
man nach einem Exemplar, welches Judas (bullet, archeol. de 
V Athen, fr. Dec. 1855 und revue numismatique 1856, p. 100) 
mittheilt, und wo das Wort ]yn*DSJ in zwei Worte also : 

abgetheilt ist, auf die Vermuthung geführt zu werden, dass 
das Wort abzuleiten wäre v. n*nu Versammlung, Hau- 
fen (vom Stamme *DS nongessit^ daher das Späthebräische 
y\2$ Gemeinde) und ]V = UV Volk, also Volksversamm- 
lung, Volksmenge wie das hebr. D?S?j?J, Stadt im Ge- 
biete Ephraim, 1. Kön. 4, 12 und 1. Chr. 6, 53, wofür in 
paralleler Stelle Jos. 21, 22 D33f> steht. — by^l (das vor- 
letzte Zeichen ist, wie schon Movers richtig gesehen, Liga- 
tur aus Beth und Ain) heisst die in der Nähe liegende Insel 
Girba (Meninx ist wohl der libysche Name), womit das bi- 
blische bjnr)H 2. Chr. 26, 7 u. Movers a. a. 0. S. 496 Anm. 123 
und III, S. 285 zu vergleichen ist. — löW » hebr. "lEW, 
Beamter, Vorsteher haben wir schon oben in B. 29 kennen 
gelernt. — lEN ist = hebr. "THN, ein im Phönizischen sehr 



93 

gewöhnliches Wort ; von Verwechselung von LD und " haben 
wir oben G. tab. 25 Beispiele gehabt. Der Name des Wei- 
henden ist durch die Beschädigung des Steines nicht mehr 
zu erkennen, ebenso der des Vaternamens, nur p scheint 
in letzter Zeile noch kenn'lich. Dagegen ist das Denkmal 
sehr wahrscheinlich „dem Herrn alles Volks von Girba", 
d. i. dem Baal-Chamon, geweiht. 

4. Inscription trilingue Nr. 1 Judas pl. 7. Diese und die 
folgende Inschrift sind 1846 auf zwei Steinen von gleichem 
Umfang in den Ruinen von Leptis gefunden worden (vgl. 
Judas etudes dem. S. 141 und Journ. asiat. 1846). Die latei- 
nische und griechische Beischrift lautet: 

BYRYCTH BALSILECHIS F MATER CLODI MEDICI 
Bvqvxx}- BalöiXlrix &vyccTrjQ [irjTTjo KXwdiov laxqov 

Die phönizische Schrift liest Movers (um andere Deu- 
tungen, welche sich allzuweit von der Wahrheit entfernen, 
zu übergehen) a. a. 0. und Encyclopädie a. a. 0. S. 432: 

tain üvwbp qn ^wbyz nn rem 

„Byrychth, Tochter des Baalsillech, Mutter des Arztes Klo- 
dius". Wir sind mit dieser Lesung vollkommen einverstan- 
den, bis auf die des Wortes üV#vbp\ wir lesen dasselbe 
WVbp, denn das letzte Zeichen kann unmöglich ein Samech 
(oder eine andere Sibilans) sein, da es sich in dieser Form 
nicht nachweisen lässt, während es als Jod sehr häufig 
vorkommt. 

5. Die zweite triling. (J. das.) lautet: 

BONCARMECRASI CLODIVS MEDICVS 
Bon'TiaQßexqaai KXooSiog laTQog 

Die phönizische Beischrift liest Movers (a. a. 0.): 

nann oaj&p vnpisn mp^ro 

d. i. : „Bodalkart der Makartide, Clodius, Arzt". 

Wir müssen in der Lesung der phönizischen Zeichen 
ausser in dem Worte DNJ&p, nach dem, was wir zu der vor- 
hergehenden Inschrift bemerkt haben, noch bei zwei andern 
Buchstaben von Movers abweichen. Wir können in dem 
zwölften Buchstab, nur ein Nun sehen, da das Tav, sowohl 
an zwei Stellen der vorigen, als auch in dem Worte mp 



94 

der vorliegenden Inschrift ganz merklich von dem genannten 
zwölften Zeichen sich unterscheidet, es kann nur als Nun 
angesehen werden. Ferner kann der dreizehnte Buchst, nicht 
Jod gelesen werden, da auch dieses am Ende von wybp 
eine ganz andere Gestalt hat. Wir vermögen es nicht anders 
als Sain zu _ lesen; wir finden es freilich in den neuphöni- 
zischen Inschriften hier zum ersten Mal, doch ist das kein 
Grund es abzuweisen, wenn es anders die diesem Buch- 
staben sonst eigenthümliche Gestalt hat, so wenig wir das 
Samech in der Münze Revue num. 1856 pl. VI, 3 *) verwer- 
fen können, obgleich wir bis jetzt kein Samech auf den ge- 
nannten Denkmälern angetroffen haben. Wir lesen daher 
unsere Inschrift: 

tonn vgfep 7 ]y^n mpbvo, 

Die Wörter der lateinischen und griechischen Beischrift 
entsprechen im Ganzen dem Phönizischen nach unserer 
Lesung. Das erste Wort mp^lTD (verkürzt aus mphQ"DJ7 2 ) 
ist durch Bonkar gegeben. Dieses ist = Bonkart; wir treffen 
im Phönizischen beide Formen, die kürzere Bonkar und die 
vollere Bonkart, die erstere in einer Inschr. in actis fratrum 
Ar Valium (Romae 1795, p. 782, vgl. Gesenius monum. ling. 
phoen. p. 397) und die letztere auf einer tessera hospitalis 
bei Maffeus: Museum Veron. p. 493: Boncarth Idibalis ffilius] . 
Boncar und in weicherer Aussprache Voncaria waren 
Episcopalsitze in Mauret. Caesar. 3 ) — Dass Hamekransi im 
Lateinischen und Griechischen Mekrasi werden konnte, 
indem der Hauchlaut zu Anfang und das n vor dem s weg- 
geworfen werden konnte, dem Genius dieser Sprachen ge- 
mäss, ist leicht zu begreifen, schwerer aber, was jenes Wort 
eigentlich bedeuten sollte. Für T^pÖD wissen wir ebenso- 



*) Vorausgesetzt dass man die Münze mit Judas zu den mit neu- 
phönizischer Schrift zu zählen habe. 

2 ) Die anlautenden Conson. werden oft, wie bereits nachgewiesen, 
im Neuphönizischen abgeworfen, so Yq aus |foH oder |fty, "QJJ in "H, 
t01J7 m tOI ete . siehe zu Ges. tab. 23 u. 25. 

3 ) Judas (reo. numism. 1846 p. 387) will diese Stadt auf den zwei 
Broncemünzen t. VI, 8 und XIII, 1 mit der Aufschrift mp^D"D finden. 



95 

wenig eine ungezwungene Bedeutung zu geben, wie für 
vnpöHj wie Andere gelesen, denn die Erklärung „der Me- 
krati.de" leidet an manchen Gebrechen. — Uns scheint die 
Beischrift in diesem Worte nur die phönizischen Laute, nicht 
aber den Sinn wiedergegeben zu haben. Wir sehen in 
ppftH ein Epitheton zu mpi?lTO (= mp^n "ny wörtlich: 
der Verehrer von Baalkarth), und zwar ist Ipto zu 
übersetzen — Ipyfc Trip. II. (siehe das.) = Herr, und ppte 
„unser Herr". Das T *) aber ist in derselben Bedeutung, wie 
wir es oben zu Gesenius t. 25 erklärt haben, zu nehmen 
= latein. qui, oder griech. 6 xal. Daher ist zu übersetzen: 
„Abd-Baalkart, unser Herr, auch Klodius der Arzt genannt". 

6. Inschrift von Gerbi, Gesen. tab. 27 Nr. LXVI. 

Diese auf einem Stein von Temple gefundene Inschrift 
gehört der Gegend und dem Schriftcharakter nach zu den 
eben besprochenen und gewiss zu den schwierigsten der 
neuphöniz. Denkmäler. Movers (a. a. 0. S. 496 Anm. 123) 
verzweifelt an einer zuverlässigen Deutung, weil er die Zu- 
verlässigkeit der Abschrift bezweifelt; ähnlich hat schon Ge- 
senius (monum. p. 220) und Judas geurtheilt, und des erstem 
Entzifferung ist in der That kaum ein Versuch zu nennen. 

Im Allgemeinen bietet indess die Schrift, weil die Deu- 
tung nicht so leicht ist, keine Veranlassung ihr zu misstrauen, 
denn diese ist uns nur dadurch so erschwert, weil wir eine 
so geringe Anzahl von Denkmälern besitzen, die in der 
Regel nichts anders als einzelne nomm. prop. bieten und 
bei jedem Texte, der über dieses Bereich hinausgeht, sich 
natürlich bei der entarteten Schrift- und Sprachform die 
Schwierigkeiten vergrössern. Aus paläo graphischen Gründen 
haben wir keine Veranlassung der Abschrift unseres Denk- 
mals zu misstrauen, wenn auch das eine oder das andere 
Zeichen etwas von der hergebrachten Form abweicht. Hitzig 
(Zeitschrift d. D. M. G. IX S. 739) hat daher im Vertrauen 



*) Die Aussprache si der lateinischen und griechischen Beischrift er- 
klärt sich nach sicorathi, sidobrim, silli des Plautus. Vgl. dazu Movers: 
punische Texte I, S. 61. 



96 

auf die Richtigkeit der Abschrift eine ausführliche Erklärung 
unserer Inschrift gegeben, indem er dieselbe tiberschreibt: 
„die allgemeine Fluth" 
Er liest: 

p*6 jnnn pcn p 
bvB) w p bbi2 pa 

tfab!> fei D^DD b 
d. h.: „Wie ein breiter Waldstrom kommen sie, 
Als ein Sturzbach wälzen sie sich her, 
Also sprach ein Sohn des Rathes und that es. 
Doch wie sie alle ward er überfluthet von der Fluth." 
Also ein poetisches Bruchstück aus der einst so reichen 
Literatur der Phönizier ist uns in diesem Stein gerettet! Ein 
kühnes Wagstück, das nur der an Scharfsinn überreiche Geist 
Hitzig's unternehmen durfte. Er hat vielleicht selbst geahnt, 
dass seine Kühnheit ihn allzuweit geführt habe, wenn er 
(a. a. 0. S. 747) sich äussert: „wenn die Deutung verworfen 
würde, dann wäre ich nicht blos Ausleger, sondern auch 
Verfasser-, dann bin ich der Dichter dieses Denkspruches, 
bin zugleich mein eigner bester Dollmetsch und will mich 
damit über mein Missgeschick trösten." Diesen Trost hat 
ihm bereits der besonnene Rö diger (Zeitschr. d. D. M. G. X 
S. 792) gegeben, ! ) indem ihm die Lesung, Fassung und 
Deutung Hitzig's unzulässig erscheinen, und wir müssen dem 
nur beistimmen. Seine zwei Tav in erster, sein Zade und 
Kaf in zweiter und He, Zade, Wav und Phe, sowie Lamed 
in dritter und vierter Zeile sind paläographisch nicht zu 
rechtfertigen, wenn man sich durch diese und andere In- 
schriften der Syrte überzeugt hat, dass die Zeichen dersel- 
ben keinesweges so willkührlich wie sonst im Neuphöni- 
zischen, sondern ziemlich consequent in der einmal ge- 



*) Wir wollen zugleich hier beiläufig bemerken, dass es uns scheinen 
will, als habe Hitzig auch bei der zweiten nabatäischen Inschrift von 
Petra (a. a. 0. IX, S. 737) seinem poetischen Ingenium zu viel nachge- 
geben; wir haben in den Zeilen keinen weiteren Inhalt, als sonst in den 
nabatäischen (sinaitischen) Inschriften gefunden. Doch darüber an einem 
andern Orte mehr. 



97 

brauchten Form gehandhabt werden. Bios das sechste und 
siebente Zeichen unserer ersten Zeile sind auffallend, und 
doch wissen wir sie nicht anders als Aleph zu deuten, wie- 
wohl dies ganz regelrecht in zweiter Zeile erscheint. Aus 
diesem Grunde ist uns die Deutung dieser Zeile, wie wir sie 
zu geben versuchen, noch sehr problematisch und wir bie- 
ten sie nur in Ermangelung einer besseren. Wir lesen: 

bhn ^nK b 
bpnv p 

cm üb 
„eine liebliche Ruhestätte stellte her mein Freund, Halal, 
Sohn Achial's, unter allen denen, die sich Häuser bauten u . 
Der Stein muss also als Inschrift auf einem Hause ge- 
standen haben (vgl. die Inschrift v. Tugga, die einen ähn- 
lichen Zweck gehabt hat, vielleicht auch die Sardica, G. t. 13), 
das ein Freund dem andern erbaut hat. — Die ersten zwei 
Zeichen des Wortes nrijto J ) (= hebr. iirtfft sedes quieta) 
sind deutlich, dagegen sind die folgenden zwei, welche wir 
als Cheth betrachten, etwas auffallend. Wir finden indessen 
häufig, dass das Cheth eine Composition von He (und als 
solches sehen wir das Zeichen nach dem Nun 2 ) an) und 
einem Strich oder einer etwas anders gestalteten Form ist, 
daher wir auch beide Zeichen als jenen Buchstaben ansehen 
dürfen. Auch das folgende Zeichen bildet eine Ligatur von 
Tav und Nun, letzteres durch den Haken am Fusse des 
ersteren. — NW ist gleich dem hebr. HfcO, wie oben Kftn = 
hebr. Dion; bVB ist ein in phönizischer Prosa gewöhnliches 
Wort = hebr. TWV. — Das dritte und vierte Zeichen haben 
wir wiederum als ein einziges und zwar als He betrachtet, 
da wir in der folgenden Zeile, wo wir das zweite von den 
beiden antreffen und wo uns in dem nom. pr. ^JPnjJ die Ge- 



Schon Blau (Zeitschrift d. D. M. G. III, S. 441) hat gelesen: 
^12 ^jm")^ JDN frOp rTO Jocum quietis fundavit Aha Arubali Menin- 
gitano". 

2 ) Vgl. .eine ähnliche Form B. 39, dritte Zeile vorletzter Buchstabe 

7 



98 

wissheit geworden, dass es kein selbstständiger Buchstabe 
(etwa ein Wav) ist, die Bestätigung unserer Behauptung zu 
finden glaubten. "QmN (hebr. W)k) mein Freund. 1 ) 

Das Jod, das auch in der folgenden Zeile nur um ein 
Geringes modificirt sich findet, ist von der gewöhnlichen 
neuphönizischen Form nicht sehr entfernt und ist auch sonst 
z. B. auf Münzen von Cossura (Ges. tab. 39, G.) anzutreffen. 
In dem nom. pr. bbn ist gewiss das Cheth nicht zu bean- 
standen, und hoffentlich auch nicht in dem Namen ^rny, *) 
da dieses nom. pr. oben B. 23 in vollerer Endung pVr\V 
unzweifelhaft zu lesen ist. ny für PIN haben wir oben in 
PlPD^ny angetroffen. — Die Pluralendung des partic. ps 
(= hebr. D^a v. POS) auf ) ist auch im Altphön. z. B. auf 
Münzen von Sidon p-ß6 vorhanden, vgl. Movers in d. Ency- 
clop. a. a. 0. S. 440. — D^ = erb im Hebräischen ist aus 
der grossen sidonischen Inschrift bekannt. — 

Auf diese Weise glauben wir die Deutung der Inschrift, 
wenn sie auch noch nicht vollständig gesichert ist, doch um 
einen Schritt der Wahrheit näher gebracht zu haben; mögen 
Andere ein Weiteres versuchen. 

7. Erste Inschrift von Sulci, Judas pl. 28. 

Die Stadt Sulci an der Südküste Sardinien's wird neben 
Karalis und Nora zu den bedeutendsten und ältesten Colo- 
nisationen der Carthager gerechnet; zwei daselbst gefundene 
Inschriften (Jud. pl. 28 und 29) gehören der Schrift nach 
dem neuphönizischen 3 ), während die dritte dem altern Schrift- 



') Wir glauben dies Wort auch in der Cit. 18 lesen zu können: 

-ny | 

pn 

K22 p 
„Unserm Freunde Abd-Tinjan, Sohn Kaba's". 
Das erste Zeichen ist zweifelhaft, es hat die Form eines Tav oder 
Zade; wir vermuthen, es sei aus 2 (abgekürzt von 2^3 cippus) oder ^ 
verzeichnet. 

2 ) Wir lesen nicht ^jnplJJ» weil die Bethform zu mehreren Malen in 
anderer Form in unserer Inschrift sich findet. 

3 ) Vgl. Movers: phön. Alterth. II, 2 S. 573 fg. 



99 

typus angehört. *) Die grössere Inschrift Jud. pl. 29 ist mir 
noch nicht in allen Theilen lesbar, weshalb ich meine Ver- 
muthungen zur Zeit noch zurückhalte; die erste pl. 28 hat 
sowohl Judas p. 187 als Movers (a. a. 0. S. 574, Anm. 64) 
zu entziffern versucht. Sie ist zuerst von della Marmorn 
(voyage en Sardaigne t. 11, pl. 23) veröffentlicht. „Elle se 
trouve" heisst es daselbst „sur le bord exterieur d'un frag- 
ment de disque en marbre blanc — c'etait fort probablement la 
base de quelque statue". Judas las die Inschrift: 

„basim proposuit sibi Nabubarach, filiiis Sodeq". 
Movers: G*n^ p *]"02i pfrO:n, wovon ihm jedoch nur 
die drei letzten Worte „Nabubarach, Sohn des Sabris" ver- 
ständlich waren. 

Wir glauben, dass Judas die drei letzten Worte wohl 
richtig gelesen, ergänzen jedoch den Anfang: 

tsow pft6] 
d. h. : „dem Herrn Jubal, Nabubarak Sohn Sidik's". 

Wir vermuthen in dem fünften Zeichen der Inschrift, 
das sonst schwer zu bestimmen ist, eine Ligatur von T^n, 
was man vielleicht bei so bekannten Namen sich gestattete, 
wenn auch sonst das Beth in unserer Inschrift anders geformt 
ist. Dieser Jubal oder Jolaus (vergl. über die Identität 
beider Movers phön. Alterth. II, 2 S. 506) war der Stamm- 
gott der Libyphönizier und spielt derselbe eine besonders 
hervorragende Rolle in den sardinischen Mythen. Der Name 
Jubal ist indessen bis jetzt nicht auf Monumenten gefunden 
worden, bis auf die neueste Zeit, wo wir ihn als Personen- 
name in einer Inschrift auf einer Stela bei Tharros in Sar- 
dinien angetroffen haben. Da meines Wissens diese In- 
schrift noch nicht weiter in Deutschland bekannt geworden 
zu sein scheint, so wollen wir sie auf uns. Taf. Nr. 16 hier 
mittheilen. Sie ist entlehnt dem „Bullittano archeologico Sardo 
ossia raggolta dei monumenti antighi di tutta d'isola di Sar- 



*) Siehe Gesenius mon. tab. 14 Nr. XLV. Sie trägt blos die Auf- 
schrift xrov. 



7' 



100 

degna, anno secondo, Marzo e Apriele (Cagliari 1856J p. 33: 
„stela fenecia di Tharros" erklärt von G. Spano. ') 
Dieser liest dieselbe: 

p CHD 

Da wir in der Schriftart den altern carthagischen Typus 
nicht verkennen können, so glauben wir wohl schwerlich 
das dritte und vierte Zeichen der ersten Zeile als Teth und 
Lamed lesen zu dürfen, zumal wir für Lamed in dem letzten 
Zeichen der dritten Zeile die ganz normale Form haben. 
Auch den zweiten Buchstaben derselben Zeile sehen wir eher 
als ein Wav, denn als Zade an. Wenn wir die Form des 
Monuments betrachten, so hat es den Anschein als sei die 
erste Zeile von dem übrigen Theil der Inschrift getrennt, 
und irren wir nicht, so sehen wir in den Zeichen nichts 
weiter als rQäfr, indem die zwei mittleren Formen nur zu- 
fällige Einschnitte des Steines sind. Sie können sich schwer- 
lich als Buchstaben nachweisen lassen, denn das erste der- 
selben kann man nicht als Ain ansehn, da dies in gewöhn- 
licher Form als vorletzter Buchstabe Zeile 3, und das zweite 
nicht als Nun, da auch dies regelrecht geformt als letzter 
Buchstabe der zweiten Zeile erscheint. Somit möchten wir 
zu lesen vorschlagen: 

rosa 

p uro 

„Säule (cippus) Ketam's, Sohnes Jubaal's". 
Den Namen CHD mag man nach dem Hebräischen Gn? 
mir um deuten, oder an den libyschen Stamm der Ketäm 



') Ich verdanke die Kenntnissnahme dieser Inschrift dem Herrn Ge- 
heimrath Neigebauer, der sich auch sonst um die weitere Verbreitung 1 
italienischer Literatur unter uns verdient gemacht hat. Es scheint als 
wenn in dem genannten Journal noch andere phönizische Monumente 
durch Herrn Spano veröffentlicht und erklärt worden sind, doch ist mir 
nur das eine (März und April) Heft zu Gesicht gekommen. 



101 

denken (vgl. oben zu 2 Tripolit. S. 90). Uebrigens findet 
sich der Name cro auch auf sinaitischen Inschriften, vergl. 
Lepsius: Aegypten VI. Abtheilung, sinait. Inschr. Nr. 28: 

„dhd -n mnn übw u . 

Jedenfalls möchte eine sorgfältig vorgenommene Revi- 
sion der Inschrift das Richtige bald an den Tag bringen, 
und wir sind gerne bereit unsere Vermuthung, sollte sie 
sich nicht bestätigen, aufzugeben und für Besseres obendrein 
die über die erste von Sulci. 



-^ — - 



102 



I. Nachtrag zu den vorhergehenden neuphönizischen 

Inschriften. 



Nachdem der Dx*uck dieses Heftes soweit vorgeschritten 
war, kam mir ein neues Werk über den oben S. 42 fg. be- 
handelten Gegenstand zu Gesicht. Es führt den Titel : „Nou- 
velles etudes sur wie serie d ' inscriptions Numidico - Puniques 
dont plusieurs sont inedites , specialement au polnt de vue de 
Vemploi de l'Aleph, comme adformante de la premiere personne 
singulier du preterit-, par M. A. C. Judas. Paris 1857". Herr 
Judas, der schon durch sein Werk „etudes demonstratives etc. u 
vor einem Decennium sich ein bleibendes Verdienst um die 
phönizische Wissenschaft erworben, indem er alle Denkmäler, 
die seit Gesenius' inonumenta auf diesem Gebiete gesammelt 
sind, zu erklären versucht hat, bekundet nun nach andern 
zehn Jahren durch das vorliegende Werk, dass sein Eifer 
nicht erkaltet und sein Streben rege genug geblieben ist, 
um von Neuem einen Theil der früher veröffentlichten Denk- 
mäler neuphönizischer Schrift zu durchmustern und diesen 
noch einige inedita hinzuzufügen. Hauptsächlich hat ihn 
zu diesem Unternehmen bewogen, eine Ansicht über das 
Afformativ der ersten Perf., die er, obgleich schon früher 
vorgebracht, durch neue Argumente zu stützen meint. Diese 
besteht darin, dass die in unsern Inschriften so oft wieder- 
kehrenden Formeln, wie z. B.: 

1) B. 8: NDnyn vb)p n« köjw "uru wa njrü 

2) G. t. 22 u. 23: KTD xbp yüWVD 

3) B. 11: fcO"D *6p NÖW, sowie auch 

4) G. t. 21 u. B. 10: Gm D^p VÜWVl etc. etc. 



103 

zu übersetzen wären (siehe S. 18): 

Votum hoc vovens, auscultavi, maledixi-benedixi, 

Qicia audivi, maledixi-benedixi 

Auscultavi, benedixi-maledixi 

Quia auditum. meledicentes-benedicentes. 

Der Herr Verfasser hat sich in der That die Sache zu 
sehr erschwert durch die Annahme, dass das angelehnte 

K... und C die angegebene Bedeutung haben sollten, so 

dass fcOlS = TD*Dj &6lp = 'Tbp oder Thbpi CD^D -= Dia sei; 
dafür lassen sich schwerlich Analogien in andern semitischen 
Sprachen beibringen und zudem muss man in der ersten 
maltesischen Inschrift für CD")^ ein DD^DH lesen, was sich 
paläographisch nicht leicht rechtfertigen lässt. Ohnehin er- 
klärt sich Alles ganz einfach, wenn man N als Suff, der dritten 
p. sing, und D 3. p. pl. annimmt, gerade wie im Hebr., wo 

im ersten Fall oft D , im letztern ebenfalls □ . . . steht, so 

dass in den obigen Beispielen sich übersetzen lässt: 1) höre 
seine Stimme, segne ihn; 2) hörend seine Stimme, hat er 
ihn gesegnet (oder — in andern Fällen — möge er ihn 
segnen); 3) höre seine Stimme, segne ihn; 4) ihre Stimme 
hörend, möge er sie segnen. Wir haben dies Alles im Vor- 
anstehenden so ausführlich besprochen, als dass wir hier 
noch weiter darauf einzugehen nöthig hätten, und wollen 
wir der Hoffnung nicht entsagen, der Herr Verfasser dürfte 
vielleicht noch unserer Ansicht beistimmen. Die Schwierig- 
keiten, die Herr Judas derselben entgegenstehend sieht, sind, 
wie wir glauben, durch die obige Untersuchung gehoben 
und werden wir an einem andern Orte Gelegenheit haben 
noch näher darauf einzugehen, wo wir zugleich auch Ver- 
anlassung haben werden manche neue Gesichtspunkte her- 
vorzuheben, die Herr Judas durch seine Abhandlung an's 
Licht gesetzt. ') Hier wollen wir uns darauf beschränken — 



J ) Auch Herrn Judas ist es, nach unserer Ueberzeugung, nicht ge- 
lungen die schwierigen Inschriften B. 32 ffg. (vgl. S. 85) glücklicher als 
seine Vorgänger zu erklären. Nr. 32 liest er: 

rrap na px nnn rü2y ro:n = 



104 

wenn wir nicht eine fast eben so umfangreiche Abhandlung 
wie Herr Judas schreiben wollten — in Kurzem noch die 
neuen Monumente zu besprechen, die der Verfasser auf den 
beigegebenen Tafeln, wie es den Anschein hat, in treuer 
Abschrift uns bietet. Nicht unerwähnt können wir auch sein 
Verdienst um Herstellung eines bessern Textes lassen, sowohl 
in Betreff seiner eignen früher veröffentlichten Tafeln (in 
den etudes demonstrat.) als auch der des Herrn Bourgade, 
der selbst in der zweiten Ausgabe seines Werkes {toison 
d'or) noch manche Ungenauigkeit in seinen Inschriften hat. 



i. e.: ^deposita est in aedes sub arcam hujus sepulcri". Er will nach einer 
bessern Abschrift pK an einer Stelle statt pfc< gefunden haben, was mir 
aber, nach den andern Stellen in der Copie von Bourgade zu urtheilen, 
nicht wahrscheinlich scheint. T\^O.V mmm t Herr J. als Plur. von pj? =» 
pX pierre, construction sepulcrale, ähnlich dem parallelen rVQp. 
Auch Nr. 33 müsse man r\^V s * a ^ ]-V lesen, da in seiner Abschrift 
noch Raum für den Buchstaben p| sei. — D as sind freilich ähnliche Ver- 
muthungen, wie wir sie in der Anmerkung S. 86 ausgesprochen haben, 
die aber noch weit von Gewissheit entfernt sind. 

Im Zusammenhange mit den genannten Inschriften B. 32 fg. bemüht 
sich Hr. J. auch den andern schwierigen Punkt OiyrDDH N^JH u. ^JH 
zu erläutern (vgl. das. S. 41 fg.) Er übersetzt da-selbe: princeps Mada- 
ritanorum, indem auch er also in "lyrOft einen Stadtnamen sieht. Das 
in den beiden Inschriften G. tab. 21 und B. 10 (beide hält Herr J. für 
identisch) auf Hamaktaram folgende "\X\V sieh* er a l s nom. pr., von p 
(Sohn) begleitet, an. 

Nach weiterem Nachdenken über jene Inschriften haben wir jetzt die 
S. 47 schüchtern angedeutete Vermuthung: D"WrOftil sei mit coronati zu 
übersetzen, als die richtige Erklärung erkannt, indem wir das in G. 21 
und B. 10 folgende &nHJ7 (= hebr. mütf) coro na als nähere Bestim- 
mung „coronati corona" ansehen, und wir modificiren nunmehr unsere An- 
sicht in soweit, dass wir G. 21 übersetzen: principes coronatorum 
corona. Abirket etc. B. 10, ebenso: pr. coronat. corona Sarman Qjjft*}) = 
ft?ft*TO wie T'JOT!! = bysmy u> dergl.); B- 32 %- : princeps coronatorum 
etc. — Ob die coronati corona, wie wir oben bemerkt haben, ein 
Priestercollegium, oder was sie sonst waren, darüber müssen wir von der 
römischen Altertumswissenschaft Aufschluss erwarten. Was wir darüber 
wissen können, hat Mommsen (a. a. 0.) mit gewohnter Gründlichkeit ge- 
geben. Es lässt sich auch nachweisen, dass an einzelnen Stellen, wo sich 
phönizischer Einflusa geltend gemacht, der Hohepriester bei feierlichen 
Gelegenheiten ein Diadem trug (vgl. Herodian. V. 3, 5. Strabo XII, 3, 32)- 



105 

wie Herr Judas durch andere und genauere Abschriften der 
B. 'sehen Inschriften sich überzeugt hat. Wir haben durch 
diese Berichtigung auch die Freude gehabt, manche unserer 
Vermuthungen bestätigt gefunden zu haben. Wir wollen 
die Verbesserungen, um der Wichtigkeit des Gegenstandes 
willen, hier anführen. 

J. pl. 15 (vgl. oben S. 61) ist in letzter Zeile zu lesen: 
vbp NfttiO oder CW) (siehe itud. nouv. S. 35). — Jud. pl. 10 
wird in dritter Zeile ^TtOt^p gelesen; dieselbe Correktur hat 
Herr Judas schon in Revue archeologique IV, 1 p. 189 er- 
wähnt, doch glaube ich unsere oben S. 58 mitgetheilte Ver- 
besserung nicht aufgeben zu dürfen, weil sie auf zuverläs- 
siger Mittheilung beruht. Die richtige Lesart wird sich aus 
nochmaliger Vergleichung des Originals ergeben. — B. 5 bis 
ist in Xiybp das "1 noch deutlicher als bei Bourgade ge- 
zeichnet. Das Wort erklärt Herr Judas auf gleiche Weise 
(siehe et. nouv. S. 20 Anm. 2), wie wir es oben S. 68 ange- 
geben haben. — B. 32 und 34 ist nicht wtan und VDDbvVJ 
zu lesen, sondern an beiden Orten : Wlbw oder &P"6ys (vgl. 
oben S. 86 u. 87 Anm. 3); B. 34, Z. 2 ist statt bn zu lesen: 
bv^ (vgl. etud. nouv. S. 43 und 44). — Auch zu Ges. t. 23 
Nr. LX wird bemerkt, dass der auffallende Strich beim 
Kaf im letzten Worte der Inschrift im Originale nicht 
existirt. — 

Doch nun zu den neuen durch Herrn Judas veröffent- 
lichten Inschriften ! Zwei derselben sind zu Kalama (Ghelma) 
gefunden, pl. 2 und pl. 3 Nr. 2; erstere bis auf einen Buch- 
staben ganz vollständig, letztere in nicht gutem Zustande 
erhalten. 

PI. 2 liest Herr Judas (S. 28): 

- vw pbyz }ivb 

- ir»ö p inirni? &a 

mw nrten jnyj 

d. h. : „Domino Baali (Hajmmxmi laudem concinui Ariston filius 
Milcatonis in Malaca prineeps vir prout audivi signum maledixi". 
. Wir lesen nach den früher entwickelten Gründen: 



106 

- yw p byz pvb 

- Jpö p irany l ) *o 

k-ish ^tea jnjD 

d. h. : „dem Herrn Baal Man gelobte Arestan, Sohn Mil- 
katan, Vorsteher dieses Gebiets, und erhöre seine Stimme". 

Den Namen jnttHy kann man mit EHN in der neuen 
maltesischen Inschrift bei de Luynes : Mem. sur le sarcophage 
etc. p. 65 vergleichen. Wir finden auch sonst den Namen 
Aristo, der mit unserm ]TW1V die grösste Aehnlichkeit hat, 
bei Phöniziern, so heisst z. B. ein Tyrier bei Liv. 34, 61 u. 
ein Carthag. Suffet bei Gruter p. 470 (siehe Gesenius mon. 
p. 401). — Zu py&Ü vgl. py±*0 J. pl. 12. 

Die zweite Inschrift von Ghelma (PI. 3 Nr. 2) ist leider 
sehr verstümmelt, wir geben was für uns lesbar ist: 

"Vbttäojto p bfläh pvb 
[W] 

d. h. : „dem Herrn Baal Man Belo gelobte dem 

Herrn, der Vorsteher dieses Gebiets " 

Das Wort, welches in erster Zeile auf p folgt, will Herr 
Judas [n]yi>Npto lesen und es mit ny^pü sculptura (vgl. 1 . Kön. 
6, 18) vergleichen, was freilich noch sehr zu bezweifeln ist, 
da das Kaf nicht sicher zu sein und die Ergänzung eines 
Tav zu gewagt scheint. — fcTO Belo oder Bela ist bereits 
durch die neue maltes. Inschrift Zeile 6 (vgl. de Luynes a. 
a. 0.) bekannt. — Das vierte Zeichen der dritten Zeile, wel- 
ches wir p gelesen, ist ähnlich auch geformt B. 9, Zeile 2 
und steht auch in gleicher Verbindung, siehe oben S. 71. — 

Zur Vollständigkeit sei hier auch eine dritte Inschrift 
von Ghelma mitgetheilt aus dem zweiten Heft (1856) der 



*) Das Schin hat eine etwas auffallende Form, so dass man es auch 
als 3T ansehen und den Namen pDI^J? (vergl. Cit. 23, 4 KPO^fcO lesen 
könnte. 



107 

annales de la Societe arMolog. de Constantine , welche nach 
Herrn Judas (p. 32) also lautet 1 ): 

••••w p }yz>i^v wk "ISN 
N^ip n« Nftytm 

„dem Herrn Baal Man gelobte der Fürst dieses Ortes, Abd- 
man, Sohn S..., und er erhörte seine Stimme". 

Wenn die Lesung sicher ist, so würde "l^X (= "ISP!) hier 
im Sing, neben N1SN vorkommen, was sich mit unserer früher 
geäusseren Ansicht über dieses Wort (vgl. oben Seite 55) 
sehr wohl verträgt. — ]VO^OV ist = pn"DJJ (Abdemon), wo- 
mit zu vergleichen pflDHS J. pl. 13 u. B. 10 }yö*n. Auffallen 
könnte es, dass fast alle zu Ghelma gefundenen Inschriften 
von einem Bomilk herrühren. Bedenkt man jedoch, dass 
nach unserer Vermuthung N1SD u. D")SD vicus und vici (frei- 
lich wie das Wort ausserhalb der Stadt Rom genommen 
werden muss) und der ^£2 magist er (und wenn mehrere 
vici zu einem pagus vereinigt worden, so gab es deren auch 
mehrere in einem pagus) eines solchen vicus bedeuten kann, 
so verschwindet diese auffallende Erscheinung, da die magistri 
pagi neben andern Funktionen, wie die Führung der Flur- 
bücher und der Verzeichnisse der pagani, auch den Wege- 
bau und die öffentlichen Bauten (vgl. Orelli Nr. 3270) zu 
besorgen hatten. Auch die magistri vici hatten in späterer 
Zeit für die innern Verhältnisse der Commune, für die loca 
sacra zu sorgen. So findet sich denn in fast sämmt- 
lichen Inschriften des pagus Phuensium bei R6nier (Inscr. 
de VAlgerie) von Nr. 2379 — 2413 ein magister pagi.* 2 -) 



x ) Da uns die Abzeichnung, welche in den genannten „annales" sich 
findet, nicht zu Gesichte gekommen ist, so müssen wir uns auf Judas' 
Lesung verlassen, theilen jedoch die Buchstabengruppen etwas anders ab. 

2 ) Einen magister vici oder pagi haben wir unter den römischen In- 
schriften von Calama bei Renier nicht angetroffen, wohl aber einen 
Curator (etwa so viel wie Cassenverwalter) Calamensium; wir können 
daher nicht mit Sicherheit angeben, welches Amt unser Bomilk beklei- 
dete, daher wir auch in den vorhergehenden Inschriften, wie schon oben 
bemerkt worden, die allgemeinere Benennung Vorsteher gewählt haben. 



108 

Eine vollkommen deutliche Inschrift ist PL 3 Nr. 1. Sie 
ist in der Gegend von Tunis gefunden und lautet: 

uw tu bv2b p&6 

— v p bymno t*o 

)i?pw p Symw 

tonn *6p ym 

„dem Herrn dem Baal, Gelübde, welches gelobte Matanbaal, 
Sohn Asarbaal's, Sohnes Siklon. Höre seine Stimme, segne 
ihn!" 

Endlich giebt Herr Judas auf PI. 4 die Inschriften 
von zwei Stelen, welche zu Arsenaria in Mauretania Cae- 
sariensis gefunden, im Museum von Algier aufbewahrt 
werden. *) 

Nr. l : ^^ p Nnyn -ny: w[n "raw 

„Gelübde, welches gelobte, Batho Sohn Masguan's, dem Hrn. 
Baal als er erhörte". 

In erster Zeile ist nach dem Anfange Jtt eine kleine 
Lücke bis zum Schin, die möglicherweise, wenn man nach 
Analogie der übrigen derartigen Monumente verfahren will, 
auch EW TU etc. ergänzt werden könnte. Das V müsste 
dann durch einen kleinen Schaft zum Daleth vervollständigt 
werden. — NnjD ist ohne Zweifel = NtyjD, das wir oben 
J. 22 und B. 22 angetroffen haben, der Wechsel von Tav 
und Schin ist in unsern Inschriften häufig genug. Das NnjD 
Batho finden wir auch (etwas anders ausgesprochen) auf 
einer römischen Inschrift 2 ): 

BAHATHO 

IVDCHADIS(f) 

VIXIT ANNIS 

XXV. 

Zu Masguan vergleicht Judas Corippus 1. IV, V, 955. 

Die letzte Zeile liest derselbe Gelehrte KftWD bvi bvdfp und 



J ) Vgl. della Marmora: Supra alcune antichita sarde Memoria, Turin 
1853, p. 88, wo die Abbildung der Stelen ohne die Inschriften mitge- 
theilt ist. 

2 ) Vgl. de la Mare: Excursion aux ruines de Khermissa, Revue archeo- 
logique XII, p. 646. 



109 

übersetzt : domino Baali prout audivi. Das Wort NfcyTO steht 
nicht in der lnschr. und ist wohl nur Druckfehler für KNÖEO, 
es ist dies aber nach unserer Ansicht nicht „prout audivi", 
sondern — WOTO — hebr. tyteVJD bei seinem Erhören 
oder als er erhörte. Das verb. KtelV steht also = ytoty, 
wie oft in unseren Inschriften. Ungewöhnlich jedoch ist der 
Gebrauch dieses NKfcttO ohne Object, das sonst tibw gewöhn- 
lich nach sich hat; ebenso autfallend ist das erste by2 — pN. 
Man könnte daher versucht werden, die Zeichen, welche 
wir als ^3 gelesen haben, für ein Cheth zu halten, wie sich 
wohl ein solches noch anderweitig findet, so dass das Ganze 
lautet : 

mm bv^ bmb 

„dem Herrn Baal Chamma". Gerade so findet sich auch 
das Wort (Sonne, hebr. n£n) geschrieben in der zweiten 
Inschrift von Sulcis, Zeile 2. ') 

Nr. 2 von Arsenaria ist schwer lesbar, da die Inschrift 
verstümmelt ist. Herr Judas liest nur: 

wir glauben jedoch mit ziemlicher Gewissheit zu lesen: 

^n TttO tlw ny-tf 

Der Name "M findet sich auch in letzter Zeile der Tugga- 
Inschrift. Was aber darauf folgt ist mir bis jetzt nicht klar, 
es ist ein Buchstabe der einem Kuf ähnlich sieht, alsdann 
*6WN. Das Sain hat wiederum dieselbe Form, die wir in 
der Inschrift von Leptis (vgl. S. 94) bemerkt haben, somit 
hätten wir in den drei letzten Buchstaben N^t = ühw sein, 
wie in der Thugga - Inschrift Zeile 5 fc6ttf miNST „und mit 
seiner Hülfe". Doch ist dadurch der Sinn des Vorange- 
henden noch nicht aufgeklärt. 



Vgl. Movers: Encycl. a. a. O. S. 430. Anm. 38. 



110 



II. Nachtrag zur zweiten Abhandlung. 

Wir haben S. 33 zu Nr. 9 die Schwierigkeiten zu zei 
gen versucht, welche die Inschrift bietet, und daran verzwei 
feit einen vernünftigen Sinn herauszubringen. Indem wir 
vermutheten, dass die Abschrift bei Lajard nicht genau sein 
möchte, wandten wir uns nach Wien, dessen kaiserliches 
Kunst-Kabinet unser Siegel besitzt, und mit freundlicher Zu- 
vorkommenheit liess man uns einen Siegellack-Abdruck zu- 
kommen, der zu unserer freudigen Ueberraschung eine ganz 
andere Inschrift bietet. Wir theilen daher unter 8,a dieselbe 
nebst der vollständigen Zeichnung mit und der Leser mag 
nun selbst urtheilen, ob sich aus der Inschrift, wie sie La- 
jard bietet, eine befriedigende Lesung ergeben konnte. Die 
richtige Inschrift lese ich unbedenklich: 

„der Achothmelek, Frau Jescha's". 

Der erste Name ist in den biblischen Schriften nicht 
vorhanden, doch ganz analog dem ^fcTIN Achimelek ge- 
bildet. Im Neu-Phönizischen kennen wir ein ro^fcnnx 
Achothmilkath B. 34, 1. — Den zweiten Namen haben 
wir yw> (Heil) gelesen, indessen lassen sich die Consonanten 
auch noch auf andere Weise vocalisiren. Die sehr alter- 
thümlichen Schriftzüge sind, wenn man sie sämmtlich in 
Betracht zieht, ebensogut althebräisch, wie phönizisch; da 
jedoch beide, wie schon oft angedeutet, eine ältere Quelle, 
das Babylonische, haben, so lässt sich natürlich auch unser 
Siegel Babylon zuschreiben. Dem scheint jedoch zu wider- 
sprechen, dass die Inschrift keine aramäische Färbung trägt, 
die sie doch als babylonischen Ursprungs haben sollte, und 
für n^N müsste man nnN erwarten. In gleichem Falle sind 
wir mit der oben S. 32 besprochenen Inschrift auf einem 



111 

Siegelring, die nach der Schriftform zu urth eilen Mesopota- 
mien angehört und doch das Wort „Sohn" durch p und 
nicht durch "D wiedergiebt. Man wird leicht zugeben, dass 
also diese alten Denkmäler noch manche schwierige Auf- 
gabe dem Forscher auf diesem Gebiete zu lösen geben, und 
müssen wir eine eingehende Untersuchung an diesem Orte, 
wo es uns um ein möglichst vollständiges Material für die 
altsemitische Schriftform zu thun ist, aufgeben, zumal wir 
eine nochmalige Besprechung dieses Gegenstandes in der 
Fortsetzung unserer „Phönizischen Studien" nicht werden 
umgehen können. — Vielleicht entscheidet auch das Bild, 
dessen Verständniss mir noch nicht erschlossen ist, über das 
Vaterland unsers Siegels. 

Wir geben nachträglich (siehe Taf. Nr. 17), der obigen 
Reihenfolge nach, 

18. ein Siegel aus dem Wiener Kabinet, das uns in Siegel- 
lack-Abdruck zugekommen und dessen Veröffentlichung nicht 
ohne Interesse sein dürfte. Die Kunst an demselben scheint 
ganz vorzüglich, es enthält eine schreitende männliche Fi- 
gur (ein König mit der Krone?), mit der einen Hand auf 
einen Stab sich stützend, mit der andern einen Vogel hal- 
tend, zur Seite vier Buchstaben. Diese sind nicht wie sonst 
bei Siegeln verkehrt eingravirt, daher sie beim Abdruck 
sich nicht in regelrechter Form abprägen. *) Das erste und 
dritte Zeichen sind Lamed und Beth, das zweite entweder 
Daleth oder Resch, jedoch das vierte ist uns noch in keiner 
semitischen Schriftform vorgekommen, während es in um- 
gekehrter Gestalt in vielen Schriftformen als S-Laut nach- 
weisbar ist. Wir glauben auch nicht zu irren es als solchen 
zu nehmen, und da es am ähnlichsten dem Samech der so- 
genannten aramäisch -ägyptischen Schrift ist, so dürfen wir 
es so lange dafür halten, bis uns der Buchstabe durch sichere 
Belege in seinem richtigen Lautwerthe erscheint. 2 ) Demnach 



*) Wir haben sie daher zur grösseren Deutlichkeit in normaler Weise 
nochmals auf unserer Tafel gegeben. 

2 ) Auch in der Gemme Nr. 12 unserer Tafel sehen wir ein verkehrt 
gezeichnetes Sain. Vgl. oben S. 38. 



112 

wäre zu lesen: ÜTV oder D2"6, höchst wahrscheinlich ein 
Name mit dem vorgesetzten Lamed, um, wie gewöhnlich, 
den Eigenthümer zu bezeichnen. 

Eine merkwürdige Aehnlichkeit hat das Bild unseres 
Siegels mit dem des Abibaal (bei de Luynes: essai etc. pl. 
XIII, 1). Dort heisst es: „Abibai debout ä droite, tient, de la 
maine gauche un sceptre surmonte dune fleur semblable ä un 
disque recouvert par un croissant renverse, et eleve la main 

droite la paume en avant Au dessus du sceptre, tm 

epermer se retournant." 



Verzeichniss 

der 

in diesem Buche vorkommenden Eigennamen und anderer 
schwierigen Wörter. 



Seite 
"|!«ÄK 58. 

nD*nN 48. 

KtOTHK. 51. 

i^na-w 74. 

nna 98. 

TN = 7H • • 56.81. 

]^n« 82. 

roirtonnN 86. 87. 

■jtenn« ho. 

"HON 92. 

p-DN 26. 

G^N 63. 

CHD« 29. 

fcOSK 55. 

n^px 65. 

-ik 65. 

ibmtK 23. 

pnx 7i. 

im« 7i. 

GEHN 83. 

TnmK 40. 

ÜWX 84. 

*OWN siehe fcOSN 

in« 54. 

N-in« 59. 

im 109. 

yan (= ian) 56. 

D"ip^12 94. 

Xb* 106. 



Seite 

izote 82 - 

Kfts 63. 

-^£2 57. 107. 

wnyöan 49. 

aan!?in 67. 

jn^JD ••• 62. 70. 

jny^yn 78. 

|rr6y:3 59. 

^yn (?) 49. 

Hbwbvz 78. 

ynwbvi 85. 

y^nbyn 80. 8i. 

mp^öjm 86. 

nNayn 82. 

N^yn 7S. 82. 

nyn 69. 

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"H (eine Gott- 
heit) ... 28. 
^y:D-D 50. 70. 85. 

toro so. 

rO~n 64. 66. 93. 

*6ö«a 8i. 

nna 26. 

nTima 40. 

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i>ym 92. 

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8 



114 



Seite 

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wn = m • • 56- 

nymn 30. 

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m siehe Wl 

ciynD^n • • 47.72.86.104. 

101 = 1) = 

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x«i 75. 95. 

^ 26. 

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pbm 83. 

*on 56. 

KB 73. 

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w:p (= 2W) 56. 

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Seite 

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nj^psflö 72. 

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"HE (eine Gott- 
heit) ... 27. 

IXWß (?) 66. 

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n^ö 78. 

JWMBWÖ 76 



115 



Seite 

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Sjnjnft 70. 76. 83. 

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DM Pl- pD«J 60. 70. 

JDnj 78. 

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*0yDJtt 62. 

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KD^D 26. 

nDfrCDy 59. 

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mpte-ny 67. 74. 

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JP (= UV) 69. 92. 

-njn^iy 79. 

jrony (?) 100. 

piy 73. 

pwiv 106. 

crottwv 78. 

nny 48. 

*Ony C= hebr. 

miov-- 104. 

mnny 38. 

injnny 38. 

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Seite 

QWNJD 61. 

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wn 90. 

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BTl (= BW}) 69. 

Wfcnttf 78. 

Ki-tattf (?) 86. 105. 

rhzw 77. 

w-brw 8i. 

wibiv 77. 79. 

yj^W 84. 85. 

Knfytt> 87. 88. 

*,3D?3W (?) • • • • 87. 105. 

hpw 108. 

KD 51. 84. 

jmn 76. 77. 

pnn 33. 

wniwn 78. 79. 

cn 78. 79. 

^*o&n 3i. 

nmen 75. 77. 



Druck von Grass Barth u. Comp. (W. Friedrich) in Breslau. 




Lith. Inst, v. C. Jung, Bresl 



Phönizische Studien 



Von 



Dr. M. A. Levy. 



Erstes Heft. 

Erklärung der grossen sidonischen und anderer phönizischen Inschriften. 

Die ältesten Formen des phönizischen Alphabets und das Prinzip 

der Sehriftbildung. 



Mit drei Tafeln. 



Breslau, 

Verlag von F. E. C. Leuckart 

(Constantin Sander). 

1856. 



Vorrede. 



Die Studien, deren erstes Heft wir den Freunden 
phönizischer Sprache vorlegen, haben den Zweck, die 
Monumente derselben zum bessern Verständniss zu 
bringen. Dass wir zu diesem Ende mit der grossen 
sidonischen Inschrift begonnen haben, geschah aus dem 
Grunde, weil durch sie erst die Bahn zu weiteren 
sicheren Forschungen auf diesem Gebiete gebrochen 
worden. Erst jetzt erhalten wir ein treueres Bild des 
Baues jener Sprache, ihres Satzbaues und ihres Verhält- 
nisses zu den andern semitischen Sprachen, besonders 
zum Hebräischen. Um so dringendere Pflicht war es 
daher, dieses neue Besitzthum durch genauere Er- 
kenntniss uns ganz zu sichern. Dazu gehörte aber 
ausser der Erklärung des Wortschatzes der Inschrift 
auch ein tieferes Eingehen auf den Charakter der 
Schrift, um auch durch dieses Moment das Zeitalter 
derselben näher zu bestimmen. Wir konnten bei die- 
ser Untersuchung die Frage über das Prinzip der 
Schriftbildung nicht füglich übergehen, da die herge- 
brachte Ansicht, als sei die phönizische Schrift aus 
Bildern hervorgegangen, nicht geringen Nachtheil der 
phönizischen Wissenschaft, überhaupt der Paläographie 
gebracht hat. Dass wir für diesen Punkt die ältesten 
Formen des altsemitischen Alphabets aufsuchen muss- 
ten, liegt auf der Hand, und wir glauben, dass die 
zu diesem Ende beigegebene Schrifttafel auch Nicht- 
orientalen nicht unwillkommen sein dürfte. Nur zu oft 
hat die Erfahrung gelehrt, dass klassische Philologen, 
wenn sie bei ihren paläographischen Untersuchuugen 
auf die betreffenden Tabellen von Gesenius' monum. 
ling. phön. oder auf die von Judas in seinen etudes 
demonstrat. gewiesen sind, in ihren Forschungen 
leicht irre geführt oder dieselben ihnen doch erschwert 



werden. So hat — um nur ein paar Beispiele aus 
neuester Zeit anzuführen — Herr Dr. Weber (Ztsehr. 
D. M. G. X, S. 389 f.) sieh seine recht wackere Arbeit 
gar sehr erschwert, indem er die Belege für das 
phönizische Alphabet dem genannten Werke von Ge- 
senius entlehnte, während die ältesten Formen, wie 
sie ihm unsere Tafel bietet, weit besser für seine An- 
sicht sprechen. Wer weiss ferner, ob Herr v. Hahn 
den abenteuerlichen Versuch in seinen sonst trefflichen 
„albanesischen Studien" (I. S. 280 ff.) gemacht hätte 
das albanesische Alphabet aus dem Phönizischen ab- 
zuleiten, wenn ihm die organische Bildung und jene 
älteren Charaktere desselben bekannt gewesen wären. 
Daher, glauben wir, war eine derartige Untersuchung 
wohl an ihrem Orte. — Wir hoffen ferner die Zu- 
stimmung der Leser dieser Blätter zu erfahren, dass 
wir auch manches andere Monument phönizischen 
Schriftthums zur Begründung schwieriger Stellen her- 
angezogen (vgl. Verzeichniss Nr. IL S. 67 f.), da die 
Produkte derselben Sprache sich gegenseitig zu erläu- 
tern am besten geeignet scheinen. 

Das zweite Heft unserer Studien soll mit der Be- 
sprechung der phönizischen (semitischen) Inschriften 
auf einigen zwanzig assyrisch-babylonischen Gemmen, 
Siegeln und Backsteinen (zum grössten Theile inedita), 
so wie auch mit den neuphönizischen Monumenten sich 
befassen. Diesem soll sich dann die Untersuchung 
über den Ursprung des phönizischen Alphabets und 
seine Verbreitung anschliessen. 

Die diesem Hefte beigegebene Inschrift auf dem 
Sarcophage verdanken wir dem Werke des Herrn de 
Luynes (Mem. sur le Sarcoph.), und glauben wir, dass 
diese unsere treue Copie zum bessern Verständniss der 
Erklärung beitragen wird. 

Breslau, Ende August 1856. 

Der Verfasser. 



JJie hohe Bedeutung der neuaufgefundenen sidonischen In- 
schrift ist bereits allgemein anerkannt worden, und giebt 
sich schon durch die Bearbeitung derselben durch zahlreiche 
namhafte Gelehrten kund. Nach den kurzen, aber recht 
werthvollen „Bemerkungen" von Rödiger ') sind uns in- 
zwischen noch zwei Abhandlungen über diesen Gegenstand 
in dem „Journal of the American Oriental Society", Vol. V, 
S. 227 ff., die Arbeit von Dietrich '), Hitzig 3 ), Ewald 4 ) und 
De Luynes ft ) zu Gesicht gekommen. Erst durch das Er- 
scheinen der letztgenannten Schrift, die einen treuen Ab- 
druck der Inschrift bietet — der der Ewald'schen Abhand- 
lung beigegebene ist an einigen Stellen nicht ganz genau — 
kann die Interpretation auf sicherer Grundlage gebaut wer- 
den, zumal der verehrte Verfasser, dem die phönizische 
Wissenschaft schon so Vieles verdankt, auch von der kur- 
zen Inschrift um den Hals des Königs — die Hauptinschrift 
befindet sich auf der Brust desselben — einen, wie es scheint 
genauen, wenn auch verkürzten Abdruck giebt, da dieselbe 
manche Variante zu dem Haupttext bietet. Wir werden 
über den Werth derselben in den Anmerkungen zu der 
Hauptinschrift und im Commentar weiter unten das Nöthige 
beibringen 6 ). 



!) Zeitschr. D. M. G. IX. p. 647 ff. 

2 ) Zwei sidonische Inschriften etc. Marburg 1855. 

3 ) Die Grabschrift des Eschmunazar. Leipzig 1855. 

4 ) Erklärung der grossen phönizischen Inschrift von Sidon etc. Göt- 
tingen 1856. 

5 ) Memoire sur le sarcophage et l'inscription funerairc de Esmunazar. 
Paris 1856. 

6 ) Wir verweilen nicht länger bei der Beschreibung des Denkmals 
und seiner Auffindung, da wir dies Alles als bekannt voraussetzen. 

1 



2 

Wenn wir nun das bis jetzt von den genannten Ge- 
lehrten Geleistete tiberschauen, so ist allerdings der wesent- 
liche Inhalt der Inschrift erschlossen, doch sind im Einzel- 
nen der schwierigen Punkte, besonders auch in Bezug auf 
die Schrift und das Zeitalter der Abfassung, noch so viele, 
dass wir die Untersuchung wohl noch nicht als geschlossen 
betrachten können. 

Wir glauben in manchen Stellen der Wahrheit näher 
gekommen zu sein und übergeben das Folgende zur Prüfung 
den Lesern dieser Blätter. 

Wir lesen die Inschrift folgendermaassen : 
(Siehe die Beilage). 

Wir übersetzen: 

„Im Monat Bul, im vierzehnten Jahr als ich regierte, 
der König Asmanasar, König der Sidonier, Sohn des Königs 
Tebnith, Königs der Sidonier, sprach König Asmanasar, Kö- 
nig der Sidonier, wie folgt: Dahingerafft vor meiner Zeit 
in den Fluthen der Tage, verstummend dann hört auf der 
Göttersohn, ein Todter hege ich in diesem Sarge und in 
diesem Grabe, an dem Orte, den ich gebaut habe. Ich 
selbst (befehle): alle Edlen und alle Leute sie sollen nicht 
öffnen diese Lagerstätte, und keine Schätze bei uns suchen, 
denn es sind da bei uns keine Schätze, und nicht forttragen 
den Sarg meines Ruhelagers und mich nicht belästigen, in- 
dem man das Lager meines Schlummers besteigt. Wenn 
auch Leute zu dir sprechen, so höre doch nicht auf ihr 
(lügnerisches) Gerede. Denn alle Edlen und alle Leute, 
welche öffnen den Sarg dieses Ruhelagers oder forttragen 
den Sarg meines Lagers oder mich auf diesem Lager be- 
lästigen, denen sei keine Ruhestätte bei den Abgeschiede- 
nen, Und sie mögen in keinem Grabe begraben werden und 
sei ihnen kein Sohn und Nachkomme an ihrer Statt; und 
es werden ihnen senden die heiligen Götter einen mächtigen 
König, der über sie herrschen und ihnen das königliche 
Geschlecht ausrotten wird, wenn das ein Mann ist, welcher 
öffnen wird den Sarg dieses Lagers, oder welcher fortträgt 



8 

diesen Sarg und den Spross dieses Königreichs; sind es 
(aber) Leute vom (gemeinen) Volke, dann sei ihnen weder 
Stamm nach Unten und Frucht nach Oben, noch Ansehn 
unter den Lebenden unter der Sonne. — Denn ich Bekla- 
genswerther bin dahin gerafft vor meiner Zeit, in den. Flu- 
then der Tage, verstummend dann hört auf der Göttersohn, 
ein Todter bin ich! 

„Ja ich bin es Asmanasar, König der Sidonier, Sohn des 
Königs Tebnith, Königs der Sidonier, Sohnessohn des Kö- 
nigs Asmanasar, Königs der Sidonier, und meine Mutter 
Amaschtoreth , Priesterin der Astarte unserer Herrin, die 
Regentin, Tochter des Königs Asmanasar, Königs der Sido- 
nier, welche gebaut haben das Haus der Götter in Sidon, 

dem Meereslande, und wir haben daselbst aufgerichtet die 
Astarte des mächtigen Himmels. Wir sind es, welche ge- 
baut haben ein Haus dem Aschim, dem Herrn und Heiligen, 
der gütig mich erhört, auf dem Berge, und möge er mich 
versetzen in den hehren Himmel! Wir sind es, die gebaut 
haben Tempel den Göttern der Sidonier in Sidon, dem 
Meereslande, einen Tempel dem Baal von Sidon, einen 
Tempel der Astarte des himmlischen Baal. — Noch möge 
uns geben der Herr der Könige Dora und Jope, die Länder 
herrlichen Getreides in Saron's Gefilde zu der mächtigen 
Herrschaft, welche ich gegründet, und möge er sie schützen, 
dass man nicht das Gebiet des Landes überschreite, zu festi- 
gen die Sidonier ewiglich. 

„Ich selbst (befehle): alle Edlen und alle Leute sollen 
nicht öffnen meinen Sarg und nicht berauben meinen Sarg 
und mich nicht belästigen auf diesem meinen Lager und 
nicht forttragen den Sarg meiner Ruhestätte, damit ihnen 
nicht senden die heiligen Götter einen Fürsten, und er aus- 
rotte dieses königliche Geschlecht und die Leute des Volkes 
mit ihren Nachkommen ewiglich". 

Zum besseren Verständniss möge auch liier die kleinere 
Inschrift in etwas abgekürzterer Form folgen, damit man 
sich einen Begriff von der Länge ihrer Zeilen machen kann. 

1* 



Sie in Wortgruppen abzutheilen und zu übersetzen ist über- 
flüssig. 

ör« I in— ijniNnDyn^ainn^n } 

yowrbx ft^*ofr^nwp:r6wnjwft 3 

"Opa ^nnB^Nön&6Dinteö!?DDöj-D 4 



Commentar. 

Z. 1. ba m^ das Wort TW für Monat ist bereits be- 
kannt aus den Inschriften Cit. 1, Malt. 2 und Carth. 11 '), 
dagegen treffen wir b"2 als Monatsname hier zum erstenmal 
an. Es ist wohl derselbe, der 1. Kön. 6, 38 5fl2) genannt 
wird, wenn wir auch die Vermuthung hegen dürfen, dass 
die Phönizier ihn ^2 (dem Bei geweiht) ausgesprochen und 
die hebr. Punktatoren aus naheliegenden Gründen daraus 
„Bul" gemacht haben. Der Alex, hat in der That 1. Kön. 
6, 38 iv [Arjvl BactX. 

ymw noy. Ueber die eigentümliche Stellung der Zahl- 
wörter haben Rödiger und Dietrich das Nöthige beigebracht. 
Die darauf folgenden Zahlen sind bereits aus den phönizi- 
schen Inschriften bekannt, sowie die Eigentümlichkeit in 
dem phönizischen Ziffersystem die Einer, wo deren mehrere 
vorkommen, in Gruppen von je drei abzutheilen -). Ausser 
der Form für das Zahlzeichen 10, wie es in unserer In- 
schrift erscheint, kennen wir noch den horizontalen Strich, 
— und O- Alle drei Formen scheinen nur Differenzirungen 
des horizontalgelegten Einheitszeichens. Ebenso ist das 
Zeichen für zwanzig eine Zusammensetzung von zwei Zeh- 



x ) Vielleicht ist es auch Cit. 7, 2 und 10, 2 zu lesen. 

2 ) Hin und wieder finden jedoch Ausnahmen statt, s. Gesen. mon. 
tab. 34—36 und Müller: numismatique d' Alexandre le Grand, Copenhague 
1855, Nr. 1387, 1449 und tab. 29, Nr. 1382 a. 



nerformen, nämlich: = , Q, gewöhnlicher gleich O 1 )? oder 
die horizontalen Striche dnrch einen Querstrich verbunden, 
— N 5 z , H, //, ähnlich dem phönizischen Sain oder Cheth-, 
endlich findet man auch die beiden Halbkugeln nebeneinan- 
der, wie ^^ (vergl. de Luynes: essai sur la num. des Satr. 
PL XIII. Nr. 5 und 15) oder >, das. Nr. 13. — Analogien 
für diese Zusammensetzungen bietet das Aegyptische (hie- 
ratische und demotische Schrift), Palmyrenische, die Keil- 
schrift (auch sie kennt ^ für 20), das Lyrische, das für 
zehn das Zeichen — und für zwanzig O hat u. a. m. — 
Ausser für die genannten Zahlen haben wir nur noch ein 
sicheres Zeichen für 100, ein Zehnzeichen an beiden Sei- 
ten von zwei Einheits zeichen eingeschlossen, oder, wie in 
der Mars. Inschr., jenes Zehnzeichen etwas anders gekehrt. 
Möglich aber, dass für 15 das Zeichen zb gebraucht wurde, 
das wäre eine 10 und eine getheilte = 5 (wie das lateini- 
nische D bekanntlich die Hälfte von dem Zahlzeichen 1000 
ist). Genanntes Zeichen zt findet sich auf den in Assyrien 
gefundenen Gewichten, deren treue Abzeichnung wir Norris 
(journ. of the roy. as. Soc. XVI, 1. p. 215 ff.) verdanken. 
Auf dem Gewichte Nr. 1., das jJö ")W HW£n „15 Minen" 
gelesen werden muss, * 2 ) befindet sich nach dem letzten Buch- 
staben das erwähnte Zeichen, dessen Bestimmung daher 
sehr nahe liegt. 

Z. 2. Iöfc6 ••" im |fe „Der König (der Artikel 

fehlt, wie noch oft in unserer Inschr.) redete spre- 
chend," ist ganz hebräische Sprachweise, da auf 121 nie 
die direkte Rede folgen kann, wenn nicht 1ft&6 oder eine 
andere Tempusform von "ifcN dieselbe einleitet. 

rcsn ist unzweifelhaft entstanden aus r02 mit der Vor- 
schlagssilbe n, wie *JÖ3n 1. Chr. 11, 11. 27, 32 und "»Äpnn 
2. Sam. 23, 8, X\^2 aber ist, wie wir es in der jüngst auf- 
gefundenen Inschrift des Serapeum's nachgewiesen, und wo 



*) Man braucht also dieses Zeichen nicht mit Gesen. (mon. p. 462.) 
als Abkürzung von C^t^y „zwanzig" anzusehen. 

2 ) Hr. Norris liest „with a correction in the frst Idter , without mach 



man bisher den Namen verkannte, zusammengesetzt aus 
rO'p, Sohn der Nith, Neith (= Anaitis, Tanais, Gesen. 
mon. p. 117, Movers Rel. d. Phon. p. 628 ff.), daher auch 
unser I"02n Tabnith oder Tebnith auszusprechen ist. 

Z. 3. "Dl r6u2 die Erklärer dieser Stelle gehen ziemlich 
weit auseinander. Zu schweigen von den nordamerikani- 
schen Gelehrten, welche beide das Sain l ) verkannt und statt 
dessen ein Jod gelesen, führen wir die Meinungen der an- 
dern hier kurz an. 

Rödiger liest: Vtch* p crv> D*17N& C^DD D32 Ti^n rbw 
"2DVJ) „beraubt wurde meine Gattin rüstiger Söhne, verein- 
samt ein Sohn der Verlassenheit liege ich etc." — Dietrich: 
„ich habe beschlossen, wenn ich sinke in den Schlaf, das 
Ende der Tage, dann (sei) Ruhe, Achtung des Todten. Und 
ich liege etc."— Hitzig: p crv> D"lWtt CD Dft p TW i?nn blti 
nt&K „Verlustig gehend der Neige meiner Zeiten, ein Sohn 
der Auflösung, jetzo durch Sturmwetter verwaist, ein Sohn 
des Witthums — so lege ich mich nieder." — Duc de 
Luynes: „Rapior in comessationibus meis, inter vina - aro- 
matibus - condita mea ex circumdatione (concione) virorum in 
lamentatione ad rnoriendum et ad Jacendum; ego in arca ista u 
etc. — Ewald: „im Monat .... ward beschlossen mein Un- 
tergang mitten in der Kraft der Tage, so ich dahingerafft 
mitten aus der Jugend, und liege nun" u. s. w. 

Aus der Divergenz dieser Erklärungen leuchtet genug- 
sam die Schwierigkeit der Stelle ein; es herrscht eine ver- 
schiedene Auffassung in der Lesung der einzelnen Wörter, 
sowie in der Construction des ganzen Satzes und seinem 
Verhältniss zum Folgenden. Wir lesen die Stelle also: 

'Di i thm -pN rottn n£ b$ p crv ci w c& -pö p tw bi rbm 

d. h. „dahingerafft vor meiner Zeit, in der Fluth der Tage, 
dann verstummt hört auf der Göttersohn, ein Todter liege 
ich nun in diesem Sarge". r6uJ nehme ich vom Stamme 

x ) Es kann nicht oft genug wiederholt werden, wie misslich es ist, 
nur aus Gesen. mon. und Judas' e'tudes demonst. die Kenntniss des phön. 
Alphabets zu schöpfen. Gerade der Buchstabe Sain giebt dafür den schla- 
gendsten Beleg; wir haben für denselben über ein Dutzend verschiedene 
Formen gesammelt, während Gesenius eigentlich nur eine einzige hat. 



t?U (= dem gewönlicheren *1U im Hebr.) als 1. P. Perf. Ni. — 
y£\V. b$ „vor meiner Zeit" ist ganz nach dem bibl. (Hi. 15, 32) 
*6&n tofi fcft? „vor seiner Zeit erfüllt es sich". Das Wört- 
chen ^2 im Hebräischen nur dichterisch und wie unser 
ohne, im . . . (Ewald kr. Gr. 270 e, 322 a) scheint im Phö- 
nizischen eine weitere Anwendung auch in der Prosa = W 
gefunden zu haben. So findet es sich auch in der Mars. 
Inschrift. Z. 15. 17. 18. 

p (= hebr. )\3) zwischen, int er. — "jDfc, das auch 
KfiPQ gelesen werden kann, (s. weiter unten zu Z. 18) ist nach 
der Stelle bei Ephr. Syr. II. p. 89 ad Jes. 41, 18 f. zu erklären. Es 
heisst dort beim Propheten: „ich will eröffnen auf kahlen 
Bergen Ströme und in den Thälern Quellen" etc., das erklärt 
Ephr. jtcwA*.} joorn» copia Apostolorum, „eine Fluth von Apo- 
steln". Michaelis lex. s. v. hat bloss „cataractae," indessen 
passt die Stelle von Ephr. Syr. doch ganz gut zu dieser Be- 
deutung. Die „Fluth" ist Bild der Flüchtigkeit der Zeit. 
Das folgende Q1IN gäbe dann den Begriff von DW noch be- 
stimmter an „die schwindenden Tage"; ähnlich sagt man 
im Hebr. DW GW „die kommenden Tage" (Jes. 27, 6. 
Jer. 7, 32. Koh. 2, 16). Das Verb. -|TN (= S*Ü ist aus dem 
bibl. Chaldaismus bekannt, s. Dan. 2, 5. 8, und ist häufig im 
Thalmudischen J ). Doch haben wir Anstand nehmen müssen, 



') Sollte man das Daletli in Q^X beanstanden, und ein Rescli an 
dessen Stelle fordern, so möchten wir Q-} ]N „der einst Erhabene" zum 

T T 

folgenden „hört auf der Göttersohn" ziehen, m ist als Titel des Königs 
ein dem Phönizischen wohl bekanntes Wort, wiewohl man es bisher ver- 
kannt hat. So haben wir stets die Münzen von Citium (de Luynes, Essai 
sur la num. PL XIII.) Q~) ~h*D und ")% Q"\ ^jSft gelesen. Ebenso ist 
auf der Münze bei Blau (de numis Achemenid. Tab. I. Nr. 4) zu lesen ~|)[ft] 
□"), der erhabene Mazda. Auch von einem elfenbeinernen Broche, 
das sich im brit. Museum befindet und das Herr Loftus unter dem Fun- 
dament eines ausgegrabenen kolossalen Stiers in Assyrien gefunden, ko- 
pirten wir die Worte: 

PI ihcb. — Ferner Cit. 24 lesen wir: 1#nS ^S CV i^ie Nation dem 



8 

11N = blü hier zu gebrauchen, nach dem was Hitzig (exeg. 
Händb. zu der angeführten Stelle im Dan.) und Fürst (im 
chald.-hebr. Handwörterb. s. v.) bemerken, und fassen wir 
daher die Buchstaben-Gruppe CH1N als zwei Wörter = D"l W. 
Das TN = „dann" bedarf keiner Erläuterung. C"I ist Part, 
von Gfc"i (vergl. die verwandten Stämme CH, HÄl) schwei- 
gen, und „ad silentlum et quietern redactum esse" (Ges. Thes. 
p. 344), daher auch hwüh M2TV Ps. 31, 18 ad silentlum redacti 
in Orcum detruduntur. Ganz passend fügt sich daran das 
?N p cn v , vielleicht ist auch wohl DI als anklingend an das 
□rP nicht ohne Absicht gewählt. — 7N p CIT „hört auf der 
Göttersohn". CD" 1 von Ü12T) ist in der gegebenen Bedeutung 
bekannt; mehr Anstoss möchte es vielleicht erregen, dass 
wir PN p Gott er söhn übersetzen. Wir haben im Phöni- 
zischen beide Bedeutungen des Wortes ^K wie im Hebr. 
„Fürst und Gott", also kann man „Benel" geradezu als Titel 
„Gottessohn" fassen-, im Griechischen ist Jioysvtjg nicht 
auffallend, ebenso TID p „Benhadad" Name des syr. Königs 
(TIPl ist eine syr. Gottheit, nach Sanchaniathon, ed. Orelli 
p. 24. Macrobius Saturn. I., 13, f. Mov. Rel. d. Phon. I. 
S. 196). Ja nach Oslander (Zeitschr. D. M. G. X. p. 53) 
findet sich dieser Titel Benel geradezu im Himjarischen. 
Auch der König Tazenä nennt sich „Sohn des Mahrem" 
(d. i. des Kriegesgottes "AgsMo), vergl. Dillmann: zur Ge- 
schichte des abyss. Reiches, Zeitschr. D. M. G. p. 356. Da- 
zu kommt noch, dass nach Ez. 28, 2 in Wirklichkeit dem 
König oder Fürsten von Tyrus ein Vorwurf aus solcher An- 
massung sich „Gott" zu nennen gemacht wird. Es heisst 
dort: „sprich zum Fürsten von Tyrus, so spricht der Herr 
Gott, dieweil hochmüthig dein Herz und du sprichst ein Gott 
bin ich CW ittO, einen Thron der Götter nehme ich ein in- 
mitten der Meere, und doch bist du nur ein Mensch und 



Fürsten, dem erhabenen Manne N. N. Sohn des Abda". Endlich Cit. 11. 

3 Gl „dem Athor, dem erhabenen Könige, eine Denksäule". 3 ab- 
gekürzt für 2^j- 



9 

kein Gott" (b& &6}). Ebenso Vs. 9 : „Wirst du dann sprechen ; 
ich bin ein Gott, vor deinen Würgern, ein Mensch bist du 
und kein Gott unter der Hand deiner Mörder". — Somit 
zweifeln wir auch gar nicht, dass der sidonische König sich 
Götter söhn genannt habe. Aber auch die andere Bedeu- 
tung des btt im Sing. „Fürst" kennt vielleicht das Phöniz., 
während das Hebr. nur den Plur. Q^N hat, so z.B. Ps. 29, 1. 
wo schon Raschi die Worte Q^K "03 = CHW erklärt. Die 
Masora merkt a. a. O. noch drei andere Stellen: Ps. 89, 7. Hi. 
41, 17. Dan. 11, 36 an, wo sie die Bedeut. Fürsten, Helden 
bezeichnet wissen will, was auch an den angeführten Orten 
ganz gut passt. Im Sing, finden wir PN Fürst in unserer 
Inschrift Zeile 22, s. weiter unten, vergl. auch zu Z. 9. Viel- 
leicht ist auch in der Inschr. v. Mars. Z. 16 zu übersetzen: 
jeder Einheimische (iTTO = miN), jeder Sklave (n£W als 
Masc. von nnöttf nach de Saulcy) und jede Opfermahlzeit 
der Fürsten und alle Bürger, welche opfern u. s. w., s. wei- 
ter zu Z. 6. Auch Vs. 13 das. lässt sich in ähnlicher Weise 
übersetzen. 

r6n ist ganz das syr. j&~ „vagina", wie die Peschito 
das hebr. rnyn Scheide des Schwertes stets übersetzt, 
oder das Targum das Wort ^ Thal, z. B. Deut. 34, 6: 
KTfcvb HTP "Dpi u. ö. — Als Stamm liegt bbn hohl sein 
zu Grunde, und diese Bedeutung passt ganz gut auf den 
ausgehöhlten Steinsarg, der den todten Körper so um- 
schliesst wie die Scheide das Schwert. Auch im Griechi- 
schen heisst TtvsXoq sowohl Trog wie St ein sarg {Theoph. 
de lapid. 6); auch hier wird von der hohlen Gestalt ausge- 
gangen. Schon die Eröffnung des Sarges betrachtet der 
König als Entweihung. — Mit dem Worte ftbn wechselt 
übrigens das Wort rbv ab, das wir mit Rödiger = T)br\ neh- 
men; eine Vertauschung des n und JJ, das im spätem Phö- 
nizischen häufig vorkommt, mag auch in älterer Zeit im 
nördlichen Phönizien nicht selten sein. Uebrigens führt 
Rabbi Nathan (Aruch) im Lex. ein Vibv (aus Erubin p. 53) 
mit der Erklärung ^GJN (d. i. ohne Zweifel dv-Mov) Eimer, 
Krug an, das auch mit unserm rbv in der zu Grunde lie- 



10 

genden Bedeutung „des Hohlen" zusammentrifft. Ein 
ähnliches Zusammentreffen findet mit den Wörtern PD"p (und 
jlj) Scheide des Schwertes und dem thalmud. Wi Fass 
statt. — r6f! oder T\bv ist also der Steinsarg, oder Steintrog 
(wie Dietrich übersetzt), näher wird derselbe bezeichnet 
durch *:OWfc H oder 1 ZDIVK (Z. 5. 7. 10. 20); das ganze 
Grabgewölbe, in dem der Sarg steht, heisst "13p, das Malt. 2 
noch näher bezeichnet wird durch: übv T\2 ~nn, das Ge- 
mach des Hauses der Ewigkeit. 

1 Dieses Pronomen glauben wir als gen. comm. TJ aus- 
sprechen zu müssen. Das Phönizische scheint aber auch 
eine Form für das Fem. (oder Neutr.) nNl gehabt zu haben, 
und dasselbe hat rp&tf oder ITWl, d. i. 7 mit dem Deutewort 
H^ '), das wir in dieser vollen Form zuerst aus unserer 



x ) Dasselbe Deutewort wird auch an ] (= J-Q hier) angehängt, 
= rVfrO (Ipsambul Z. 1 Judas PL 6.) Es hat somit die Bedeutung wie 
unser deutsches da, lat. ce, wie hicce und dergl. Die gedachte Inschrift, 
über welche Judas (a. a. 0. p. 138) und Rödiger (A. L. Z. 1848 Nr. 243 
p. 786) zu vergleichen sind, möchten wir daher also lesen: 

w*my hti rQDfcnN *6 "rai wn-iit p nno -ny rv&o 

„dahier diente (opferte oder betete an) Petah Sohn Jeteresch und mit ihm 
verband sich Achimazibath-Chajah-Abaresch". PPJO i st ähnlich dem iJ-Q 
in der cit. Inschrift des Serapeum's, ebenso ~QV wie dort in dersel- 
ben Bedeutung „opfern" gebraucht; nr© ist = dem hebr. nnD\ wie 
]pyi Num. 33, 31 und jpy Gen. 36, 27. nyb^ J os. 17, 11 und Qy^n 
1. Chr. 6, 55 u. ö. — Den 3. Buchst, der 2. Zeile halten wir für eine 
Correctur der allzubreiten ursprünglichen Form, es kann nur ein Waw 
sein-, das darauf folgende ";nN ist im Hebr. freilich nur im Hithpael ge- 
bräuchlich, doch dürfen wir es deshalb nicht in der Kaiform dem Phon, 
absprechen, es ist = "irp se conjunxit. — #b ist w i e im Neuphön. b mit 
der 3. Pers. des Suff. Dieses Suff., welches man bisher im altern Phon. — 
nur Thugga Z. 5 xbll? rn)K21 „und mit seiner Hülfe" lässt sich dafür 
anführen — • vermisste, haben wir auch in Cit. 6 gefunden. Man hat son- 
derbarer Weise hier KJflN D^ Benachina, ßlius fratris nostri gelesen, es 
muss aber heissen: fcOfl WD.b »fi^ su0 > Hannoni". — Zu dem componir- 
ten Nom. pr. J-pJI T)'2D t D vgl. "2ty rQ^DÖ Num. 17 (Judas PI. 18), was 
Ewald, der (neuphön. Inschr. p. 14) ""Oynti'fc liest, verkannte. Der Name 
Massiva ist sonst bekannt genug (Sallust. Jug. 35). Auch Carth. 11, 6 
finden wir den componirten Namen rnnttfJJ ]XD bv^l^ „Adonbal Ma- 
gen Aschtoreth", wiewohl sich hier die Namen leichter als in unserer 



11 

Inschrift kennen, gelautet. Wir finden nämlich in der Tune- 
sischen Inschrift (Bourgade: Toison de Vor etc.) Nr. 34 am 
Schluss einer Grabschrift für ein Weib die Worte: PPKIT VOT\ 
rü^y T pN nnn „diese wurde zur Ruhe gebracht und unter 
diesen Stein geborgen". Die Erklärung Ewald's (neuphön. 
Inschr. p. 20) von dem Worte rPKTT pass. Ausspr. von DNä 
= rNS „bist bestellt" liegt sehr fern. Das rPNTT ist ganz das 
syth des Plaut. (V. I, 1.), sowie auch dadurch das schwie- 
rige nw im Hebr. seine Erklärung findet; das Hebräische, 
das das Deutewort nx kennt, zieht das PN TT (IT seltnere fem. 
Form) in nNT zusammen; das Phon, liest das nN = yth, 
daher mit T zusammengezogen = syth, oder in der spätem 
gedehnten Form suyth. So wie der Hebräer sagen konnte 
TT nN „dieses" (Koh. 2, 2. 24 u. ö.), so demnach im Phon, 
auch nr>]N IT, so wie im Deutschen „dieser da" ganz gleich 
dem „da dieser" ist. 

Z. 4. "IDT rWÖJp- Die meisten Erklärer nehmen das '•EJp 
nach dem Syr. ^oom „ich selbst mit dem ganzen Reiche", 
da das thalmud. Cjp als Schwur nicht ganz sicher zu sein 
scheint. Dennoch sind damit nicht alle Schwierigkeiten ge- 
hoben ; zu dem Vorangehenden es zu nehmen verbietet Z. 20 
(das hat Ewald schon richtig bemerkt), zum Folgenden aber 
es zu ziehen ist eben so misslich, denn dann fehlt das Prä- 
dikat. Ewald hat daher dem D3p die Bedeutung „Schwur" 
wiederum zugetheilt, aber nicht nach dem Thalmudischen 
— was jedenfalls noch besser gewesen wäre, besonders da 
Ewald selbst die Stelle Gittin 4, 7 anführt — sondern „mit 
geringen Lautübergängen" = der Wurzel F]5>HI „schwören". 
Mit so kühnem Etymologisiren kann man freilich aus Allem 
Alles machen; auch das folgende nN lässt sich nicht leicht 
mit „vor" übersetzen. — Wir schlagen daher vor, das *D2p 
mit nN zu verbinden, was nN^p = *-J»aio geben würde. Das 
syr. Wort hat (nach Bernstein lex. syr. ehrest.) die Bedeutung : 
ipse, praesens, coram („persönlich"), daher übersetzen wir: 



Inschrift von Ipsamb. deuten lassen. - ÜWOJ? halten wir = EHN2y 
Thugga Z. 2. 



12 

ich in eigner Person (sc. spreche es aus, oder erkläre) und 
alle Edlen etc. Dass in so emphatischer Rede das Prädikat 
fehlen kann, dafür giebt das A. T., besonders bei Betheue- 
rungen, viele Belege. Die Gedankenfolge ist dann durch 
das Waw weiter angebahnt (Ew. kr. Gr. 6. Aufl. § 344 b.). 
An der formalen Bildung von Adverb, im Phon, auf T\H ••• 
zu zweifeln, dafür giebt der Mangel an Beispielen aus den 
bisher entdeckten Monumenten keinen Grund, da doch das 
Aramäische diese Bildung kennt. Vielleicht ist das bisher 
unerklärte nfrOE'' Cit. 2, 2 ähnlicher Formation. 

rotefc kommt noch Z. 4. 6. 20. 22 vor, es ist das hebr. 
HD^tt, das He der Endung im Hebräischen ist im Phönizi- 
schen wie bei so vielen Hauptwörtern durch ein n ersetzt, 
in der Bedeutung weicht es auch vom Hebräischen nicht 
ab; es hat offenbar hier die Bedeutung: edle Geschlech- 
ter oder die Edlen, aus denen die Herrscher gewählt 
wurden. So wenig wir auch von der phönizischen Staats- 
verfassung kennen — was wir nach den dürftig fliessenden 
Quellen wissen können, hat Movers mit gewohnter Gründ- 
lichkeit erörtert, s. d. Phon. IL 1. c. 12. S. 479 ff. — so 
giebt unsere Inschrift doch einen erwünschten Beleg zu der 
Drei-Klassenth eilung, die bei den Phöniziern stattfand, (ab- 
gerechnet die Sklaven) in Könige, Herren (Senat, Gerusia) 
und Volk (Demos). Der König wendet sich hier zunächst 
an die Edlen, oder aristokratischen Geschlechter, Senat, der 
noch im 4. Jhd. aus 5 — 600 Mitgliedern bestand '). Diese 
sind mit robftfc, wie gesagt, bezeichnet, alsdann folgen GIN 
„Bürger" im Gegensatz zu HÖfTÖ DIN (plebs, demos , s. zu 
Z. 11), als die dem Adel zunächststehenden, in der Anrede. 
Schon im biblischen Sprachgebrauch lässt sich die angege- 
bene Bedeutung von rofefc, wenn es in Verbindung von 
i)) auftritt, vermuthen, bei Jer. 27, 7 (vergl. das. 1, 10) und 
Jes. 60, 12, so wie denn auch 2. M. 19, 6: W CJhD Töbl2l2 
UHp die Standesgenossenschaft der Priester ver- 
standen werden muss. In üblem Sinn steht dafür Hos. 6, 9 



.») S. Diod. XVI. 41. 45. Just, XVIII, 6. Diod. fragm. XXXIII, p. 7G 
ed. Bipont. 



13 

*nn, welchen Ausdruck das Phon, nicht in diesem Sinne 
kennt (vergl. das OTiaro der Mars. Inschr.), ebensowenig 
wie im spätem Judenthum , wie das D^ImM "Dill *) (frateria 
Judaeorum) auf den makkabäischen Münzen belegen kann. 

Z. 5. c:^ |2 CV \x 5 c::j |3 Wj?a? *>K) „und sie sollen bei 
uns keine Schätze suchen, denn es sind dort bei uns keine 
Schätze". Bei dem Worte C3Ö, dem schwierigsten dieser 
Gruppe, hat Dietrich nach unserer Ansicht das Richtige ge- 
troffen und durch weitere Belege begründet, in denen er 
nachweist, dass oft die Gräber geplündert worden, in der 
Meinung, Schätze daselbst zu finden. Wir finden übrigens 
auch im Thalmud einen Beweis in sprachlicher Hinsicht; 
bab. Thanijoth p. 21 b. wird ein Weiser, Vornehmer ge- 
nannt ruft p PUB „eine Mana, Sohn einer Mana" im Gegen- 
satz zu einem, welcher ist D"1D p rOD „eine Mana, Sohn 
eines Präs" (halbe Mana). — Die Lesart Dft'W der kleinen 
Inschrift wäre somit auch an dieser Stelle zu verwerfen. 

'Dl W bü\ das Wort NTO muss hier = npb genommen 
werden, forttragen, auferre, wie 2. Sam. 5, 21 "!H DKEW 
WjW David trug sie (die Götzenbilder) fort und seine 
Leute u. ö. — Uebrigens könnte man auch an Ntö^ fort- 
rücken, von der Stelle bewegen denken, vom Stamm 
NUO (= J7D3), wie es sonst im Hebräischen nur im fig. Sinne 
gebraucht wird, berücken; doch ist die erste Erklärung 
einfacher. — D12V giebt sich sehr natürlich in der Bedeutung 
„belästigen" = Dftn, welche Munk (l'inscription phen. de 
Mars. Paris 1848 p. 39) zuerst nachgewiesen hat an einem 
Orte, wo die Erklärung schwieriger war, als an unserer 
Stelle, wo die hebräische Bedeutung von Dfttf sehr nahe 
liegt. Das folgende: 

Z. 6. ^j\V aattfö rhv erklärt näher, worin die Belästigung 
besteht, zu besteigen mein Ruhelager. Die Stelle Gen. 
49, 4: "pK taatfö xvbv D „du bestiegst das Lager dei- 



*) So muss die Aufschrift gelesen werden, was weiter zu begründen 
nicht dieses Ortes ist. 



14 

nes Vaters" ist zu sehr passend, als dass wir uns mit 
den bisher versuchten Erklärungen unserer Stelle zufrieden 
stellen könnten, und wir nehmen daher lieber 'Ottf = Tüttf. 
Es lässt sich von der Form )W schlafen eben so gut eine 
Masc.-Form njttf neben H}# denken, wie im Hebräischen 
beim Verb. VI) eine Form HJTI QTÜ (Hi. 32, 10. 37, 16) ne- 
ben Hjn existirt. Nach Kimchi (üb. rad.) auch KH (Jes. 30, 
22) neben HN& Auch Cit. 1, 2 giebt durch das WU nDWft 
eine passende Parallele. 

Die Buchstabengruppe Di1^ÖWni?KD^aT»ÖönMQ«D« thei- 
len wir ab: DTO JflDWn b« 'pW 1 DÖI« CK ?]K „wenn auch 
die Leute zu dir (davon) sprechen, so höre nicht auf ihre 
Lügen". Wir nehmen Cft~IN als Plur. von GIN, und es steht 
nichts im Wege auch in der Inschrift von Mars. Z. 16 die- 
sen Plur. zu lesen, nach unserer Bemerkung oben zu ^fcOü 
(S. 9), wo wir die Vermuthung aufstellten, dass Insc. Mass. 
Z. 16 verschiedene Stände genannt seien, unter diesen auch 
DÖT& Wäre das "»D GIN, das Rödiger liest, nur sicherer, und 
dürften wir wie im Chaldäischen ein eingeschobenes Nun 
auch beim Perf. annehmen, so wäre allerdings der Plural 
von CIN, der im Hebräischen nicht nachweisbar ist, zu um- 
gehen. Weitere Entdeckungen werden vielleicht unsere 
Vermuthung über einen Plur. von GIN bestätigen. — Das 
letzte Wort lesen wir DJ"p Inf. v. Verb TD = N"D (wie Jes. 
16, 6. Jer. 48, 30 ins seine Lügner) ihr Gerede, ihr 
Lügen. Wir werden noch mehrere Beispiele von einge- 
schobenem Nun beim Inf. in unserer Inschrift finden ! ). 

Z. 7—10. ')D) nite/D bl D Der Satz ist fortzuführen bis 



l ) Möglich, dass in der Inschrift ein Fehler sich eingeschlichen und 
G3*m (ihr Gerede) zu lesen wäre, was freilich am besten passt. Dass 
in der That ein Irrthum leicht entstehen konnte durch Concurrenz der 
ähnlichen Buchstaben Beth, Daleth und Resch, beweist das Facsimile, 
welches de Luynes von der kleinen Inschrift giebt ; dort findet sich wirk- 
lich irrthümlich 0323. — Ewald liest unsere Stelle: -pfc CIN q# rjK 

C313 yftt^n ^X H^— ?7 auc h wenn Jemand dich versuchen will, so höre 

nicht auf seine Versuchung", eine Lesung, die wir von ihm schwerlich 
erwartet hätten. 



15 

Z. 10, bis zu den Worten ND CIN* EN. „Alle Edlen und alle 
Leute (Bürger) soll die Strafe für die Schändung des Grabes 
treffen" (s. uns. Uebersetzung), das ist im Allgemeinen der 
Sinn der Zeilen. Im Einzelnen wollen wir bemerken: die 
Verba sind *)«&>, ^DÖJ*1 tilHB?, zu punktiren. — üb p 1 bü 
Die Bedeutung von p3 sein, nach dem Arab., die Munk 
zuerst (s. Palestine p. 87 ferner Insc. de Mars. p. 16 u. 25) 
festgestellt hat, findet durch unsere Inschrift ihre volle Be- 
stätigung. Es scheint uns indessen, als wenn auch schon 
in alter Zeit dem Hebräischen die Bedeutung )*ü = nV), so 
gut wie dem Arabischen und Syrischen (s. Bernst. lex. Syr. 
Chresth. p. 232) nicht ganz fremd war. Bekanntlich kommt 
)*ü im Kai nicht vor, die zweifelhafte Stelle Hi. 31, 15 kön- 
nen wir füglich übergehen (vergl. Hirzel: exeg. Handbuch 
z. St.). Das Hiph. jedoch ist um so häufiger und zwar hat 
es stets ein Obj. nach sich. Wo dies nicht der Fall, wie 
z. B. beim Inf. p?H oder pH Jos. 3, 17. 4, 3, da ist das 
Wort rein als Adv. (wie n^Tl, ^ED) „stehenden Fusses" zu 
fassen, oder in der Redensart 3? )*on ist das 'ib einigemal 
beim Chronisten (1. Chr. 28, 2), der diese Redensart oder 
'b^'A CV ITPI sehr häufig anwendet, ausgelassen, während 
1. Sam. 23, 22 mit dem Cod. de Rossi Nr. 663 IMfl» oder 
mit Cod. 2 Regiomontan. Wan, dem Sinne ganz entsprechend, 
statt des unverständlichen *0Dm zu lesen ist. Somit dürfen 
wir als gewiss annehmen, dass ])D im Hiph. nie ohne Obj. 
steht*, um so befremdlicher ist die Phrase, Rieht. 12, 6: 
p "D"^ pD 1 üb) der Ephraemite konnte nicht also 
sprechen. Den Masorethen war offenbar diese Ausdrucks- 
weise, die so viel wie p "OT? !"pn üb) bedeutet, fremd, daher 
sie pDJ punktirten, während ]D als Fut. Kai im Sinne des 
Phon, ganz passend an unserer Stelle wäre. — E^ ist ent- 
weder gleich dem hebr. )hb oder, was wahrscheinlicher, aus 
erb zusammengezogen wie im Hebr. C2 = ErD, E*oy = EHöy 
und dergleichen. Die angefügten Pron. auf E---- sind als 
Plur. zu fassen; zwingende Gründe dieses Mem als Sing., 
wie Ewald will, zu nehmen, haben wir bis jetzt auf phön. 
Inschriften nicht angetroffen, und Rödiger bleibt daher noch 



16 

geneigt, den Sing, in diesen auslautenden Suff, erst bei mehr 
entscheidenden Gründen, als die bis jetzt beigebrachten sind, 
anzuerkennen. Nach unserer Ansicht sprechen die bisheri- 
gen Monumente mehr für den Plur., deutlich in Melit. 1: 
Cr-H" 1 D^p JJÖt&O „wenn du (Melkarth) ihre Stimme hörst, 
segne sie", während wir oben (Anm. S. 10) für die 3. P. 
Sing, ein auslautendes &*■••• nachzuweisen versucht haben. 
Dasselbe Verhältniss waltet auch in den sogenannten neu- 
phönizischen Inschriften ob ; man findet frCD &6p VfoW („höre 
seine Stimme, segne ihn") oder eine orthographisch etwas 
verschieden lautende Formel, wenn der Weihende eine ein- 
zelne Person, dagegen wo dies mehrere Personen sind (z. B. 
Gesen. mon. tab. 21. Bourgade a. a. 0. tab. 10) cbp VW 
ÜD"n. Ewald selbst war in der That durch die neuphöniz. 
Inschriften in diesem Punkte so überzeugt, dass er (p. 11 das.) 
äussert: „Da dieses Alles (dass das angelehnte Fürwort 
der 3. P. Sing, auf K — für beide Geschlechter, das des 
Plur. = D — lautet) nun hier unbezweifelbar vorliegt, so 
wird man die zuletzt in der Abhandlung über die massilische 
Inschrift (Götting. 1849) S. 12 f. besprochenen Fälle, wo 
das angelehnte Fürwort der 3. P. Sing, anders zu lauten 
scheint, auch auf andere Art betrachten müssen". Trotzdem 
ist Herr Prof. Ewald durch unsere Inschrift wieder zu sei- 
ner früheren Ansicht zurückgekehrt, und glaubt (Erklärung 
der gr. sid. Inschr. S. 17), dass im Neupunischen das Mem 
als Fürwort 3. m. Sing, wie im Hebr. verloren gegangen sei. 
Nach unserer Erklärung der vorliegenden Inschrift brauchen 
wir nicht zu dieser Annahme ohne Noth zu greifen. Mehr 
Wahrscheinlichkeit hat Ewald's Behauptung, dass das ange- 
lehnte Fürwort auch D3 • • • gelautet habe, der wir beistimmen, 
jedoch mit der Einschränkung, dass wir dasselbe nicht Di 
sondern Di lesen und als Plur. nehmen; so finden Di""Dn 
„ihre Genossenschaft" in der Mars. Inschrift, das folgende 
Diu, DJnnn (Z. 9), so wie die angelehnten Di beim Inf. ihre 
Erklärung *). 



*) Im Hebräischen treffen wir bei Partikeln solche Erscheinungen 
noch sehr isolirt, wie z. B. DiTinn 1. B. M. 2, 21 für rpmn; st viel - 



17 

Cjnnn an ihrer Stelle = CJjnF) (vergl. Gen. 2, 21. 
Ew. kr. Gr. 2G3 a.). Als Sachparallele vergl. Ps. 45, 17 
1^2 rsT *prQK nnn „an der Väter Statt werden deine Söhne 
sein". — 

Die Buchstaben -Gruppe 'y, ■ ■ ■ • pnO^mi^O^ bietet 
manche Schwierigkeit. Hitzig hat hier den wunderlichen 
Text herausgelesen: "12*0 bü CHtf DEHpH CjSsTI c:"13D'»1 
p.1 Cj2^ ttffcttfN d. h. „Preisgeben mögen die heiligen Götter, 
(sie) fertig machend umgekehrt, als wie die Sonne Lehm- 
steine festet, so dass sie das Reich zertrümmern" l ). — R ö ■ 



leiclit eine Spur des Nun in dem Dagescli im Kaf in TO^N L Mos. 3, zu 

suchen?); häufiger schon ist das angefügte Nun bei Verb., bei Nominibus 
vielleicht nur in dem schwierigen n'Oiy^ J es - 23, 1 1 , das nach Hitzig's 
treffender Bemerkung (d. Grabschril't Aschmunazar's p. 16) eben hierin 
den Grund hat, dass die p h ö n. Festungen so genannt werden im Orakel 
gegen Tyrus, da sonst fljfln Festung j"p]]?Ö bilden müsste. — In der 
eigenthümlichen Bildung der Verb, durch Nun demonstr. in unserer Inschr. 
steht jedenfalls das Phon, dem Chald. näher, als dem Hebr., erstere Sprache 
setzt sogar zuweilen 3 Nun, eins,das gewöhnlich angehängte Nun, eins für 
das Suff, und ein drittes für das Nun demonstr., z. B. Targ. Jonathan zu 
Jcr. 10, 16 hat j^HOT; Sach. 9, 15 pSttl^ßp^, wie auch manche Mss. 
des Onkelos Aehnliches bieten, z. B. 3. Mos. II, 42 cfo^n = p^faTl 
s. Luzzatto: Oheb Ger p. 26. Nr. 209. 

x ) Diese Lesung, die auf falschem Text beruht, würden wir ganz 
übergangen haben, wenn sie nicht einen Punkt berührte, der zum Nach- 
theil phön. Wissenschaft, obgleich längst beseitigt, doch immer wieder 
auftaucht. Es ist dies die Annahme des Artik. im Phön. durch vorgesetz- 
tes {$. Alle Beispiele, die Gesen. (mon. p. 340) dafür anführt, beruhen 
auf falscher Lesung (über "n^ s. Movers, Encyel. p. 439). Wer möchte 
wohl mit Hitzig (Erfindung d. Alphab. p. 19) Cit. 33, 1. 2 lesen -jnn Tim 
"PK *PN1 »der Lebende wird abgeschnitten, und wo bleibt die Hand 
("PK) oder Macht"?! In der Inscr. Eiyc. mag man allerdings Beispiele 

eines Art. mit K finden, aber die ganze Inschrift ist eine falsche Abschrift 
und wird leider noch zu oft als Beleg für strittige Punkte angeführt. Ebenso 
geht es mit manchen ungenauen Cit. Inschriften, aus denen Gesen. die 
Beweise für seine Behauptung hernimmt, z. B. Cit. 7, 4 ^^JIK, welche 

Inschrift wir lesen: n^m frOH ]V&) "DJ? TT) 'X ITOW N. N. 

(wahrscheinlich Name einer Stadt) im Jahre 1, Monat (Hl = TTV) Abad 
(od. Abadcha, wenn man das Waw für Kaf liest) und es errichtete (den 

2 



IS 

diger giebt nur kurze Andeutungen , die erste Hälfte liest 
er „mögen die heiligen Götter sie preisgeben". — Auch die 
andern Erklärer haben nicht die Schwierigkeiten, wie es 
mir scheint, beseitigt, die hauptsächlich in der Construciion 
des TIN *]te CHN n \S Cj^^D" 1 ; liegt; wenn wir übersetzen „es 
mögen sie die heiligen Götter preisgeben", was ist dann mit 
TIN "pE EHtf, das offenbar dazu gehört, anzufangen? Wir 
nehmen daher "!3D = i:^, das im Syrischen und Chaldäi- 
schen (auch im Hebr., wenn auch nur im Nom. 1W) die Be- 
deutung hat: senden, schicken. Dass Samech und Sehin 
innerhalb des hebräischen Sprachgebiets vertauscht wurden, 
dafür spricht Rieht. 12, 6: rrtD undn^ü; ferner &6lJD-und 
fattM, d:d und V2D u. a, m. (s. Ges. Thes. p. 931). — Objekt 
zu "WD ist TIN "]tö, ebenso Zeile 21 und 22 ?N Fürst (siehe 
oben S. 9); man halte unsere Stelle und letztgenannte 
zusammen, so wird man sich das Verhältniss noch deut- 
licher machen : 

z. 9 roteö n\x wnsp!? • • • "na y: erw ctinpn c::\xn cnao*) 
z. -2i xn roteftn jxp^ Kx - cranpri cjSx cruD 1 er 

Wir übersetzen daher: „und die heiligen Götter werden 
ihnen senden einen mächtigen König, welcher über sie herr- 
schen soll, um sie, die Edlen, auszurotten, wenn dies ein 
Bürger ist, welcher öffnet den Sarg dieses Lagers, oder diesen 
Sarg fortträgt und den Spross dieses königlichen Geschlechts 5 
ist es aber einer vom Volke" etc. — Die kleinere Inschrift 
scheint nach de Luynes ro?ft£ hier zu haben, dann Hesse sich 
übersetzen, indem man die herkömmliche Bedeutung von 
"UD preisgeben festhält: „und preisgeben werden sie die 
heiligen Götter, mit dem mächtigen Herrscher, welcher über 
sie herrscht". Jedoch bliebe das Masc. "HN* neben dem Fem. 
rwDtt schwierig; daher halten wir an der Lesart der grossen 
Inschrift fest, deren Sinn nach unserer Deutung im Allge- 



Denkstein) Chaka (od. Hanno) der Weber". Das O Z. 3, 1 ergänzen 
wir = Q oder Q wie Cit. IG, 3 erst. Buchst., das \ zu -\. — Cit. 22 

lesen wir: t p 2PIN }*£ t27N 'Uj „Denksäule, welche errichtete Ahab 

Sohn N. N. u 



19 

meinen klar ist, nur einzelne Worter bedürfen noch der 
Erläuterung'. 

c:Sn\ Dies Wort, das man bisher = Cj^V (C^bv) ge 
fasst hat, erscheint hier zum erstenmal in seiner wahren 
Form; dass man es nach der Plautinischen Stelle alonim 
zu lesen habe, ist klar; schwieriger aber ist der Ursprung 
des Wortes anzugeben. Nach unserer Ansicht muss man 
bei demselben auf eine den Phöniziern mit andern cananiti- 
schen Völkern gemeinsame Verehrung der Götter in hohen, 
starkbelaubten und immergrünen Bäumen, als deren Mani- 
festation eben dieselben betrachtet wurden, zurückgehen. 
Das Hochanstrebende, Starke, Langdauernde, das den die 
Natur verehrenden Menschen bei den Bäumen in die Augen 
fiel, erschienen ihnen als Eigenschaften der Götter, die jene 
belebten. Besonders mochte dies stattfinden beim Anblick 
von Eichen, Terebinthen, Fichten, Cedern und Cypressen, 
und wir finden daher auch die Namen jener Bäume als 
Symbole der Götter oder auch als Götter selbst, oder ihre 
Namen haben doch mit denen der Götter etymologische 
Verwandtschaft. So: )n\N, "nttKt, rWtt/N, ^N, n^K, J^K, H^N, pbtf, 
nna oder tm-n ! ) (BtjQovO-, Sanch. p. 24, die Göttin, die in 
Byblus verehrt wurde), HD"!}/ (Myrthe, Atossa) nnn 2 ), "ipn 



') Ueber den Cultus der Cypresse s. Lajard: Mem. de VInst. XX, 2. 

-) Jes. 44, 14, die einzige Stelle wo Hfin vorkommt. Der Chald. 

übersetzt das Wort HH; sollte man nicht leicht an das "p^ pys auf den 

Münzen von Tarsus denken? wer da weiss, auf welchen schwachen Füssen 
die Erklärung jener Worte ruht, wird gern den Fingerzeig verfolgen, 
den ihm unsere Andeutung und die Analogie von "]£n ?V2 bietet. Es 
ist über die Etymologie von Tarsus von je her viel etymologisirt worden 
(vergl. Steph. s. \\). nach Malal. (Chron. p. 36 ed. Bonn) hiesse es Tarsos, 
weil Perseus xov xctQOov xov nodbg enrj^s oder weil Bellerophontis Flü- 
gelross Pegasos xaoaov ucpitlg %coqco X'ntsv ovvoficc (Dionys. Perig. 8G9 f.) 
oder cc7c6 xov x£Qoav&i t vai (vergl. Pauly's Encycl. s. v.) — und so gehen 
die Etymologien bis zu den Arabern herab. Bedenkt man aber, dass der 
bis an den Gipfel bewaldete Tauras auch durch Cilicien, das nach Jos. 
Ant. I, 6 Tarsos hiess (vergl. auch Solinus 38, 1), hindurchzieht, ferner 
dass das "HP der Münzen nicht auf die Stadt allein, sondern auf einen 

2* 



20 

(vergl. "löh byz Städtename, Rieht. 20, 33, wahrscheinlich von 

dem dort verehrten „Palmenbaal", vergl. Zens-Demarns od. 

Thamyras; Movers Rel. d. Ph. p. 061 f. und Encycl. p. 396 

Anm. 83) , ). — Endlich ist hierher noch zu rechnen nom. 

pr. Tinn pb^ 1. Mos. 26, 34 und die Stelle Arnos 2, 9 „und 

ich habe den Einernten vor ihnen vertilgt, dessen Höhe wie 

die der Cedern und der stark wie die Eichen war (&\1 jDm 

COi-JfcO)". 
— fj 

C33 ist — W2 wie bereits oben bemerkt; die Construk- 
tion von bWD wie andere Verba, die herrschen bezeich- 
nen, ist — dem Hebr. mit folgendem Beth. — CjPKp^ sie 
auszurotten (Inf. PI. mit Nun demonstr. und Suff. 3. in.), 
wozu das folgende rufett n\\ die Edlen, oder das edle, 
königliche Geschlecht die nähere Erklärung giebt. 

Z. 9 — 11 'D) NH CIN CK wenn es nämlich ein Mann 
ist, d. h. ein angesehener Bürger (C"W begreift hier die 
höheren Klassen der Staatsbürger im Gegensatz zu dem 
folgenden DÄHÖ CIN, dem plebs), welcher die Schändung 
der Grabstätte begeht-, wenn es aber Einer vom gemeinen 
Volke ist, so etc. Es kommt vor Allem auf die richtige Er- 
klärung von nftilD CIN an. Uns scheint das letzte Wort aus £, 
dem Art. und Plü zu bestehen. Dies aber ist nichts anderes 
als der Sing, des hebr. CTO Leute, mit dem Nebenbegriff 
„gemeines Volk". Ausser dem Plur. kommt im Hebr. nur 
noch der (alte) st. estr. ttTÖ in r6l£0ns, !»«ttnö vor. Dieser 
war aber auch im Phon, gebräuchlich, wie ^JQiritt Methubal, 
Num. 5. (Gesen. tab. 24) und Bourgade 26, an welchen 
Stellen man es bisher verkannt hat, ferner Methuas tar tu s 
(mntwntt), Methyinathnus, vergl. Gesen. mon. p. 399. 411. 



ganzen Städtebund Ciliciens sich bezieht (vergl. Blan, Ztschr. D. M. G. 
VI, 470 f.), so liegt die Veramtlumg nahe, dass das "pn ?JQ wohl den 
göttlichen Herrscher von Cicilien bezeichnet, aber dessen Ursprung von 
dem Baumcultus abzuleiten ist, zu dem der dichtbewaldete Taurus die 
Veranlassung war. 

') Eine Analogie bei andern Völkern bietet die Ainygdale (Mandel- 
baum), Name der phrygischen Cybele. 



21 

Durch unsere Stelle wird nun auch die Massilische Inschr. 
Z. 17 erklärt. Hier werden auch verschiedene Stände auf- 
geführt, In- und Ausländer, daheisstes: ':» HNWE n£TO" CIWI 
„der Mann vom gemeinen Volke (bringt) eine Gabe für je- 
des Opfer nach Vorschrift" u. s. w. Auch Z. 22 in unserer 
Inschr. passt unsere Erklärung ganz vortrefflich. 

'Dl üb p" 1 b& „so sei ihnen (C1X ist collectiv., daher das 
Suff, des PL wie Z. 22 CJTtt) kein Stamm nach unten etc. 
Rödiger hat mit Recht als Parallele auf Jes. 37, 31 hin- 
gewiesen, hierher gehört auch Arnos 2, 9. bpSlS VHD Ttottftfl 
nnnü 1 v i£Ht£M „und ich rotte aus seine Frucht von oben und 
seine Wurzeln nach unten" und Hi. 1Ä, 16. — '21 nxm und 
Gestalt (Ansehn) unter den Lebenden, vergl. Jes. 53, 2 und 
das thalmudische miä blü CIN* „ein Mann von „„Gestalt"", 
d. h. von Ansehn". 

Z. 12. 'DI ]mj *"pN 3 „denn ich Bedauerns werther werde 
vor meiner Zeit dahingerafft, in der Fluth der Tage, ver- 
stummend dann hört auf der Göttersohn, ein Todter bin 
ich!" — Diesen Satz betrachten wir als einen Stoss-Seufzer, 
der dem todten König in den Mund gelegt worden. Ihn 
mit dem Vorangehenden zu verbinden, ist zu gekünstelt. — 
Für ]I"D weiss ich nichts Besseres, als es mit Rödiger als 
Part. Niph. von pn zu nehmen, wenn man auch nur auf 
Jer. 22, 23 im Hebr. sich berufen kann, eine Stelle, die je- 
doch durch die Tradition und Uebereinstimmung der alten 
Versionen gesichert ist; auch das Chald. kennt pn in der 
angegebenen Bedeutung. 

Z. 13 f. Von der Mitte der 13. Z. beginnt ein neuer 
Abschnitt, der auch durch die Schrift markirt ist, da das Kaf 
(vor *"pN) auch etwas weiter als gewöhnlich von den andern 
vorangehenden Buchstaben getrennt ist. Der König zählt 
seine Verdienste, die er im Verein mit seiner Mutter um 
die Götter sich erworben, auf, ein Grund mehr, ihn zu ach- 
ten und seine Grabesruhe nicht zu stören; er beginnt daher 
'Dl ^XD „denn icli (bin es) oder ja ich bin es (wie 1 ? 
•oft im Hebräischen in nachdrücklicher Rede gebraucht wird ) 
Asmanasar, König der Sidonier, und meine Mutter ..... 



22 

(Z. 15) welche erbaut haben (|JS ttftC, das CK ist für WK ver- 
schrieben, wie Rüdiger mit Recht vermuthet hat) etc. 

Z. 14 f. p p, Asmanasar nennt sich Sohn des Sohnes 
Asmanasar's, ferner auch Sohn des Tebnith, seine Mutter 
war aber auch eine Tochter des Asmanasar, folglich muss 
Asmanasar I. einen Sohn gehabt haben, den unsere Inschrift 
nicht nennt, Vater des Tebnith, und dieser muss die Amastaroth 
(seine Tante) geheirathet haben, aus welcher Ehe dann As- 
manasar II., dem unsere Inschrift angehört, hervorgegangen 
ist. Folgendes Schema wird dies Verhältniss veranschaulichen. 

Asmanasar I. 

Sohn N. N. Tochter Amastaroth 

i 

Tebnith heirathet die Amastaroth 

Asmanasar IL 

Somit ist Asmanasar II. Urenkel von Asmanasar I., 
zugleich aber auch von seiner Mutter Seite Enkel desselben. 
Seine Mutter hat höchst wahrscheinlich mit Tebnith, der, da 
N. N. jung gestorben zu sein scheint, die Regierung geführt, 
weil dieser vielleicht durch Amastaroth zum Throne gelangt 
ist. Später, als sie auch diesen überlebte, hatte sie die Re- 
gentschaft für unsern Asmanasar II. Sie ist's auch höchst 
wahrscheinlich, die ihm die Grabinschrift gesetzt hat (vergi. 
noch weiter unten über die Zeitbestimmung). 

mnttWftN ist ohne Zweifel zusammengezogen aus 
mnwynftK, wie der Name noch vollständig Cit. 2, 3 er- 
scheint, ebenso mptenfcK Carth. 14 (Judas PI. 8). — n:nr, 
es ist das erstemal, dass wir auf phön. Inschr. eine Prie- 
sterin antreffen, während wir Priester durch die Mars. Inschr. 
und einen Oberpriester durch Ath. 4 (Judas PI. 4) ken- 
nen '), dass aber eine Prinzessin und Mitregentin Priesterin 



f ) Dort heisst es: ^j Q^j ü}<1ä 2H -n der Herr der Priester (Ober- 
priester), deren Gott Nergal ist" (vor Q^N wäre etwa das relat. t£>N zti 
suppliren). 



war, darf uns nicht wundern. Das Priestertliuni ') hatte in 
den phön. Staaten eine höchst bedeutsame Rolle gespielt, 
der Hohepriester stand dem Könige sehr nahe, zumal man 
bemüht war, die höchsten Aemter mit Verwandten des kö- 
niglichen Hauses zu bekleiden, so war für jenen Posten der 
Bruder des Königs öfters ausersehen. Doch darf das ange- 
gebene Verhältniss uns nicht verleiten jrQ"l auf die Fürstin 
zu beziehen; die Stellung des Wortes nach mnttW weist 
darauf hin, dass es auf dieses sich bezieht „Astarte, unsere 
Herrin", wie das rQ"l auch bekanntlich auf den Carth. Inschr. 

sich findet. Dagegen bezieht sich das folgende HD^H auf 
Amastoreth und heisst Regentin. Höchst wahrscheinlich 
Avar diese, wie schon angedeutet, während der Minder- 
jährigkeit ihres Sohnes die Leiterin des Staats und hat mit 
ihm, wie sie den Todten aus Pietät sprechen lässt, oder 
eigentlich für ihn die bald zu nennenden Bauten unternom- 
men. Es werden im Ganzen vier heilige Stätten genannt, 
zwei, wie es scheint, für die einheimischen und zwei andere 
für auswärtige, aber von den Sidoniern verehrte Götter. 
Dass aber eine so grosse Menge Tempel gebaut worden, 
wird sich weiter unten bei der Zeitbestimmung der Inschrift, 
als durch die Umstände geboten, ergeben. 

Z. 16. Das erste dieser Gotteshäuser, das durch [rYPK 
eingeführt wird, ist ganz und gar durch Verletzung des 
Steins an dieser Stelle für uns verloren, nur ein n.... ist 
von demselben geblieben; es liegt wohl am nächsten ein 
n^Pt^y nn zu vermuthen, wenn nicht später ein besonderer 
Tempel für die Astarte noch erwähnt würde. 

C Y~\K pH in Sidon dem Meeres lande, die letztere 
Bezeichnung ist wie (Ps. 42, 7) pT JHN Palästina „Jordans- 
land" genannt wird, hier noch als Gegensatz von *irn Z. 17. 
Der genannte Tempel scheint in dem am Meer gelegenen 
Theil der Stadt erbaut worden zu sein, während der Z. 17 
genannte auf einer Anhöhe (pro) errichtet wurde (vergl. 
Dietrich a. a. 0. p. 80 ff.). 



*) S. Movere: Rel. der Phön. I. 8. 676 und das phön. Alterth. I, 1. 

S. 541'. 



24 

pttW Dieses Wort hat den Erklärern viele Schwierig- 
keiten bereitet. Am leichtesten würde man fortkommen, 
wenn man pttH läse und das Wort nach Rüdiger erklärte: 
„wir haben aufgestellt (pW?)". Indessen bleibt uns , wenn 
wir an den nun einmal vorliegenden Text uns halten, keine 
andere Wahl, als entweder pWO oder pW* zu lesen. Im 
ersteren Falle kommen wir noch am besten fort, das Wort 
vom chald. &nw (oder TTW) abzuleiten, das oft im Aphel 
die Bedeutung hat: wohnen lassen. Besonders häufig 
treffen wir es in den Targumim für das hebr. pltf im PL, 
vorzüglich in der Phrase EU IttW ptvb (5. Mos. 12, 11. 
14, 23 u. ö.), das stets ins Chaldäische übertragen wird: 
pn JTftDiy nfcTHPN^ „seine Herrlichkeit dort wohnen zu las- 
sen". Das gäbe dann für unsere Stelle, wenn man l^tt^ 
punktirt, d.h. sie haben, oder man hat wohnen (resi- 
diren) lassen die Astarte, den Sinn: man hat ihr Bild 
aufgestellt; im Geiste des Heidenthums glaubte man, dass da 
die Götter residiren, wo ihnen Tempel erbaut und ihre Bild- 
säulen aufgestellt wurden. Doch ziehen Avir aus graphi- 
schen Gründen (das Zeichen in dem betreffenden Worte 
scheint uns eher ein Daleth als ein Resch zu sein) und 
wegen des Wechsels der Person es vor ]*W>) zu lesen. Der 
Stamm Itin wäre dann gleich ID 1 gründen, feststellen, 
aufstellen (das Bild der Astarte); ohnehin haben wir schon 
andere Beispiele in unserer Inschrift von der Verwechselung 
des W und D angetroffen, um hier Anstoss an unserer Er- 
klärung zu nehmen, zumal man hier doch ein Sin lesen 
kann. Finden wir doch gleich zu Anfang 1DV zehn für 
*lttW, so konnte man wohl auch ~iil ri für 1D" 1 sagen. — Die 
folgende Buchstabengruppe C"nN£EW treffen wir auch V. 17 
an, und an beiden Stellen gehen die Erklärungen ziemlich 
weit auseinander. Entweder liest man El iK!p Elf daselbst 
sehr hoch (haben wir den Tempel gebaut), oder El 1W2 DE? 
sehr hohen Namens (Ewald), od. CH^Ntt Ettf daselbst 
lobpreisend (Rüdiger), oder endlich C""HNp EW (et obtu- 
lerunt xj\ Astartae) dona magnifica (de Luynes). Wir dürfen 
wohl nicht erst die Schwierigkeiten dieser Deutungen auf- 



25 

zählen; wir schlagen daher vor C"HN C£VJ abzutheilen, d.h. 
nach hebräischer Punktation D'H'HN E?&9 und wir haben 
daselbst residiren lassen die Astarte des hehren 
Himmels. — Wir zweifeln nämlich nicht daran, dass die 
Phönizier einen Plnr. CEitf (schamim, samim) statt des hebr. 
D^Ttf (das bekanntlich kein Dual, sondern ein Plural von 
W (hoch) ist, vergl. Ewald kr. Gr. 178 cl, 189 e., Gesen. 
Thes. p. 1433) gehabt haben. Beweis dafür ist das bei 
Schriftstellern so häufig vorkommende samin, samim oder 
schamin, so August, ad Jud. lib. VLL. quaestio XVI. „Baal 
Punice videntur dicere Dominum, unde B aal- Samen quasi 
Dominum coeii int ellig untur dicere, samen quippe apud eos 
coeli appellantur u . Ferner Sanchoniathon (vgl. Euseb. praep. 
evang. 1, 10. tom. I, 73 ed. GaisfordJ: „BssXtfäfirjv, 6 Vau 
naqa <Polri£i xvoiog ovquvov, desgl. a. a. 0. p. 55 f. 2af.iijiuL- 
govfiog 6 xal 'Tiliovoarwg" '). Auch in der 2. Scene des 
Plautus Vs. 67 lesen wir: „gune bei baisamem erisan u und 
bei Phil. Bybl. ed. Orelli p. 10: „Zoi(pa(f-/j/ilv (= E£W ^) 
xavx sanv ovoavov xaTonaa.^ Auch im Maltesischen führt 
Agius de Soldanis (vergl. Bellermann: Phoen. ling. vestig. in 
Melit. Spec. Lp. H): „Baal Samen" signore del cielo an. 
Dahin gehört auch die merkwürdige Stelle bei Assemani bibl. 
orient. I. p 327 /'., wo der Bischof Jacobus Sarugensis sich 
also auslässt: ^fc-^o q^»j^ ^opojso :Jjv~)o oo* t &\=> }^h2> cks>/ poo 
^0)Gz£i2>) ^;>oo :Jväj ;~oo ^oo^Sn^o ^co2> ^~V «-o^/ .J^^od p.x P*jd/ 
Jjlo£\ ä.^ )i&SLo 5J er (der Teufel) setzte den Götzen Apollo 
und andere in Antiochien ein, und in Edessa errichtete 
er nebst vielen Andern den Nebo und Bei. Er führte 
Harran irre durch Sin, Beel- Samin und Bar-Nemre, Mari 
seiner Hunde und durch die Göttinnen Tarata (Tirgata) und 
Gadlat". Vergl. dazu Chewolsohn: cl. Ssabier IL S. 157 f. 
und I. p. 450 f. Auch noch in späterer Zeit wird von der 
Einführung des Baal -Seh am in durch Tigranes aus Meso- 
potamien nach Armenien erzählt. Vergl. Mos. Choren IT, 
12 u. 14 und Michael Chamich: history of Armenia, Calcutta 
1827. p. 68 und Chewolsohn a. a. O. I. p. 385. 

] ) Movers panische Texte I, S. 55 f. 



26 

Aber auch auf einem Steinmonumente ist das CÖltf in 
der Bedeutung „Himmel" bereits gefunden. Carth. 13 (Ges. 
mon. tab. 47) liest Gesen. 1 ) in der 2. Zeile: WS CftW jEDS 
TU designator coeü (= ufftQoXoyog) gui oovit etc. — An un- 
serer Stelle wäre demnach CT1X C£tL> mntt'JJ „die Astarte 
des hehren Himmels" gebraucht, wie im Hebr. T\T\\ CwN 
nW3X (Gesen. thes. p. 1146), also — die mächtige himm- 
lische Astarte. In ähnlicher Weise wird auch die OvQavlq 
oder assyrische Astarte genannt EJÖtPH n:fe (Jer. 7, 18. 44, 
17. 18. 10. 25). Ferner bestärkt uns noch in unserer Auf- 
fassung die IX. himjarische Inschrift bei Fresnel, welche 
Oslander Zeitschr. d. D. M. G. X. p. 65 anführt. Es heisst 
dort, indem der Astarte (bekanntlich in den himjar. Inschr. 
_o£c genannt) verschiedene Epitheta beigelegt werden: 

ü^w inhy ai CEn rr\ ai n^p^ ai ^nnyn 

Dürfen wir das letztere nicht = Dftttf n~int#y nehmen? 
Wir dächten doch, dass das Jod kein Hinderniss wäre, da 
Oslander (a. a. 0. p. 35 f.) selbst bemerkt, dass man es 
mit der Anwendung der Vocalbuchstaben hier nicht so genau 
nehmen dürfe. — Endlich führen wir als Beleg, dass die Phö- 
nizier das hebr. C^IV als CS1V schreiben konnten, einen an- 
dem Plur. als Analogie an. Es ist das Wort CEH auf der 
bisjetzt imentzifferten Num. 8 (Ges. mon. tab. 47), indem 
wir darin das Wort E?feH erkennen. Es sei uns gestattet, 
unsere Entzifferung dieser Inschrift zur Prüfung vorzulegen. 
Wir lesen: 

aa^nn pfls pv 

T\bzb nnpD tona p 

— inir6 cn bynb Q&n 

mnv ] 

„Einen Denkstein setzte Tetliba Sohn Ga'ht, Aufseher 
der Wasserquellen, dem erhabenen Baal des untern Athama 



') Rüdiger (A. L. Z. 1848 S. 777.) giebt diese. Lesung nacli münd- 
licher Mittheilunö- von Gesenius. 



27 

(Zama) '). — Somit dürfen wir erwarten, dass DftE? an un- 
serer Stelle = C^W nicht beanstandet werden möchte. 

Z. 17. Der König fährt fort in Aufzählung seiner Ver- 
dienste um die Götter : er nennt einen zweiten Tempel, den 
er mit seiner Mutter errichtet hat; wem aber zu Ehren, ist 
nicht so leicht, wegen der Beschädigung des Steines an die- 
ser Stelle, zu ermitteln. Hinter den Worten P2 p2 tI\S' [FUN! 
ÖttW folgen noch die Spuren von drei Buchstaben, auf 
einem Raum, wo etwa vier gestanden haben könnten. Schon 
Rödiger hegte die Vermuthung, ehe er einen correkten Ab- 
druck der Inschrift vor sich gehabt hatte, dass das so nahe 
liegende JÖBW gemeint sei, ebenso auch Ewald, obgleich 
dieser schon eine bessere, wenn auch gerade an dieser Stelle 
keine ganz genaue Copie besass. In jener Ewald'schen Copie 
lässt sich noch immer ein jfcttW herauslesen, nimmermehr 
aber aus der sehr correkten von de Luynes. Hier hat man 
sich gewissenhaft an die Spuren der Buchstaben zu halten. 
Nach dem EttfNt? ist hier deutlich ein fast unversehrtes Beth, 
das zur Noth auch für ein Daleth gelten könnte-, dann folgt 



') Zur Rechtfertigung unserer Lesung nur wenige Worte! Die Zei- 
chen der Inschrift sind ziemlich deutlich und ist überhaupt dieselbe zu 
den correkt geschriebenen neuphön. zu rechnen. Das 4. Zeichen der 
2. Zeile ist ein Cheth, ähnlich wie auf der nordafr. Münze bei Gesen. 
(a. a. 0. tab. 44. Nr. XXVI, R.), das 7. ein Kuph. — rP~!pD eigentlich 
Aufseherschaft, Aufsicht vom Verb. ™p£, das nom. abstr. für vom. 
concr.. Aufseher, wie wir solche Nominalbildungen besonders im Spät- 
hebräischen häufig finden ; hat doch auch das HD/fcft unserer sidonischen 
Inschrift, wie oben gezeigt worden, die Bedeutung „königliches Geschlecht, 
Herrscherstamm 1 ' und vielleicht auch später = König, wie die Münzen 
von Juba, Sj^phax und Andere beweisen können; vergl. Ges. mon. t. 42, 
de Luynes: rev. num. 1850, PI. XL und bull, archeol. 1855 Nr. 12 und 
1856 Nr. 1. — EÖH rfcl, hebr. = E?£n Hl^l Wasser quellen, s. Rieht. 

1, 15: E."»Ü m *h nrra — Ueber El »> ob. S. 7. — pnTI = pPHD, 

Num. 6, 3 steht dafür J^n^H, wie n^n (Bourg. 33) für priH (das. 32.3 t 
und 35) in der Parallelstelle. — N^Hy ist 'A^ü^u bei Ptolem. — . Zama. 
Das p ist in den nordafr. Inschr. vollständig eine Sibilans geworden, wo- 
für viele Belege angefahrt werden können. Der Stein ist auch in der 
Nahe von Zama regia (Mannert, Geog. X, 2. 358) bei Challik gefun- 
den worden (Ges. mon. p. 452). 



28 

nach einem Zwischenraum, von etwa einem fehlenden, der 
Stumpf eines Buchstaben, der nach der Richtung von Nord- 
west nach Südost nur der Rest eines Waw oder Zade sein 
kann. Kein anderer Buchstabe unserer Inschrift hat diese 
Richtung; alsdann folgt die sichere Spur eines Kuph, darauf 
ein Daleth, so dass die ganze Gruppe nach vorgenommener 
Ergänzung mit dem Folgenden sich also darstellt: 

"irQ^-PWIpßJ o der u'nfttl^ 
Wie aber dieselbe zu lesen, ist höchst schwierig. Wir 
legen folgende Lesung und Deutung vor: 

c~nK c£w *>:zw) -ra bb~\ w unpi bz cwxb nn p e?k }r\:w 

„und wir sind es, die gebaut haben auf dem Berge ein Haus 
dem Aschim (Aschima), dem Herrn und Heiligen, der gütig 
mich erhört und mich in den hehren Himmel versetzen 
möge". — Zu dem Beth an der zuvor genannten Stelle glau- 
ben wir am leichtesten ein Lamed, weil dies keine Spuren 
nach unten zurücklässt, suppliren zu können, den Strich 
aber ergänzen wir zu einem Waw, wodurch wir EHpl b^ 
erhalten. In CttW sehen wir den tfS'Wtt der heil. Schrift 
2. Kön. 17, 30: Nfc'WN ntf )W TOfl W2X) „die Leute aus Ha- 
math machten (verehrten) den Aschima". Der JWE7K weist 
seiner Form nach auf syr. Ursprung, wie dies auch Movers 
(phön. Alt. II, 1. p. 117) schon gesehen; als Grundbestand 
bleibt also nur CttfK und dies nach phön. Schreibart ausge- 
drückt giebt unser Ct£\S\ Ueber das Wesen dieses Aschim 
oder Aschern wissen wir durchaus nichts Näheres, nur der 
Thalmud (b. Sanh. fol. 63 b.) erklärt NöntfK - Nmp Kmn 
d. i. hircus calcus^ Nn"n ist nämlich — hebr. °)DV oder JN2f, 
und NTHp = W, so genannt, weil dasselbe noch jung und 
ohne Wolle (kahl) ist, daher verstand der babyl. Thalmud 
unter Aschima einen Ziegenbock. Die etwas ältere Quelle, 
der Thalin. jerus. (Aboda Sara c. 3, 2. fol. 42 d. ed. Krakau) 
hat: „und die Leute von Chamath verehrten den Aschima 
d. i. frOSK (Schaf), und dann b^ V*bv 103'» pJn) TÖTn NE3 
CWNn „so wie es heisst (3. M. 5, 16) und der Priester ver- 
söhnt seinetwegen durch den Widder des Ascham (eigent- 
lich Schuldopfer, nach dem Thalin. jedoch mit Anspielung 



29 

auf den Stamm CWN wüst, kahl, daher = *C!fcN Schaf). 
Man bat nun wohl keine triftigen Gründe diese traditio- 
nellen Erklärungen zu verwerfen, wie Gesen. Thes. s. v. 
bemerkt, zumal wir das Bild des Ziegenbockes, als Symbol 
der zeugungsstarken Natur, vielfach auf assyrischen und ba- 
bylonischen Cylindern unter den heiligen Thieren finden 
und dies Symbol auch dem phön. Cultus nicht fremd war. 
Ziegenböcke waren der Naturgöttin, welche dem Baal zur 
Seite stand, heilig, daher denn auch die der Göttin sich 
weihenden Buhldirnen in den ältesten Schriften der Bibel 
Ziegenböcke als Lohn annahmen und der Göttin weihten 
(1. Mos. 38, 17. 20. 23. Rieht. 15, 1 vergl. 14, 1). ] ) Inter- 
essant ist für unsere Stelle auch Servius ad Aen. IV, 196, 
dieser giebt die merkwürdige Erklärung „Isammon habe die 
Bedeutung im Libyschen Aries". — Es würde ohnehin doch 
eine auffallende Erscheinung sein, wenn der Gott von Cha- 
math, dem Centralpunkt des vorderasiatischen Handels und 
einer der ältesten Niederlassungen der Phönizier 2 ) (Gen. 
10, 18), so ganz ohne Spur bei diesen geblieben wäre. Wir 
gehen daher einen Schritt weiter und halten pttM für eine 
Nominalbildung von Et£W, welches, wie wir gesehen haben, 
den Grundbestandtheil von dem bibl. Aschima bildet. Seine 
Formation ist 3 ), wie ]V& und yiD (Chna), W3 und JW3 
(Hab. 3, 7) T£J und piT (1. Chr. 7, 38 vgl. Vs. 37. 1. Mos. 
3G, 2G), pp und |y»fj (1. Mos. 4, 1. 5, 9), EiS und ]tib (1. Mos. 
13, 1. 3G, 20. 29). Auch die Gleichheit der Symbole, unter 
welchen diese Gottheiten gedacht worden, spricht für die 
Identität beider Namen 4 ), so wie dem Aschima der Bock 
heilig war, so auch dem Eschmun. In Xe^nc, (Panopolis) 
wurde der Bock als Sinnbild des zeugungsheissen Mendes, 
der auch Esmun {*AaxXrimbg) genannt wurde und zwar we- 



! ) Vergl. Movere phön. Texte II. S. 51. 

2 ) s. Mov. Encycl. p. 347 und d. phön. Altertli. II, 2. p. IG!. 

3 ) Mov. phön. Alterth. II, 1. p. 5. Anm. 20. 

" 4 ) Wir linden auch in der That nehen |fct£W als Mannesname Cit. 5 
und 33 auch CWi< Bourg. 30. 



30 

gen seiner Lebenswärme *), verehrt. Selbst wenn man den 
Kabir (Esmiin), bemerkt Bunsen a. a. 0. zn der Stelle des 
Damas., nach d, and. Etymologie als 8. Sohn des Sadyk 
benannt wissen will, so wird doch gleich hinzugefügt: ev 
(Txotm duoXvyiio nolv qwc, dväipac etc., wo also auf seine 
Feuernatur -) angespielt wird. Ueberhaupt dachten die Phö- 
nizier sich den Esmun als feurigen Jüngling (s. Movers: 
Encycl. S. 382). Auch das kopt. 'ijmiu = P£H trifft damit 
zusammen (Bunsen a. a. 0.) 3 ). — Endlich hat auch der 
CWK — yzXDH noch eine andere Spur in Phönizien hinter- 
lassen und zwar in dem Flusse Kasimiyeh (el-Litany) in der 
Nähe von Tyrus. Dieser Kasimiyeh oder wie Schwarz ihn 
in seiner hebr. geschriebenen Beschreibung von Palästina 4 ) 
nennt fcOEDKi"! "HN1, dessen Etymologie sehr schwierig ist — 
die Bedeutung Th eilung hat Olshausen mit Recht verwor- 
fen, Wien. Jahrb. CIL S. 219 — und den man lange Zeit 
mit dem Leo-Fluss des Ptolemäus verwechselt hat, ist der 
von der Tosiphta (eine Sammlung traditioneller Lehren un- 
mittelbar nach dem Schluss der Mischna) erwähnte WßWH 
(Aschmija oder Asmija) ft ). Diese für die Geographie Phö- 
niziens wichtige und meines Wissens noch nicht benutzte 
Stelle lautet (Schebiit c. 4): 



') s. Damascius vit. in Phoc. Bib. c. 242 und 1074: Esmun sei von 
den Phöniziern so genannt worden inl xfj &£QHJ} rrjg t,cor\g. Vergl. Bun- 
sen: Aegypten I, 612 f. 

) Die so schwierige Etymologie von 'AcxXrjmüg nach Muys (Griechen- 
land und der Orient, Köln 185G. p. 17) von antlla brennen, dörren 
(GKlrjcpQog, cxtlicpQÖg — Oilr^ög für GxtX — rjgog) stimmt damit überein: 
bekanntlich wurde Esmun v. d. Griech. Asklepios genannt, s. Movers, 
Encycl. S. 896. Anm. 90. 

3 ) Diese Etymologie ist schon früher versucht worden und scheint 
uns nicht ganz verwerflich, da gewiss schon sehr frühzeitig der Cnlt des 
Esmun in Afrika in den ältesten phön. Colonien bekannt war (Movers 
a. a. 0. p. 396 f.). So auch die Verehrung des Esmun (Asklepios) zu 
Chemmis (Panopolis). 

4 ) S. Tebuoth haarez p. 35 a. 

5 ) Dies hat bereits Rapoport richtig erkannt, s. dessen Erech Miliin 
p. 251. 



31 
ftrwn wrfyy «n^m «n^ keidi n^i pw n« cmro nmown nn"p 

d. h. folgende Ortschaften im Gebiete Tyrus sind gleichen 

Verboten wie Palästina selbst unterworfen ') und der 

obere und untere Khan des Asimiya -2 ). Es kann keinem 
Zweifel unterworfen sein, dass hier der Khan el Kasimijeh 
bei Tyrus gemeint sei, nur dass in der Tosiphta dieser Fluss 
noch den ursprünglichen Namen führt; denn Kasimijeh ist 
spätere Formation von Asimiyeh, wie Dlp^D und DIp^Dp 
Seleukia und Kasleukia (bab. Makkoth p. 10) ferner wie von 
xardXvatg das thalm. TCX Herberge, Markt geworden 
(s. Rapoport a. a. 0. und p. 259), ähnlich verhält es sich 
mit Arambys und Karambys (s. Movers phön. Alterth. II, 2. 
p. 552 und 527). Wir dürfen also wohl annehmen, dass der 
Kasimiyeh von GEW - pt£W seinen Namen führt und ihm 
heilig war, wie dies auch der Fall von andern Flüssen Phö- 
niziens ist, die mit den Göttern gleichen Namen führen, wie 
der Belus, Demarus und andere (s. Movers Encycl. p. 401). 
— Schliesslich sei noch angeführt, dass auch im Munde der 
Griechen der Name cSlttftttM in griech. Uebertragnng 2v^i- 
asl^iiog lautete. Die 4. athenische Inschrift (Judas a. a. 0. 
PI. 4) lautet: 

etc. ro-ra obvyßwii. 

und die griechische Beischrift: 

Aatms ^VfMfsXrjfA-ov Sidawioc. 

Dies mag wenigstens beweisen, dass man als stamm- 
feste Laute nur CV (wie im kopt. cn = CV) betrachtete, 
das N (prosthetisch) sich leicht verwischte und das angehängte 
Nim sich mit der folgenden Sibilans assimilirte. 

Kehren wir nach dieser Abschweifung zu unserer In- 
schrift zurück! Der Aschima oder Aschmim ist ganz beson- 



') Wir haben in der Uebersetzung die jedenfalls sehr corrumpirten 
Namen der Städte ausgelassen, da sie uns hier nichts angehen. (Jeher 
den Khan el Kasimiyeh s. Ritter's Erdkunde XVII, 1. 347. 

' 2 J Die angeführte Stelle findet sich auch mit einigen Modifikationen 
ierus. Demai c. 5. 



32 

ders wohl vom König Asmanasar heilig gehalten worden, 
weil er von ihm den Namen führt, er nennt ihn b2 und 
EHp „der Bei und Heilige". Das folgende "OJJ nehmen wir 
als Partie, von nty mit Suff, „mein Erhörer" oder „der mich 
erhört" l ), und dazu als nähere Bestimmung ^"1. Wir leiten 
dieses Wort, das in einer für unsere Stelle passenden Be- 
deutung im Hebr. sich nicht nachweisen lässt, vom Syrischen 
^! benignus ab (s. Bernst. Lex. syr. ehrest, p. 112), es steht 
hier als Adverb zu ^V „der gütig mich erhört". — ^ÄOT 
C"I"1X Ci2W „und möge er mich bewohnen lassen den hehren 
Himmel", \nw = hebr. ^3^P, causat. Hipli. vom Kai 2tzr>; 
es liegt darin die Bitte, gleichsam an seinen Schutzherrn 
gerichtet, ihn des Himmelreichs theilhaftig werden zu lassen. 
— Wenn unsere Auffassung Billigung fände, so wäre diese 
Stelle ein nicht geringer Beleg für eine höhere Anschauung 
göttlicher Dinge bei den Phöniziern. 

Z. 17 und 18 zählt der König seine Verdienste um die 
einheimischen Götter (CjIHjSs* zu lesen: CJlJTi&N) 2 ) auf, er 

') Der BctXaviog, der Sonnengott von Heleopolis (Chron. Pasch. T. I. 
p. 561) hat wohl seinen Namen von ^CVbV~ „Baal erhöre" wie 1. Kön. 
18, 2 : )}}]) ?V-T\ „Baal erhöre uns", vergl. auch den Fluss „Balanus" 
im Norden Phon, im Itin. Anton, ed. Parthey p. 274. 

2 ) So wollte schon Rödiger (a. a. 0. p. 658 Anm.) lesen, und andere 
Ausleger sind ihm darin gefolgt. Die Behauptungen, die Ewald (1. Jahrb. 
p. 194) dagegen vorbringt, müssen erst durch sichere Monumente be- 
gründet werden-, einstweilen spricht für Abwerfung des Jod Melit. 1, 3. 
32 jW mit darauf folgendem Plur. des Suff. Ferner sind dafür vollgiltige 

Zeugen die Münzlegenden von Citt. (de Luynes: essai etc. PI. XIII.). Es 
wechseln in denselben pfj C"l *}^3 ( Nr - 6 u. 7) ab mit ni"l "fe "fe 
(Nr. 8 u. 8 bis), und zwar sind die Münzstempel unverändert. Die erstere 
Aufschrift haben wir oben S. 7 Anm. erklärt, die letztere hat bisher keine 
Erklärung gefunden-, was soll dieses doppelte ^S*2 bedeuten? Es ist aber 
zu lesen piPl MD^/D " "Ptt »König der Könige von Chit." Da man die 

Münzen in die Zeit Artaxerxes I. zu setzen hat, so ist dieser Titel ganz 
passend = ßaaiXsvg ßaadtcov, wie die Grosskönige sich nennen. Die bei 
de Luynes folgenden Münzen von Baal (PI. XIV.) mit der Aufschrift 
lb)2) ?V-bt ganz ähnlich im Gepräge den genannten Münzen von Chit 
(Uypern) („si conformes ä la numismatigue de Cittiwm" p. 84 bei de L.) und 



33 

habe vereint mit seiner Mutter einen Tempel dem Baal von 
Sidon und einen Tempel der Astarte erbaut. Diese ist mit 
dem Zusatz begleitet bjnfcttf. Dass dieses zum Vorhergehen- 
den noch gehört, hat bereits Rüdiger vermuthet; auch Ewald 
sieht darin eine „Würdebezeichnung" und tibersetzt „vom 
Namen Baal's d. i. die als Gott zu verehrende". — Indessen 
liegt auch hier die Bedeutung von ftttf (== hebr. i£ttf) als 
St. cstr. von CT2W zu fassen näher, wie wir das Wort 
„Himmel" bereits an zwei andern Stellen in unserer Inschrift 
gefunden. Wenn die sidonische Astarte, wie Movers (Rel. 
der Phon. S. 604 f.) dies darthut, als Lima verehrt wurde, 
so passt die Bezeichnung „des Himmels Baal's", oder 
„vom Himmel Baal's", wenn man diesen als „Baalsa- 
mi m", wie ni&OS "OTK als Herr der Himmelsschaaren sich 
denkt, ganz gut. Auch in carthagischen Inschriften führt die 
im Wesen mit der Astarte übereinstimmende Tanit (ron) 
den Beinamen „SjJEUD" (vergl. das bibl. SäTOD}, und Carth. II 
wird Baal „der Schild der Astarte" (mnwj; pft) genannt. 
Man kann indessen auch an unserer Stelle an das Adjectivum 



welchen König man bisher nicht auffinden konnte, haben nur einen andern 
Ausdruck für Q") ib^b oder Dil "fe ib^-, da Baal der König v. Persien 
hiess. Vergl. unten S. 43 die Stelle bei dem Scholiasten des Aeschyl. 
,,Balenu unser Herr" wird der König von Persien genannt. Wir haben 
daher eine dritte Benennung für den Grosskönig: lbl2 7>V-/i das man 
hebr. punktiren kann *lS£ ^bv^ (bekanntlich wird Qi^JH, sowie QVj-jX 

Plur. fiu- Sing, gebraucht), oder auch nS^ b%3!b „dem Königsherrn". Es 

spricht sich darin das Abhängigkeitsverhältniss der Vasallenkönige gegen 
den Grosskönig aus. So wird es denn klar, dass so viele Münzen von 
,,Baal" existiren können („dont les medailles sont si nombreuses" de Luynes 
a. a. 0.). Ob nicht auch b]?2 ivb (das. PI. XV. Nr. 85—40) „des mäch- 
tigen Herrn" (das man sonst als nom. pr. Asbaal nimmt), auf den Mün- 
zen, welche dasselbe Gepräge wie Baalmelech haben, übersetzen dürfe, 
wollen wir hier nicht weiter untersuchen, obgleich wir verschiedene 
Gründe dafür anführen könnten. Die neuaufgefundene Inschrift von Malta 
(bei de Luynes mein. p. 65), auf welche sich Ewald neuerdings (gött. 
gel. Anz. Mai) beruft, kann in dem Worte 1 2Un!2 keinen Beleg für seine 
Ansicht bieten, das Jod ist etwas von den DUiT2 entfernt, es folgt dann 
die Spur eines Aleph, so dass wir Zeile 5 ^frO zu lesen geneigt wären, 
wie de Luynes in der That liest. 

3 



34 

*Öttf (s. Gesenius Thes. s. v.) „coelestis" denken, ein Wort, 
das wir freilich nur aus Zusammensetzungen in nom. propr. 
kennen (wie bwW d. himmlische El, -nNW 1 ), rYWW) ; man 
könnte dann übersetzen „die Astarte des himmlischen Baal" -)• 
Z. 18 f. Ein neuer Gedanke beginnt mit den Worten 
p |rv "Jft, Wünsche, die der König oder vielmehr die ihn 
überlebende Mutter von der Zukunft hegt. Ehe uns die 
Schrift von de Luynes zu Gesichte gekommen, glaubten wir 
in dem Folgenden den Wunsch ausgedrückt zu sehen „noch 
möge uns der Adon (Herr) der Könige gewähren Wasser 
in Fülle (frOrr Nfc), Feuchtigkeit QT), die Pracht der Län- 
der, Getreide in den Scheunen, wie es in den Gefilden Sa- 
ron's ist u etc. Hr. de Luynes sieht in den Worten INI und 
^ aber Städtenamen, eine Ansicht, der ich vollkommen bei- 
trete, wenn ich auch das Ganze anders auffasse und weiter 
zu begründen versuche, was Hr. de Luynes fast ganz unter- 
lassen und daher vielleicht diese Ansicht nicht den verdien- 
ten Beifall gefunden hat. Ich lese: 

mftS jHtf "wn wx p"i nsnK *>&) itn rva cste p« p p* ~un 

'Di rbvB »« n^ny 

„Und noch möge uns der Herr der Könige geben Dora und 
Jope, die Länder herrlichen Getreides, welche in Saron's 
Gefilden sind, zu der mächtigen Herrschaft, welche ich ge- 
gründet" etc. 

Die Städte Dora und Jope gehörten nebst andern an 
der Küste Palästina's zu den ältesten Ansiedelungen der 
Phönizier, es sind Stiftungen derselben, um die Schifffahrt 
nach Aegypten an dieser hafenlosen Küste zu sichern und 
zugleich den starken Verkehr mit den Binnenländern Palä- 
stina's zu erleichtern. Besonders werden Dor, Jope und 



') Wir glauben, dass dieser seiner Etymologie nach so schwierige 
Name mit unserm ct# zusammenhängt. Das *"QN möchte wohl eine Gott- 
heit sein (vgl. Abbar, Name eines tyrischen Oberpriesters unter babyl. 
Einfluss, Jos. c. A.p. I, 21), wie ihn Brandis (der hist. Gewinn etc. p. 40) 
auf babyl. Keilschriften und wir auf einem babyl. Siegel mit phön. oder 
semit. Schrift gefunden haben. S, weiter unten S. 38. 

*) Oppert (Zeitschr. D. M. G. X, 291) liest in der assyr. üebersetzung 
der Van-Inschrift )y^ ^teXUVJ gui coelum creaviL 



35 

Ascalon als solche genannt (s. Movers: phön. Alterth. II, 2. 
S. 175 ff.). 

D o r "IN"! ist nach dem Werke von Claudius Julius über 
Phönizien und nach Hekatäus (beides bei Stephan, s. v. 
Jcnooc) eine Stadt der Phönizier. Der Erstere erzählt: in 
der Nähe von Cäsarea ist Dora gelegen, ein kleines Oert- 
chen (ßgaxsTa noXi%vri), von Phöniziern bewohnt, welche 
sich an dem felsigen und an Purpurmuscheln reichen Ge- 
stade niedergelassen, angebaut und Gräben zur Sicherheit 
rings umher gezogen haben. Nach glücklichem Erfolge ihres 
Unternehmens sprengten sie die Felsen und bauten mit den 
dadurch gewonnenen Steinen Mauern und einen sichern 
Hafen und nannten (die Stadt) in vaterländischer Sprache 
Dora (ß7TtöWf.iov avcrjv ttj tkxtqim ylüHrarj Jmo xalovvztg). — 
Noch zur Zeit des Skylax wird Dora eine Stadt der Sido- 
nier genannt (JwQGg noXig 2iöovion\ vergl. (leogr. graec. min. 
ed. Cor. Mullerus, Paris 1855 p. 79). Diese kleine Seestadt, 
welche lange im Besitze der Phönizier blieb, ist wohl zu 
unterscheiden von der grösseren Landstadt, welche noch zur 
Zeit der Maccabäer eine Belagerung aushielt und im Kriege 
des Antiochus gegen Ptoleinäus tapfern Widerstand leistete 
(Polyb. Hist. V, 6t), 1) und deren Ruinen noch sehr spät 
die Bewunderung der Reisenden auf sich zogen (Hieronym. 
opp. IV. p. 673). Diese grössere Stadt, das "in? "1N"I oder 
"l&n nw der Bibel (vergl. Ritter a. a. 0. XVI. p. 608 f.), 
gehörte auch zur Zeit Salomo's (1. Kön. 4, 11 undThenius: 
Buch. d. Kön. z. St.) zum Reiche Israel, während die See- 
stadt, als der nächste Hafenort auf der Strasse nach Aegyp- 
ten (von ihnen aus vor Jope) den Phöniziern unentbehrlich, 
ihnen lange verblieb (Mov. a. a. 0. p. 176 und Ritter a. a. O. 
p. 598 f.). Diese Seestadt ist nun mit unserm 1X1 gemeint. 

Eben so wichtig und vielleicht noch wichtiger war den 
Phöniziern Joppe oder Jope; im Hebr. 1BJ Jos. 19, 46. 
2. Chr. 2, 15. Jon. 1, 3 und KlDJ Esra 3, 7; im Syr. jedoch 
nach Bar Bahlul und Bar Ali -2>a. ') (Bernst. a. a. 0. p. 213) 



. a ) Die Peschito hat Jon. 1, 3 und Esra 3, 7 X&)\ Jos. 19 IG pl^N 



und 2. Chr. 2, 15 gar FpDI Wö"D. 



O/» 

lautend, und nach dieser letztem Schreibweise ist, mit Aus- 
lassung des 1 , unser *>& geschrieben. Plinius nennt es Joppe 
Phoenicwm (letzteres Wort nicht etwa in weiterer Bedeutung 
zu nehmen, s. Movers a. a. O. S. 177 und Ritter a. a. 0. 
p. 574), also eine Stadt der Phönizier, die auch seit den 
frühesten Zeiten ihnen gehörte, und die schon zu Salomo's, 
wie in späterer Zeit die nach Judäa gehenden Handelsgüter 
aufnahm. „Dass diese bedeutende See- und Handelsstadt 
in älterer Zeit im Besitze der Philistäer oder der Israeliten 
(erst seit der Makkab. Zeit setzten sie sich hier fest) gewe- 
sen sei, davon findet sich nirgends eine Spur" (Movers a. a. 0. 
und ebenso Ritter a. a. 0.). Auch Stephanus iv 3 EÜvixoT± 
nennt Jope nach Philo ^/toXiz (Poivixrjg^ (s. Reland: Palästina 
p. 864 f. ed. Lugd. Bat.). Die Erwähnung dieser beiden 
genannten Städte ist wesentlich (s. weiter unten bei der 
Zeitbestimmung) nach unserer Ansicht zur richtigen Da- 
tirung unserer Inschrift. Kehren wir zur Erklärung unserer 
Stelle zurück! 

"IJ71 übersetzen wir „und noch" im Sinne von „noch- 
mals", Herum, wie 1. Mos. 4, 20. Rieht. 13, 8 u. ö.; pK 
C2?£ ist zu lesen =D 1 D?p "OTR, „der Herr der Könige", wie 
r~!NH TPW 1. Mos. 42, 30. 33. Wer dieser Herr der Kö- 
nige ist, s. unten bei der Zeitbestimmung. — pl nSTlK 
pW *W1 WN rm&CI „die herrlichen Getreideländer, welche 
in dem Gefilde Saron (sind)". Die fruchtbare Sarons-Ebene *), 
„die heute hinreichen würde, die Bevölkerung von ganz 
Palästina bei Anbau zu ernähren"-)) und die oft Phönizien 
mit Getreide versorgte 3 ), ist bereits aus den bibl. Schriften 
bekannt 4 ). 

yw *W lesen wir durch den St. estr. verbunden, wie 
ein Wort (Saron's Gefilde), und zwar kann man "litf = hebr. 



1 ) Hieronym. ad Jes. 33, 9: „Saron ornnis juxta Joppen Lyddamque 
appellatur regio, in qua latissimi campi fertttesque tenduntur". 

2 ) Ritter a. a. 0. S. 587. 

3 ) s. Movers: das phön. Alterth. II, I. S. 361. Anm. 86. 

*) Wii' haben daher auch nicht nöthig, an unserer Stelle an den Gott 
Dagon zu denken. 



'öi 

**W nehmen, das Jod würde auch hier, wie wir oben ge- 
sehen haben, ausfallen können; wir finden auch im Hebr. 
diese Form Ruth 1 , 1 . 2 : 2Ni£~'Hi#. Wir nehmen aber auch 
gar keinen Anstand, den gewöhnlichen St. cstr. Hit:' für 
unsere Stelle zu vindiciren; wir glauben, dass die Phöni- 
zier ein so eng sich anschliessendes He, wie dies im St. 
cstr. der Fall ist, ausstossen konnten, wie sie denn über- 
haupt zu Ende des Wortes selten ein He schrieben (vergl. 
das JDfc^ Z. 1 1 für das hebr. rrc^b vergl. Movers Encycl. 
p. 439). Einen vollgiltigen Beweis für unsere Ansicht fin- 
den wir in dem Worte *p£Jpft, das sich auf einem Siegel - 
stein, den de Longperier (journ. as. 1855 p. 429) veröffent- 
licht hat, befindet. Dieser Stein enthält einen Vornamen 
N. N. (wir sprechen über diesen an einem andern Orte) und 
*]te:p» p. Dies Wort enthält nichts anderes als ^D"DJptt 
„Besitz des Königs", ähnlich wie *pft "DJJ (vergl. den Stamm 
Pijp in Canthele = iWÜp vicus Satnrni, Movers pun. Texte I, 
S. 47), 3 Exi>ißaXog Baalä^ov (Jos. c. Ap. I, 21) == bv^ ^pN 
ipvhyi p) 1 ). — rbVü V* mW TTTCib „zu der mächtigen 
Herrschaft, welche ich gegründet habe". H^£ d. i. rVHÖ ist 
ein im Aram. gebräuchliches Wort in der Bedeutung von 
dominatio, Herrschaft; offenbar passt diese Bedeutung 
am besten in den Zusammenhang, auch das Graphische 
spricht eher für ein Resch als für ein Daleth. Das Wort 
m*D .giebt uns auch Aufschluss über die Etymologie von 
Marathus, das Gesenius (monum. p. 272) fälschlich von "HD 
bitter sein, indem er eine Stelle bei Strabo missversteht 
(s. Movers: phön. Alterth. II, 1. p. 101, Anin. 78), ableitet. 



3 ) Ewald hat ebenfalls (sidon. Insclir. p. 51 f.) dieses Siegel ver- 
öffentlicht, giebt aber dem "pfc^pfc eine aus dem Arab. hergeleitete sehr 
fern liegende Bedeutung (Mekinmelek) „den Gläubigen Milik's". — Bei- 
läufig wollen wir bemerken, dass in solchem Falle, wo das ,-] oder 1 des 

St. cstr. bei den Verb, H2 ausgestossen worden, die Phön. zuweilen wahr- 
scheinlich das Zere wie Patach gesprochen haben, gerade so wie in der 
assyrischen Punktation, daher Zmcpaöctaiv — C^ü ^ÜSi yo wie auch woh 

.^onst z. B. Bcola&r'iv - jf-pK b"2 Damasc. ap. Phot. p. 343. Bekk. 



38 

Das Wort TÖ „Herr" erscheint auch in dem Mama „unser 
Herr," dem Gott zu Gaza, sowie wir es auch vor dem oben- 
erwähnten 12 (bar) auf dem babyl. Cylinder gefunden haben ; 
es heisst dort ganz deutlich „*n *ych u dem Herrn Bar. 
Fernere Zusammensetzungen mit 132 vergl. Movers : Religion 
der Phon. p. 30. 

pDD'H vom Stamme ]DD eigentlich täfeln, bedecken, be- 
schirmen, schützen, das Suffix ist aber fem. plur. und be- 
zieht sich auf die beiden genannten Städte Dora und Jope, 
daher )3pp ,| l er (der „E37Ö ^"IK") beschütze sie; davon hängt 
ab das folg. rbyz zu lesen: fhgQ „dass man nicht über- 
schreite". Es ist der Infin. Kai von rbv, und das D steht 
wie in Prohibitiv-Sätzen, z. B. 1. Kön. 12, 28: nl^Pö CD^ 21 
CPIZ;^'' „es ist euch genug von dem Heraufziehen nach Je- 
rusalem", d. h. ihr sollt fürder nicht hinaufziehen, rw (vgl. 
Z. 7) steht hier wie das hebr. ^V 4. Mos. 20, 21. 21, 24. 
Rieht. 11, 20 „ein Gebiet überschreiten". Im Sinne eines 
feindlichen Angriffs steht es aber auch an zahllosen Stellen 
im A. T., gewöhnlich mit bv, aber auch mit dem Accus. = 
angreifen. 

pN b^ = pK *b2) fines terrae, die Bedeutung „Ge- 
biet" hat auch b^ im A. T. und steht ebenso im punischen 
Texte des Plaut. V, 1, 9 (s. dazu Movers: punische Texte I. 
S. 100) = latein. Uebersetzung regiones, also hier: dass 
man überschreite oder angreife das Gebiet des Lan- 
des, [U\bvb Cj"Is6 \2mb „um sie zu festigen die Sidonier 
ewiglich". Die Wiederholung des Suffixes, trotz des folgen- 
den Nom., haben wir schon oben Z. 9 CHN — Dj-UD 1 ! ange- 
troffen, wofür auch im Hebr. zahlreiche Beispiele vorkommen 
(vergl. die vielen Belege bei Gesenius Thes. p. 730. 3g.). 
Die Construction mit ?, statt nN beim Accus., findet sich auch 
schon in späteren bibl. Büchern und ist im Chaldäischen die 
gewöhnliche. — Nicht unerwähnt können wir es lassen, dass 
das Mem beim Worte C^y? aus Conjectur von uns ergänzt 
worden; das Wort liegt so nahe, dass man die Richtigkeit 
nicht leicht bezweifeln kann, obgleich der Abdruck bei 



39 

de Luynes keine Spur eines Buchstaben zeigt, während die 
Copie bei Dietrich ein ganz deutliches Mem giebt. 

Z. 20 — 22. Der König wendet sich zum Schluss an 
seine Unterthanen, um ihnen nochmals an's Herz zu legen, 
was ihn so tief bekümmert: dass seine Ruhe im Grabe 
nicht gestört werde. Es werden die obengenannten 
Punkte, wodurch er beunruhigt werden könnte, nochmals 
wiederholt, nur mit der Abänderung: ^rbv 1P bü) „und sie 
sollen nicht meinen Sarg berauben". Wir nehmen "IJP vom 
Stamme mjJ OlTJp, das im Hebr. nur im Nom. IV spolium 
vorkommt, im Aram. aber ganz gewöhnlich ist. Wir ziehen 
diese Fassung der von den andern Erklärern gegebenen 
vor, weil durch dieselbe unsere Stelle eine vollständige 
Parallele zu Z. 4 f. bietet: 

i) z. 4 ] 23^ nw nnD 1 b$ 

z. 20 *>nbv nnEP bx 

2) Z. 5 Djjft p wp'y bü 

z. 2i ^bv "up bü) 

3) z. 5. ... -qdto rbn nw «an Kni 

Z. 21 ebenso 

4) Z. 5 u. 6 ) ÜDItfÖn \DD2JP ^Kl 

Z. 21 ebenso. 

'DI W13D 1 D^ „warum sollen ihnen die heiligen Götter 
einen Fürsten senden, und er ausrotte dieses königliche Ge- 
schlecht" etc. — d? ist bereits von Rüdiger und Dietrich im 
Sinne von rfcbl oder nach dem spätem Gebranch dieser 
Partikel im Hebr. (s. Thes. S. 770. 3. 6. s. v.) = jD richtig- 
erklärt worden. TID nehmen wir auch hier wie oben — 
"ttttj „schicken", dessen näheres Object im Suff, und dessen 
entfernteres in ?N, das wir als Sing, des sonst gewöhnliche- 
ren Plur. (CvN Fürsten) fassen, liegt; bx stände somit par- 
allel dem TW ^bö Z. 9. — H"l = K\Tl wie oben Z. 11. 
Das Fehlen des Art. in unserer Inschrift, wo das Hebr. ihn 
erfordert, ist schon früher und auch von Andern bemerkt. 
— Ueber ren s. oben zu Z. 11. 



40 



Zeitalter der Inschrift. 

In den bisher erschienenen Schriften über unsere In- 
schrift ist die Zeit der Abfassung in sehr verschiedener 
Weise, im Allgemeinen jedoch mehr nach Vermuthungen, 
als auf bestimmte Thatsachen gestützt, festgestellt worden. 
Am weitesten hinauf ist Ewald (S. 49 ff.) gegangen, der 
geneigt ist, über das 1 1 . Jahrhundert vor unserer Zeitrech- 
nung hinauszugehen „in die Zeit, in welcher Homer die 
Siclonier, nicht aber die Tyrier nennt und bewundert". 
Zu diesem Resultate gelangt der Verfasser, weil in unserer 
Inschrift die Könige der Sidonier als sehr mächtig geschil- 
dert werden, was im 6. und 7. Jahrhundert v. Chr. kaum 
der Fall war, während nach Z. 20 unserer Inschrift „die 
Kananäer noch etwa so viel waren, wie die Sidonier, und 
nach Z. 16. 18. Sidon selbst sicli noch rühmen konnte, das 
Land des Meeres zu sein, als habe es damals dieses ganze 
Land beherrscht. Auch die Schriftart, die, obwohl sie 
kein genügendes Merkmal eines bestimmten Zeitalters an 
sich trägt, sei, meint Ewald, diesem Resultat nicht entgegen ; 
man werde wohl bis jetzt nirgend woher ein Zeichen herbei- 
bringen können, dass sie nicht schon aus jenem frühen Zeit- 
alter abstamme." — Das sind allerdings nur sehr schwache 
Gründe, die den historischen Beweis stützen; Z. 20 D^D? 
giebt ganz ungesucht den Sinn, wie wir gefunden, „sie zu 
befestigen," nicht aber kann es = £31^3? (die Kananiter) 
sein, eine Contraction, die für so frühe Zeit gewiss ohne 
alle Analogie ist, vollends wo der Zusammenhang nicht dazu 
drängt, so wenig wie C pN pSJ den von dem Verfasser 
ihm vindicirten Begriff in sich schliesst, da es sehr gut heissen 
kann „Sidon, Stadt am Meere", wie Ewald selbst (S. 65) 
sieht, sich auf s. Gramm. § 155 f., Anm. 3, 6. Aufl. beru- 
fend. Ohnedies steht C p« als Gegensatz zu TD („auf 
dem Berge"), und braucht nicht gerade den ganzen Be- 
sitz am Meere in sich zu schliessen; auch Ps. 42, 7 wird 
Palästina dichterisch pT pK (Jordansland) genannt, obgleich 
der Verfasser gewiss nur an seine Heimath denkt. Endlich 



41 

lassen sich gar wohl aus der Schrift, wie weiter gezeigt 
werden soll, Argumente gegen ein so hohes Alter, wie das 
11. Jahrhundert, beibringen. 

Hitzig (a. a. 0. S. 37 ff.) geht allerdings nicht so hoch 
wie Ewald hinauf, doch würde auch nach ihm die Inschrift 
im 7. Jahrhundert vor dessen letztem Jahrzehnt verfasst sein; 
die Gründe, oder vielmehr Vermuthungen , möge man bei 
ihm selbst nachlesen. Hr. Duc de Luynes vermuthet aus 
historischen, sprachlichen, paläographischen und künstleri- 
schen (caractlre de la sculpture) Argumenten das Jahr 574 
bis 572 für die Abfassung der Grabschrift des Asmanasar 
(s. S. 55 — 62). Da wir auf die Gründe, die der genannte 
Gelehrte für seine Ansicht geltend macht, noch weiter unten 
zurückkommen müssen, so begnügen wir uns an dieser 
Stelle mit der Anführung der Resultate, um zu zeigen, wie 
sehr weit die Ansichten in Bezug auf die Abfassungszeit 
auseinandergehen, und wie schwierig dieselbe zu bestimmen 
sei. Wenn wir es dennoch wagen, näher auf den Gegen- 
stand einzugehen, so geschieht dies in der Ueberzeugung, 
genügendere Merkmale als die bisher beigebrachten gefun- 
den zu haben, die mit Entschiedenheit für ein bestimmtes 
Zeitalter sprechen. 

Um gleich zu Anfang das Resultat unserer Untersuchung 
zu geben, so halten wir den Asmanasar II. für den Sohn 
des bei Diodor (16, 42) genannten Tennes, des Tebnith un- 
serer Inschrift, und die Zeit der Abfassung der Grab- 
schrift fällt etwa in das Jahr 335, also wenige Jahre 
vor Besetzung Sidon's durch Alexander den Grossen. 

Wir haben schon oben den Namen Dj^n aus DjD (bennith) 
mit der Bildungssilbe n abgeleitet, und ohne Schwierigkeit 
lässt sich darin der Tennes des Diodor erkennen. Schon 
Salisbury, der erste Erklärer unserer Inschrift (Journ. of 
the Am. er. Soc. V, 1. S. 243), hatte die Aehnlichkeit beider 
Namen erkannt, und diese war ihm genügend, ohne alle 
weitere Begründung, die Grabschrift in die Zeit Alexanders 
zu setzen. Allein jene Aehnlichkeit allein kann nichts be- 
weisen, wenn sie nicht durch andere Beweise gestützt wird. 



42 

So viel aber stellt fest, dass wir mit der Abfassung nicht 
tiefer herab als bis zu Alexander's d. Gr. Zeit gehen dürfen, 
was sowohl aus andern gleich zu erwähnenden Anzeichen, 
als auch durch den Monatsnamen 72 Z. 1 nicht möglich ist, 
da nach Alexander's Zeit die Phönizier sich der sogenannten 
macedonischen Monatsnamen bedient haben (siehe Dietrich 
a. a. 0. p. 108). Da wir mithin über Alexander's Zeit hin- 
ausgehen müssen, so führt uns zunächst der Name POnn auf 
den Tennes des Diodor, und diese Annahme wird in der 
That durch Z. 18. 19 zu grosser Wahrscheinlichkeit erhoben. 
Wir müssen diese Stelle dem Leser in Erinnerung bringen, 
es heisst hier: „und noch verleihe uns der Herr der Könige 
Dora und Jope, die herrlichen Getreideländer der Gefilde 
Saron's, zu der mächtigen Herrschaft, welche ich gegründet, 
und er schütze sie" etc. Es müssen also Dora und Jope 
nicht mehr im Besitze der sidonischen Herrschaft gewesen 
sein. Nun war dies aber der Fall zur Zeit des Hekatäus, 
also im 5. Jahrhundert, nach der oben (S. 35) angeführten 
Stelle dieses zuverlässigen Historikers bei Steph. v. Byz.; 
ja noch im 4. Jahrhundert wird Dora „Stadt der Sidonier" 
genannt, nach den gleichfalls citirten Worten des Skylax. 
Da nun der Periplus dieses Schriftstellers spätestens um 336 
abgefasst ist *), so führt uns der Wunsch um Wiedererwer- 
bung von Dora und Jope nach diesem Datum. Höchstwahr- 
scheinlich sind diese königlichen Domänen erst kurze Zeit 
vor dem Tode Asmanasar's II. oder vielmehr mit seinem 
Tode, weil er keinen directen Thronerben hinterlassen, ver- 
loren gegangen, weil gerade dieser Wunsch dem ver- 



l ) Nach den Forschungen Müllers (Geogr. Gr. min. XXXIII. sq.) 
hat man die Abfassung des Periplus zw. 840 und 336 v. Chr. zu setzen. 
Die Quellen, woraus Skylax schöpfte, sind theils Jüngern, theils altern 
Datums. An unserm Orte, in der Beschreibung Syriens und Phönizien's, 
scheint er nicht gar alte Quellen benutzt zu haben. „In sequente ora 
Syriae, Arabiae, Aegypti quum non amplius diebus navigaüonis, sed secundum 
stadia distantiae deßnlantur alium auctor fontem exscripsisse videtur, quem non 
adeo antiquum fuisse ex stadiorum usu colliyo, quippe qui reccntiorum potius 
quam anti<iuiorum geographorum esse solet. Certius aetatis indicium frustra 
circumxpexi" (Müller a. a. 0. p. XLVI. § CG). 



43 

storbenen König in den Mund gelegt wird. Wer ist aber 
der Herr der Könige, der sie wieder verleihen soll? Kein 
anderer, als der persische Grosskönig! Schon aus früher 
Zeit finden wir, dass der persische König Darius „pJH" 
„unser Herr" genannt wird, wie der Scholiast zu Aeschyl. 
Pers. 656 bemerkt: BaKr^v o v ßuGiltvc, X&ysrai (vergl. oben 
Anm. zu Z. 17 f. S. 33). Movers (Encycl. p. 384. Anm. 65) sieht 
diese Bezeichnung als eine Uebertragung aus älterer Zeit 
an, wo die assyr. und babylon. Könige diesen Namen in 
den unterworfenen Ländern führten, zumal die babyl. und 
assyr. Königstitel sich auf die Perser und Parther vererbten. 
Wir finden daher auf den pers. Keilinschriften und sonst, wo 
die Grosskönige auf Denkmälern ihre Thaten verherrlichten, 
dass sie sich „Könige der Könige," so wie sich die ihnen 
nachahmenden Sassaniden noch viel später „fcO^fc JNDfe" 
nennen. Es ist daher sehr natürlich, wenn ein Vasallenkö- 
nig, wie der sidonische König um jene Zeiten kurz vor Alex, 
dem Gr. war, seinen Schutzherrn „den Herrn der Könige" ') 
nennt; so gut wie der persische König sich "[^Ü i?J?2, wie 
wir oben bemerkt haben, auf Münzen nannte, so konnte 
auch wohl ein Vasall ihn den Herrn der Könige nennen: 
es ist damit so recht das devote Verhältniss bezeichnet, das 
zwischen beiden Fürsten obwaltete. Vergegenwärtigen wir 
uns die Lage Sidon's und Phönizien's um diese Zeiten! 

Nachdem die Macht der Phönizier durch die welter- 
obernden Reiche der Assyrer und Chaldäer gebrochen, wer- 
den sie eine leichte Beute der Perser, von denen sie nun- 
mehr in Abhängigkeit geriethen. Wenn nun auch unter dem 
Gründer der persischen Monarchie diese Abhängigkeit nur 



*) Wir glauben, dass dies eine ganz ungezwungene Erklärung des 
üJ7D pN ist - Die Deutung Adon Milkom (Ewald und de Luynes) ist 
ein wahrer deus ex mach in a; wie wäre denn der sidonische König so 
plötzlich auf den ammonitischen Gott gekommen, da er kurz zuvor (das. 
Z. 18) von den Göttern der Sidonier gesprochen, wie konnte er dann 
fortfahren „und noch möge uns der Adon Milkom verleihen" etc.? Daher 
hat denn auch Dietrich übersetzt: „der Herr der Könige" d.i. der höchste 
Herrscher, der oberste Gott; aber das wäre etwas befremdend im Munde 
eines heidnischen Fürsten! 



44 

sehr lose war, so war sie doch that sächlich ausgesprochen 
unter seinen Nachfolgern durch die Mitwirkung der Phöni- 
zier, sowohl bei der Behauptung der bereits eroberten klein- 
asiatischen Staaten, als auch bei der Eroberung Aegypten's, 
besonders durch Stellung von Kriegsschiffen und Entrichtung 
eines, wenn auch geringen Tributs, obgleich ihre Verfassung 
geschont und das Verhältniss der einzelnen Staaten zu ein- 
ander ungeändert blieb. Indem sich so die Phönizier in die 
Verhältnisse zu schicken wussten, gelangten sie, besonders 
Sidon, unter dem Schutze der Achämeniden zu grossen 
Reichthümern. Allein schon unter Xerxes wurde ihre Ab- 
hängigkeit von diesem launischen Fürsten eine sehr drückende, 
als dieser sie zu seinen Eroberungszügen benutzte, und 
durch ungeschickte Führung ihrer Flotten, die, wenn auch 
unter eignen Führern, doch unter dem Oberbefehl der Per- 
ser standen, büssten sie ihre Seemacht ein. Noch trüber 
gestaltete sich ihre Lage in der folgenden Zeit, als die Kämpfe 
der Perser gegen die Griechen fortdauerten und die Phöni- 
zier zu noch grösseren Lasten herangezogen und in ihrem 
Nationalgefühl durch den Uebermuth der Satrapen gekränkt 
wurden 1 ). So entstand denn jene merkwürdige Empörung 
in Sidon unter dem Könige Tennes gegen Artaxerxes III. 
(Ochus) im J. 351, die uns Diodor (XVI, 41) mittheilt. Si- 
don befand sich damals in grossem Wohlstande, der Handel 
brachte den Bürgern grosse Reichthümer. Der Uebermuth 
der persischen Satrapen aber führte sie zu dem Entschluss, 
gestützt auf die zugesagte Hülfe des ägyptischen Königs 
Nectanebos, von den Persern abzufallen. Sie begannen ihre 
Empörung damit, den prächtigen Garten und den Palast des 
persischen Königs, der denselben bei seinem Aufenthalt in 
der Stadt Sidon zu bewohnen pflegte, zu verwüsten und die 
Perser zu Gefangenen zu machen. Die aus Babylon unter 
einigen Satrapen gesandten Truppen schlug Tennes mit sei- 
nen eignen und griechischen Söldnern. Als aber der' Per- 
serkönig selbst mit grosser Macht heranzog, wurde Tennes 



l ) s. Movers: das phön. Alterth. 11, 1. S. 46;) f. 



45 

zum Verräther an Sidon. Diese Stadt war wohlbefestigt 
und mit Proviant und Wasser reichlich versehen, und über 
hundert grössere und kleinere Schiffe waren zu ihrem Schutze 
vorhanden. Aber der verrätherische Tennes lieferte 100, 
dann noch 500 der angesehensten Bürger Sidon's dem Arta- 
xerxes aus, der sie hinrichten Hess, und öffnete dann die 
Stadt den Persern. Die Sidonier, von der äussersten Ver- 
zweiflung ergriffen, schlössen sich mit ihren Weibern und 
Kindern in ihre Häuser ein und steckten dieselben in Brand. 
An 40,000 Menschen, die Sclaven mit einbegriffen, sollen bei 
diesem Brande umgekommen sein, und die Brandstätte ver- 
kaufte der persische König für viele Talente; denn da die 
Einwohner so reich gewesen waren, so ward eine grosse 
Menge im Brande geschmolzenen Silbers und Goldes gefun- 
den. Einen solchen Ausgang nahm die unglückliche Stadt 
Sidon; die andern Städte, dadurch in Schrecken gesetzt, un- 
terwarfen sich den Persern. Der Verräther Tennes aber 
genoss nicht die Früchte seines Verrathes, Artaxerxes liess 
ihn bald nach der Einnahme Sidon's, weil er glaubte, er 
könne ihm nunmehr nichts mehr nützen, tödten. 

Welcher Zustand nach dieser Katastrophe in Sidon 
herrschte, lässt sich im Einzelnen aus Mangel an historischen 
Quellen nicht mehr bestimmen, doch so viel steht fest, dass 
es sich bald nach diesen Unfällen erholt haben muss, wie 
dies bei Handelsstaaten nicht sehr auffallen kann; denn bei 
der Ankunft Alexander des Grossen, der von den von Per- 
serhass erfüllten Einwohnern Sidon's mit offenen Armen 
empfangen wurde (332), finden wir die Stadt wieder er- 
baut und einen König Straton 1 ), der durch Abdolony- 



*) Dieser Straton ist wohl zu unterscheiden von dem Könige gleichen 
Namens, der mit Evagoras' Nachfolger Nikokles von Kypros (seit H73) 
wetteifert in Einführung hellenischer Sitten; vgl. über diesen Hegewisch: 
hist. phil. Sehr. I, p. 1 ff. Böckli: Corp. Inscr. Gr. Nr. 87. Auch dieser 
Straton starb eines gewaltsamen Todes (vgl. Athen. XII. p. 531 ed. Wessel. 
Aelian. V., H. 7, 2 und Hieron. adv. Jovin. III, 2. p. 187 ed. Martianay); 
vielleicht ist er der oben in unserer Stammtafel mit N. N. bezeichnete 
erste Gemahl der Amastoreth, und deshalb nicht ausdrücklich genannt, 
weil seine Gattin ihn getödtet (vergl. Hieronym. a. a. O.). 



4G 

lnus *) ersetzt wurde, weil er treu zu den Persern gehalten 
hatte. Diese Verhältnisse setzen nothwendig das Empor- 
kommen Sidon's nach der Zerstörung unter Tennes voraus. 
Es mochte etwa dabei so zugegangen sein : Asmanasar II., 
Sohn des Tebnith (Tennes), war bald nach dem Tode des 
letztern unter Vormundschaft seiner Mutter Amastoreth zum 
Regenten von Sidon eingesetzt worden, weil der König von 
Persien das königliche Geschlecht, um das Vorurtheil der 
Phönizier, die treu an demselben hielten, nicht zu verletzen 
(Diod. 17, 47), nicht tibergehen mochte, aber schon im 
14. Jahr seiner Regierung (unter der genannten Vormund- 
schaft) gewiss in noch jugendlichem Alter („ich bin dahin- 
gerafft vor meiner Zeit u ) verstorben. Seine ihn überlebende 
Mutter, welche ihm höchst wahrscheinlich das Grabesdenk- 
mal setzte, lässt ihn, wie das häufig auf Grabesinschriften 
vorkommt' 2 ), die Unterthanen beschwören, seine Ruhe im 
Grabe nicht zu stören. Nehmen wir nun die Eroberung 
Sidon's um 351 an, etwa ein Jahr später den Regierungs- 
antritt Asmanasar's unter Vormundschaft seiner Mutter, und 
seine 14-jährige Regierung, so ist er ungefähr 336 gestorben, 
und ihm bald nachher Straton gefolgt, der schon 332 durch 
Hephästion abgesetzt wurde. 

So sind denn auch die vielen Bauten, deren unsere In- 
schrift erwähnt, welche der König oder vielmehr die Re- 
gentin (TÜTten Z. 15) seine Mutter ausführt, zu erklären, weil 
der Bau der Tempel nach der Zerstörung eine Notwendig- 
keit war, während er sonst als eine auffallende Thatsache 
erscheinen müsste. 

Mit diesem Resultate stimmt auch vollkommen der Ton 



*) Nach Pollux (onomast. VI, 104) soll dieser dem Alexander eine 
Büchse mit Balsam geschenkt haben. Ueber die eigenthümliche Weise, 
wie dieser Abdolonymus zum Throne gelangte, vergl. Curtius IV, 8. 
Just. 11, 10 und Diod. a. a. 0. 

2 ) Vergl. die Grabschrift des Cyrus: ich bin Cyrus, der König, Achä- 
menide, s. dazu Benfey (die pers. Keil-Inschrifteu. Leipz. 1847 S. 51) und 
unzählige andere griech. und lat. Inschriften, wo man den Verstorbenen 
die Hinterbliebenen anreden lässt. 



47 

und die Fassung der Inschrift, die weit entfernt ist Sidon 
als blühend und glücklich darzustellen '). Der König be- 
ginnt mit der trüben Betrachtung, dass er in früher Jugend 
aus dem Leben geschieden, in seiner Grabesruhe gestört 
werden könnte. Im Munde eines Königs ist diese Besorg- 
niss Beweis genug, dass trübe Zeiten ihn fürchten gelehrt, 
dass man Gräber durchwühlen, Särge öffnen und sie ihres 
Inhaltes berauben könnte. (Wie ganz anders lautet da der 
Ausdruck Hi. 3, 13!) Dass der König Tempel und zwar in 
grosser Anzahl erbaut habe, ist kein Beweis glänzender 
Reichthümer und des Segens friedlicher Zeiten, sondern eine 
Forderung der .Nothwendigkeit, wie wir zu zeigen versucht 
haben. Ebensowenig zeigt unsere Inschrift Sidon als so blü- 
hend, dass es der Inbegriff aller Cananiter war, vielmehr 
spricht sich nach unserer Erklärung von Z. 18 f. die vollste 
Abhängigkeit vom persischen König und das Anflehen sei- 
nes Schutzes darin aus. — Wenn endlich der Kunststil des 
Sarges, nach Herrn Duc de Luynes, eine Aehnlichkeit zeigt 
mi' ^yptischen Särgen, welche Gliedern der Familie des 
Amasis angehören, und dieser Gelehrte deshalb auch das 
6. Jahrhundert als Abfassungszeit unserer Inschrift annimmt, 
so ist doch solche Annahme etwas zu gewagt, da, wie Ewald 
(a. a. 0. S. 65) mit Recht behauptet, dazu eine weit ausge- 
dehntere und genauere Vergieichung vieler, sowohl sidoni- 
scher als ägyptischer Mumien mit ihrem äusseren Schmucke 
aus den verschiedensten Zeiten gehören würde. — Endlich 
wird auch unsere Ansicht bestärkt durch die 

Betrachtung der Schrift und Sprache der Inschrift. 

Hr. Dietrich hat ganz Recht, wenn er (a. a. 0. S. 102) 
die Geschichte der phönizischen Schrift „eine völlig boden- 
lose" nennt. Ein nur geringfügiges, in verschiedene Werke 



*) Das Gegentheil will Ewald (gött. gel. Anz. 185(5, S. 24, worauf er 
sich S. 4 und 49 der sidon. Inschr. beruft) in dem Sinne der Inschrift 
finden. „Nach diesem war Sidon unter Tebunath und seinem Sohn Eschmu- 
nazar so ruhig und glücklich blühend, dass jene trüben persischen Zeiten, 
in welchen auf Tennes gar kein sidonisener König (?) folgte, unmöglich 
gemeint sein können." 



48 

zerstreutes Material, das in seiner Deutung so manchem 
Zweifel noch unterworfen ist, steht uns zu Gebote, und er- 
schwert es uns, unsere anderweitig aufgefundenen Daten 
über das Alter eines Monuments durch die Schrift desselben 
zu einiger Gewissheit zu erheben. Documente, die der 
Wiege der Erfindung nahe gestanden haben, besitzen wir 
natürlich nicht mehr; jene Erfindung verliert sich in das 
graueste Alterthum und zählt tausende von Jahren vor un- 
serer Zeitrechnung, während die ältesten Monumente, wir 
rechnen dahin die in Mesopotamia gefundenen Ziegelsteine, 
Siegel, Gemmen und die Gewichte, welche Layard in Ninive's 
Trümmern entdeckt hat, schwerlich an das 10. und die letz- 
teren erst an's achte Jahrhundert hinanreichen '). Doch 
könnte hier eine klare Ansicht über das Prinzip unserer 
Schrift und die Vergleichung derselben mit den ältesten von 
ihr abgeleiteten Alphabeten (altgriechisches, italisches etc.) 
gute Dienste leisten. Jenes Prinzip der phönizischen Schrift- 
bildung beruht auf der bisher im Allgemeinen unbestrittenen 
Annahme, dass das phönizische Alphabet aus Bildern her- 
vorgegangen, demnach diejenigen Buchstabenformen für die 
älteren und ursprünglicheren zu halten sind, welche mit den 
ihnen zu Grunde liegenden Bildern noch die meiste Aehn 



l ) Hr. Layard giebt in seinem Werke: „Ninioe. and Babylon" p. G01 
eine Beschreibung dieser 15 bronzenen Gewichte, die zum Theil semiti- 
sche, zum Theil Keil-Aufschriften haben, und eine Abzeichnung derselben. 
Aber diese ist höchst ungenau. Erst durch die genaue Abzeichnung, 
die wir, wie schon oben erwähnt, Hrn. Norris (journ. of ihe roy. as. Soc. 
XVI, 1. Lond. 1856. p. 215 f.) verdanken, können wir erst nützlichen 
Gebrauch von diesen werthvollen Documenten machen. Wir haben ein 
Alphabet aus denselben gezogen (sie sind auf unserer Schrifttafel mit 
einem * bezeichnet), so weit die Buchstaben reichen, es sind dieses sämmt- 
liche Zeichen bis auf Gimel, Daleth, Waw, Sain, Teth, Jod, Phe und Zade ; 
diese Buchstaben haben wir aus den ältesten babyl. und assyr. Ziegel- 
steinen, Siegeln und Gemmen, die wir in den Museen zu Paris und Lon- 
don vorgefunden, in unserer Tafel ergänzt. Hr. Duc de Luynes theilt in 
seinem mem. sur le sarcophage etc. p. 59 ein Alphabet von den Gewichten 
hergenommen mit, leider ist dies aber nach der Zeichnung von Layard, 
und daher ganz unbrauchbar. 



49 

lichkeit haben ')• Aber dieses Prinzip der Entstehung phö- 
nizischer Schrift 2 ) müssen wir ganz und gar verwerfen. 
Schon die auffallende Erscheinung, dass, je höher hinauf die 
Denkmäler mit phönizischer Schrift reichen, sie desto gerin- 
gere Aehnlichkeit mit den ursprünglichen Bildern zeigen, hätte 
die hergebrachte Meinung wankend machen sollen, zumal 
dieselbe die Schwierigkeit: wie das Bild eines Dinges oder 
die Zeichen eines Begriffes in die Zeichen eines Lautes über- 
gegangen seien, mehr verdeckt als aufklärt. Die Ansicht, nach 
welcher es dem Nachdenken eines Einzelnen gleich gelun- 
gen sei, das Alphabet zu erfinden, d. h. die verschiedenen 
Laute zu individualisiren , ist viel natürlicher und fasst die 
grosse That des Geistes mit einem Mal zusammen, was 
sonst in allmäligen Uebergängen und endlich doch durch 
einen kühnen Sprung erreicht wird 3 ). 

Das Prinzip, wonach unser Alphabet gebildet worden, 
ist ein durchaus organisches, d. h. die Laute, die einem und 
demselben Sprachorgan angehören, haben die grösste Aehn- 
lichkeit unter einander-, indem der Erfinder den einfachsten 
Laut der jedesmaligen Gattung durch ein Zeichen fixirte, 
bildete er die andern Laute derselben Gattung durch Diffe- 
renzirung oder Potenzirung desselben. Diese Formähnlich- 



x ) Gesen. monum. p. 17. § 9: „eae fgurae anüquissimae habendae sunt, 
quae cum nomine elementi conveniant. Satis enim constat, Utterarum inventores 
in eligendis elementorum fguris nominibusque id egisse, ut cujus rei imaginem 
rudiorem elementuni aliquod referret ejusdem nomen ei tribueretur, cui similis est 
alphabeti russici et hieroglyphorum phoneticorum apud Aegyptios ratio. 

2 ) Genauer zu reden müssen wir eigentlich altsemitischer Schrift 
sagen; denn nach unserer Ueberzeugung , die wir schon in der Kürze in 
der Ztschr. d. D. M. G. IX. p. 475 Anm. 17 ausgesprochen und in welcher 
uns fortgesetzte Studien und besonders die alten Monumente Mesopota- 
mien's mit semitischen Inschriften bestärkt haben, müssen wir den Ur- 
sprung der Schrift in Babylon suchen, die sich dann nach Phönizien und 
von da aus über die halbe civilisirte Welt verbreitet hat. Wir haben 
darüber ausführlicher in einer umfangreichen bald zu veröffentlichenden 
Schrift „über das phönizische Alphabet und seine Verbreitung" uns aus- 
gesprochen. Was wir über das Prinzip dieses Alphabets bemerken, ist 
in Kürze eben dieser Schrift entlehnt. 

3 ) Siehe W. Grimm: über deutsch Runen, S. 4 ff. 

4 



50 

keit der Laute, die demselben Organe angehören, ist denn 
auch bei den altem von der semitischen Schrift abgeleiteten 
Alphabeten zum Theil noch recht deutlich bemerkbar und 
verschafft uns oft erst das rechte Verständniss über einzelne 
auffällige Züge mancher Buchstaben. 

Man stelle zu dem Ende das phönizische Alphabet, wie 
sie uns die ältesten Monumente bieten, und zwar nach dem 
Sprachbau des Semitismus, mit Berücksichtigung der wesent- 
lichsten Modifikationen eines jeden Buchstaben, zusammen, 
und man wird das beste Argument für unsere Behauptung 
vor Augen haben *). 

Zur Erläuterung dieses für Paläographie , Sprachkunde 
und Cultnrgeschichte überhaupt so wichtigen Punktes mö- 
gen" nur wenige Worte hier folgen, da wir Ausführlicheres, 
wie gesagt, für einen andern Ort uns vorbehalten müssen; 
hier ist es uns nur darum zu thun, einen ungefähren Maass- 
stab für die Beurtheilung des relativen Alters eines Schrift- 
stückes zu besitzen. 

Die Bemerkung, dass die Wörter theilbar sind, dass sie 
gleichsam, um mit Hitzig' 2 ) zu reden, aus Monaden be- 
stehen, welche überall wiederkehren, so dass der ganze 
Sprachschatz auf eine begrenzte Zahl von Elementen sich 
zurückführen lasse, dürfte zunächst die Veranlassung gege- 
ben haben, diese Elemente durch Zeichen zu fixiren und 
die ihnen ähnlich lautenden durch eine leichte Modification 
des Zeichens zu bestimmen (Differenzirungen und Potenzi- 
rungen). Diese Behauptung ist durch die Zeichen selbst zu 
rechtfertigen 3 ). 

Die Hauchlaute. Das Aleph, der leiseste Hauch, der 
beim Oeffnen des Mundes hervorgebracht wird, zeigt in sei- 
ner Form die Grundelemente, aus denen das semitische Al- 



M S. Tafel III. 

2 ) Die Erfindung des Alphabets, S. 10. 

3 ) Es würde hier zu weit führen, wenn wir bei jeder einzelnen fol- 
genden Form den Ort angeben sollten, wo sie zu finden sei; wer mit 
der einschlagenden Literatur bekannt ist, wird sie zu finden wissen. Er- 
funden ist nicht eine einzige. Bloss bei den selteneren wird ein Nachweis 
der Quelle angegeben werden. 



51 

phabet zusammengesetzt ist: Winkel und Strich, s. d. Taf. 
III. I, a. 1. od. I, b. u. c. 1, wo der Winkel in zwei Striche zer- 
legt ist. Das He, der etwas stärkere Laut dieser Gattung, 
ist durch Umkehrimg des Aleph, also durch eine Modifica- 
tion desselben entstanden = I, a. b. c. 2. Das Cheth end- 
lich ist Potenzirung des He durch Hinzufügen eines Strichs *). 

Aehnlich verhält es sich mit den Lippenlauten Beth, 
Phe und Waw. Die beiden letzteren scheinen ursprünglich 
durch ein und dasselbe Zeichen ausgedrückt worden zu 
sein 2 ) 5 auf den Achämenidenmünzen ist kaum ein Unter- 
schied wahrzunehmen (vergl. z. B. beide Buchstaben in dem 
Worte Pharnabazu bei de Luynes: essai sur la numismatique 
des Satrapes PL I.). Beth ist nur durch eine geringe Modi- 
fication von jenen Formen unterschieden. Das Mem scheint 
zu den flüssigen Buchstaben gezählt worden zu sein. 

Höchst instructiv ist die Bildung der Gaumen- und 
Kehllaute. Das Gimel, der weichste dieser Laute, ist durch 
einen Strich zum härteren Kaf potenzirt = III, a. b. c. 2 
(besonders klar spricht für unser Prinzip die Form III, b. 2 
das zweite Kaf), oder III, c. 2 (ein verlängertes Gimel) 3 ). 
Jod, der weiche Gaumenlaut 4 ), ist ähnlich dem Kaf, nur 
mit kürzerem oder umgebogenem Schafte = III, a. 3 (auf 
einem babylonischen Siegel), oder III, b. 3 (auf einem ba- 
bylonischen Backsteine im britischen Museum), oder III, c. 3 
(auf den Abdsoharmünzen und ägypt. -aram. Denkmälern). 
Das Ain zeigt in der Form III, a. b. 4 gleichsam 2 Gimel 



1 ) Fernere Modifieationen wie das dreistrichige He (im Phrygischen 
linden wir das dem He entsprechende Episolon sogar vierstrichig) können 
hier nicht weiter berücksichtigt werden. 

2 ) Auf sehr alten Denkmälern haben wir beide Zeichen auf ein und 
demselben Monument selten angetroffen. 

3 ) Als schlagenden Beweis, wie sich das angedeutete Prinzip auch 
noch zum grossen Theil bei abgeleiteten Alphabeten nachweisen lässt, 
führen wir das libysche Kaf = ^=, d. i. doppeltes Gimel , welches die 
Form v hat, an; Blau (über das numidische Alphabet, Zeitschr. D. M. G. 
V, 362) wagt das Kaf gar nicht aus dem Semitischen abzuleiten. 

4 ) lieber den Zusammenhang des Jod mit den K-Lauten s. Fürst's 
Lehrgebäude der aram. Idiome p. 42; Gesen. Thes. im Buchst. Jod. 



52 

(vergl. das Zeichen <> = gg in der Runenschrift) und ist 
wieder im Koph potenzirt = III, a. 5 (auf einem babyl. 
Siegel und auf dem oben S. 37 angeführten Stein), oder 
III, b. 5 (Münze von Sidon, reime num. 1855, S. 195), oder 
III, b. 5 (Gemme von Tyrus, babyl. Siegel und altgriech. 
Koppa). 

Nach demselben Prinzip sind auch die drei flüssigen 
Laute Lamed, Mem und Nun gebildet. In dem stärksten dieser 
Laute, im Mem, sind gewissermaassen die beiden andern 
enthalten. So zeigt es deutlich in der Form V, a. b. 2 das 
erste Mem (vergl. auch die andern Formen desselben Buch- 
staben das.); ebenso auch in der 3. Malt. Inschrift (die wir 
nebst der Sard. für die ältesten bis jetzt bekannten phön. 
Inschriften halten) in dem Worte hyzdTß. 

Die Zungenlaute bedürfen keiner Erläuterung. 

Bei den Zischbuchstaben (Sibilanten) ist die Form- 
ähnlichkeit und der relative Werth durch Modificationen in 
die Augen springend 1 ). Als heller, sanfter Zischlaut, der 
dem Daleth entspricht, ist das Sain (einfaches s) zu betrach- 
ten, dessen verschiedene Formen (VI, a. 1 ist von einer 
assyr. Gemme und altgriech.) durch einen Strich potenzirt 
das Zade geben = tz oder sz im Deutschen, dem Teth 
entsprechend. Das Samech ist = ss, ein Doppelsain in 
den mannichfachsten Formen; das Samech VI, a. b. c. e. 2 
ist deutlich eine verdoppeltes Sain; nur VI, d. 2 ist bis- 
her im Semitischen nicht gefunden, dagegen besassen es 
die italischen Dialekte, und Mommsen's scharfsinnige De- 
duction 2 ), der zufolge x dem Samech entsprechend den 
Lautwerth ss hat, wird somit ganz und gar durch das Gra- 
phische bestätigt. Das Sc hin, ein dem Semitismus eigen- 
thümlicher Laut, der sich dem Taw anschliesst, ist in seiner 
ursprünglichen Form aus Sain ebenfalls modificirt. 



2 ) Bei den Buchstaben Sain und Zade hatte daher Movers (pnn. 
Texte II, S. 14) die wahre Zusammensetzung- dieser Buchstaben erkannt 
und eine Ahnung des hier dargestellten Sachverhalts. Vergl. auch Ewald: 
kr. Gramm. 6. Aufl. S. 116. Anm. 2. 

2 ) Unteritalische Dialekte p. 11 f. 



53 

So schliessen sich sämmtliche Buchstaben leicht dein 
aufgestellten Prinzip organischer Bildung an, bis auf Resch, 
das seinem Lautwerth nach zwischen den Kehl- und flüssi- 
gen Lauten schwebt, seiner Eorm nach sich aber offenbar 
an Daleth anschliesst, so dass die Verwechselung von Daleth 
und Resch von den ältesten Zeiten datirt. Es müssen 
beide Laute dem lebendigen Sprachgefühl des Erfinders so 
nahe verwandt erschienen sein *), dass er sie vielleicht durch 
einen und denselben Buchstaben ausgedrückt haben mochte, 
während man später bei weiterer Sprachentwickelung Ver- 
anstaltungen getroffen, beide zu unterscheiden. So findet 
man z. B. auf einem sehr alten babyl. Siegel Daleth und 
Resch unterschiedslos gebraucht, jedoch bei Concurrenz bei- 
der Lallte in demselben Worte ist das Resch durch einen 
kleinen Strich (= *1) markirt; auf den Achämenidenmünzen 
sind sie grossentheils promiscue gebraucht, auf Siegeln und 
Gemmen älterer Zeit ist, wie in spätem phöniz. Inschriften, 
das Resch oft durch einen längern Schaft vom Daleth unter- 
schieden, zuweilen findet aber auch der umgekehrte Fall statt. 

Nach dem hier dargelegten Prinzip e, das, wie wir glau- 
ben, der Erfinder der semitischen Schrift befolgt hatte 2 ), ge- 
winnen wir eine solidere Grundlage zur Beurtheilung des 
Alters eines Monuments aus den Schriftzügen. Wir werden 
fortan nicht diejenigen für die ältesten zu halten haben, 
welche mit dem ihnen entsprechenden Bilde wesentlich über- 
einstimmen, sondern diejenigen, welche sich von dem auf- 



x ) Dass in der Tilg, beide Laute in der Ursprache, mehr als sie uns 
jetzt noch erscheinen, verwandt waren, zeigt noch das Hebräische, ob- 
gleich sich die Laute desselben schon bedeutend abgeschliffen haben 
müssen, vergl. ppitf und rp^, pm un( l pHI (Gesen. Thes. p. 1244).— 
Das Umbrische hat den Laut d eingebüsst und besitzt r unter der Form 
D. Dass das d der lateinischen Schrift auf den iguvinischen Tafeln regel- 
mässig zwischen zwei Vocalen in r übergeht, zeigt Aufrecht bei Bimsen: 
Outlines I, p. 91. 

2 ) Die Anordnung und Benennung der Zeichen ist nach ande- 
ren Grundsätzen geschehen, was wir in unserer oben berührten Schrift 
auseinandersetzen werden, hier aber füglich als nicht zur Sache gehörig 
übergehen können. 



54 

gestellten Prinzipe nicht allzuweit entfernen. So ist z. B. ein 
Kaf in der Form III, a. b. c. 2 gewiss für älter anzusehen, 
als ein Kaf unserer sidonischen Inschrift, ein Aleph = 4 
(Gewichte Nr. 3), oder == I, a. b. c. 1, darum nicht jünger, 
weil es einem „Ochsenkopfe" gar nicht mehr ähnlich ist. 
Ebenso ist ein Ain in der Form III, a. b. 4. gewiss nicht 
jünger als III, c. 4, die v natwa ßgura", wie sie Gesenius 
wegen ihrer Aehnlichkeit mit „dem Auge" nennt, u. dgl. m. 

Wenden wir nun diese Grundsätze über die Schriftbil- 
dung auf die Formen unserer Inschrift an, vergleichen wir 
sie mit denen auf den mesopot. Gewichten, auf den Münzen 
der Achämeniden, auf der Sard. u. Malt. 3. Inschr. (Ges. mon. 
tab. 8u. 13): so werden wir von vornherein unserer Inschrift 
den Zügen der Buchstaben nach ein jüngeres Zeitalter als den 
genannten Monumenten zuschreiben, ohne einen Vergleich 
im Einzelnen — was zur grössern Deutlichkeit alsbald ge- 
schehen soll — vorzunehmen. Unter jüngeren Monumenten 
haben die Schriftzüge unserer Inschrift die meiste Aehnlich- 
keit mit den athenischen Inschriften, aber von Sidoniern 
und für dieselben verfasst (s. Gesen. mon. tab. 9 und Judas 
a. a. 0. PL 3 und 4), besonders aber mit den letzteren, wie 
bereits de Luynes (mem. sur le Sarcophage p. 58) richtig be- 
merkt hat. Betrachtet man die griechische Beischrift auf 
der Athen. 4, so zeigt sie durch die griech. langen Vocale 
H und /2, dass sie nicht vor dem Archonat des Euclides 
(403) verfasst sein kann; unsere Inschrift scheint aber eher 
jünger denn älter als jene zu sein; mithin verweisen auch 
paläographische Gründe unsere Inschrift in's 4. Jahrhundert, 
wohin anderweitige Schlüsse uns bereits geführt haben. 

Dieses gewonnene Resultat mag eine in's Einzelne ge- 
hende Analyse unserer Schriftform weiter begründen. 

Das Aleph ist ganz so wie Ath. 3 (Judas PL 3) und 
ähnlich dem der Athen. 4 (Judas PL 4) und der MassiL In- 
schrift geformt. Auf keinem der altern Monumente haben 
wir diese schon etwas gekünstelte Form angetroffen. 

Beth = dem der Athen. 4 hat eine Form, die sowohl 
auf altern wie auf Jüngern Monumenten sich findet, und 



00 

bietet keine entscheidende Merkmale. Dasselbe gilt vom 
Gimel. 



Daleth ist im Allgemeinen mit kürzerem Schaft als 
Resch, und zwar ist dies zu Anfang der Inschrift mit ziem- 
licher Genauigkeit geschehen. Auch im Verlaufe, wo die 
Schrift etwas nachlässiger wird, ist wenigstens bei Concur- 
renz beider Buchstaben die angegebene Form festgehalten. 
So ist z. B. Z. 9 in den Wörtern DrttDu u. CtlHpn das Daleth 
und Resch fast gleich lang, jedoch sind sie wohl unterschie- 
den daselbst in dem Worte "HN. So auch Z. 16 und 17 in 
dem Worte CTIN, Z. 19: tVHNn, und desgleichen in dem mehr 
nachlässig geschriebenen Theile der Inschrift. In Z. 18 ist 
eine geringe Unterscheidung der genannten Buchstaben, aber 
in bekannten Wörtern, bei denen nicht so leicht eine Ver- 
wechselung zu befürchten stand, wie bei C3"i& p& mnttfy, pN; 
dagegen Z. 19 ist in dem Städtenamen "1X1 (Dora), pW 'W 
(Gefilde Saron's) und Hl^b jener Unterschied wohl beachtet. 
Auffallend kurz ist das Resch in Z. 21 in cnJDu und relativ 
lang das Daleth in dem Worte PIKil (Z. 22). Im Allgemei- 
nen sollte man daher nicht von dem erwähnten Gesetze 
ohne Noth abweichen. Ueber das Alter geben beide Buch- 
staben keinen AufsclnVss, da sie in dieser Form auf alten 
assjr. Cylindern und Siegeln, wie auf späteren Inschriften 
vorkommen. — He ist in der Form unserer Inschrift sowohl 
auf Jüngern wie altern Monumenten anzutreffen. 

Das Waw scheint allerdings Spuren der Jugend an sich 
zu haben*, wir haben schon oben vermuthet, dass es ur- 
sprünglich dem Phe ähnlich gewesen sei, wie wir es auch 
auf einzelnen Achämeniden-Münzen finden, = II, a. 2 unse- 
rer Schrifttafel, doch können wir zu einem bestimmten Ur- 
theile nicht gelangen, da wir es auf altern Monumenten 
sonst nicht angetroffen. — Ein Waw ähnlich den spätem 
neuphön. Inschriften treffen wir auf den (sogenannten) Mün- 
zen von Msibis (Blau: Zeitschr. D. M. G. IX. p. 69 f.) und 
auf einer Gemme bei Kopp: Palaeographia crit. IV. p. 710 
und dieselbe in besserer Abschrift bei Lajard: su?* le culte 
de Mithra PL 36 Nr. 3, das jedenfalls älter als das unsrige 



56 

zu sein scheint, wenn man das griechische Digamma und 
die Makkabäer-Münzen zum Vergleich heranzieht ! ). 

Indem wir Sain und Cheth, welche in dieser Form 
auch auf Achämeniden-Münzen, wenn auch nicht auf älteren 
Monumenten vorkommen, übergehen, bietet uns das Jod 
unserer Inschrift einen deutlichen Beweis jüngeren Ursprungs. 
Kein älteres Monument hat diese liegende Form ; die Sardica, 
die Gemme von Abibai (de Luynes: essai etc. PI. XIII.), 
babylonische Ziegelsteine und Siegel zeigen sämmtlich das- 
selbe aufgerichtet, dessen verkürzte Figur = III, c. 3 
unserer Schrifttafel auf Achämeniden-Münzen und auf den 
aram.-ägypt. Monumenten anzutreffen ist. Es muss eine 
geraume Zeit verflossen sein, ehe aus der aufgerichteten die 
liegende Form geworden. 

Auch das Kaf spricht für unsere Ansicht über das Alter 
unserer Schrift. Es erscheint hier in zwiefacher Gestalt, 
ausser der gewöhnlichen zweimal in anderer Form (Z. 2 
der 5. Buchstabe und Z. 15 in dem Worte ^Ö). 

Als älteste Form müssen wir die auf unserer Tafel an- 
gegebene, welche die Sardica, die Gewichte und andere 
alte Monumente Mesopotamien's haben, betrachten. Erst 
auf den Achämeniden-Münzen (de Luynes a. a. O. PL I. im 
Worte "jbn und PI. IV. und V. auf den Abdsohar- Münzen 
u. a. m.) und späteren Monumenten treten Formen auf, die 
sich unserm Kaf nähern, daher dieses gewiss nicht zu den 
altern Formen zu zählen ist. 

Ein Lamed mit gebogenem Schenkel ist auf keinem 
alten Monumente, weder auf den Gewichten, noch auf Back- 
steinen, noch auf mesopotamischen Siegeln und Gemmen 
zu finden. Erst auf Achämeniden-Münzen treffen wir es in 
dieser Form an. Auch ältere phön. Monumente, wie Sar- 
dica 4, 6, 8, Melit. 3 b. und 4, Nora 2, Ipsamb. und die 



*) Die Formen, die das sogenannte samaritanische Münzalphabet zeigt, 
sind, nach unserer Ueberzeugung, den ursprünglichen sehr nahe, wenn 
auch die Münzen erst jüngeren Datums sind. Das Nähere haben wir 
anderswo ausgesprochen. 



57 

Gemme von Abibai kennen nicht ein Lamed mit gebogenem 
Schenkel, während es in der Thugga Z. 3. 4, Cit. -Inschriften 
öfter (auch die Cit.-Münzen de Luynes PI. XIII.), Athen. 2 
und 4, Massil. u. a. m. vorherrschend ist. 

Aus der Gestalt des Mem wollen wir keine weiteren 
Folgerungen ziehen, wiewohl die bronzenen Gewichte (bis 
auf eine einzige Ausnahme Nr. 14 unter 20 Memfiguren) 
diesen Buchstaben in einem Zuge darstellen, da auch ein- 
zelne ältere Siegel, Gemmen und Backsteine umserm Mem 
ähnliche Formen haben. 

Same eh. In welcher Weise die mesopotam. Denk- 
mäler diesen Buchstaben haben, giebt unsere Schrifttafel an, 
es ist in der Regel die Form, die die assyr. Gemme bei 
Gesen. mon. 4. LXVIL bis, welche jetzt im brit. Museum sich 
befindet, hat; die Achämeniden-Münzen haben jedoch For- 
men, die den unsrigen sich nähern, obgleich sie nicht in 
solch complicirter Weise vorkommen. Unser Samech be- 
kundet ein jüngeres Zeitalter. 

Ain. Aus der Figur dieses Buchstaben wollen wir 
keine weiteren Folgerungen ziehen, obgleich ältere Denk- 
mäler in der Regel das Ain nicht geschlossen zeigen. 

Phe haben wir schon berührt; Zade zeigt auch hier 
wie in der Massil. Inschrift die Potenzirung von Sain. 

Koph scheint in der vorliegenden Form, wenn man 
die alten Formen unserer Schrifttafel, sowie die des altgrie- 
chischen Koppa in's Gedächtniss sich zurückruft, jüngeren 
Datums zu sein. Das unsrige hat die grösste Aehnlichkeit 
mit dem der Massil. Inschrift. 

Resch s. oben unter Daleth. 

Sc hin ist offenbar in der Form unserer Inschrift viel 
jünger, als das in einem Zuge gezeichnete auf den Gewich- 
ten, auf der Sard., Melit. 3 b., dem die entsprechende Form 
des Altgriech., Ital. und Himj arischen (auf die Seite gelegt) 
noch gleichkommen. 

Vom Taw wollen wir keine weiteren Folgerungen zie- 
hen; die Kreuzesform halten wir jedenfalls für die ältere. 

Ueberblicken wir nun nochmals unsere alphabetischen 
Zeichen, so müssen sie in ihrer Totalität jedenfalls den Ein- 



58 

druck machen, dass sie nicht, wie Ewald will, in das elfte 
Jahrhundert hinanreichen, vielmehr führen sie uns höchstens 
bis in die Zeit der ersten, ja einzelne Formen noch tiefer 
hinab, etwa in die Zeit der letzten Achämeniden. Mehr 
können wir nicht behaupten, doch dies genügt vollständig 
neben unseren anderweitig hergenommenen Argumenten, 
unsere Inschrift erst in's 4. Jahrhundert zu setzen. Dazu 
kommt endlich auch als stützender Beweis die Inbetracht- 
nähme der Sprache. 

Aus dem Styl im Allgemeinen kann natürlich nicht die 
Zeit der Abfassung hergeleitet werden, denn dazu müssten 
uns mehr Documente phön. Styls vorliegen. Unser Denk- 
mal ist eigentlich das erste bedeutende Schriftstück, das uns 
von der gewiss einst reichen Literatur zugekommen. Die 
Sätze unserer Inschrift sind einfach und ungekünstelt gebaut, 
nur an einigen Stellen hebt sich der Ausdruck bis zu einem 
gewissen poetischen Schwung, besonders wo der König sei- 
nen frühzeitigen Tod beklagt. Der Wortschatz sowohl wie 
die Form, obgleich auf's Engste an das Hebräische sich an- 
schliessend, hat doch einen nicht geringen Einfluss durch 
das Aramäische erfahren. In lexikalischer Beziehung trifft 
das Phönizische unserer Inschrift mit dem Aramäischen zu- 
sammen in den Wörtern: "\DV Z. 1 statt des hebr. *WV (man 
beachte wohl, dass die bronzenen Gewichte die letztere 
Form haben!); Z. 3 *]Dft; das. rbf\ und rbv vagina, Sarg; 
Z. 4 und 20 nWÖJp persönlich; Z, 5 rüÖ in der Bedeu- 
tung. „Geld, Schatz"; Z. 9 und 21 -tfD = IM schicken; 
]!"D Bedauernswerther; Z. 16 viell. TTW wohnen; Z. 17 bbl 
gerne, geneigt; Z. 19 mö Herrschaft; Z. 21 mV be- 
rauben. Also eine ziemliche Anzahl Aramaismen in einem 
nicht eben umfangreichen Texte. — In grammatischer Hin- 
sicht ist hervorzuheben und durch aramäischen Einfluss zu 
erklären: der seltene Gebrauch des Artikels, die Adverbial- 
bildung auf nx (s. zu Z. 4), das angehängte J, sowohl 

an Verba, Nomina, als auch an Partikeln (s. S. 16. Anm. 1), 
das wir im Chaldäischen sehr häufig und im Hebräischen in 
weiterem Umfange erst in spätem hebr. Schriften finden. — 



59 

Movers (Encycl. p. 430) schreibt mit Recht das Vorhanden- 
sein aram. Elemente, die er ans dem damals bekannten 
Sprachschatze (a. a. 0. p. 429 f.) gesammelt, nicht bloss der 
Eigenthümlichkeit der Landessprache Kanaan's, dem phöni- 
zischen Idiome zu, da die Sprache Kanaan's in Hinblick auf 
das A. T., in welchem die hebr. Sprache zur Zeit, wo innige 
Verbindung mit den kanaanitischen Völkern vorhanden, frei 
von Aramaismen war, so wie sich dies auch aus den kana- 
anitischen Nom. propr. ergiebt. Daher ist auch hier, wie auf 
die hebr. Sprache späterer Zeit äusserer Einfluss anzuneh- 
men, der diese Aramaisirung bewirkt hat. Wir finden um 
die Mitte des S.Jahrhunderts, als die Assyrer, und in noch 
höherem Grade, als später die Chaldäer erobernd in Palästina 
auftraten, sowohl im Cultus wie in der Sprache eine grosse 
Umwandlung durch Einfluss jener Völker, und dieser traf 
das nördlichere, handeltreibende Volk der Phon, noch mehr 
als die Juden. Von dieser Zeit her sind denn auch wohl 
die Aramaismen herzuleiten; aber in dem Umfange, wie sie 
unsere Inschrift zeigt, muss schon eine geraume Zeit ver- 
strichen sein, ehe sie sich in solcher Weise einbürgern 
konnten. Wir werden daher auch durch die Sprache unse- 
rer Inschrift nicht von unserem Resultate: die Zeit vor 
Alexander dem Grossen als die der Abfassung anzunehmen, 
abgeführt. 



Nach dem Schlüsse meiner Arbeit ist mir durch die 
Güte des Herrn Verfassers eine Abhandlung von Herrn Dr. 
S. Munk in Paris unter dem Titel: essai sur Vinscription 
Phenicienne du Sarcophage d' Eschmoun - ' Eser , roi de Sidon, 
(Extrait Nr. 5 de l'annee 1856 du Journal asiatique) zuge- 
kommen. Aus derselben erfahren wir auch zu gleicher Zeit, 
dass auch Abbe Barges eine Schrift über denselben Gegen- 
stand herauszugeben gedachte, und die er in der That, wie 
ich aus öffentlichen Anzeigen ersehe, bereits herausgegeben 



60 

hat; sie ist mir noch nicht zu Gesicht gekommen. Endlich 
ist auch inzwischen im 3. Hefte der Zeitschrift der D. M. G. 
Bd. X. p. 407 ff. eine Abhandlung v. Schlottmann über un- 
sere Inschrift erschienen, die wir ebenfalls noch nicht bei 
unserer Arbeit benutzen konnten. 

Die Schrift des Herrn Munk ist ein wesentlicher Ge- 
winn für die phönizische Wissenschaft, so wie die im Jahre 
1848 erschienene über die Inschrift von Marseille dieselbe 
bereits bereichert hat. Man muss die Geduld und die Aus- 
dauer bei diesem des Augenlichts beraubten Gelehrten und 
die Fülle seines Wissens bewundern, wenn er eine so ge- 
diegene Arbeit zu Tage fördern konnte, und nur beklagen 
können wir es, dass, durch die beregten Verhältnisse gehin- 
dert, es dem Verfasser nicht möglich war, auch in paläogra- 
phischer und historischer Beziehung sich aussprechen zu 
können. — Zu unserer Freude sehen wir, dass wir in ein- 
zelnen wichtigen Punkten mit dem gelehrten Verfasser zu- 
sammengetroffen sind. Sogleich zu Anfang Z. 3 in den Worten 
TW bl „vor meiner Zeit"; das folg. nt&KfiönWl^Ö'ODbÄ 
best Hr. M. Cnjö =) nö b» pö rwyj t« üp) 19P')? und über- 
setzt „peu avance en äge, lorsque, sans avoir de fils, je suis 
retranche pour la mort". Wenn wir ihm auch in der höchst geist- 
reichen Auffassung des CÜ 1 *]D12 p = hebr. D*£J ")BDp~]2 nach 
4. Mos. 9, 20 (s. die weitere Begründung p. 20) beistimmen 
könnten, so müssen wir doch Anstand nehmen, ihm in der 
Erklärung des IW1 („je fus retranche") zu folgen. Zugege- 
ben es stände = TP^nJ, oder es Hesse sich nach Hos. 4, 5 
erklären, so muss doch jedenfalls das Jod in diesem Worte 

auffallen, zumal wir gleich darauf ein Verb. i6 3 das rü2 („ich 
habe gebaut") antreffen, das ganz nach phön. Schreibweise 
ohne Jod uns erscheint. Die Stütze, die Hr. Munk für das 
pfc „ohne Sohn" in der zweiten Malt. Inschr. in dem Worte 
TW2l> („pour ne pas etre dans l'Orcus"), das er von der Gruppe 
nwnftNDTOm'O ablöst, zu finden glaubt, scheint uns eine 
sehr wankende ; denn 2. Malt, sowohl, wie Carth. 11 steht 
ganz deutlich vor toi"TP ein Beth, kein Waw, und so müssen 
wir wohl bei dem von Movers gefundenen DKD"1ft ITP3 blei- 



61 

ben, so lockend auch die Erklärung Munk's ist. Sehr gut 
erklärt scheint uns ferner T)bv (= Hv# „chambre"~), das man 
wahrscheinlich T\"hv (nach der Form rP2ttf, fTO?) sprach; 
weniger sagt uns die Auffassung (p. 27 f.) des 'Dl CftlN CK F]X 
(Z. 6) „quoique je sois reduit au silence, nies imprecations te 
parlent; ccoute leur avertissement !" zu, da der Herr Verfasser 
erst zu viele grammatikalische Schwierigkeiten zu beseitigen 
hatte, als dass wir den gefundenen Sinn ungekünstelt nen- 
nen können. Wir sehen übrigens auch, dass Herr Schlott- 
mann geneigt scheint, den Plur. von C"1N an unserer Stelle 
zuzugeben, und diesen vorausgesetzt, ist der Sinn leicht auf- 
zufinden. 

Dass Herr Munk n*2 Z. 11 als Sing, von CTO (im Hebr.) 
nimmt, war uns höchst erwünscht, weil wir mit dieser Erklä- 
rung ganz allein standen, denn die des Herrn Derenbourg (im 
journ. as. 1856, p. 260), die Herr Munk p. 31 anführt, war 
uns unbekannt geblieben. Eins jedoch ist uns bei der ge 
gebenen Erklärung von P£ auffallend, class das Wort stets 
mit dem Artikel, der doch sonst so sehr spärlich in unserer 
Inschrift gesetzt wird, auftritt. Es wäre daher nicht ganz 
unmöglich, dass das Phönizische ein Wort n^H = nfty, = 

dem hebr. und chald. H£fc und dem arab. ~&J gekannt hätte. 
Das angeführte nfty möchten wir nicht ganz dem Phönizi- 
schen absprechen, obgleich die zwei Stellen, die Gesenius 
(mon. p. 323) dafür als Belege aus Num. 4, 2. 3 u. Cit. 24 
anführt, nichts beweisen; denn Num. 4, 2. 3 ist falsch ge- 
lesen, und Cit. 24 sehr unsicher (s. oben S. 7 Anm.). Je- 
doch die Münzen von Sabratha (Gesenius mon. tab. 43) 
weisen das nfty deutlich nach. In A. lesen wir jymna Dfcvh 
und in E. schon in mehr corrumpirter Schreibweise HfrJ?^ 
jjmüf. Wir dürfen auch vielleicht einen Schritt weiter ge- 
hen um in der so schwierigen Legende F: 

in welcher der dritte Buchstabe nach Judas (revue nu- 
mismatique 1856, p. 114 Anm.) als Schin gelesen wer- 
den muss, in den ersten drei Buchstaben unser n£D zu 
finden. Denn die Identicität von Wön und n^D zu begrün- 



02 

den macht nach den so sehr zahlreichen Verwechselungen 
von Schin und Taw in dem Neuphönizischen keine weitere 
Schwierigkeit, und TOD stände dann parallel dem nfty *) in 
den übrigen Münzlegenden von Sabratha. Wie der übrige 
Theil der genannten Münzaufschrift zu fassen sei hier weiter 
auszuführen, ist nicht dieses Ortes ; wir hoffen darauf in un- 
sern Untersuchungen über die neuphön. Inschriften im zweiten 
Hefte miserer phöni zischen Studien zurückzukommen. 
So viel aber dürfen wir schon jetzt andeuten, dass wir den 
4. Buchstaben für ein Mem halten, und daher lesen: 

]vvnm *)23Wd weh 

„das Volk von dem (oder des) mächtigen Sabratha". Dass 
nüH Gtfftn) oder nfcy nicht stets in verächtlichem Sinne ge- 
nommen worden sei, kann man nach Analogie von "DP! (s. 
oben S. 13) beurtheilen. 

Es würde zu weit führen, wenn wir die Arbeit des 
Herrn Munk weiter detailliren wollten, sie enthält des 
Trefflichen noch so viel, dass sie gewiss von Keinem, der 
sich für diesen Gegenstand interessirt, ohne Befriedigung 
gelesen werden wird. 

Was die Abhandlung des Herrn Schi ottmann betrifft, 
so beruht dieselbe noch auf dem ungenauen Abdruck der 
amerikanischen Missionäre 2 ); trotzdem sind doch manche 



2 ) Wir glauben auch beide Nomra. n£H ™d r^V auf ganz analoge 
Weise von den verbb. Qfcy und Qftn ableiten zu können. Beide verba 
haben zur Grundbedeutung zus am mensc haaren-, daher von C/0}? 
Cy Volk, cy niit und Wüti ei g- Gemeinschaft, daher Freund, 
Nächster (von HfcJ? = üffl) abzuleiten ist. Letzteres Nom. mag viel- 
leicht das Phon, in dem nft^ in seiner ursprünglichen Bedeutung ge- 
kannt haben. So bildet denn auch CfcHi bei dessen Grundbedeutung 
man aber nicht mit Gesenius vom brummenden, summenden Tone, 
sondern ebenfalls von schaaren, zusammentreiben, daher turbare 
(vergl. turba) auszugehen hat, ein Nom. HAH ( wie Hfcy von CfcJ? oder 
ilfcy = Cfty, so auch EÖn = JtDPD Volk i eigentlich das Zusammen- 
geschaarte. 

2 ) Die dadurch veranlasste irrige Erklärung mancher Stellen berich- 
tigt Hr. Schlottmann in einem Nachtrage das. S. 87 f. 



63 

Stellen recht gut erklärt worden, die man vor ihm anders 
aufgefasst hatte. So z. B. die Auffassung von rotfäfc, die 
ausführlich (a. a. O. S. 415 f.) besprochen wird. Im We- 
sentlichen haben wir das Wort ebenso aufgefasst. Ausser- 
dem bezeichnet Hr. Seh. noch zwei Punkte (S. 408), durch 
die er die Erklärung unserer Inschrift gefördert zu haben 
glaubt: 1) dass der Grabstein nach dem Tode des Asmana- 
sar gesetzt worden, und 2) dass seine Mutter Amastoreth 
Mitregentin, sowie des Tabnith, der durch sie zum Throne 
gelangte, so auch des Asmanasar war. — Auch darin stim- 
men wir mit dem Verfasser überein, und glauben es be- 
gründet zu haben. In sehr vielen andern Punkten aber 
weicht unsere Erklärung von der seinigen ab ; seine Gründe 
haben uns nicht überzeugen können, die eine oder die an- 
dere Stelle anders zu deuten. — Ueber Zeitbestimmung und 
die Schrift giebt Hr. Schi, seine Meinung nicht ab. 



-o-*&g®^ 



I. 
Verzeichniss 

der 

in der Inschrift von Sidon vorkommenden und in diesem 
Buche erklärten Wörter. 



Seite. 
CIN Mann, Bürger Z. 4. 7. 10. 11. — Leute coli. 
Z. 11. 22. — C"1N bj Jedermann Z. 4. 20. — 

PI- DÜ1X Menschen, Leute 14. 20. 21. 

j-|N Herr, PL St. cstr. rjtf Z. 18 36. 

*HK mächtig Z. 9, hehr Z. 16. 17, herrlich Z. 19. . . 24. 

IN dann Z. 3. 13 8. 

•ftN (= ^]N) dahingehen, schwinden 7. 8. 

IN (= pN) nicht Z. 5 13. 

rVN Zeichen des Accus. Z. 4. 5. 7. 10. 11. 15. 16. 

18. 21 10. 

^ Adv. nicht Z. 4. 5. 6. 8. 11. 20. 21. 
^N Subst. Gott, Fürst Z. 22. — ^N"p Götter- 
sohn Z. 3. 13 8. 9. 18. 39. 

Ü&X PL Götter Z. 9. 16. 22. St. cstr. Z. 18 19. 32. 

CN Subst. Mutter pfcN meine Mutter) Z. 14. 

CN wenn Z. 10. 11. — CN *]N selbst wenn Z. 6. — 

Oder Z. 7. 10; Z. 15 lies WN 22. 

ninttTON N. pr. Amastoreth Z. 14 22. 

"lfcN sagen, Inf. *\fcxb Z. 2 5. 

JPON wir Z. 16. 17. 
-pN ich Z. 3. 12. 13. 
P|N auch-, CN F]N wenn auch Z. 6. 

JD^IN vier Z. 1 4. 

pN Land (Stadt) Z. 16. 18. 20. PL niTlN Z. 19.. 23. 
WN pr. rel. = nttfN Z. 4. 7. 9. 10. 15. 17. 19. 
CttfN N. pr. Aschim (= Aschima, Esmun) Z. 17 . . 27—31. 
"NjOfcWN N. pr. Asmanasar Z. 1. 2. 13. 14. 15. 

nN 1) mit, bei Z. 8. 2) Zeichen des Acc. mit 

Suffix cnN Z. 9 18. 



65 

Seite. 
n in, auf Z. 1.3. 4. 6. 7. 8. 16. 17. 18. 19. 21. p bei 

uns Z. 5. 9. c:n (= W2) über sie Z. 9 13. 16. 20. 

TD lü g en Inf - z - 6 14 - 

^2 der Monat Bul Z. 1, viell. Bei Z. 17 4. 32. 

^"2 nicht 7. 

p Sohn Z. 2. 3. 8. 13. ^-J2 Göttersohn Z. 3. |3. 

p p Sohnes Sohn Z. 14 8. 9. 22. 

p (hebr. = p2) inter Z. 3. 12 7. 

rOH bauen. p;Q ich habe gebaut Z. 4. JJ2 wir haben 

gebaut Z. 15. 17 27. 

^2 N. pr. Baal Z. 18. 
ttjpn suchen Z. 5 13. 

HS Haus, Tempel Z. 15. 17. 18. PI. CDU Z. 17 27. 

H2 Tochter Z. 15. 

Sri} Gebiet, St. cstr. PI. Z. 10 38. 

^ (_= hebr. *)]^) hinwegraffen. Ni. pass. Z. 2. 12 . . . 6. 7. 

"NT! N. pr. Dora Z. 19 .' 35. 

"OT sprechen Z. 2-, mit dem Accus. Z. 6 5. 

p-j Getreide Z. 19 36. 

CH (= HAI, □£"!) verstummen Z. 3. 13 8. 

^?T geneigt, benignus Z. 17 32. 

H Artikel Z. 8. 11. 15. 19. 22. 
KD = MD er, dieser Z. 10, oder = fron diese Z. 22 . . 39. 

Tl Berg Z. 17 23. 

nöH Volk, plebs Z. 11. 22 61 f. 

1 und Z. 1. 3. 4. 5. 6. 8. 9. 11. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 
20. 21. 22. 

] Pron. demon. dieser Z. 3. 4. 6. 7. 8. 10. 11. 21.. 10. 11. 
]TN Saame, Nachkomme Z. 8. nj^ftD "i Königsspross 
Z. 11. 22. 

^H Lebender. PI. Lebende Z. 12. 

n^n Steinsarg Z. 3. 5. 7. 11. 21 9. 

J3H Ni. part. Beklagenswerther 21. 

C Tag. PI. cfci Tage == Zeit Z. 3. 12 7. 

C Meer Z. 16. 18 23. 

iE"! N. pr. Jope Z. 19 35 f. 

mi Monat Z. 1 4. 

•mn = id' 1 z. 16 24. 

2EH wohnen, Hi. wohnen machen Z. 17 32. 

3 (= hebr. 13) denn Z. 5. 6. 12. 13 13. 21. 

r0i"O Priesterin 22. 

J13 sein, F ut, pt Z. 8. 1 1 15. 

5 



Seite. 

JQ Pol. befestigen Z. 20 H8. 

^D alle Z. 4. 6. 7. 20. 

h 1) Genit. -Zeichen Z. I. 2) zu od. nach Z. II. 12. 
3) als Dativ -Zeichen: Q^ (= C!"6) Z- 8. 11. 18. 
19. 4) Zeichen desAcc. Z. 20. 5) bis zu, C^yS 

ewiglich Z. 20. 22 15. 38. 

Cb (— DÖ^) damit nicht 39. 

tW sterben, Part. nft ein Todter Z. 3. 13. 
BÖ 0= hebr. HBÖ) Eft^ nach unten Z. 11. 
^Ö regieren, Inf. Z. 1. Part. rC&& Regentin Z. 15.. 23. 

*pQ König Z. 1. 2. 9. 13. 14. 15. 18 5. 

roböÖ (Königreich) Regierang, die Edelen Z. 4. G. 10. 

10. 22 12. 20. 

JÖ y on, verkürzt: •••£ von Z. 11. 12, dass nicht 

Z. 19 38. 

HA PL CJÖ Schätze Z. 5 13. 

*]DÖ PL Fluthen Z. 3 7. 

Cp2 Ort Z. 4. 

m2 Herrschaft Z. 19 37. 

nDTPÖ Lagerstätte Z. 4. 5. 6. 7. 8. .0. 21. 

St#£ herrschen, mit n über ... Z. 9 10. 13. 20. 

PÜ2 gemeines Volk, plebs Z. 11. 22 10. 

NTO tragen, wegtragen Z. 5. 7. 10. 21 viell. = KEÖ Hi. 

wegrücken 13. 

JPÜ (Fut. 1^) geben Z. 18. 

-jjq (= "tfttO schicken, senden Z. 7. 21 18. 39. 

]£D bergen, schützen Z. 19 38. 

iy noch, iterum Z. !8 36. 

Hiy (F ut. -jyi) berauben 39. 

hy eigentl. die Höhe, ^y^S nach Oben Z. 12. 
i"6y (Inf. Fiby) besteigen Z. 6; überschreiten Z. 20... 13. 38. 
Cfy mit S, cty^ ewiglich Z. 20. 22. 
pSy = n^Tl w. s. oder = n'py 9. Gl. 

D^y belästigen Z. 5. 7. 21 13. 

Hjj; antworten, erhören, Part. Z. 17 32. 

~!Dy zehn Z. 1 4. 

C^y Fem. n^^y mächtig Z. 19. 
mni^y N. pr. Astarte Z. 15. 18 2o. 

ny Zeit, Lebenszeit Z. 3. 12 7. 

iyE machen, gründen Z. 19. 

-j£ (*■)£ = hebr. 1*15}) Frucht Z. 12. 

nne öirnen z. 4. 7. 10. 20. 



67 

Seite. 

p!t N. pr. Sidon Z. 18 23. 

CriS N. pr. Sidonier Z. 1. 2. 13. 15. 16. 18. 20. 
"Dp begraben, Ni. pass. Z. 8. 
-12 p Grab Z. 3. 8. 

BHp heilig Z. 0. 17. 22 32. 

rW/Mp persönlich, selbst Z. 4. 20 11. 12. 

HUp abschneiden, ausrotten Z. 22. Inf. r&p Z. 9. 10. . . 20. 

Hm Herrin Z. 15 23. 

C1 erhaben Z. 3. 13 7. Anm. 1. 

CND1 PI« Schatten, Abgeschiedene Z. 8. 

mttf Feld, Genide, St. cstr. Z. 19 36 f. 

2DE> Hegen Z. 3. 
CW PI- C£t^ Himmel Z. 16. 17. 18; S?JD£W z - 18... 24 f. 33. 

Cttf daselbst Z. 5 13. 

]fi£ttf" hören Z. 6. 
ttfEttf Sonne Z. 12. 

]W (= hebr. HjUO Schlaf Z. 6 13. 14. 

roty Jalu- Z. 1. 

mty' viell. wohnen, residiren. Hi. caus. Z. 16 24. 

pttf N. pr. Saron Z. 19 36 f. 

EHItf" Wurzel Z. 11. 

-^n Ansehn Z. 12 21. 

n:^n N. pr. Tebnith Z. 2. 14 5. 

nnn statt, an der Stelle Z. 12 16. 17. 

CfcH aufhören Z. 3. 13 8. 



II. 

Die in dieser Schrift erklärten Monumente mit phönizischen 

oder semitischen Inschriften. 

(A. bedeutet Anmerkung.) 

Assyrische Gewichte 5. 48. 

Assyrische Gemme 7. A. 1 . 

Assyrischer Siegelstein 37. 

Babylonisches Siegel 34. 38. 

Inschriften (phöniz.) Athen. IV 22. A. 1. 31. 

Cit. VI 10. A. 1. 

„VII 17. A. 1. 

n n •)•> XI 7. A. 1 . 



68 



Seite. 



Inschriften (phöniz.) Cit. XXII 17. A. I. 

„ XXIV 7. A. 1. 

„ Ipsambul 10. A. 1 . 

„ Marseille 9. 14. 

„ Num. VIII 26. 

„ XVII 10. A. 1. 

„ XXXIV (Bourgade) 11. 

Münzen von Asbaal und Baal 32. A. 2. 

„ „ Citium 7A.1.32.A.2. 

„ „ Marathus 37. 

„ „ Sabratha 61 f. 

„ Tarsus 19. A. 2. 



Druck von Grass, Barth u. Comp. (\V. Friedrich) in Breslau. 



Tafel I. 

INSCHPIFT DES SARKOPHAGE S VON ASMANA5AK KOENIG VON 5ID0N 



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Tafel IL 

Umschreibung der sidonischen Inschrift in hebräischer Schrift. 



uns "|bö itwöw« *]te nbftb i iii-i jotki noy rowa in rrW) i 

nbra^ löwb c^ns ibft nwa»« ^bö im a^ns *|bb roan *jbö p 2 

? -npm 1 nbm -p« asun n» ba p arv an ix oft'» noft p tw ba 3 

- i ? aawft orv« nnD' 1 5« ans bai roböö ba rwö:p nn w« ap^a 4 

- ftjn bw marcö nbn rp« «an bw a:fr p 2 )cw w 3 ajft p wpa^ ?k 5 

i nabbto ba 3 c:na y^i/n ba ■pna-r' aftna cn *]« yrc aawk nby 1 aawfta p 6 

- fta jDftjn wk c« "»aawft nbn nw aw> it;n gk 7 aaw£ nby nnD'» wn cna ba 7 

ynTi p ab p'» b«i 3 ) napa nap^ b*o dkdi na aawft cb p» ba 1 aaw s 

- pb a:a bwft w« iik 4 ) ^bft anx atznpn c^ban dtuot amnn 9 
rv« wtn wk gn 1 aawft n^j; nncr» twt «n gik dm nabftft rvw aru 10 

- 1 to^b «rw ab p* bx nknfc q-ik gm «n 6 )n[a]bfcft int mn t nbn 5 ) 11 

— dö p tw ba nbu: jm -p« 3 uwn nnn oto n«m tob id 12 
p a:ntf *]bö iiywN -p« 3 -pK n£ ba p arr> an in oep *j ia 

nnnwyft« nao a:na "jbö "wjöwk *]bft p p orra -jbft ruan *]bö w 
na rvK pa cn a:ns ^btt nttttöw« ^bü na nabön jnan mrwy m »5 

|Püw gtin cüw nnnirw rr« pwn c^ p« psn n[ ]w a^b« iß 

ana pa wk ;rüw annx cm *ä«w nna bbn "oy t^npm [bin ct^Nb nn pn ^n 17 
G3bö pN |b )n ,( nyi byn aw nin^yb pqi ps bnb ra a^ p« pso d^s )bxb 18 

- poD^i rbvB w« n^uj; nn^b pw -wn wn nmNn pn nsn« w nxn n^ 19 
^nby nn^ b« anx bni nab^^ b3 nto^p [Dlbyb c^nu b3 psb p« bn: nby 20 

c:n3D^ ab ^dwü nbn n*»« kbp bxi 1 33u;^3 pöjr» b«i Tiby ny 1 bxi 21 
obyb ajrm nön» on«m «n robmn |^pn bx o^npn o:bt< 22 



*) Varianten der kleinern Inschrift: *) das n fehlt, 2 ) steht Qö statt Q^p, 3 J fehlt 1, 4 ) steht robtt 
statt ^bö» 6 ) f elilt n, 6 ) steht n3b)Dtt statt nbftfc- 



Beilage zu Seite 2. 



Tafel ffl. 

~! ab pböuuiocbc (afbcmitu>ef?c ) c Upbabcl &,otaaubcG qcotdueL 



I. Hauclilaute. V U 

' He Cket ' * 


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3. * 

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F. Zungenlaute. ^ " 
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VI. Zischlaute. 


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PJ Levy, Moritz Abraham 

4191 Phohizische Studien 

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Hft.2 



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